Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Dangdut

Dangdut ist einer der populärsten Stile der indonesischen Musik, der sich zu Beginn der 1970er Jahre in Indonesien sowie in geringerem Maß in Malaysia und …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Verbreitung
  2. 2. Entstehung und Einflüsse
  3. 3. Themen und moderne Varianten
  4. 4. Rhythmus und Ensemble
  5. 5. Kategorien und Konflikte

Grundidee und Verbreitung

Dangdut ist einer der populärsten Stile der indonesischen Musik. Er verbreitete sich zu Beginn der 1970er Jahre in Indonesien sowie in geringerem Maß in Malaysia und Teilen der Philippinen. Der Stil ist wichtig, weil er verschiedene musikalische Einflüsse verbindet und andere Musikrichtungen in Java im 20. Jahrhundert zunehmend in den Hintergrund drängte.

Der Name „Dangdut“ beschreibt lautmalerisch den charakteristisch schaukelnden, geradzahligen Takt, der besonders durch das Schlagzeug hervorgehoben wird. Musikalisch ist Dangdut ein Stilmix mit Wurzeln in der Kolonialzeit und mit späteren Einflüssen aus regionaler Musik, indischen Filmen und internationaler Popmusik.

Entstehung und Einflüsse

Dangdut entwickelte sich aus mehreren Musiktraditionen. Im 16. Jahrhundert brachten die Portugiesen europäische Musikformen nach Indonesien. Daraus entstanden unter anderem Kroncong, ein melancholischer kammermusikalischer Stil für Indonesier, und Tanjidor, ein im Freien gespieltes Blechblasorchester, das anfangs der Unterhaltung der Europäer diente. Kroncong wird heute auch modernisiert mit Keyboards und E-Gitarren gespielt.

Zur gleichen Zeit gelangte arabische Gambus-Musik nach Südostasien. Im 19. Jahrhundert brachten chinesische Einwanderer eigene musikalische Traditionen mit. Von den niederländischen Kolonialherren kamen Marschmelodien und Blechblasinstrumente hinzu. An der Nordküste Javas verbanden sich diese Einflüsse mit anderen Stilen zum Tanjidor.

Im 20. Jahrhundert konkurrierten diese Musikformen in Java mit einheimischen Stilen wie der Jaipongan-Tanzbegleitung. Mit dem Aufkommen des Dangdut und internationaler Popmusik wurden andere Musikrichtungen zunehmend zurückgedrängt.

Themen und moderne Varianten

Die Texte im Dangdut handeln vor allem von Liebe, Leid und Alltag. Damit greifen sie Themen auf, die für viele Zuhörerinnen und Zuhörer unmittelbar verständlich sind.

Die Instrumentierung ähnelt etwa der westlichen Schlagermusik. Es gibt außerdem moderne Varianten des Dangdut, in denen Stilelemente von House, R&B, Rock und Latino übernommen werden.

Rhythmus und Ensemble

Ein zentrales musikalisches Merkmal des Dangdut ist sein besonderer Rhythmus. In einem 4/4-Takt wird der erste Schlag leicht und der vierte Schlag stark betont. Dieser Rhythmus wurde von den indischen Musikfilmen des frühen 20. Jahrhunderts übernommen.

Ein Dangdut-Ensemble besteht meist aus elektronischen Instrumenten wie E-Gitarre und Keyboard sowie aus der indischen Trommel tabla und der indonesischen Bambusflöte suling. Meist umfasst das Ensemble vier bis acht Instrumentalisten und begleitet einen Sänger oder eine Sängerin.

Kategorien und Konflikte

Heute kann man Dangdut grob in zwei Kategorien einteilen. Die eine orientiert sich am Stil von Rhoma Irama, der als „König des Dangdut“ bezeichnet wird. Dieser Stil gilt in Abgrenzung zum Dangdut Kampungan, also dem „Dangdut vom Dorf“, oft als sauber und gesittet.

Dangdut Kampungan wird mit Auftritten auf Dorfbühnen verbunden, bei denen Sängerinnen in der Regel erotisch tanzen. Deshalb wurde dieser Stil von Teilen der Mittelschicht und besonders von muslimischen Extremisten als schmutzig oder sogar verboten, also haram, bezeichnet.

Ein Beispiel für solche Konflikte war der Streit im Jahr 2003 um die Dangdut-Sängerin Inul Daratista. Einige Vertreter muslimischer Organisationen warfen ihr vor, zu erotisch zu tanzen und damit der Moral des Volkes zu schaden. Aus demselben Grund wurden im August 2008 im malaysischen Bundesstaat Kedah Dangdut-Aufführungen untersagt.

Weiterlesen