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Faszie

Faszie, auch Fascie oder Fascia (Entlehnung aus lateinisch fascia ‚Binde', ‚Band', ‚Bandage') ist eine Bezeichnung für flächige Strukturen aus Bindegewebe.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und anatomische Einteilung
  2. 2. Aufbau und grundlegende Funktionen
  3. 3. Muskel-, Gruppen- und Oberflächenfaszien
  4. 4. Erweitertes dreischichtiges Modell
  5. 5. Medizinische Bedeutung

Begriff und anatomische Einteilung

Faszien sind flächige Strukturen aus Bindegewebe. Ihre genaue Definition ist uneinheitlich. Nach der konventionellen anatomischen Definition handelt es sich vor allem um die bindegewebigen Hüllen einzelner Muskeln oder ganzer Muskelgruppen, die auch Muskelbinden genannt werden.

Die Terminologia anatomica unterscheidet unter anderem Kopf-Hals-Faszie (Fascia craniocervicalis), Rumpffaszie (Fascia trunci), Gliedmaßenfaszien (Fasciae membrorum) und Muskelfaszien (Fasciae musculorum). Hinzu kommen die Hüllfaszie einer Muskelgruppe (Fascia investiens) und die Muskeleigenfaszie eines einzelnen Muskels (Fascia propria musculi). Bei den körperhöhlennahen Faszien wird zwischen Fascia parietalis, Fascia extraserosalis und Fascia visceralis unterschieden. Die Fascia parietalis liegt außerhalb der Serosa parietalis und ist der Körperwand zugewandt. Die Fascia extraserosalis liegt außerhalb der Serosa viszeralis eher auf der Seite der Organe, bleibt aber von ihnen getrennt. Die Fascia visceralis befindet sich unmittelbar außerhalb der Serosa viszeralis.

In der Veterinäranatomie ist diese differenzierte Einteilung nicht üblich. Die Nomina Anatomica Veterinaria nennt nur den allgemeinen Begriff Faszie und regionale Bezeichnungen für verschiedene Körperabschnitte.

Aufbau und grundlegende Funktionen

Faszien verbinden oder trennen Muskeln und bilden ein zusammenhängendes System. Sie gehen fließend in andere bindegewebige Strukturen über, beispielsweise in das Periost, also die Knochenhaut. Man unterscheidet Faszien einzelner Muskeln, Gruppenfaszien und die allgemeine Körper- beziehungsweise Oberflächenfaszie.

Mikroskopisch verlaufen die Fasern in Strukturen wie Perimysium oder Peritendineum überwiegend parallel. Die Fasern der Muskelfaszien kreuzen sich dagegen scherengitterartig. Dadurch wirken sie bei einer Muskelkontraktion der Verdickung des Muskels entgegen. An frischen Präparaten besitzen Faszien eine feine, treppenstufenförmige Anordnung, die bei der Herstellung histologischer Schnitte weitgehend verloren geht.

Muskelfaszien bestehen hauptsächlich aus Kollagentyp-I-Ketten und enthalten abhängig von ihrer Lage auch elastische Fasern. Sie stehen außen mit dem Bindegewebe von Haut und Unterhaut und innen mit der Knochenhaut in Verbindung. Zusammen mit Septa intermuscularia, also Scheidewänden zwischen Muskeln, und Knochen bilden sie osteofibröse Kanäle. Darin verlaufen Muskeln, Nerven und Gefäße. Entfernt man gedanklich die Muskeln, bleiben Faszien- oder Muskellogen zurück.

Faszien erfüllen auch biomechanische Aufgaben. Der Tractus iliotibialis wirkt beispielsweise als Zuggurtung des Femurs und vermindert dessen Biegebeanspruchung in der Frontalebene. Anders als früher angenommen, sind besonders tiefe Faszien reich an sensorischen Rezeptoren. Dazu gehören Nozizeptoren für Schmerz, Propriozeptoren für Bewegungsänderungen, Mechanorezeptoren für Druck und Schwingungen, Chemorezeptoren für Veränderungen des chemischen Milieus und Thermorezeptoren für Temperaturschwankungen.

