Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Die niederländischen Sprichwörter

Die dargestellten Sprichwörter ; 1, Den Teufel aufs Kissen binden. · Durch Starrköpfigkeit selbst den Teufel überwinden. ; 2, Ein Pfeilerbeißer. · Jemand ist ein …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundidee
  2. 2. Bildaufbau
  3. 3. Deutung der dargestellten Welt
  4. 4. Künstlerischer Hintergrund
  5. 5. Beispiele wichtiger Sprichwörter
  6. 6. Spätere Verwendung

Werk und Grundidee

„Die niederländischen Sprichwörter“, auch „Die flämischen Sprichwörter“, ist ein Ölgemälde von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem Jahr 1559. Es ist auf Eichenholz gemalt, misst 117 × 163 cm und befindet sich seit 1914 in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Das Bild zeigt ein Dorf am Fluss nahe der Meeresküste. In dieser scheinbar alltäglichen Dorfszene sind über 100 niederländische Sinnsprüche und Redewendungen bildlich dargestellt. Die Menschen handeln dabei oft töricht, eigennützig, betrügerisch oder widersprüchlich. Das Gemälde ist deshalb nicht nur eine Sammlung von Sprichwörtern, sondern auch eine Deutung der Welt als „verkehrte Welt“, in der vieles nicht so ist, wie es sein sollte.

Bildaufbau

Der Betrachterstandpunkt liegt in mittlerer Höhe. Dadurch bleibt die ganze Szene übersichtlich, während einzelne Handlungen gut erkennbar sind. Das Gelände steigt nach hinten an; Galgen und Segelboot sind frontal gemalt. Diese Verschiebung des Blickwinkels erzeugt zusätzliche räumliche Tiefe.

Die Hauptachse verläuft, wie häufig bei Bruegel, diagonal von links unten nach rechts oben durch das Bild. Einzelne Perspektivabweichungen sind vermutlich absichtlich gesetzt. Dazu gehören die „fälschlich“ frontal gemalten Pfannkuchen oben links. Solche Abweichungen helfen, wichtige Einzelheiten deutlicher sichtbar zu machen.

Deutung der dargestellten Welt

Vordergründig zeigt das Gemälde Dorfleben: Menschen arbeiten, essen, streiten, handeln, spielen oder bewegen sich durch den Ort. Im Hintergrund steht jedoch eine moralische Deutung. Die auf den Kopf gestellte Weltkugel verweist auf eine verkehrte, gottlose Welt. Die Menschen wirken wie Narren, die ihrem weltlichen Treiben folgen.

Unterhalb des Bildzentrums ist eine Frau in rotem Kleid farblich hervorgehoben. Sie hängt ihrem Mann einen blauen Mantel um. Dieses Sprichwort bedeutet, dass sie ihn betrügt. Im Mittelpunkt sitzt der Teufel unter einem blauen Baldachin. Der Artikel deutet ihn als Regenten dieser Bilderwelt: Er steht für die sündhafte und närrische Ordnung, die im ganzen Bild sichtbar wird.

Bruegels Weltbild knüpft an Vorstellungen seiner Zeit an. Die Welt erscheint als sündhaft, böse und töricht. Betrug und Selbstbetrug, Bosheit und menschliche Schwäche gehören zusammen. Ähnliche Themen werden auch in Sebastian Brants „Narrenschiff“ und in Erasmus von Rotterdams „Lob der Torheit“ beschrieben. Im 17. Jahrhundert wurde das Bild historischen Quellen zufolge auch „Der blaue Mantel“ und „Verkehrte Welt“ genannt.

Künstlerischer Hintergrund

Sprichwörtersammlungen waren zur Zeit Bruegels verbreitet. Erasmus von Rotterdam veröffentlichte bereits im Jahr 1500 Sprüche und Wendungen lateinischer Autoren. Rabelais beschreibt in seinem 1564 erschienenen Roman „Pantagruel“ unter anderem eine Sprichwörterinsel.

Bruegel selbst hatte 1558 eine Serie von Tafelbildern mit dem Titel „Zwölf Sprichwörter“ geschaffen, die sich heute im Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen befindet. Im selben Jahr erschien bei Hieronymus Cock der Sprichwörter-Kupferstich „Blauwe Huick“ („Blauer Mantel“) von Frans Hogenberg. Bruegel übernahm daraus vieles. Dieser Kupferstich enthält etwa vierzig Sprichwörter mit Beischriften. Aus Gründen der Übersichtlichkeit sind Figuren und Gegenstände im Hintergrund größer dargestellt, als es die Perspektive eigentlich erwarten ließe.

Beispiele wichtiger Sprichwörter

Die im Artikel genannten Sprichwörter sind nur ein Teil der über 100 im Gemälde dargestellten Redewendungen. Viele beschreiben menschliche Schwächen, falsches Handeln oder soziale Konflikte.

Beispiele für Betrug, Täuschung und Scheinheiligkeit sind: „Dem Mann einen blauen Mantel umhängen“ bedeutet jemanden betrügen. „Ein Pfeilerbeißer“ bezeichnet einen scheinheiligen Heuchler. „Er bindet Gott einen flächsernen Bart um“ steht für Betrug unter der Maske der Scheinheiligkeit. „Beim Teufel zur Beichte gehen“ bedeutet, Geheimnisse an den Feind zu verraten.

Andere Sprichwörter warnen vor Unklugheit oder falschen Entscheidungen. „Jemand will mit dem Kopf durch die Wand“ bedeutet, stur und unbedacht etwas Unmögliches zu versuchen. „Sie greift nach dem Hühnerei und lässt das Gänseei fahren“ beschreibt eine unüberlegte schlechte Wahl. „Er schüttet den Brunnen zu, nachdem das Kalb ertrunken ist“ bedeutet, dass erst gehandelt wird, wenn es zu spät ist. „Wer seinen Brei verschüttet hat, kann nicht wieder alles einsammeln“ meint, dass ein Schaden nicht wiedergutzumachen ist.

Mehrere Sprichwörter handeln von sozialer Ungleichheit und Eigennutz. „Der eine schert Schafe, der andere Ferkel“ bedeutet, dass der eine im Überfluss lebt und der andere in Not. „Die großen Fische fressen die kleinen“ beschreibt, dass Mächtige sich auf Kosten Schwacher bereichern. „Die breitesten Riemen werden aus dem Leder anderer Leute gemacht“ bedeutet, dass man leicht das Geld eines anderen ausgibt. „Ihm ist gleich, wessen Haus brennt, wenn er sich nur am Feuer erwärmen kann“ steht dafür, jede Gelegenheit zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Einige Sprichwörter zeigen Gefahr, Scheitern oder das Verfehlen eines Ziels. „Hinter dem Netz fischen“ bedeutet, eine Gelegenheit zu verpassen. „Gegen den Strom schwimmen“ heißt, gegen die allgemeine Meinung aufzubegehren. „Der Krug geht solange zum Wasser, bis er bricht“ bedeutet: Alles hat ein Ende. „Wenn ein Blinder den anderen führt, fallen beide in den Graben“ warnt davor, dass ein Unwissender einen anderen führt und beide ins Unglück geraten.

Spätere Verwendung

Das Gemälde wurde später auch außerhalb der Kunstgeschichte verwendet. Es ist auf dem Cover des Musikalbums „Fleet Foxes“ der gleichnamigen Band abgebildet.

Weiterlesen