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Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik
Das ISL InfoCenter ist ein europaweit führender Dienstleister für Information und Dokumentation rund um Themen der maritimen Wirtschaft und Logistik. Es …
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Aufgabe und Aufbau
Das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ist ein unabhängiges, gemeinnütziges maritimes Forschungs- und Beratungsinstitut in Bremen und Bremerhaven. Es besteht seit 1954, wird von einer Stiftung privaten Rechts getragen und beschäftigt 50 Mitarbeiter. Als erstes maritimes Institut Deutschlands war es ein Vorbild für weitere Institute weltweit.
Im Mittelpunkt steht laut Satzung der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Das ISL verbindet Forschung mit ihrer praktischen Anwendung, indem es Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen sowie wissenschaftliche Beratung anbietet. Seine Arbeit gliedert sich in fünf Schwerpunkte: Maritime Intelligence, Maritime Security, Maritime Environment, Maritime Transport Chains und Maritime Simulation.
Daten, Märkte und Sicherheit
Maritime Intelligence bezeichnet die datenbasierte Beobachtung und Bewertung maritimer Märkte. Das ISL untersucht Entwicklungen und Trends aus unabhängiger Perspektive und berät Unternehmen sowie Institutionen der Seeverkehrswirtschaft und Logistik. Dazu stellt es weltweit individuell zugeschnittene Daten und Fachwissen bereit. Grundlage sind eigene Systeme wie die Hafendatenbank und das Containerverkehrsmodell für die Nordrangehäfen sowie verschiedene externe Datenbanken.
Im Bereich Maritime Security entwickelt das Institut gemeinsam mit internationalen Partnern Konzepte zur Verringerung von Risiken in regionalen und globalen Transportabläufen. Hintergrund sind steigende Anforderungen an die Sicherheit und Resilienz von Transportketten. Resilienz ist hier die Fähigkeit einer Transportkette, Störungen zu bewältigen und funktionsfähig zu bleiben.
Umwelt und Transportketten
Der Schwerpunkt Maritime Environment befasst sich mit den Umwelt- und Klimawirkungen des Seeverkehrs. Im Jahr 2012 verursachte der weltweite Seeverkehr etwa 2,6 % der globalen CO₂-Emissionen. Dies entsprach ungefähr dem jährlichen Treibhausgasausstoß Deutschlands im selben Jahr. Je nach Szenario könnte dieser Anteil in den folgenden Jahrzehnten stark zunehmen. Zusätzlich belasten Stickoxide (NOx), Schwefeloxide (SOx) sowie Ruß- und Feinstaubpartikel aus dem Schiffsbetrieb die Ökosysteme.
Das ISL analysiert und bewertet die Beziehungen zwischen Wirtschaft und Umwelt. Dabei untersucht es bestehende, bevorstehende und erwartete Regulierungen ebenso wie alternative Maßnahmen zur Verringerung negativer Umwelteffekte von Schifffahrt und Häfen. Beispiele sind freiwillige Anreizsysteme sowie die Modellierung und Simulation betriebswirtschaftlicher Szenarien.
Im Bereich Maritime Transport Chains untersucht und optimiert das Institut maritime Logistikketten. Es berät zu see- und landseitigen Hafenzulaufprozessen und entwickelt Konzepte für Güter mit besonderen Transportanforderungen. Dazu gehören temperaturgeführte Logistik, Projektlogistik wie High-&-Heavy-Transporte und Logistik für Offshore-Windenergieanlagen sowie Rohstofflogistik, etwa für die Gewinnung von Bioenergie.
Simulation komplexer Logistik
Durch Automatisierung und Digitalisierung sind logistische Systeme wie Liefernetze, Umschlaganlagen, Lager und Verteilzentren sehr komplex und stark miteinander vernetzt. Ihre Planung, Inbetriebnahme und betriebliche Optimierung sind deshalb ohne technische Hilfsmittel kaum noch zu bewältigen.
