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Ea-nasir
Ea-nasir (fl. Mitte des 18. Jahrhunderts v. Chr.) war ein babylonischer Großhändler, der wahrscheinlich in Ur lebte und durch erhaltene Tontafeln mit …
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Wer Ea-nasir war
Ea-nasir (fl. Mitte des 18. Jahrhunderts v. Chr.) war ein babylonischer Großhändler, der wahrscheinlich in Ur lebte. Bekannt ist er heute vor allem durch akkadische Tontafeln mit geschäftlicher Korrespondenz, darunter mehrere Beschwerden seiner Kunden.
Besonders berühmt wurde der Beschwerdebrief eines Kunden namens Nanni. Nanni warf Ea-nasir vor, ihm minderwertiges Kupfer angeboten und seine Boten schlecht behandelt zu haben. Dieser Brief war in Fachkreisen schon lange bekannt und lag seit 1960 auch in englischer Übersetzung vor. In den 2010er Jahren wurde er als „ältester Beschwerdebrief der Welt“ im Internet populär und später in die Datenbank des Guinness-Buchs der Rekorde aufgenommen.
Handel und Wohnsitz
Wilhelmus F. Leemans beschrieb Ea-nasir 1960 auf Grundlage der Tontafeln, die in Ea-nasirs wahrscheinlichem Wohnsitz in Ur gefunden wurden, als bedeutenden Großhändler. Ea-nasir kaufte Kupfer in Dilmun ein und verschickte es auf dem Wasserweg nach Ur, wo es an verschiedene Händler weiterverkauft wurde.
Wahrscheinlich hielt sich Ea-nasir jeweils längere Zeit in Dilmun auf. Von dort oder dorthin erhielt er Aufträge und Beschwerden aus Ur, die er bei seiner Rückkehr mit sich führte. Sein Hauptgeschäft war laut Leemans vermutlich der direkte Import von Kupfer für den Palast von Ur. Dass er diesem Palastgeschäft größere Aufmerksamkeit schenkte, wird als mögliche Erklärung dafür genannt, dass er private Geschäftsbeziehungen weniger sorgfältig behandelte.
Neben Kupferbarren handelte Ea-nasir auch mit Produkten aus Kupfer sowie gelegentlich mit Textilien und Lebensmitteln. Michael Rice fasste dies sinngemäß so zusammen, dass Ea-nasir mit allem handelte, worin er eine Gelegenheit für Profit sah.
Beschwerden und wirtschaftliche Probleme
Die erhaltenen Tontafeln zeigen, dass Ea-nasir mehrere unzufriedene Geschäftspartner hatte. Beschwerden bezogen sich unter anderem darauf, dass ein Mittelsmann, meistens ein Mann namens Nigga-Nanna, bereits bezahltes Kupfer nicht erhalten habe. Namentlich beschwerten sich unter anderem Arbituram, Appa, Ilsu-ellatsu und Ili-idinnam.
Ea-nasirs Kreditwürdigkeit scheint sich im Laufe der Zeit verschlechtert zu haben. Darauf deuten eine Zunahme von „Mahnbriefen“ an ihn und Ergebnisse der Ausgrabungen Leonard Woolleys hin. Offenbar wurde ein Teil seines Hauses in Ur noch zu Ea-nasirs Lebzeiten abgetrennt und mit dem Haus eines Nachbarn verbunden. Das wird als Hinweis darauf verstanden, dass er zuletzt in bescheideneren Verhältnissen leben musste.
Nannis Brief
Der bekannteste erhaltene Beschwerdebrief stammt von Nanni, einem Kupferhändler, und wird auf etwa 1750 v. Chr. datiert. Nanni beschwerte sich darüber, dass Ea-nasir seinem Boten minderwertige Kupferbarren angeboten habe. Außerdem hätten Nannis Boten bereits mehrfach mit leeren Händen durch Feindesland zurückkehren müssen.
In dem Brief fragt Nanni unter anderem: „Was glaubst du, wer du bist, jemanden wie mich mit solcher Verachtung zu behandeln?“ Er betont, dass kein anderer Händler, der Geschäfte mit Dilmun mache, ihn so behandelt habe. Weiter kündigt er an, künftig kein Kupfer von Ea-nasir mehr anzunehmen, das nicht von guter Qualität sei. Er wolle die Barren von nun an einzeln in seinem eigenen Hof auswählen und sein Recht auf Zurückweisung nutzen.
Die Tontafel mit Nannis Beschwerde wurde von Leonard Woolley in Ur gefunden und 1953 vom British Museum erworben.
Vom Fund zum Internetphänomen
Seit 2015 verbreitete sich Nannis Beschwerdebrief zunehmend auf Internetplattformen. Ein wichtiger Auslöser war ein Reddit-Beitrag eines Nutzers namens tbc34, der vielfach geteilt und kommentiert wurde. Nach mehreren Artikeln, etwa auf ABC Science, wurde der Brief 2018 erneut über Reddit weiter popularisiert.
Die Aufmerksamkeit führte auch zu Fan-Fiction, in der Ea-nasir und Nanni als handelnde Figuren auftreten. In Memes wird häufig eine Statue aus Tell Asmar als Statue von Ea-nasir dargestellt. Diese Statue wurde während der Grabungskampagne 1933/34 unter Henri Frankfort gefunden, steht aber tatsächlich in keinem Zusammenhang mit Ea-nasir und ist mehr als 900 Jahre von ihm entfernt. Heute befindet sie sich im Metropolitan Museum of Art.
Das Guinness-Buch der Rekorde führt Nannis Schreiben inzwischen als Oldest written customer complaint in seiner Datenbank.