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Der Schimmelreiter (1984)
Sie beruht auf der gleichnamigen Novelle von Theodor Storm. Film. Titel, Der Schimmelreiter. Produktionsland, DDR, Polen. Originalsprache, Deutsch.
Inhalt5 Abschnitte
Film und Vorlage
Der Schimmelreiter ist eine deutsch-polnische Literaturverfilmung aus dem Jahr 1984. Der 96 Minuten lange, deutschsprachige Film beruht auf der gleichnamigen Novelle von Theodor Storm und ist ab 12 Jahren freigegeben. Regie und Drehbuch übernahm Klaus Gendries. Produziert wurde der Film vom Fernsehen der DDR und von Telewizja Polska. Die Hauptrollen spielen Sylvester Groth als Hauke Haien und Jolanta Grusznic als Elke Volkerts.
Die Handlung ist als Rahmenerzählung gestaltet: Ein Reisender glaubt bei schlechtem Wetter auf dem Deich einen Geisterreiter zu sehen. In einem Wirtshaus erzählt ihm ein alter Mann die mehr als 100 Jahre zurückliegende Geschichte dieses geheimnisvollen Schimmelreiters.
Haukes Aufstieg zum Deichgrafen
Der 24-jährige Hauke Haien tritt als Kleinknecht in den Dienst des alten Deichgrafen Volkerts. Weil Hauke lesen, schreiben und rechnen kann, verfasst er bald die Berichte an den Oberdeichgrafen, die Volkerts nur noch unterschreibt. Damit macht er sich Ole Peters zum Feind. Ole hatte gehofft, Volkerts’ Tochter Elke zu heiraten und später selbst Deichgraf zu werden. Er stellt Hauke deshalb bei den abergläubischen Dorfbewohnern als Verbündeten des Teufels dar.
Bei einem Fest besiegt Hauke Ole in einem Wettkampf. Statt mit Elke zu tanzen, geht er mit ihr spazieren und überreicht ihr einen Brief, in dem er ihr seine Liebe gesteht. Obwohl Hauke wegen ihres unterschiedlichen gesellschaftlichen Standes nicht an eine gemeinsame Zukunft glaubt, liebt Elke ihn ebenfalls. Sie hat heimlich Ringe gekauft, und beide verloben sich auf dem Deich.
Nach Volkerts’ überraschendem Tod erklärt Elke dem Oberdeichgrafen, dass Hauke schon seit Jahren die eigentliche Arbeit ihres Vaters erledigt habe. Sie kündigt an, Hauke nach dem Trauerjahr zu heiraten, wodurch er aufgrund ihres Landbesitzes rechtmäßig Deichgraf werden könne. Hauke erhält das Amt. Später wird Elke schwanger und überlebt nur knapp die Geburt. Die Hebamme führt die Gefahr darauf zurück, dass Hauke nicht ausreichend an Gott glaube; Hauke selbst versteht Elkes Überleben als gutes Zeichen.
Schimmel, Deichbau und Sturmflut
Haukes 14-jähriger Knecht Iven glaubt auf der Jevershallig den Geist eines Schimmels zu erkennen, findet dort aber nur ein Pferdeskelett. Ein anderer Knecht behauptet dennoch, der Geisterschimmel habe direkt hinter Iven gestanden. Kurz darauf kauft Hauke einem fahrenden Händler einen abgemagerten Schimmel ab. Iven reagiert darauf mit großer Angst, während sich unter den Dorfbewohnern der Aberglaube um Hauke weiter verstärkt.
Als Deichgraf setzt Hauke gegen Oles Widerstand den Bau eines neuen Deiches durch. Dieser steigt flacher an als der alte und soll dadurch den Wassermassen besser standhalten. Zusätzlichen Unmut löst Hauke aus, als er einen Hund rettet, der nach altem Brauch als „etwas Lebendiges“ im Deich begraben werden soll. Die alte Hebamme Trin sieht daraufhin in einer Vision ein großes Unglück voraus.
Bei einem Gewitter droht schließlich eine Sturmflut. Ole lässt seine Männer versuchen, den neuen Deich zu durchbrechen, um den alten zu entlasten. Hauke hält sie davon ab, doch kurz darauf bricht der alte Deich. An der Unglücksstelle sieht Hauke seine Frau und seinen Sohn in einer Kutsche in das Überflutungsgebiet fahren. Beim Versuch, sie zu warnen, werden er und sein Schimmel von den Wassermassen fortgerissen. Auch Elke und das Kind sterben. Nach dem Ende der Erzählung bedankt sich der Reisende bei dem alten Mann und setzt seinen Weg auf dem Deich fort.
Herstellung und Veröffentlichung
Gedreht wurde an der Ostsee in der DDR und in Polen sowie in Klockenhagen und Stralsund. Das Szenarium schrieb Gerhard Rentzsch, die Dramaturgie betreute Bernd Schirmer. Die Musik stammt von Jürgen Ecke, die Kameraarbeit von Jerzy Stawicki und der Schnitt von Karola Mittelstädt.
Die Premiere fand am 26. Dezember 1984 im Fernsehen der DDR statt. Am 7. September 1985 wurde der Film in Husum erstmals in der Bundesrepublik Deutschland gezeigt. 2010 veröffentlichte Icestorm ihn innerhalb der Reihe DDR TV-Archiv auf DVD. Nach Am grauen Strand, am grauen Meer von 1979 war Der Schimmelreiter Klaus Gendries’ zweite Verfilmung eines Werkes von Theodor Storm.
Erzählweise
Nach Einschätzung der Theodor-Storm-Gesellschaft ist diese Verfilmung die einzige, die Storms Rahmentechnik aufgreift. Durch die Erzählung des alten Mannes innerhalb der Begegnung des Reisenden soll das für Storms Erzählkunst wichtige Erinnerungsmotiv mit filmischen Mitteln umgesetzt werden.