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Emilia (Film)

Emilia ist eine 2005 entstandene moderne Verfilmung des Theaterklassikers Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing. Regisseur und Drehbuchautor ist …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Film und Grundidee
  2. 2. Handlung
  3. 3. Bezug zu Lessings Drama
  4. 4. Entstehung und Aufnahme

Film und Grundidee

Emilia ist ein deutscher, deutschsprachiger Film aus dem Jahr 2005. Er dauert 85 Minuten und ist ab 12 Jahren freigegeben. Regie und Drehbuch stammen von Henrik Pfeifer, produziert wurde der Film von Pascal Ulli; die Kamera führte Olivier Kolb. Der Film ist eine moderne Verfilmung von Gotthold Ephraim Lessings Theaterstück Emilia Galotti.

Die Handlung spielt im heutigen Berlin, doch die Figuren sprechen die Originalsprache Lessings. Dadurch verbindet der Film eine gegenwärtige Lebenswelt mit der Sprache und dem Konflikt des klassischen Dramas. Im Mittelpunkt steht Emilias Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit. Zugleich zeigt der Film, dass gesellschaftliche Unterschiede weiterhin eine Rolle spielen können.

Handlung

Hettore ist ein gefeierter Schauspieler. Am Theater spielt er den Prinzen von Guastalla in Lessings Emilia Galotti. Außerdem besitzt er einen renommierten Nachtclub. Eines Abends sieht er dort die junge Emilia und verliebt sich sofort in sie. Unbewusst übernimmt er im wirklichen Leben die Rolle des Prinzen, den er auf der Bühne darstellt: Er will Emilias Herz gewinnen.

Als Hettore erfährt, dass Emilia den Anwalt Appiani heiraten will, ist er verzweifelt. Sein skrupelloser Manager Marinelli befürchtet, dass Hettores Liebeskummer den Erfolg des Schauspielers beeinträchtigen könnte. Deshalb plant er, Emilia von Appiani zu trennen. Er lässt die Hochzeitslimousine überfallen, Emilia entführen und Appiani ermorden.

Emilia hält Hettore zunächst für ihren Retter und entwickelt Gefühle für ihn. Hettore, der in der Verführung erfahren ist, gewinnt sie tatsächlich für sich. Orsina, Hettores verletzte ehemalige Geliebte, erkennt jedoch den Plan. Aus Rache verrät sie Hettore an Emilias Vater.

Emilia trauert um ihren ermordeten Verlobten und ist innerlich zerrissen. Einerseits liebt sie Hettore, andererseits erkennt sie, dass eine Liebe, die auf dem Tod eines anderen beruht, keine dauerhafte Grundlage hat. Sie denkt deshalb an Selbstmord.

Bezug zu Lessings Drama

Wie in Emilia Galotti besteht zwischen den beiden Hauptfiguren ein großer gesellschaftlicher Unterschied. Bei Lessing verliebt sich ein Prinz in Emilia; im Film ist Hettore ein berühmter Theaterstar, während Emilia als kleine Pizzabäckerin dargestellt wird. Der Film überträgt damit den Konflikt des Originals in eine moderne Umgebung.

Besonders stark weicht das Ende vom Drama ab. Emilia tötet sich möglicherweise selbst, statt dass ihr Vater die Tat ausführt. Allerdings bleibt offen, ob sie ihren Selbstmord nur vortäuscht oder ob Hettore ihn im entscheidenden Moment verhindert. Nach einer Ausblendung ins Weiß erscheinen Hettore und Emilia erneut. Dies kann als Hinweis verstanden werden, dass die Geschichte möglicherweise glücklich weitergehen könnte. Die Filmemacher gestalteten das Ende bewusst mehrdeutig: Der Produzent wollte näher am Original bleiben, während der Regisseur die Möglichkeit einer vorgetäuschten Tat offenhalten wollte.

Die alte Sprache wirkt zusammen mit der heutigen Handlung zugleich realistisch und entrückt. Bildnachbearbeitung und Farbgebung verstärken diese Wirkung. Laut Produzent Pascal Ulli bestand eines der Hauptziele darin, Lessings Sprache zu bewahren und jungen Menschen näherzubringen.

Entstehung und Aufnahme

Henrik Pfeifer wurde durch eine Verfilmung von Hamlet mit Ethan Hawke angeregt. Ihn beeindruckte, wie eine alte Kunstsprache in die Gegenwart übertragen wurde. Daraus entstand die Idee, auch einen deutschen Klassiker modern zu verfilmen. Pfeifer hatte sich bereits während seiner Schulzeit besonders mit der Figur Emilia beschäftigt.

Für ihn ist der Freiheits- und Unabhängigkeitskampf der Figur auch heute bedeutsam. Emilia wird zum Spielball der Interessen aller Beteiligten. Erst durch Hettores Liebeserklärung beginnt sie, sich zu fragen, was sie selbst will. Das Lied „Natürlich kann ich fliegen“ der Band Anjaka, gesungen von Anja Krabbe, greift das Motiv auf, sich aus alten Bindungen zu lösen und den eigenen Weg zu finden. Deshalb wurde es für den Film ausgewählt.

Die TV-Premiere fand am 21. November 2005 statt. Die Kinopremiere folgte am 20. Januar 2006 bei den Filmtagen in Solothurn in der Schweiz.

Die Kritiken hoben verschiedene Merkmale hervor: ZDFtheaterkanal bezeichnete den Film als ungewöhnlichen Theaterfilm, der Bühnensprache und Kinosprache spannungsreich verbindet. Die Berliner Zeitung lobte die ungewöhnliche Bildsprache. TV Today beschrieb den Film als Mischung aus Kammerspiel, Thriller und Musikvideo. Weitere Kritiken betonten das überzeugende Ensemble, die Schauspieler und den experimentellen Charakter.

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