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Hyänen (Film)

Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“ aus dem Jahre 1956 diente als Vorlage. Film. Titel, Hyänen. Originaltitel, Hyènes/Ramatou.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Vorlage
  2. 2. Ramatous Forderung
  3. 3. Verfall der Stadt und Urteil
  4. 4. Adaption, Rezeption und Auszeichnung

Überblick und Vorlage

Hyänen (Originaltitel: Hyènes/Ramatou) ist ein 110 Minuten langer senegalesisch-schweizerischer Spielfilm von 1992 in wolofischer Sprache. Regie und Drehbuch stammen von Djibril Diop Mambéty, die Musik von Wasis Diop, die Kamera von Matthias Kälin und der Schnitt von Loredana Cristelli. Der Film ist Mambétys zweiter Langspielfilm.

Vorlage ist Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie Der Besuch der alten Dame von 1956. Die Geschichte zeigt, wie eine arme Gemeinschaft durch das Angebot von Reichtum dazu gebracht wird, einen Menschen für dessen frühere Schuld zu opfern. Zu den zentralen Figuren gehören der Lebensmittelhändler Draman Drameh, die wohlhabende Rückkehrerin Linguère Ramatou, der Bürgermeister und der Lehrer.

Ramatous Forderung

Die kleine Stadt Colobane im Sahel erwartet Linguère Ramatou, die nach 30 Jahren als unermesslich reiche Frau zurückkehrt. Der Bürgermeister hofft auf finanzielle Hilfe, denn sogar das Rathaus wurde gerade versteigert. Draman Drameh, der früher mit Ramatou zusammen war, soll sie empfangen; dafür wird ihm das Amt des nächsten Bürgermeisters in Aussicht gestellt.

Bei einem Spaziergang erinnert Ramatou Drameh an ihre gemeinsame Vergangenheit. Mit 17 wurde sie von ihm schwanger. Drameh erkannte das Kind nicht an, weil er die Tochter eines reichen Lebensmittelhändlers heiraten wollte. In einem Vaterschaftsprozess setzte er bezahlte Zeugen ein, die behaupteten, ebenfalls mit ihr geschlafen zu haben. Ramatou wurde als Prostituierte aus Colobane verstoßen; ihr Kind lebte nur ein Jahr. Sie wirft der Stadt vor: „Ihr habt mich zur Prostituierten gemacht und ich die Welt zum Bordell.“ Drameh erkennt seine Verantwortung zunächst nicht an.

Vor den Honoratioren und Einwohnern bietet Ramatou 50 Milliarden CFA-Francs für Colobane sowie dieselbe Summe zur Verteilung unter den Bewohnern an. Ihre Bedingung lautet: Das Geld wird nur gezahlt, wenn Draman Drameh tot ist. Die früheren Falschaussager hat sie mitgebracht. Bürgermeister, Honoratioren und besonders der Schullehrer weisen die Forderung zunächst empört zurück.

Verfall der Stadt und Urteil

Nach und nach verändert sich Colobane. Dramehs Kunden kaufen teure Lebensmittel und Genussmittel auf Kredit, weil sie mit dem künftigen Geld rechnen. Auch seine einflussreichen Freunde, etwa Bürgermeister, Polizeichef und Priester, handeln so. Ein Fluchtversuch scheitert: Eine große Menschenmenge hält ihn unter dem Vorwand auf, ihm eine gute Reise zu wünschen. Zwei Lastwagen bringen Waren wie Kühlschränke, Fernsehgeräte und Autos, die auf Kredit erhältlich sind; ein großer Rummel mit Feuerwerk beginnt. Auch Dramehs Frau beteiligt sich am Konsum.

Nur Schuldirektor und Arzt wollen den Mord verhindern. Sie schlagen Ramatou vor, statt Geld Grund und Boden sowie eine Fabrik zu kaufen, damit die reichen Lagerstätten Colobane zugutekämen. Ramatou besitzt dies jedoch bereits und besteht auf ihrer Vorstellung von Gerechtigkeit. Parallel wird die rituelle Opferung eines Stieres gezeigt, die ein ekstatischer Tanz des Opferpriesters vorbereitet.

Drameh weiß schließlich, dass er sterben wird, und ist geläutert. Er verabschiedet sich von Ramatou und fragt erstmals nach Name und Schicksal seiner Tochter. Die gebrechliche Ramatou sagt, sie würden nach dem Tod auf einer Insel im Meer leben, von Göttern bewacht. In einer Schlucht richten Bürgermeister und Männer der Stadt über Drameh. Nicht seine Schuld wird entschieden, sondern die Annahme von Ramatous Geschenk. Alle stimmen zu, auch der Lehrer, und wiederholen: „Wir nehmen die Schenkung an - nicht des Geldes wegen, nur der Wahrheit zuliebe.“ Von Drameh bleibt am Ende nur sein Rock zurück, als hätten Hyänen ihn gerissen. Danach wälzen Bulldozer das Land um, und am Horizont stehen gesichtslose Hochhäuser.

Adaption, Rezeption und Auszeichnung

Mambéty arbeitete für die Adaption eng mit Friedrich Dürrenmatt zusammen. Der 1990 verstorbene Autor konnte das Ergebnis nicht mehr sehen. Der Film hält sich besonders im Text eng an die Vorlage und ist wie das Theaterstück in drei Akte gegliedert; zwei Überblendungen ins Schwarze markieren die Übergänge. Bei der Präsentation in Cannes 1992 ließ Mambéty zum Andenken an Dürrenmatt einen Platz neben sich frei. Die deutsche Erstausstrahlung lief am 25. Oktober 1996 auf 3sat.

Der Name der fiktiven Sahelstadt Colobane ist Mambétys Geburtsstadt entlehnt, die heute ein Stadtteil von Dakar ist. Oliver Armknecht betont, dass der Film die Vorlage weitgehend beibehält, und hebt die erschreckende Entwicklung hervor, in der das Dorf der Gier verfällt. Der Filmdienst nennt die Verlagerung der bekannten Geschichte in einen anderen kulturellen Kontext faszinierend, kritisiert aber, dass der Film oft dialogisch und theaterhaft bleibe. Hyänen war bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 1992 für die Goldene Palme nominiert.

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