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Kastelle von Neckarburken

Neben Informationen und Fundstücken zur allgemeinen Geschichte des Odenwaldlimes sind hier natürlich auch die Neckarburkener Kastelle präsentiert. Das …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Zwei römische Kastelle in Neckarburken
  2. 2. Forschung und Westkastell
  3. 3. Truppe und Kastellbad des Westkastells
  4. 4. Ostkastell, Einheit und Ende
  5. 5. Vicus, Limesstrecke und Erhaltung

Zwei römische Kastelle in Neckarburken

Die römischen Kastelle von Neckarburken liegen im heutigen Elztal-Neckarburken im Neckar-Odenwald-Kreis. Entgegen einer häufigen vereinfachten Bezeichnung handelt es sich um zwei räumlich getrennte Anlagen derselben Zeit: das größere Westkastell, ein Kohortenkastell, und das kleinere Ostkastell, ein Numeruskastell. Beide gehörten zur älteren Odenwaldlinie des Neckar-Odenwald-Limes und waren ungefähr von 100 n. Chr. bis spätestens 159 n. Chr. belegt. Für das Ostkastell ist eine etwas längere Nutzung möglich.

Die beiden Kastelle zeigen eine typische Kombination am römischen Limes: Ein größeres Lager nahm eine Kohorte oder Ala auf, während ein kleineres Lager einer dauerhaft vor Ort eingesetzten Numerus- oder Exploratio-Einheit diente. Dadurch konnte der Limes auch dann ständig überwacht werden, wenn größere Auxiliareinheiten an Feldzügen teilnahmen. Vergleichbare Kombinationen gab es unter anderem in Murrhardt und Osterburken.

Forschung und Westkastell

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts fielen in Neckarburken zahlreiche römische Oberflächenfunde auf. 1808 wurden ein von den Kohortenschreibern für Minerva und den Kaiser errichteter Weihestein sowie silberne Münzen gefunden. 1810 kam umfangreiches römisches Mauerwerk zutage, wurde jedoch von Anwohnern zerschlagen und in der Elz entsorgt. 1850 wurde ein Relief mit einer geflügelten, nackten Figur entdeckt, das möglicherweise einen Grabstein mit Amor darstellt. Erste Ausgrabungen am Ostkastell führte 1881 der Mannheimer Altertumsverein durch. Systematische Untersuchungen beider Kastelle erfolgten 1892 bis 1894 durch die Reichs-Limeskommission; später kamen weitere, häufig durch Bauarbeiten veranlasste Notgrabungen hinzu.

Das Westkastell liegt südlich der Bundesstraße 27 im südöstlichen Ortskern. Es war ein rechteckiges Kohortenkastell von etwa 20.800 m² beziehungsweise 2,1 ha. Die Anlage maß 131,5 × 158 m und war von einem etwa 5 m breiten und gut 1,60 m tiefen Graben umgeben. Sicher nachgewiesen sind eine Holz-Erde-Bauphase und anschließend ein Steinkastell. Das Lager besaß vier Tore. Die nach Osten zum etwa 300 m entfernten Limes gerichtete Porta praetoria war mehr als doppelt so breit wie die übrigen Tore.

Im Inneren wurden die Principia, das Stabsgebäude, mit dem Fahnenheiligtum (Aedes) sowie ein als Geschützplattform gedeuteter Bau festgestellt. Außerdem gab es ein kleines Badegebäude, das vermutlich zum Praetorium, dem Kommandantenwohnhaus, gehörte. Möglich ist jedoch, dass die beiden letztgenannten Bauten erst nach der Auflassung des Kastells entstanden und zivilen Zwecken dienten. Das Kastellgelände ist heute weitgehend überbaut; sichtbare Reste gibt es dort nicht mehr.

Truppe und Kastellbad des Westkastells

Welche Kohorte das Westkastell errichtete und in der ersten Zeit nutzte, ist unbekannt. Eine Kohorte war eine Einheit von etwa 480 Mann. Für die spätere Zeit ist die Cohors III Aquitanorum equitata civium Romanorum belegt, eine 3. teilberittene Aquitanerkohorte römischen Bürgerrechts. Ihre Anwesenheit bereits in der Frühzeit des Lagers wird in der deutschen Fachliteratur ausgeschlossen, weil sie in trajanischer Zeit noch im Kastell Stockstadt stationiert gewesen sein soll.

Das Kastellbad lag etwa 40 m östlich der Nordostecke des Kastells unmittelbar an der B 27. Untersuchungen des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg in den Jahren 1974 und 1975 wiesen alle typischen Gebäudeteile eines römischen Bades nach. Außerdem wurden bleierne Wasserleitungen und eine Abwasserkanalisation gefunden. Der nördliche Teil ist durch die Bundesstraße gestört; der südliche Bereich wurde restauriert und kann besichtigt werden.

