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Gallica
Gallica ist die digitale Bibliothek der Französischen Nationalbibliothek (Bibliothèque nationale de France), an der mehr als 400 Partner teilnehmen (Stand: …
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Aufgabe und Umfang
Gallica ist die digitale Bibliothek der Französischen Nationalbibliothek, der Bibliothèque nationale de France (BnF), in Paris. Sie wurde 1997 gegründet; mehr als 400 Partner nehmen teil (Stand: Juni 2020). Gallica ermöglicht einen freien Zugang zu digitalisierten Beständen. Stand 2026 sind über 10 Millionen Dokumente verfügbar, darunter Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Bilder, Tondokumente, Karten, Handschriften, Objekte, Noten und Videos.
Die Sammlung macht unterschiedliche Quellenarten online nutzbar. Damit können sowohl einzelne Werke als auch große Bestände, etwa Presseausgaben oder Bildmaterial, recherchiert und gelesen beziehungsweise angesehen oder angehört werden.
Entstehung und Ausbau
Die ersten Digitalisierungen begannen 1992 als Projekt des Etablissement Public de la Bibliothèque de France (EPBF). Geplant war eine „Sammlung digitaler Standbilder“ mit 300.000 digitalisierten Bildern und einer Multimedia-Sammlung aus Audiodateien, Printmedien, Standbildern und bewegten Bildern. Neben der Französischen Nationalbibliothek wirkten private Institutionen und Fotoagenturen mit.
1994 beschloss Präsident François Mitterrand den Zusammenschluss von Nationalbibliothek und EPBF. Danach erhielt die Digitalisierung der Sammlungen der neuen Nationalbibliothek von Frankreich Vorrang; diese Sammlungen machten bald die Hälfte ihres digitalen Erbes aus.
Das Gallica-Projekt startete im Oktober 1997. Zunächst wurden französischsprachige Bilder und Texte des 19. Jahrhunderts bereitgestellt: 2.500 Bücher im Bildmodus und 250 im Textmodus, nach Themenbereichen geordnet. Im Jahr 2000 ging eine zweite Version online. 2007 folgte Gallica2 als dritte Version, die Gallica mit dem Europeana-Modell verband; die vorherige Version blieb erreichbar. 2015 wurde Gallica vollständig überarbeitet und mit einer neuen Website-Version versehen. Seit 2012 gibt es zudem eine Gallica-App für mobile Geräte.
Als Reaktion auf Google Books forderte der frühere BnF-Präsident Jean-Noël Jeanneney im Januar 2005 in Quand Google défie l’Europe eine europäische und französische digitale Bibliothek. Die BnF begann daraufhin mit einer Massendigitalisierung: digitale Sammlungen zur nationalen Presse entstanden 2005, zu Büchern und Zeitschriften 2007. Jährlich wurden 100.000 Werke digitalisiert; für viele wurde eine Volltexterkennung durchgeführt. Gemeinsam mit der Direction du livre et de la lecture, dem Centre national du livre und dem Syndicat national de l’édition arbeitete die BnF außerdem daran, urheberrechtlich geschützte Dokumente in Gallica aufzunehmen. Seit März 2012 bietet Gallica intra muros vor Ort in der Forschungsbibliothek Zugriff auf urheberrechtlich geschützte Dokumente.
Bestände und Nutzung
Aufgenommen werden urheberrechtsfreie Bücher seit der Inkunabelzeit, Bilder und Tondateien. Im Januar 2020 waren 6.573.228 digitalisierte Dokumente frei abrufbar. Dazu gehörten 702.538 Bücher, 3.591.983 Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften, 1.410.638 Bilder, 134.087 Handschriften, 173.039 Karten, 50.291 Noten, 51.150 Tondokumente, 457.839 Objekte und 1.663 Videos. Täglich kommen zusätzlich 1.500 digitalisierte Seiten hinzu.
Ursprünglich wurden Bücher überwiegend als digitale Faksimiles angeboten und seitenweise als PDF angezeigt. Heute sind die meisten digitalisierten Werke mit optischer Zeichenerkennung bearbeitet. Diese Software erkennt gedruckte Zeichen und macht den Inhalt durchsuchbar. Lateinische Drucke sind in der Analytic Bibliography of Online Neo-Latin Texts einzeln nachgewiesen.
Gallica dient außerdem als Service-Provider für weitere französische digitale Bibliotheken, die über das OAI-Protocol for Metadata Harvesting indiziert werden. Viele Inhalte liegen im Deep Web und werden deshalb mit einer Google-Recherche nicht gefunden; über OAIster sind die Bestände jedoch suchbar.
Bibliografische Erschließung
Jedes Dokument wird durch bibliografische Angaben beschrieben und besitzt eine digitale ID nach dem System ARK (Archival Resource Key). Diese dient dazu, das Dokument langfristig zu erhalten und zu verweisen.
Zu den Angaben zählen Titel, Autor, Verleger, Erscheinungsdatum, Themenschwerpunkt, Dokumenttyp, Sprache, Format des Originaldokuments und der digitalisierten Version, Beschreibung, Lizenzen, persistente URL, Signatur, gesamte Serie, Provenienz und Online-Datum. Damit lassen sich Dokumente gezielt einordnen und auffinden.
Recherche und deutsche Oberfläche
Gallica bietet eine deutsche Version. Die Sprache der Benutzeroberfläche kann oben rechts auf der Startseite und auch bei den Suchergebnissen auf Deutsch eingestellt werden. Die deutsche Version stellt bemerkenswerte deutsche Dokumente besonders heraus.
Für die Recherche gibt es eine einfache Suche sowie eine erweiterte Suche mit mehreren Suchkriterien. Zusätzlich stehen thematische Dossiers als aufbereitete Auswahlen zur Verfügung.
Grenzen und Zusammenarbeit mit Wikimédia
Bei vielen fremdsprachigen Werken sind die Metadaten nur unzureichend erschlossen. Außerdem gibt es teilweise unverständliche Lücken bei mehrbändigen Werken. Ältere Digitalisate, die von Mikrofilmen stammen, können eine niedrige Qualität haben.
2010 gaben die BnF und Wikisource ihre Zusammenarbeit bekannt. Mindestens 1.400 Werke aus Gallica sollten nachbearbeitet werden, weil die Erkennungssoftware beispielsweise einzelne Buchstaben nicht lesen konnte. Dadurch bleiben Wörter und ganze Sätze ungelesen; der Text erscheint lückenhaft und fehlerhaft. Wikimedia bot an, die Texte anhand des Originals erneut zu lesen und zu korrigieren; im Gegenzug dürfen die Korrekturen in Wikipedia integriert werden. Der damalige BnF-Leiter Bruno Racine erwartete dadurch eine Qualität, die durch menschliche Korrektur unter Berücksichtigung des Originals entsteht.