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Innere Mission München

ist ein Diakonieunternehmen mit mehreren gemeinnützigen Tochtergesellschaften: Hilfe im Alter, Evangelisches Hilfswerk München sowie die diakonia …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung
  2. 2. Historische Entwicklung
  3. 3. Organisation und Vertretung
  4. 4. Arbeitsbereiche und Einrichtungen
  5. 5. Finanzierung und Preis

Aufgabe und Bedeutung

Die Diakonie München und Oberbayern – Innere Mission München e. V. ist ein evangelisches Sozialunternehmen mit Sitz in München. Es wurde am 26. März 1884 gegründet und hieß bis Oktober 2020 „Innere Mission München – Diakonie in München und Oberbayern e. V.“. Sein Motto lautet „Unsere Mission: Menschlichkeit“.

Gemeinsam mit den gemeinnützigen Tochtergesellschaften Hilfe im Alter, Evangelisches Hilfswerk München und diakonia Dienstleistungsbetriebe unterhält die Unternehmensgruppe in den Geschäftsbereichen München und Herzogsägmühle mehr als 200 Hilfeeinrichtungen in München und Oberbayern. Dazu zählen unter anderem Kindertagesstätten, Schulen, Alten- und Pflegeheime, Beratungsstellen, Einrichtungen für Flüchtlinge, psychisch erkrankte oder wohnungslose Menschen, Angebote der Straffälligenhilfe sowie Beschäftigungsprojekte.

Die Organisation möchte allen Menschen unabhängig von Lebenssituation, Herkunft, Weltanschauung, Religion, Hautfarbe oder Geschlecht Hilfe anbieten. Ihr Leitbild begründet dies mit der unverlierbaren Würde jedes Menschen. Der Verein und seine operativen Tochtergesellschaften gehören dem Diakonischen Werk Bayern und dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland an.

Historische Entwicklung

Der Münchner Stadtdekan Karl Buchrucker gründete 1884 den „Verein für Innere Mission in München“. Anfangs standen Volksbildung, Kinder- und Jugendfürsorge sowie Hilfen für arme und obdachlose Menschen im Mittelpunkt. 1890 entstand mit der „Kinderbewahranstalt“ in der Blutenburgstraße die erste Einrichtung. Es folgten 1898 eine Erholungsstätte für Stadtkinder im Murnauer Moos, 1903 das erste Vereinshaus in der Mathildenstraße 6 und 1912 das Löhe-Haus.

Nach dem Ersten Weltkrieg baute der Verein die Jugendhilfe aus und unterstützte angesichts der Geldentwertung obdachlose, arbeitslose und bedürftige Menschen durch Armenspeisungen, Wärmestuben sowie Kohle- und Kleiderspenden. Während des Nationalsozialismus wurden ab 1933 Einrichtungen in die Volkswohlfahrt eingegliedert und Dienste wie die Bahnhofsmission verboten. Ein Sammlungsverbot und Bombenschäden schwächten den Verein. Er verhielt sich gegenüber dem Regime zurückhaltend, während Friedrich Hofmann „nichtarische Christen“ unterstützte und Johannes Zwanzger ab 1939 als Vertrauensmann des Büro Grüber tätig war.

Nach 1945 half die Innere Mission Flüchtlingen aus den Ostgebieten und begann mit dem Wiederaufbau. 1946 wurde ihr das Diakoniedorf Herzogsägmühle übertragen. 1950 nahmen Stadtmission, Mitternachtsmission und Gefangenenfürsorge ihre Arbeit auf. Später kamen unter anderem Frauenhilfe, Beratung für Gastarbeiter, Stadtteilsozialarbeit und Altenpflegeausbildung hinzu.

Infolge der Wirtschaftskrise der 1980er Jahre wurden die Hilfen für Arbeitslose und Obdachlose verstärkt. Zur Umsetzung der Psychiatrischen Enquete von 1975 entstanden Angebote für psychisch kranke Menschen. Außerdem wurden Einrichtungen für internationale Jugend- und Familienarbeit sowie ein Sozialdienst für Flüchtlinge aufgebaut. In den 1990er Jahren expandierten Kindertagesbetreuung, Altenhilfe und Migrationsdienste. 1995 entstand die diakonia Dienstleistungsbetriebe GmbH, 2003 wurde die Gefährdetenhilfe als Evangelisches Hilfswerk München gGmbH ausgegründet, 2005 folgten die Hilfe im Alter gGmbH und die Hauswirtschafts- und Service GmbH.

Organisation und Vertretung

Der Vorstand besteht aus der Vorstandssprecherin Andrea Betz, dem Finanzvorstand Hans Rock und der Vorständin für Personal und Bildung Ulrike Stühmeyer-Pulfrich. Ein Aufsichtsrat mit 13 Mitgliedern berät und überwacht den Vorstand. Vorsitzender ist Peter Gleue, zweite Vorsitzende ist Isabel Gocke.

