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Ernst von Herzog
Ernst Georg Karl Herzog, seit 1886 von Herzog, (* 23. November 1834 in Esslingen am Neckar; † 16. November 1911 in Stuttgart-Degerloch) war ein deutscher …
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Überblick und Ausbildung
Ernst Georg Karl Herzog, seit 1886 von Herzog, lebte vom 23. November 1834 bis zum 16. November 1911. Er war deutscher Klassischer Philologe, Althistoriker, Epigraphiker (Forscher zu antiken Inschriften) und provinzialrömischer Archäologe. Seine Arbeit verband die Untersuchung römischer Texte, Geschichte, Staatsrecht, Inschriften und archäologischer Funde.
Nach Schule und Studium der Philologie und Theologie in Tübingen promovierte er am 19. Februar 1857 über römisches Sakralrecht. Als Hauslehrer in Paris von Oktober 1857 bis Oktober 1859 lernte er fließend Französisch und knüpfte wissenschaftliche Kontakte. Danach studierte er in Berlin Archäologie und Hilfswissenschaften, also Methoden zur Auswertung historischer Quellen. Besonders wichtig waren für ihn Eduard Gerhard, August Boeckh und Theodor Mommsen. In Rom, Neapel, Pompeji und Südfrankreich bereitete er Studien zu römischen Inschriften vor. Dabei konzentrierte er sich auf Inschriften, aus denen sich die Geschichte der römischen Provinz Gallia Narbonensis erschließen ließ.
Lehre und akademische Laufbahn
Herzog habilitierte sich am 2. April 1862 in Tübingen für Klassische Philologie. Seine ersten Vorlesungen im Wintersemester 1862/63 behandelten römische Verwaltungsgeschichte und römische Inschriftenkunde. Im folgenden Semester hielt er die erste Vorlesung zur Christlichen Kunstarchäologie in Tübingen. Ab November 1865 hatte er einen Lehrauftrag für „römische Altertümer“, 1867 wurde er außerordentlicher Professor für Klassische Philologie und Archäologie.
1874 erhielt er die neu geschaffene dritte Professur für Klassische Philologie und wurde dritter Direktor des Philologischen Seminars. Dort leitete er ab dem Sommersemester 1875 Stil- und Interpretationsübungen und betreute wissenschaftliche Arbeiten von Studierenden. Von 1890 bis 1902 las er außerdem über griechische und römische Geschichte sowie historische Methodik. Im akademischen Jahr 1889/90 war er Rektor der Universität Tübingen.
Nach einem Schlaganfall im August 1900 war sein Sprechen erschwert. Er nahm ein Jahr Urlaub, lehrte im Wintersemester 1901/02 nochmals und trat zum 30. Mai 1902 zurück. Damit endete seine Tübinger Lehrtätigkeit nach 80 Semestern.
Forschung zu Inschriften, Staatsverfassung und Limes
Herzogs wichtigste Forschungsleistungen lagen in der römischen Epigraphik. Seine Studie Galliae Narbonensis provinciae Romanae historia descriptio institutorum expositio erschien 1864 in Leipzig und behandelt Geschichte und Einrichtungen der römischen Provinz Gallia Narbonensis anhand von Inschriften. Die Académie des Inscriptions et Belles-Lettres in Paris zeichnete die Arbeit 1865 mit dem 1. Preis aus.
Als Hauptwerk gilt die zweibändige Geschichte und System der römischen Staatsverfassung (Leipzig 1884–1887). Sie stellt die römische Staatsverfassung und den damaligen Forschungsstand umfassend dar und sammelt zahlreiche antike Quellen. Das Werk folgt jedoch Ansichten Niebuhrs zur Verfassung der Römischen Republik, die inzwischen als überholt gelten. Herzog lehnte zudem Mommsens Auffassung ab, die römische Staatsverfassung bilde von der frühen Republik bis zur späten Kaiserzeit ein systematisches Ganzes. Wegen solcher systematischen Mängel geriet das Werk bald in Vergessenheit, blieb aber als Quellen- und Forschungsübersicht wertvoll.
Auch für die Erforschung des obergermanisch-raetischen Limes, der römischen Grenzanlage, war Herzog bedeutsam. König Karl I. genehmigte am 22. August 1877 die Einrichtung der Reichs-Limeskommission in Württemberg. Herzog veröffentlichte 1879 und 1880 Berichte über erste Untersuchungen. Seine Ausgrabungen 1883 und 1884 in Rottenburg am Neckar sollten ein vermutetes römisches Kastell nachweisen; diese Annahme bestätigte sich nicht. Weitere Grabungen führte er 1892 am Westkastell Öhringen sowie 1893 in Mainhardt und Jagsthausen durch. Seit 1892 gehörte er der Reichs-Limeskommission an; von 1903 bis 1910 vertrat er Württemberg in der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt am Main.