Muskel-, Gruppen- und Oberflächenfaszien

Die Fascia propria musculi ummantelt einen einzelnen Muskel. Gemeinsam mit Muskelfasern, Endomysium, Perimysium und Epimysium bildet sie eine funktionelle Einheit. Das Endomysium umgibt einzelne Muskelfasern, das Perimysium Muskelfaserbündel und das Epimysium den gesamten Muskel. Zwischen Epimysium und Muskelfaszie kann eine lockere subfasziale Verschiebeschicht liegen, die das Gleiten des Muskels in seiner Hülle ermöglicht.

Da das Muskelgewebe ständig gegen die Faszie drückt, stehen deren Kollagenfasern unter Spannung. Sie verlaufen meist senkrecht zur Faserrichtung des Muskels. Die Faszie wirkt als Führungsröhre oder „Köcher“: Sie bewahrt Lage und Form des Muskels in unterschiedlichen Kontraktionszuständen und hält ihn auch im erschlafften Zustand aktionsbereit.

Manche Muskeln entspringen an Faszien oder setzen dort beziehungsweise an Septa intermuscularia an. Diese Stellen sind aponeurotisch, also sehnenplattenartig, verdickt. Der Musculus biceps brachii setzt beispielsweise auch an der Fascia antebrachii an. Solche Verbindungen können Zwischenräume zwischen Muskeln bei der Kontraktion vergrößern und sichtbare Hautreliefs erzeugen. Außerdem können Muskeln dadurch als Faszienspanner wirken. An den mimischen Gesichtsmuskeln und am Musculus sphincter ani externus fehlen eigenständige Muskelfaszien.

Gruppenfaszien, die Fasciae investientes, verbinden Muskeln mit gleicher Funktion und schaffen Muskellogen. Treffen zwei Gruppenfaszien zusammen, entsteht ein Septum intermusculare, das bis zum Knochen ziehen kann.

Die Fascia superficialis oder allgemeine Körperfaszie liegt unterhalb des subkutanen Fettes. Sie überzieht trikotartig ganze Körperregionen und grenzt die Gesamtheit der Muskeln gegen die Haut ab. Im Gesicht, besonders im Bereich mimischer Muskeln, fehlt sie stellenweise.

Erweitertes dreischichtiges Modell

In der Osteopathie, besonders im Modell von Ida P. Rolf, wird der Begriff weiter gefasst als in der konventionellen Anatomie. Als Faszien gelten dort alle kollagenen, faserigen Bindegewebe, darunter Gelenk- und Organkapseln, Aponeurosen, Muskelsepten, Bänder, Retinacula und Sehnen. Sie werden als körperweites, umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk verstanden. Diese Verwendung ähnelt dem umgangssprachlichen Begriff „Bindegewebe“, während die fachmedizinische Bezeichnung Binde- und Stützgewebe zusätzlich Knorpel und Knochen umfasst. Schleip et al. (2014) und Stecco (2016) postulierten ein dreischichtiges Modell aus oberflächlichen, tiefen und viszeralen Faszien.

Oberflächliche Faszien liegen in den meisten Körperteilen im Unterhautgewebe und vermischen sich mit der retikulären Schicht der Dermis, also der Lederhaut. Sie bestehen hauptsächlich aus lockerem Binde- und Fettgewebe. Sie umschließen auch Organe, Drüsen und neurovaskuläre Leitbahnen, füllen freie Räume, speichern Fett und Wasser und dienen als Durchgang für Lymphe, Nerven und Blutgefäße sowie als Puffer und Dämpfer. Wegen der Kontakte zwischen vielen Bindegewebszellen wird vermutet, dass diese Schicht außerdem ein körperweites nicht-neurales Kommunikationsnetzwerk bilden könnte. Ihre hohe Viskoelastizität erlaubt eine starke Dehnung, etwa bei normaler oder pränataler Gewichtszunahme.