Ostkastell, Einheit und Ende

Das Ostkastell war ein etwa 6400 m² großes, dreitoriges Numeruskastell mit unregelmäßig viereckigem Grundriss. Es maß 80 × 80 m, also 0,64 ha. Die Porta praetoria war nach Norden zur Elz ausgerichtet. Die ältesten Befunde weisen auf eine Errichtung in trajanischer Zeit hin. Wahrscheinlich durchlief das Kastell die für Numeruslager am Odenwaldlimes typischen Bauphasen, wie sie auch in Würzberg und Hesselbach nachgewiesen sind.

Eine Bauinschrift von der Porta principalis sinistra, dem Osttor, ist in die Zeit zwischen 145 und 161 n. Chr. datierbar. Sie belegt den dort stationierten Numerus Brittonum Elantiensium, den Numerus der Elzbrittonen. Unmittelbar vor der Porta praetoria wurde ein mutmaßliches Grabrelief mit einer Amor-Darstellung gefunden. Deshalb wird vermutet, dass sich dort ein Gräberfeld befand; die Gräberfelder von Neckarburken sind insgesamt nicht sicher lokalisiert.

Möglicherweise blieb das Numeruskastell auch nach der Verschiebung des Limes um 159 noch einige Zeit besetzt. Der nächste Standort der Elzbrittonen war höchstwahrscheinlich der Annex des Kohortenkastells Osterburken, der zwischen 185 und 192 entstand und logistische Aufgaben im Hinterland der Grenze erfüllte. Nach der Auflassung wurde in das Areal des Ostkastells ein ziviles Gebäude, wahrscheinlich eine Villa rustica, gesetzt. Das Westtor ist konserviert und kann an der B 27 besichtigt werden.

Das zugehörige Kastellbad lag etwa 70 m nordwestlich der Nordwestecke und wurde erst 1982 bei Kanalbauarbeiten entdeckt. Im Jahr 158 wurde es unter der Bauaufsicht des Centurios Veranius Saturninus erheblich erweitert. Dies kann für eine militärische Nutzung über das Jahr 159 hinaus sprechen. Vom Bad ist im Gelände heute nichts sichtbar.

Vicus, Limesstrecke und Erhaltung

Zwischen den Kastellen und südwestlich des Kohortenkastells lag ein Vicus, also eine zivile Siedlung. Heute sind davon keine sichtbaren Reste erhalten. Wahrscheinlich bildete die Heerstraße ihre Hauptachse; kleinere Straßen verliefen parallel und quer dazu. An einer parallelen Seitenstraße wurde ein langgestrecktes Haus von 18,6 m × 6,6 m freigelegt.

Südlich von Neckarburken verlief der Limes schnurgerade und ohne Rücksicht auf die Topographie in Richtung Bad Wimpfen bis zum Kleinkastell Duttenberg. Zwischen beiden Orten lagen zahlreiche Wachttürme. Mehrere Steintürme sind archäologisch untersucht, darunter Wp 10/62 „Auf dem Masseldorn“, Wp 10/62a „Eulberg“, Wp 10/63 „In den Straßenäckern“, Wp 10/64 „Knopfhof“, Wp 10/70 „Auf dem Hummelberg“, Wp 10/75 „Auf dem Dermuth“ und Wp 10/76 „Auf dem Scherer“. Die Türme Wp 10/62, Wp 10/63 und Wp 10/75 hatten annähernd quadratische Grundrisse; Wp 10/63 maß 5,50 m × 5,56 m, Wp 10/75 4,8 m × 4,9 m und Wp 10/76 besaß eine Seitenlänge von 5,3 m. Bei Wp 10/70 wurden Seitenlängen von 4,80 m, 4,75 m, 4,74 m und 4,70 m sowie Wandstärken von 1,10 bis 1,15 m festgestellt. Zahlreiche weitere Turmstellen, etwa Wp 10/63a, Wp 10/65, Wp 10/67 oder Wp 10/77, sind nur angenommen oder vermutet und archäologisch nicht nachgewiesen.

Im ehemaligen Rathaus befindet sich das Museum am Odenwaldlimes mit Informationen und Funden zur Geschichte des Odenwaldlimes sowie zu den Neckarburkener Kastellen. Es ist von April bis Oktober sonntagnachmittags geöffnet. Die Kastelle und die genannten Bodendenkmale sind nach dem Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg als Kulturdenkmale geschützt. Nachforschungen und gezieltes Sammeln benötigen eine Genehmigung; Zufallsfunde müssen den Denkmalbehörden gemeldet werden.

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