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Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist die Dachorganisation und Lobbyorganisation der privaten Versicherungsunternehmen in …
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Kern und Bedeutung
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist die Dachorganisation und Lobbyorganisation der privaten Versicherungsunternehmen in Deutschland. Eine Dachorganisation bündelt die Interessen vieler einzelner Unternehmen oder Verbände; Lobbyismus bedeutet hier, dass der Verband die Interessen der Versicherungswirtschaft gegenüber Politik und gesellschaftlichen Institutionen vertritt.
Der GDV wurde 1948 in Köln gegründet und hat heute seinen Sitz in Berlin. Präsident ist seit 2021 Norbert Rollinger. Der Verband ist Mitglied im Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft.
Für die politische Interessenvertretung gibt der GDV jährlich rund 15 Millionen Euro aus. Von März bis November 2024 war er an 86 Gesetzen und Verordnungen beteiligt. Im Lobbyregister sind 93 Lobbyisten namentlich genannt. Diese Zahlen zeigen, dass der Verband eine wichtige Rolle bei politischen Fragen spielt, die Versicherungen betreffen.
Entstehung und Entwicklung
Der GDV entstand 1948 als Branchenvertretung für spartenübergreifende Fragestellungen. „Spartenübergreifend“ bedeutet, dass es nicht nur um eine einzelne Versicherungsart geht, sondern um gemeinsame Themen mehrerer Versicherungsbereiche.
Neben dem GDV gab es zunächst mehrere Fachverbände. Von diesen besteht heute nur noch der PKV-Verband. 1995 schlossen sich der Verband der Transportversicherer, der Verband der Sachversicherer und der HUK-Verband zum Verband der Schadenversicherer zusammen. 1996 folgte ein weiterer Zusammenschluss: Der Verband der Schadenversicherer, der Verband der Lebensversicherer und der GDV bildeten den neuen Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.
1998 verlegte der Verband seinen Sitz nach Berlin. Aus den in Köln ansässigen technischen Abteilungen entstand außerdem die VdS Schadenverhütung GmbH. Diese Abteilungen waren ursprünglich als Sprinklerüberwachungsstelle gegründet worden und später vom VdS zu Fachabteilungen für Brandschutz und Einbruchdiebstahlschutz aufgebaut worden.
Mitglieder und Größe
Dem GDV gehören rund 470 Mitgliedsunternehmen an. Diese Unternehmen beschäftigen zusammen rund 204.200 Beschäftigte und Auszubildende.
Die Mitgliedsunternehmen verwalten etwa 488 Millionen Versicherungsverträge. Damit vertritt der Verband einen sehr großen Teil der privaten Versicherungswirtschaft in Deutschland. Für Schülerinnen und Schüler ist wichtig: Der GDV ist kein einzelnes Versicherungsunternehmen, sondern ein Verband, der viele Versicherungsunternehmen zusammenfasst und deren gemeinsame Interessen vertritt.
Aufgaben und Dienstleistungen
Die zentrale Aufgabe des GDV ist die Vertretung der Versicherungsunternehmen gegenüber politischen und gesellschaftlichen Institutionen. Dazu gehört Lobbyismus, also das Einbringen der Interessen der Branche in politische Entscheidungsprozesse.
Bis 2011 betrieb der GDV das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft, abgekürzt HIS. Dieses System sollte Versicherern helfen, Versicherungsbetrug zu verhindern und die Risikoprüfung effizienter zu gestalten. Eine Risikoprüfung ist die Einschätzung, wie wahrscheinlich ein Schaden oder Versicherungsfall ist.
Der GDV stellt außerdem Standards für die Datenkommunikation zwischen Versicherungsunternehmen und Vermittlern bereit. Solche Standards helfen, Informationen einheitlich und technisch zuverlässig auszutauschen.
Über die GDV Dienstleistungs-GmbH, kurz GDV DL, werden in Hamburg zentrale IT-Dienste für die Versicherungswirtschaft konzipiert, entwickelt und betrieben. Dazu gehören die technische Abwicklung der elektronischen Versicherungsbestätigung, abgekürzt eVB, zwischen dem Kraftfahrt-Bundesamt und der deutschen Versicherungswirtschaft, der Zentralruf der Autoversicherer sowie der Notruf der Autoversicherer. Zum Notruf gehört auch der Betrieb der Notrufsäulen an Bundesautobahnen.
Der Verband unterhält außerdem die VdS Schadenverhütung GmbH als Tochtergesellschaft zur aktiven Schadenverhütung. Schadenverhütung bedeutet, Schäden möglichst zu vermeiden oder ihre Folgen zu verringern. Seit 2017 betreibt der GDV zudem das Verbraucherportal dieversicherer.de. Außerdem betreibt der Verband die Unfallforschung der Versicherer.
Kritik am Informationssystem
Kritik gab es vor allem am Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft, dem HIS. Im Oktober 2006 erhielt der GDV dafür den Negativpreis Big Brother Award in der Kategorie „Verbraucherschutz“.
Begründet wurde die Auszeichnung damit, dass Versicherungen über das HIS umfangreiche Daten von Millionen Bürgerinnen und Bürgern austauschten. Kritisiert wurden dabei geheim gehaltene Kriterien, eine nach Ansicht der Kritiker nicht ausreichende rechtliche Grundlage und der fehlende Kenntnisstand der Betroffenen.
Zum 1. April 2011 wurde das HIS in Zusammenarbeit mit Datenschutzbehörden grundlegend überarbeitet. Seitdem wird es als Auskunftei von der Informa HIS GmbH betrieben, die zunächst informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH hieß.