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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Kommers

Ein Kommers (lat. commercium „Verkehr“, früher auch Commers) ist eine hochoffizielle Feier, die vor allem bei Studentenverbindungen abgehalten wird.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Ablauf und Regeln
  3. 3. Besondere Abläufe bei Wingolfsverbindungen
  4. 4. Geschichtliche Entwicklung
  5. 5. Besondere Formen und Beispiele

Grundidee und Bedeutung

Ein Kommers, früher auch „Commers“, ist eine hochoffizielle Feier. Er wird vor allem bei Studentenverbindungen abgehalten, kommt aber auch in anderen Vereinen und bei bestimmten Festveranstaltungen vor. Das Wort geht auf lateinisch „commercium“ für „Verkehr“ zurück.

Im Kern ist der Kommers ein feierlicher abendlicher Umtrunk aus besonderem Anlass. Bei Studentenverbindungen ist er die festliche und repräsentative Form der studentischen Kneipe. Eine Kneipe ist eine traditionelle Zusammenkunft von Studentenverbindungen mit festem Ablauf; der Kommers ist im Vergleich dazu ernster, offizieller und stärker auf Repräsentation ausgerichtet. Typische Anlässe sind Stiftungsfeste, Stadtjubiläen oder Universitätsjubiläen.

Ablauf und Regeln

Der Kommers unterscheidet sich im Ablauf von der gewöhnlichen Kneipe. Während die Kneipe in Offizium und Inoffizium eingeteilt ist, gliedert sich der Kommers in Hochoffizium und Offizium oder wird vollständig hochoffiziell begangen. „Hochoffiziell“ bedeutet hier besonders festlich und streng geregelt.

Der Charakter des Kommers ist deutlich ernster als der einer Kneipe. An der Kommerstafel werden meist nur Lieder gesungen, die zum Anlass passen. Klassische Trinklieder werden dabei nicht aufgenommen. Die Lieder stammen häufig aus sogenannten Kommersbüchern, also Sammlungen studentischer Lieder. Damit das gemeinsame Singen leichter fällt, wird oft eine kleine Musikkapelle eingesetzt. Ersatzweise kann ein Pianist spielen, der studentensprachlich „Bierorgel“ genannt wird.

Eine wichtige Rolle spielt die Festrede. Sie soll möglichst von einer hochgestellten Persönlichkeit gehalten werden. Früher wurde diese Rede „Prinzipienrede“ genannt. Bei vielen Studentenverbindungen sprechen auch die Chargierten, also die Amtsträger der Verbindung.

Besondere Abläufe bei Wingolfsverbindungen

Bei Verbindungen des Wingolfsbundes gibt es besondere Redepflichten. Der Senior, also ein führender Amtsträger, muss eine „Wingolfspauke“ halten. Der Fuxmajor hält eine Universitäts- oder Vaterlandspauke. Der Kneipwart hält eine Philisterpauke. „Pauke“ bezeichnet hier eine festliche Rede innerhalb des studentischen Brauchs.

Vor dem Kommers findet bei Wingolfsverbindungen außerdem die „Ernste Feier“ statt. Bei besonders wichtigen Kommersen, zum Beispiel bei einem „großen“ Stiftungsfest, folgt häufig ein „feierlicher Landesvater“. Dabei handelt es sich um einen weiteren feierlichen studentischen Brauch, der im Artikel nicht näher erklärt wird.

Geschichtliche Entwicklung

Am Ende des 18. Jahrhunderts bedeutete „Kommers“ noch etwas anderes als heute. Der Ausdruck bezeichnete damals das zwanglose abendliche Trinken, Essen und Rauchen von Studenten im Kreis ihrer Freunde in öffentlichen Lokalen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts veränderte sich diese Form. Der Kommers wurde, ähnlich wie die Kneipe, als Veranstaltung von Studentenverbindungen zunehmend formalisiert. Aus einer eher lockeren Zusammenkunft entwickelte sich also eine stärker geregelte und feierliche Veranstaltung.

Besondere Formen und Beispiele

Bei besonders festlichen Kommersen chargieren neben der gastgebenden Verbindung meist auch befreundete Verbindungen im Präsidium. Das bedeutet, dass sie mit ihren Amtsträgern offiziell an der Leitung oder Repräsentation der Feier beteiligt sind. Die Corpsstudenten feierten ihre größten Kommerse in Berlin und in Bonn.

Eine besondere Form ist der gesamtbaltische Völkerkommers. Er wird jedes Jahr vom Baltischen Philisterverband gemeinsam mit estnischen, lettischen und polnischen Studentenverbindungen organisiert. Er gilt als völkerverbindendes Fest und findet abwechselnd in Estland, Lettland, Polen und Deutschland statt.

Ein Trauerkommers ist eine Feier zu Ehren eines Verstorbenen. Geschichtliche Bedeutung hat der Trauerkommers für Richard Wagner in Wien.

Auch außerhalb von Studentenverbindungen wird der Begriff verwendet. Als Kommers bezeichnet man etwa die Eröffnungsveranstaltung eines Schützenfestes, den sogenannten Festkommers. Kommerse gibt es außerdem bei Jubiläumsveranstaltungen von Freiwilligen Feuerwehren, Turnvereinen und Musikvereinen sowie bei Abiturfeierlichkeiten.

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