Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Französische Kernwaffentests in Algerien

Die französischen Kernwaffentests in Algerien fanden von 1960 bis 1966 statt. In den Verträgen von Évian vom März 1962, mit denen Algerien die …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Oberirdische Tests bei Reggane
  3. 3. Unterirdische Tests bei In Ekker
  4. 4. Betroffene und Entschädigung

Überblick

Frankreich führte in Algerien von 1960 bis 1966 insgesamt siebzehn Kernwaffentests durch: vier oberirdische Versuche bei Reggane und dreizehn unterirdische bei In Ekker. Die Tests gehören zur Force de dissuasion nucléaire française, also der französischen nuklearen Abschreckung. Obwohl Algerien im März 1962 durch die Verträge von Évian unabhängig wurde, durfte Frankreich die Raketen- und Kernwaffentestanlagen noch fünf Jahre weiter nutzen.

Oberirdische Tests bei Reggane

Das Testgelände Centre Saharien des Expérimentations Militaires (CSEM) bestand bis 1965. Es lag etwa 50 km südwestlich von Reggane in der Provinz Adrar beziehungsweise 20 km südlich von Hamoudia (26° 21′ N, 0° 8′ W).

Der erste französische Kernwaffentest fand dort am 13. Februar 1960 statt. Die Bombe hieß Gerboise bleue („Operation Blaue Wüstenspringmaus“) und hatte eine Sprengkraft von 70 kT. Sie wurde auf der Spitze eines 105 Meter hohen Stahlgerüstes gezündet und war etwa viermal so stark wie die Hiroshima-Bombe. Drei weitere oberirdische Tests mit jeweils weniger als 5 kt folgten am 1. April 1960, am 27. Dezember 1960 und am 25. April 1961.

Die radioaktiven Wolken, auch Fallout genannt, wehten jeweils in einen Umkreis, der sich von 300 km südwestlich bis 300 km östlich von Hamoudia erstreckte. Die Sahara in diesem Gebiet war damals fast menschenleer. Nach dem letzten Test vom 25. April 1961 setzte die französische Armee nach 2010 bekannt gewordenen Angaben wissentlich einen Trupp von 300 Soldaten ionisierender Strahlung aus. Die Soldaten mussten sich bis auf 700 Meter dem Explosionsort nähern. Ziel war laut Militärbericht, die „physiologischen und psychologischen Wirkungen der Kernwaffen auf den Menschen“ zu untersuchen und Erkenntnisse für die Vorbereitung und Ausbildung von Soldaten zu gewinnen. Viele der Betroffenen litten später unter Verstrahlung, Krebs oder starben früh.

Die IAEA untersuchte das Gelände 2005 auf Wunsch Algeriens. Wegen schwacher Radioaktivität hielt sie keine Maßnahmen für erforderlich. Der Zutritt zu den vier Explosionsorten solle oder müsse nur bei größeren Aktivitäten in der Gegend untersagt werden.

Unterirdische Tests bei In Ekker

Das Centre d'Expérimentations Militaires des Oasis (CEMO) lag bei In Ekker im Massiv Tan Affela im Hoggar, etwa 150 km nordwestlich von Tamanrasset an der Straße N 1 (24° 3′ N, 5° 3′ O). Dort wurden zwischen dem 7. November 1961 und dem 16. Februar 1966 dreizehn unterirdische Kernwaffentests durchgeführt.

Beim zweiten Test, Béryl, hielt der Verschluss des Teststollens der Explosion nicht stand. Radioaktives Gas und Staub traten aus und wurden vom Wind nach Osten getragen. Nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums waren höchstens 230 Menschen vom Fallout betroffen; unmittelbare körperliche Folgen seien nicht festgestellt worden. Der Artikel weist jedoch darauf hin, dass offenbar viele Betroffene Spätfolgen erlitten, die auch Gegenstand französischer Gerichtsverfahren waren. Die Umgebung des Teststollens war 2008 offenbar weiterhin stark kontaminiert und nicht wirksam abgesperrt.

Betroffene und Entschädigung

Schätzungen zufolge waren an insgesamt 210 Tests in Algerien und Polynesien 150.000 Militärangehörige und zivile Angestellte beteiligt. Auch die Zivilbevölkerung in den Testgebieten war und ist von den Versuchen betroffen. Für die Zahl der Menschen, die an Krebs oder anderen Strahlungsfolgen erkrankten oder starben, gab es nach Stand Februar 2010 keine öffentlich bekannten Zahlen.

Die Opferorganisation AVEN (Association des vétérans des essais nucléaires) erklärte, die verstrahlte Umgebung sei bis heute nicht dekontaminiert worden. Der 2009 veröffentlichte Dokumentarfilm „Gerboise bleue“ von Djamel Ouahab befasst sich mit den Tests und ihren Folgen.

Weiterlesen