Von 2020 bis 2022 war Pfarrer Thorsten Nolting Vorstandssprecher. 2021 wurden Vorwürfe übergriffigen Verhaltens gemeldet. Eine externe Kanzlei führte ab August 2022 rund 40 Interviews und bewertete den Vorwurf einer körperlichen Grenzüberschreitung als bestätigt; der Aufsichtsrat beurlaubte Nolting mit sofortiger Wirkung. Das Disziplinarverfahren der Evangelischen Kirche im Rheinland wurde im November 2022 eingestellt, weil keine Amtspflichtverletzung nachgewiesen worden sei. Als Reaktion erarbeitete die Diakonie im Januar 2023 einen Leitfaden zum Umgang mit sexualisierter Gewalt zwischen Beschäftigten und begann im Juli 2023 Pflichtschulungen für etwa 700 Führungskräfte.

Als Bezirksstelle des Diakonischen Werks Bayern koordiniert der Verein die diakonischen Träger im Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirk München. Er vertritt die Interessen von etwa 80 Münchner Rechtsträgern gegenüber der Kommunalpolitik und wirkt unter anderem in Wohlfahrtsverbänden sowie Kinder-, Jugend- und Sozialhilfeausschüssen in München und den Landkreisen München und Dachau mit.

Für 2024 nennt die Übersicht 1.447 Beschäftigte und 2.500 Freiwillige; im Organisationsteil werden für die gesamte Unternehmensgruppe rund 5.000 hauptamtliche und etwa 2.500 ehrenamtliche Mitarbeitende angegeben.

Arbeitsbereiche und Einrichtungen

Die Abteilung Kindertagesbetreuung betreibt Kindertageseinrichtungen und die Evangelische Fachakademie für Sozialpädagogik. Die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe umfasst ambulante Erziehungshilfen, betreute Wohngruppen, heilpädagogische Tagesstätten, Jugendhilfeverbünde, das Internationale Jugendzentrum Haidhausen und einen Betreuungsverein.

Die Abteilung Gesundheit berät und begleitet Menschen mit Epilepsie oder Schädel-Hirn-Verletzungen und bietet ihnen Wohnmöglichkeiten. Die Sozialpsychiatrie unterhält Beratungsdienste, psychiatrische Tagesstätten und betreutes Wohnen. Die Flüchtlings-, Migrations- und Integrationshilfe bietet Sozial- und Fachdienste, eine Erstaufnahme für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sowie Familienberatung im Treffpunkt Familie International.

Die Hilfe im Alter gGmbH betreibt zehn Alten- und Pflegeheime mit rund 1.400 Plätzen, drei Diakoniestationen, offene Altenarbeit und die Evangelische PflegeAkademie.

Zum Evangelischen Hilfswerk München gehören unter anderem Frauenberatung, Wohnungslosenhilfe für Männer, Streetwork, Straffälligenhilfe, Schuldner- und Insolvenzberatung, Hilfen für Menschen in der Prostitution, die Bahnhofsmission, eine Fachambulanz für Sexual- und Gewaltstraftäter sowie Beratung für wohnungslose Migranten aus Süd- und Südosteuropa.

Die diakonia Dienstleistungsbetriebe beraten Arbeitslose und verbinden Beschäftigung mit beruflicher Qualifizierung. Arbeitsfelder sind Secondhand-Handel, Hauswirtschaft für Kindertagesstätten, Gastronomie, ein Malerfachbetrieb, Tonerkartuschen-Recycling sowie Textilsortierung und Logistik. Zur Bezirksstellenarbeit gehören die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit und die InterKulturelle Akademie.

Finanzierung und Preis

Der Verein und seine Tochtergesellschaften finanzieren sich überwiegend durch Entgelte für Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern I bis XII. Hinzu kommen Zuschüsse öffentlicher Gebietskörperschaften und anderer Institutionen. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern finanziert die Bezirksstelle und die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit und unterstützt einzelne Bereiche, beispielsweise die Flüchtlingshilfe. Für die Unternehmensgruppe wird für 2018 ein Umsatz von mehr als 265 Millionen Euro genannt; die Übersicht gibt für 2024 einen Umsatz von 115.125.025 Euro an.

Seit 2001 verleiht der Verein jährlich den Karl-Buchrucker-Preis. Ausgezeichnet werden Veröffentlichungen, die sich in besonderer Weise mit sozialen und diakonischen Themen befassen. Der Preis ist insgesamt mit 11.000 Euro dotiert. Bis zu seinem Tod hatte der frühere Bundespräsident Roman Herzog die Schirmherrschaft.

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