Ein wichtiges Verfahren ist die Simulation, die zunächst erfolgreich in der fertigenden Industrie eingesetzt wurde und später auch in der Logistik Verbreitung fand. Nach der VDE-Richtlinie DIN 3633 ist Simulation ein Verfahren zur Nachbildung beziehungsweise Modellbildung eines realen oder gedachten Systems mit seinen internen dynamischen Prozessen. Das System wird als experimentierbares Modell dargestellt. An diesem Modell lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die auf die Wirklichkeit übertragbar sind.
Publikationen und Bibliothek
Die statistischen Veröffentlichungen des ISL liefern Marktdaten für die maritime Wirtschaft. Sie behandeln Schifffahrts- und Schiffbaumärkte, den Seehandel, die Entwicklung von Frachtraten und den Güterumschlag der führenden Weltseehäfen. Zu den wichtigsten Publikationen gehören die „ISL Shipping Statistics and Market Review“ (SSMR), das „ISL Shipping Statistics Yearbook“ (SSYB) und der „ISL Monthly Container Port Monitor“ (MCPM).
Das InfoCenter gilt europaweit als führender Informations- und Dokumentationsdienstleister für maritime Wirtschaft und Logistik. Es stellt Informationen über Branchen, Märkte und Unternehmen bereit, insbesondere zu Schifffahrt, Schiffbau, Häfen, Verkehr, Transport, Logistik, Wirtschaft und Handel.
Die seit 1954 bestehende ISL-Bibliothek ist eine der größten wissenschaftlichen Spezialbibliotheken für maritime Wirtschaft und Logistik. Neben Fachbüchern sammelt sie besonders Marktstudien, Forschungs- und Tagungsberichte, Wirtschaftsstatistiken, Geschäftsberichte und Schiffsregister. Im Januar 2016 umfasste ihr Bestand mehr als 131.000 Bände und 200 laufende Zeitschriftenabonnements. Zusätzlich bietet sie Zugang zur Literaturdatenbank ISL SEABASE, zu elektronischen Zeitschriften und zu E-Books. Wissenschaftler und Studierende können die Bibliothek nach Anmeldung kostenfrei nutzen; vorhanden sind ein Lesesaal, mehrere Online-Arbeitsplätze und ein Kopierer.
Entwicklung und Zusammenarbeit
Das Institut wurde 1954 in Bremen als unabhängige, gemeinnützige Stiftung privaten Rechts unter dem Namen „Institut für Schiffahrtsforschung“ gegründet. Sein Zweck waren Betrieb und Förderung wissenschaftlicher Schifffahrtsforschung; dazu gehörte auch der Aufbau einer umfangreichen Schifffahrtsbibliothek. Gründer und erster Direktor war Gustav Adolf Theel. 1967 erhielt die Einrichtung den Namen „Institut für Seeverkehrswirtschaft“. 1982 entstand ein Förderkreis, dessen Mitglieder die Forschung ideell und materiell unterstützten.
Mit einer neuen Satzung wurde das Institut 1988 in „Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik“ umbenannt. Zugleich wurden Kuratorium und Direktorium als Organe eingerichtet. Seit 1989 berät ein wissenschaftlicher Beirat aus Vertretern von Wissenschaft und Praxis das ISL in Forschung und Entwicklung und unterstützt die praxisorientierte Festlegung seiner Entwicklungsziele. Der Standort Bremerhaven wurde 1997 gegründet. 2006 bezog er das Bürohaus t.i.m.e.Port II. 2008 zog das Bremer ISL an die Universitätsallee und rief die alle zwei Jahre stattfindende „Maritime Conference“ ins Leben.
Das ISL arbeitet international mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen, darunter Hochschulen und maritime Forschungszentren in Europa, Asien, Afrika und den USA. Genannt werden unter anderem die Universität Bremen, die Hochschule Bremerhaven, die Erasmus Universiteit Rotterdam, die Shanghai Maritime University und die World Maritime University in Malmö. Außerdem ist das Institut in zahlreichen fachlichen Netzwerken und Verbänden vertreten. Dazu zählen die Bundesvereinigung Logistik, das Deutsche Maritime Kompetenz Netz, das Deutsche Verkehrsforum, die International Association of Maritime Economists und der Forschungsverbund LogDynamics.