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Dietrich Stauffer
Dietrich Stauffer (* 6. Februar 1943 in Bonn; † 6. August 2019) war Professor für Theoretische Physik an der Universität zu Köln. Bekannt ist er unter …
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Person und wissenschaftliche Bedeutung
Dietrich Stauffer (* 6. Februar 1943 in Bonn; † 6. August 2019) war Professor für Theoretische Physik an der Universität zu Köln. Sein Hauptforschungsgebiet war die Statistische Physik, die Systeme mit sehr vielen Teilchen mithilfe statistischer Methoden untersucht. Bekannt wurde er besonders durch Arbeiten zur Perkolationstheorie, zu zellulären Automaten und zur Computational Physics sowie durch deren interdisziplinäre Anwendung.
Die Perkolationstheorie behandelt unter anderem, wie sich zusammenhängende Strukturen in zufällig aufgebauten Systemen bilden. Zelluläre Automaten sind Modelle aus vielen einzelnen Zellen, deren Zustände sich nach festgelegten Regeln verändern. Computational Physics bezeichnet die Untersuchung physikalischer Probleme mit numerischen Berechnungen und Computersimulationen.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Stauffer wurde 1943 in Bonn als Sohn des Theologie-Professors Ethelbert Stauffer geboren. 1970 promovierte er an der Technischen Universität München. Als Mitarbeiter von Kurt Binder habilitierte er sich 1975 an der Universität Saarbrücken. Seit 1977 war er Professor für Theoretische Physik an der Universität zu Köln.
Von 1987 bis 1990 leitete er die Forschergruppe für Vielteilchenphysik am damaligen „Höchstleistungsrechenzentrum“ des Forschungszentrums Jülich. Vielteilchenphysik untersucht Systeme, in denen zahlreiche Bestandteile miteinander wechselwirken.
Forschung, Lehre und interdisziplinäre Arbeit
Neben seinen Forschungen zur Perkolationstheorie und zu zellulären Automaten trug Stauffer zur systematischen Verbesserung und Verbreitung numerischer Methoden in der Computational Physics bei. Er initiierte und betreute außerdem Projekte der sogenannten Miniforschung, die die Verbindung zwischen Universität und Schule stärken sollten.
Einige Jahre übertrug er physikalische Methoden vor allem auf Fragen der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften. Diese Forschungsrichtungen werden als Econophysics beziehungsweise Sociophysics bezeichnet. Econophysics nutzt physikalische Modelle für wirtschaftliche Probleme, Sociophysics für gesellschaftliche Vorgänge. Auch wegen dieser Arbeit verlieh ihm die Universität Lüttich 2006 die Ehrendoktorwürde.
Stauffer veröffentlichte mehrere Bücher und über 500 wissenschaftliche Artikel. Seine Arbeiten zeichneten sich durch unkonventionelle, fachübergreifende Anwendungen der statistischen Physik und eine häufig internationale Ko-Autorenschaft aus. Studenten und Post-Docs unterstützte er durch ausführliche wissenschaftliche Diskussionen und dadurch, dass er ihnen ermöglichte, eigene Ergebnisse als Alleinautoren zu veröffentlichen.
Auszeichnungen und wissenschaftspolitische Haltung
Für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt Stauffer mehrere Auszeichnungen, darunter 1985 den Humboldt-Preis und 1999 den Gentner-Kastler-Preis. 2008 ernannte ihn die American Physical Society zum Outstanding Referee, womit seine Tätigkeit als Gutachter wissenschaftlicher Arbeiten gewürdigt wurde.
Anlässlich der Umstellung von C3/C4- auf W2/W3-Professuren kritisierte er verbreitete Methoden zur Bewertung wissenschaftlicher Leistungen. Er riet dazu, Kriterien zu vermeiden, „die der Wissenschaft eher schaden denn nützen, falls sich die Bewerteten nach diesen Kriterien richten“.
Ausgewählte Veröffentlichungen
Seine Bücher spiegeln sowohl seine physikalischen Kernthemen als auch seine interdisziplinären Interessen wider. Zu den ausgewählten Werken gehören:
- mit H. Eugene Stanley: „From Newton to Mandelbrot. A Primer in Theoretical Physics“ (1990), ISBN 3-540-52661-7
- mit A. Aharony: „Introduction to Percolation Theory“ (1992)
- „Theoretische Physik (Eine Kurzfassung, vor allem für Lehramtler)“ (1993)
- mit F. W. Hehl, N. Ito, V. Winkelmann und J. G. Zabolitzky: „Computer simulation and computer algebra“ (1993)
- mit S. M. de Oliveira und P. M. C. de Oliveira: „Evolution, money, war and computers“ (1999)
- mit D. Chowdhury: „Principles of equilibrium statistical mechanics“ (2000)
- mit S. M. de Oliveira, P. M. C. de Oliveira und J. S. Sa Martins: „Biology, Sociology, Geology by Computational Physics“ (2006)