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Klagemauertunnel

Der Klagemauertunnel (hebräisch: מנהרת הכותל / Minheret Hakotel), der über die gesamte nicht freiliegende Länge neben der Westmauer verläuft, …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau
  2. 2. Historischer Hintergrund
  3. 3. Ausgrabungen und Erforschung
  4. 4. Archäologische Funde und besondere Orte

Bedeutung und Aufbau

Der Klagemauertunnel (hebräisch: מנהרת הכותל / Minheret Hakotel) verläuft unter Gebäuden der Jerusalemer Altstadt entlang der gesamten nicht freiliegenden Länge der Westmauer des Tempelbergs. Die heute offen zugängliche Klagemauer ist nur etwa 60 Meter lang. Der weitaus größere Teil der erhaltenen Westmauer liegt im Untergrund und ist über den insgesamt 485 Meter langen Tunnel zugänglich.

Der Tunnel macht damit die gesamte noch erhaltene Westmauer des ehemaligen Tempels zugänglich. Er ist zugleich ein unterirdischer archäologischer Bereich, in dem Baureste und Funde aus verschiedenen Epochen erhalten sind.

Historischer Hintergrund

Im Jahr 19 v. Chr. begann König Herodes ein Bauprojekt im Bereich des Tempelbergs in Jerusalem. Erst lange nach seinem Tod wurden um den Tempelberg vier Stützwände errichtet und das Areal bis zu diesen Wänden erweitert. Die Stützwände blieben auch nach der Zerstörung des Tempels durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. bestehen.

Nach dem Jahr 70 wurden große Teile der Wände abgetragen. Von der ehemaligen westlichen Umrandung blieb nur ein Teil oberirdisch erhalten: die heutige Klagemauer. Ein wesentlich größerer Abschnitt der Westmauer lag jedoch im Untergrund und wurde von Gebäuden überbaut. Der heutige Tunnel ermöglicht den Zugang zu diesem verborgenen Abschnitt.

Ausgrabungen und Erforschung

Britische Forscher begannen Mitte des 19. Jahrhunderts mit Ausgrabungen an der Westmauer. Charles Wilson arbeitete dort 1864, Charles Warren folgte mit Untersuchungen in den Jahren 1867 bis 1870. Wilson entdeckte einen 12,8 Meter breiten Bogen, der heute Wilson-Bogen heißt. Er liegt über dem heutigen Bodenniveau und gilt vermutlich als Teil einer Brücke, die den Tempelberg während der Zeit des Zweiten Tempels mit der Stadt verband.

Nach dem Sechstagekrieg begann das israelische Ministerium für religiöse Angelegenheiten mit systematischen Ausgrabungen. Ziel war es, die gesamte Westmauer des Tempels freizulegen. Die Arbeiten dauerten fast 20 Jahre. Dabei wurden zahlreiche bis dahin unbekannte Erkenntnisse über die Geschichte und Geographie des Tempelbergs gewonnen.

Die Grabungen waren schwierig, weil der unterirdische Teil der Westmauer unter Wohngebieten verläuft und auf Bauwerken aus der Zeit des Zweiten Tempels errichtet ist. Wissenschaftliche und religiöse Experten überwachten die Arbeiten. Seit 1988 werden Ausgrabungen, Wartung und Renovierung der Westmauer sowie des Platzes davor durch die staatlich kontrollierte Stiftung für das Erbe der Klagemauer finanziert.

Archäologische Funde und besondere Orte

Während der Ausgrabungen wurden zahlreiche Funde aus unterschiedlichen Epochen entdeckt. Dazu gehören Straßen und Mauerwerke aus der Zeit des Herodes, Abschnitte einer Rekonstruktion der Klagemauer aus der Zeit der Omajjaden sowie Bauten aus den Perioden der Hasmonäer, Ayyubiden und Mamluken.

Das Warren-Tor liegt etwa 46 Meter tief im Tunnel. An diesem kleinen, abgesperrten Eingang richtete Rabbi Yehuda Getz eine kleine Synagoge ein. Nach der Darstellung des Artikels kann ein Jude an dieser Stelle dem Allerheiligsten des ehemaligen Tempels am nächsten kommen.

Im nördlichen Teil der Westmauer wurden Reste einer Wasserleitung gefunden, die ursprünglich Wasser auf den Tempelberg führte. Der Kanal verläuft durch ein unterirdisches Wasserbecken, das als Struthion-Becken bekannt ist. Seine genaue Quelle ist jedoch nicht bekannt.

Im Tunnel befindet sich außerdem der größte Steinblock der Westmauer, der häufig als Weststein bezeichnet wird. Er ist 13,6 Meter lang, 3 Meter hoch und hat eine geschätzte Tiefe zwischen 2 und 3,5 Metern. Sein Gewicht wird auf über 500 Tonnen geschätzt; in einer Bezeichnung wird er mit 510 Tonnen angegeben. Die Verwendung eines solchen gewaltigen Steins ähnelt noch größeren Exemplaren im Jupitertempel von Baalbek im Libanon und wirft die Frage nach dem Zweck dieses „römischen Brauchs“ in einem jüdischen Tempel auf.

Angrenzend liegt das Museum Sharsheret Ha Dorot (Kette der Generationen) von Eliav Nahlieli. Es behandelt alte und moderne jüdische Geschichte und umfasst eine audiovisuelle Show sowie neun Glasskulpturen des Glaskünstlers Jeremy Langford.

2007 legte die Israelische Antikenbehörde eine alte römische Straße frei, die vermutlich aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert stammt. Sie war wahrscheinlich eine Nebenstraße, die zwei wichtige Straßen miteinander verband und zum Tempelberg führte. Ihre Entdeckung zeigt, dass die Römer den Tempelberg nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. weiter nutzten.

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