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Ersatzlebensmittel im Ersten Weltkrieg
Ersatzlebensmittel (Surrogate) spielten während des Ersten Weltkrieges eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung in Deutschland.
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Kern und Bedeutung
Ersatzlebensmittel, auch Surrogate genannt, waren im Ersten Weltkrieg in Deutschland wichtige Produkte, mit denen fehlende Nahrungsmittel ersetzt werden sollten. Ihre Bedeutung wuchs besonders durch die britische Handelsblockade, weil die Mittelmächte und vor allem das Deutsche Reich weitgehend von ausländischen Lebensmitteln abgeschnitten waren. Der Artikel weist selbst darauf hin, dass seine Neutralität umstritten ist und dass er vor allem die Situation in Deutschland beschreibt.
Ersatzprodukte hatte es schon vor dem Krieg gegeben, aber während des Krieges wurden sie für die Versorgung der Bevölkerung viel wichtiger. Gleichzeitig entstanden große Probleme: Viele Produkte waren von schlechter Qualität, teuer oder irreführend beworben. Eine allgemeine Verordnung gegen Missbrauch wurde im Deutschen Reich erst Anfang 1918 erlassen und konnte laut Artikel nur die extremsten Auswüchse eindämmen.
Arten und Ausbreitung
Zu den wichtigen Ersatzlebensmitteln gehörten Kunsthonig, Kaffeeersatz, Suppenwürfel, Puddingpulver und alkoholfreie Getränke. Auch Saccharin, ein Süßstoff, war bekannt. Die Produktion solcher Lebensmittel und Stoffe nahm während des Krieges stark zu. Margarine, ein bekannter Ersatz für Butter, konnte dagegen wegen fehlender Rohstoffe weniger hergestellt werden.
Die Forschung versuchte ebenfalls, durch die Blockade verursachte Ausfälle künstlich zu ersetzen. Dazu gehörten künstliche Gewürze wie Pfeffer. Paul Immerwahr arbeitete zusammen mit Hermann Staudinger an einem Ersatzstoff für Piperin, den Scharfstoff des Pfeffers. Dieses Piperidid auf Kohlebasis kam 1916 auf den Markt. Neben solchen Entwicklungen gab es aber auch viele neue Produkte zweifelhafter Qualität.
Zahlen und Vielfalt
Die Zahl der Ersatzprodukte stieg sehr schnell. Im April 1917 veröffentlichte das Kriegsernährungsamt eine Liste mit 1400 Ersatzmitteln. Bis Oktober desselben Jahres wuchs die Zahl der Einträge auf 10.200.
In den letzten Monaten des Krieges gab es allein 837 Ersatzprodukte für Wurstwaren. Außerdem existierten über 1000 verschiedene Suppenwürfel und 511 Ersatzprodukte für Kaffee. Bei künstlichen Limonaden, Säften, Punsch-, Bier- und Weinimitationen werden etwa 6000 genehmigte Erzeugnisse genannt.
Qualitätsprobleme und Werbung
Ein zentrales Problem war, dass neben seriösen Firmen viele unseriöse Anbieter auftraten. Sie brachten teilweise bedenkliche und überteuerte Produkte auf den Markt und schadeten damit dem Ruf der gesamten Ersatzmittelbranche. Aufklärungskampagnen konnten gegen die oft übertriebene und wahrheitswidrige Werbung der Hersteller wenig ausrichten.
Viele Anbieter warben damit, ihre Produkte seien angeblich chemisch oder ärztlich geprüft. Die amtliche Lebensmittelkontrolle war aber mit der großen Menge unterschiedlicher Ersatzlebensmittel überfordert. Dadurch konnten mangelhafte Produkte leichter verkauft werden.
Herstellung und Inhaltsstoffe
Viele Hersteller senkten ihre Produktionskosten durch minderwertige Zutaten, um hohe Gewinne zu erzielen. Angebliche Fleischersatzprodukte enthielten häufig viel Maisgrieß, Bohnenmehl, Gerstenmehl und Salz. Bei „Wurstprodukten“ lag der Wasseranteil oft bei 80 %, während der Fettanteil nur 5 % betrug. Wenn Fleisch verwendet wurde, handelte es sich häufig um Pferde-, Ziegen- oder Kaninchenfleisch.
Auch Brot und Marmelade waren betroffen. Für sehr billige Ersatzmarmeladen war durch Verordnungen zu Kriegsbeginn ausdrücklich erlaubt, Kartoffeln oder Rüben zu verwenden. Lücken in den Bestimmungen ermöglichten Produkte mit einem Wassergehalt von bis zu 95 %. Diese Ersatzlebensmittel lösten bei vielen Verbrauchern Abscheu und Ekel aus. Kunsthonig war meist deutlich besser, weil seine Produktion strenger kontrolliert wurde.
Rolle der Behörden und Beispiel Kriegsmus
Die Behörden trugen nach Darstellung des Artikels selbst zu den Problemen bei. Seit 1916 wurde die Herstellung von Fleischkonserven und Wurstwaren stark eingeschränkt, sodass es in diesem Bereich fast nur noch Ersatzlebensmittel gab. Gegen schlechte Qualität, etwa einen hohen Wasseranteil, gingen die Behörden zunächst nicht systematisch vor. Teilweise wurde schlechte Qualität sogar toleriert, weil dadurch der Eindruck einer größeren Menge an Nahrungsmitteln entstehen konnte.
Ein Beispiel ist das seit Frühjahr 1917 im Auftrag der Reichsstelle für Obst und Gemüse hergestellte „Kriegsmus“ als Ersatz für Marmelade. Es bestand überwiegend aus Rüben. Ein Untersuchungsbericht des kommunalen Untersuchungsamtes von Bielefeld beschrieb es als „ziemlich dünnflüssiges, stark rot gefärbtes, nach Rüben riechendes Mus“ mit 61,8 % Wasser und 32,8 % Zucker; mikroskopisch wurden „Rüben mit wenig Obst“ festgestellt. In einem Prozess musste die Reichsstelle zugeben, dass generell bereits verfaulte Äpfel und weitere verdorbene Zutaten verwendet wurden. Viele Kommunen weigerten sich, solche Produkte abzunehmen; sie wurden jedoch nicht vernichtet, sondern erneut aufgekocht und wieder in Umlauf gebracht.