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Dicker (Anrede)

Dicker ist eine Anrede für einen Freund oder Kumpel und keinesfalls abwertend gemeint – bezieht sich also nicht auf das Körpergewicht des Angesprochenen. Die …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Gebrauch
  2. 2. Herkunft und Entwicklung
  3. 3. Verbreitung im deutschen Sprachraum

Bedeutung und Gebrauch

„Dicker“ ist eine informelle Anrede für einen Freund oder Kumpel. Gebräuchliche Varianten sind „Digger“, „Digga“, „Diggah“, „Dicki“ und „Diggi“. Die Anrede ist nicht abwertend gemeint und bezieht sich nicht auf das Körpergewicht der angesprochenen Person. In ihrer Funktion entspricht sie ungefähr der Anrede „Alter“.

Typische Beispiele sind: „Was is’ los, Dicker!?“, „Kein Plan, Dicker“ oder „Chill mal, Dicker!“. Die Kurz- und Verniedlichungsform „Diggi“ kommt ebenfalls häufig vor. In der deutschen Hip-Hop-Musik wird der Ausdruck auch als Ad-lib verwendet. Damit sind einzelne zusätzliche Ausrufe während eines Liedes gemeint.

Herkunft und Entwicklung

Die Herkunft des Begriffs ist umstritten. Die Anrede kommt bereits im Film „Rocker“ von Klaus Lemke aus dem Jahr 1972 vor, der in der Hamburger Rockerszene spielt. Diese frühe Verwendung spricht gegen die Erklärung, „Dicker“ oder „Digger“ stamme vom englischen Ausdruck „digging in the crates“ ab, der das Durchsuchen von Plattenkisten bezeichnet. Auch ein Zusammenhang mit dem „Digging“, also dem Graben von Goldgräbern, gilt in diesem Zusammenhang als eher unwahrscheinlich.

Als plausibler gilt, dass „Digger“ beziehungsweise „Dicker“ ursprünglich als Kosename verwendet wurde. Der Ausdruck soll bereits Anfang des 20. Jahrhunderts im Hamburger Arbeitermilieu gebräuchlich gewesen sein. Dazu passt, dass „mit jemandem dick sein“ im norddeutschen Jargon auch eine gute Freundschaft bezeichnet. Ein weiteres Indiz ist Wilhelm von Kügelgens autobiografisches Buch „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“ von 1867. Dort bezeichnet er seinen Bruder am Ende des zweiten Kapitels des dritten Teils als „Lieber Dicker“.

Die Schreibweise „Digger“ wird sehr wahrscheinlich durch die Lautumschrift des Hamburger Dialekts erklärt: Ein „ck“ kann dort wie ein doppeltes „g“ klingen. Der Begriff wurde besonders durch die Hamburger Hip-Hop-Bewegung der 1990er Jahre populär. Mehrere Hamburger Hip-Hop-Künstler und -gruppen verwendeten ihn häufig. Bekannte Beispiele aus diesem Zusammenhang sind Das Bos Lied „Türlich, türlich (sicher, Dicker)“ und das Hip-Hop-Projekt Digger Dance mit „Digger is a Dancer“ zur Jahrtausendwende.

Verbreitung im deutschen Sprachraum

Seit einigen Jahren wird der Begriff nicht mehr nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland verwendet. In Berlin ist eher die Schreibweise „Dicka“ verbreitet. Das ist bemerkenswert, weil die Berliner Hip-Hop-Szene der Hamburger Szene anfangs eher feindlich gegenüberstand und einen eigenen Slang bevorzugte. Dazu gehörte unter anderem „Atze“, das ähnlich wie „Dicker“ als kumpelhafte Anrede verwendet wird.

Die deutschlandweite Verbreitung wurde auch in der Hamburger Hip-Hop-Musik thematisiert. In der Single „Ahnma“ der Beginner heißt es im Refrain: „Jeder sagt Dicker heutzutage / Wir packen Hamburg wieder auf die Karte.“ Der Ausdruck ist außerdem in Österreich angekommen. Er fällt beispielsweise in der 2014 ausgestrahlten Wiener „Tatort“-Folge „Abgründe“ und gehört inzwischen auch zur österreichischen Jugendsprache.

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