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Jürgen Maaß
Jürgen Maaß (* 2. September 1955 in Gütersloh) ist ein österreichischer Mathematikdidaktiker. Er war bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2020 als …
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Person und Bedeutung
Jürgen Maaß (* 2. September 1955 in Gütersloh) ist ein österreichischer Mathematikdidaktiker. Bis zu seiner Pensionierung 2020 war er Außerordentlicher Professor für Didaktik der Mathematik an der Johannes-Kepler-Universität Linz. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen ein realitätsbezogener Mathematikunterricht, die Wechselwirkungen zwischen Mathematik, Technik und Gesellschaft, die ethische Verantwortung beim Einsatz von Mathematik sowie mathematische Erwachsenenbildung. Damit untersucht er nicht nur, wie Mathematik vermittelt wird, sondern auch, wie mathematische Modelle und Technologien das gesellschaftliche Leben beeinflussen.
Ausbildung und Hochschultätigkeit
Nach dem Abitur 1974 studierte Maaß in Münster Mathematik, Philosophie, Soziologie und Pädagogik. 1985 promovierte er am Hochschuldidaktischen Zentrum der Gesamthochschule Essen. Seine Dissertation „Mathematik als soziales System“ analysierte die Entwicklung der Mathematik zu einem relativ autonomen Teil des Wissenschaftssystems und leitete daraus Grundlagen für die Hochschuldidaktik der Mathematik ab. Studium und Promotion wurden durch die Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert.
Von 1985 bis 2020 arbeitete Maaß am Institut für Mathematik der Universität Linz. Im Mai 1991 erhielt er an der Universität für Bildungswissenschaften in Klagenfurt die Lehrbefugnis als Universitätsdozent für Didaktik. Seine Habilitationsschrift behandelte wissenschaftliche Weiterbildung in der „Technologischen Formation“ am Beispiel des Linzer Arbeitskreises zur sozialen Verantwortung von Technik und Wissenschaft. Im Juni 1991 erhielt diese Arbeit den Wissenschaftspreis der Kammer für Arbeiter und Angestellte des Landes Oberösterreich. Im Juni 1998 wurde ihm auch an der Johannes-Kepler-Universität Linz die Lehrbefugnis für Didaktik der Mathematik verliehen.
Maaß gründete das Johannes Kepler Symposium über Mathematik mit und organisierte es mit. Dort berichten Fachleute aus Industrie, Forschung, Hochschulen und Schulen über Anwendungen der Mathematik. Am Zentrum für soziale Kompetenz der Universität Linz war er für Hochschuldidaktik zuständig und organisierte mehr als zehn Jahre lang ein verpflichtendes Kurspaket für neu beginnende Assistentinnen und Assistenten.
Politisches und berufliches Engagement
Maaß übernahm seit seiner Wahl zum stellvertretenden Schulsprecher zahlreiche gewählte Funktionen in der studentischen und akademischen Selbstverwaltung. Während seiner letzten zehn Dienstjahre leitete er als Vorsitzender die Sektion 13 für Hochschullehrer der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst in Oberösterreich.
Bildungspolitisches und fachdidaktisches Engagement verband er 1996 durch die Gründung des „Arbeitskreises Mathematikunterricht und Mathematikdidaktik in Österreich“. Dieser sollte als Lobby für einen besseren Mathematikunterricht wirken.
Realitätsbezogener Mathematikunterricht
Ein Hauptgebiet von Maaß ist das mathematische Modellieren, also das Übertragen realer Situationen in mathematische Beschreibungen, ihre Bearbeitung und die Rückbeziehung der Ergebnisse auf die Wirklichkeit. Seine Veröffentlichungen bieten dafür Theorie, Leitlinien und Unterrichtsmaterialien. Zu den zusammenfassenden Büchern gehören „Attraktiver Mathematikunterricht. Motivierende Beispiel aus der Praxis“ und „Realitätsbezogen Mathematik unterrichten. Ein Leitfaden für Lehrende“ von 2020 sowie „Modellieren in der Schule – Ein Lernbuch zu Theorie und Praxis des realitätsbezogenen Mathematikunterrichts“ von 2022.
Die behandelten Unterrichtsbeispiele stammen aus Alltag, Politik, Wirtschaft, Verkehr, Sport und Natur. Dazu zählen Geschwindigkeit und eine von Schülerinnen entwickelte „Radarfalle“, Wirtschaftssimulationen als visualisierte Black Boxes, Prozentrechnung am Beispiel einer Nulllohnrunde im öffentlichen Dienst, Energiebedarf und Thermodynamik, Sparen, Sportwetten bei einer Fußball-Europameisterschaft sowie Modelle zu Beuteflügen und zum Populationswachstum von Sperbern. Die Beispiele sollen mathematische Inhalte mit realen Entscheidungs- und Anwendungsfragen verbinden und prozessbezogene Kompetenzen fördern.
Mathematik, Gesellschaft und Verantwortung
In seinen Arbeiten zu „Mathematik als Technologie“ untersucht Maaß gemeinsam mit anderen, wie Mathematik, neue Technologien sowie Aus- und Weiterbildung zusammenwirken. Dabei fragt er unter anderem, ob Technologietransfer eine Aufgabe der Mathematikdidaktik ist und ob mathematische Technologie sozialverträglich sein kann. Ein weiterer Schwerpunkt sind „Black Boxes“: Systeme, deren innere mathematische Verarbeitung für Nutzerinnen und Nutzer nicht sichtbar ist, obwohl ihre Ergebnisse gesellschaftliche Wirklichkeit mitgestalten. Daraus ergeben sich nach seinen Veröffentlichungen Konsequenzen für den Mathematikunterricht.
Mit der gesellschaftlichen Verantwortung der Mathematik befassen sich Arbeiten über Manipulation durch Mathematik, ethische Aspekte im Schulunterricht sowie das Verhältnis von Mathematikdidaktik und Ethik. Ein zentraler Gedanke ist, dass logisch wahre mathematische Aussagen als mächtige Instrumente für bestimmte Interessen eingesetzt werden können. Deshalb sollen Lernende nicht nur rechnen, sondern auch Voraussetzungen, Verwendungsweisen und Folgen mathematischer Aussagen und Modelle beurteilen.
Zur Erwachsenenbildung untersuchte Maaß Erfolge und Misserfolge des Mathematikunterrichts aus der Sicht Erwachsener sowie das Lernen von Mathematik anhand von Wetten und möglichen Geldverlusten. Sein 2025 erschienenes Buch „Mathematik im Alltag nutzen: Geld sparen – Sicher planen – Mitreden können“ richtet den Blick auf mathematische Fähigkeiten, die Erwachsene für finanzielle Planung, sichere Entscheidungen und gesellschaftliche Teilhabe benötigen.