Tiefe Faszien sind dichte, faserreiche Schichten und Stränge, die Muskeln, Knochen, Nervenbahnen und Blutgefäße durchdringen und umschließen. Je nach Belastung sind sie als Aponeurosen, flächenhafte Faszien wie Fascia lata oder Plantarfaszie, Ligamente, Retinacula, Gelenkkapseln oder Muskelsepten organisiert. Als Periosteum umgeben sie Knochen, als Perichondrium Knorpel und als Perineurium Nerven. Ihr hoher Kollagenanteil bewirkt eine große viskoelastische Zugbelastbarkeit; zugleich sind sie weniger dehnbar als oberflächliche Faszien. Sie können auf mechanische oder chemische Reize mit Kontraktion, Entspannung oder langsamem strukturellem Umbau reagieren. Myofibroblasten, glatte-Muskel-ähnliche Bindegewebszellen, ermöglichen eine lang anhaltende aktive Kontraktion. Eine hohe Dichte dieser Zellen findet sich bei der Palmaren Fibromatose (Dupuytren-Kontraktur) und bei pathologischer Schultersteife („Frozen Shoulder“).

Viszerale Faszie bezeichnet das gesamte Bindegewebe unter dem Eingeweideblatt der Serosa. Im extraperitonealen Teil des Beckens umgibt die Fascia pelvis visceralis die Beckeneingeweide. Beim Mann umfasst die Fascia rectoprostatica oder Denonvillier-Faszie Mastdarm und Prostata; bei der Frau werden entsprechende Strukturen als Parametrium und um die Scheide als Parakolpium bezeichnet. Eine einheitliche Beckenraumfaszie existiert jedoch nicht. Klinisch wird gelegentlich auch das mittlere Blatt der Halsfaszie über dem Rachen als viszerale Faszie bezeichnet.

Medizinische Bedeutung

Muskelfaszien können die Ausbreitung von Entzündungen, Eiteransammlungen und Hämatomen begrenzen. Solche Vorgänge bleiben deshalb häufig längere Zeit auf eine Muskelloge beschränkt. Wo zwischen Faszie und Muskeloberfläche Spalten bestehen, kann sich ein Prozess dagegen weiter ausbreiten.

Reißt eine Muskelfaszie beispielsweise bei übermäßiger Belastung, kann die weiche Muskelmasse durch die Öffnung hervortreten. Dadurch entsteht eine schmerzhafte Muskelhernie. Steigt der Druck innerhalb einer eng umschlossenen Muskelloge, kann sich ein Kompartmentsyndrom entwickeln. Besonders bei der osteosynthetischen Versorgung von Unterschenkelfrakturen ist dies wichtig, weil dort enge Kompartimente bestehen und schwere Schäden an Nerven und Gefäßen drohen. Andere Muskeln, darunter Sternocleidomastoideus, Pronator teres und Sartorius, besitzen flexiblere Hüllen, in denen sie gut gleiten können.

Die Kenntnis von Faszien und Muskellogen ist für die Orientierung bei Operationen entscheidend. Beim Wundverschluss werden durchtrennte Muskelfaszien mit kräftigen Fasziennähten verbunden. Bei dieser Nahtmethode entsteht eine Doppelung der Faszie. Fasziale Strukturen wie Sehnen sind geringer durchblutet als Muskeln und können daher vergleichsweise gut chirurgisch transplantiert werden, etwa bei einer Kreuzbandplastik.

Faszien werden bei manualtherapeutischen Verfahren wie Bindegewebsmassage, Periostmassage und Schröpfen mitbehandelt; Schröpfen verändert auch oberflächliche Faszien. In der Osteopathie gelten Faszien als eigenständiges Organsystem aus verbindenden Strängen, Hüllen und Schichten. Osteopathische Verfahren zielen auf verbesserte beziehungsweise regenerierte Gleiteigenschaften und nachhaltige Veränderungen der Faszien. Dazu zählen Rolfing, die daraus entwickelte „Fasciatherapie“ und das Fasziendistorsionsmodell, die besonders auf tiefe Faszien einwirken sollen. Seit den 2010er Jahren verbreiteten sich außerdem Faszienfitness und Faszientraining, beispielsweise mit einer Faszienrolle; der Artikel ordnet dies als zunehmenden „paramedizinischen“ Trend ein.

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