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Gottfried Keller (Ricarda Huch)

Gottfried Keller ist ein Essay von Ricarda Huch, der 1904 bei Schuster & Loeffler in Leipzig und Berlin erschien. Gottfried Keller (1870).

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Grundgedanke
  2. 2. Persönlichkeit und frühe Jahre
  3. 3. Studien- und Berliner Jahre
  4. 4. Beziehungen und Kunstauffassung
  5. 5. Lob und Kritik am Werk
  6. 6. Entstehungsanlass

Gegenstand und Grundgedanke

„Gottfried Keller“ ist ein biographischer Essay von Ricarda Huch, der 1904 bei Schuster & Loeffler in Leipzig und Berlin erschien. Knapp anderthalb Jahrzehnte nach dem Tod des Schweizer Dichters erzählt Huch Episoden aus seinem Leben und würdigt sein Werk. Sie stellt fest, Keller werde „von allen gelobt, von wenigen gelesen und nur von einzelnen... geschätzt“.

Für Huch wirken Kellers Werke, „als habe die Natur selbst sie gemacht“. Seine besondere Bedeutung sieht sie darin, dass er lehre, selbst „das Geringste“ zu lieben, sofern es unverfälschtes Leben besitze. Neben diesem Lob enthält der Essay jedoch auch Kritik an einzelnen Werken und Urteilen Kellers.

Persönlichkeit und frühe Jahre

Huch beginnt mit dem Bild eines Schweizers, der in der Welt wegen seines ungeschliffenen und verschlossenen Auftretens verlacht werde. Gerade weil ein solcher Mensch seine Phantasie nicht fortwährend nach außen verschwende, könne er innerlich besonders fantasievoll sein.

Den jungen Gottfried Keller beschreibt sie zugleich als „spielenden Träumer“ und als „politisches Geschöpf“. Als Belege nennt sie seine Gedichte „An das Vaterland“ und „Bei einer Kindesleiche“ aus den Jahren 1844 und 1845. Seine Beziehung zu Louise Rieter bringt ihm in Zürich kein Glück.

Studien- und Berliner Jahre

1848 geht Keller mit einem Stipendium der Schweizer von 800 Franken nach Deutschland. In Heidelberg hört er Henle, Hettner, Häusser und Ludwig Feuerbach. Dort verliebt er sich in Johanna Kapp, die Tochter eines Philosophen. Sie weist ihn ab und studiert in München Malerei.

1850 zieht Keller nach Berlin, um Dramatiker zu werden. Stattdessen arbeitet er, auch aus Geldnot, am Roman „Der grüne Heinrich“. Sein Verleger Vieweg unterstützt den als brummig und undankbar dargestellten Debütanten. Zeitweise leidet Keller Hunger. Huch erzählt, wie er einmal für seinen letzten Groschen Brot kaufen wollte, die Bäckersfrau das ungültige Geldstück aber zurückwies.

In Berliner Salons, unter anderem bei Varnhagen, dessen Nichte Ludmilla Assing sowie Franz und Lina Duncker, begegnet Keller geistreich-ästhetischen Gesprächen meist mit ausdrucksvollem Schweigen und macht damit Eindruck. Das Vorlesen der zahlreichen Briefe der verstorbenen Rahel Varnhagen missfällt ihm, weil er darin ein zudringliches Offenlegen des Inneren sieht. Den Stil Varnhagens bewundert er dennoch.

Auch in Berlin verliebt sich Keller unglücklich in ein „schönes, großes Mädchen“, dessen Namen Huch nicht nennt. Er trifft sie bei Duncker; sie soll als Vorbild für Dortchen Schönfund und Lydia gedient haben. Den Schlachtendichter Scherenberg, dem Keller in Berlin begegnet, hält er für einen „unwissenden Hanswurst“. 1855 kehrt Keller zu seiner Mutter zurück.

Beziehungen und Kunstauffassung

Als anregend und belebend beschreibt Huch Kellers Bekanntschaften mit Freiligrath, Semper, Vischer und Böcklin. Außerdem verweist sie auf seinen Briefwechsel mit Marie Melos.

Bei der Beurteilung eigener und fremder Werke achtet Keller besonders auf die „innere Form“, also die aus dem Werk selbst hervorgehende Gestaltung. Er meint, ein Künstler müsse wissen, was er wolle, statt erst nach seiner Ausdrucksweise zu suchen. Deshalb lehnt er bei Grillparzer und Ludwig das „Grübeln über die Mache“ ab. An C. F. Meyer kritisiert er einen „Hang zur Manieriertheit“.

Lob und Kritik am Werk

Obwohl der Essay Kellers Schaffen überwiegend lobt, verschweigt Huch kritische Urteile nicht. Über seinen letzten Roman „Martin Salander“ schreibt sie, der müde Dichter habe ihm den „Odem des Lebens“ nicht mehr einblasen können. Auch Einwände gegen „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ werden erwähnt.

Darüber hinaus berichtet Huch, dass Emil Kuh und Mommsen Kellers Gedichte nicht mochten. Damit zeichnet sie kein ausschließlich verehrendes Bild, sondern verbindet ihre hohe Wertschätzung mit Hinweisen auf Schwächen, ablehnende Stimmen und Kellers eigene scharfe Urteile über Zeitgenossen.

Entstehungsanlass

In einem Selbstzeugnis vom 14. März 1904 erklärt Ricarda Huch, sie arbeite an einer „kleinen Monographie über Gottfried Keller“. Mit deren Ertrag wolle sie das Geld für ihre „unglückliche Romreise“ verdienen.

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