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Englischer Humanismus

Englischer Humanismus ist die Bezeichnung für den Renaissance-Humanismus in England. Er entstand im 15. Jahrhundert unter französischem und italienischem …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Zielsetzung
  2. 2. Anfänge und Bildungswesen
  3. 3. Vertreter und Inhalte im frühen 16. Jahrhundert
  4. 4. Erziehung und politische Vorstellungen

Entstehung und Zielsetzung

Der Englische Humanismus bezeichnet den Renaissance-Humanismus in England. Er entstand im 15. Jahrhundert unter französischem und italienischem Einfluss; Gelehrte von europäischem Rang traten dort vor allem erst im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert hervor.

Sein Hauptziel war eine humanistische Bildungsreform. Das durch die spätmittelalterliche Scholastik geprägte Bildungswesen sollte nach humanistischen Grundsätzen umgestaltet werden. Im Zentrum standen sprachliche Ausdrucksfähigkeit, Argumentationskunst und Rhetorik, also Theorie und Praxis des wirkungsvollen Redens und Schreibens. Als Vorbilder galten die „klassischen“ Werke der Antike, die stilistisch und inhaltlich nachgeahmt werden sollten. Anders als besonders in Italien wurde in England zugleich die Verbindung zur christlichen Vergangenheit betont und humanistische Bildung in die christliche Tradition eingebettet.

Anfänge und Bildungswesen

Im 15. Jahrhundert brachten unter anderem William Grey († 1478) und Robert Flemmyng († 1483) humanistisches Gedankengut aus Italien nach England. Beide hatten dort studiert, kehrten anschließend zurück und legten Bibliotheken an. Auch italienische Humanisten wirkten als Impulsgeber, etwa Poggio Bracciolini, der nach England reiste.

Herzog Humphrey von Gloucester (1390–1447) war in der ersten Phase ein zentraler Förderer. An seinem Hof lebten die italienischen Humanisten Tito Livio Frulovisi und Antonio Beccaria. Humphreys Bibliothek wurde zum Grundstock der später von Thomas Bodley gegründeten Bodleian Library, der Universitätsbibliothek in Oxford. Ein weiterer wichtiger Mäzen und Büchersammler war John Tiptoft, Earl of Worcester († 1470).

Das englische Schulwesen galt gegenüber dem Kontinent als rückständig. Im Lauf des 15. Jahrhunderts entstanden daher zahlreiche nichtkirchliche Bildungsanstalten, darunter Colleges und Grammar Schools. Sie konkurrierten mit den älteren kirchlichen Schulen. Gegen Ende des Jahrhunderts und im frühen 16. Jahrhundert nahm die Entwicklung deutlich zu; auch an den Universitäten setzte sich humanistische Bildung nun stärker durch.

Vertreter und Inhalte im frühen 16. Jahrhundert

Im frühen 16. Jahrhundert wurde Erasmus von Rotterdam zum wichtigsten zeitgenössischen Impulsgeber für englische Humanisten. Seine für pädagogische Zwecke geeigneten Werke wurden als Schullektüre verwendet.

Zu den wichtigen Vertretern gehörten John Colet (1467–1519), ein in Italien ausgebildeter Schulgründer, und Thomas Linacre († 1524), ebenfalls in Italien ausgebildeter königlicher Hofarzt. Linacre verfasste eine lateinische Grammatik und verbreitete bei seinen Kollegen die Kenntnis der antiken medizinischen Literatur. William Grocyn († 1519) brachte den Bibelhumanismus nach England und führte in Oxford Griechisch als Studienfach ein.

Der bekannteste Repräsentant war der Staatsmann und Schriftsteller Thomas Morus († 1535). Sein Schüler Thomas Elyot veröffentlichte 1531 The boke Named the Governour, eine Schrift zur Staatstheorie und Moralphilosophie.

Erziehung und politische Vorstellungen

Elyots humanistische Erziehungsgrundsätze trugen im 16. Jahrhundert wesentlich zur Ausbildung des Gentleman-Ideals bei. Dieses Ideal verband eine nach klassischem Vorbild vervollkommnete Beredsamkeit mit aktiver politischer Beteiligung, Patriotismus, vornehmer Gesinnung und Frömmigkeit.

In der politischen Theorie vertraten die englischen Humanisten die bestehende aristokratische Gesellschaftsordnung. Verbesserungen erwarteten sie vor allem von einer sorgfältigen humanistischen Erziehung der Kinder des Adels. Humanistische Bildung sollte damit ein Kennzeichen des Gentleman und eines politisch verantwortlichen Menschen sein.

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