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Britisch-Orthodoxe Kirche

Britisch-Orthodoxe Kirche im koptischen-orthodoxen Patriarchat nennt sich eine kleine Kirche in Großbritannien, die von 1996 bis 2015 dem koptischen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Selbstverständnis
  2. 2. Entstehungslinie
  3. 3. Abgrenzungen und Neuordnungen
  4. 4. Weg zur koptischen Verbindung
  5. 5. Leitung und Zugehörigkeit
  6. 6. Gemeinden, Liturgie und Publikation

Kern und Selbstverständnis

Die Britisch-Orthodoxe Kirche ist eine kleine Kirche in Großbritannien. Von 1996 bis 2015 gehörte sie dem koptischen Patriarchat von Alexandrien an und nannte sich in dieser Zeit Britisch-Orthodoxe Kirche im koptischen-orthodoxen Patriarchat. Ihrer Lehre und Glaubenspraxis nach ist sie orientalisch-orthodox. Das bedeutet, dass sie zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen gehört, also zu einer christlichen Kirchentradition mit eigenen Lehren, Liturgien und kirchlichen Strukturen.

Die Kirche versucht zugleich, kulturelle Eigenheiten der Briten zu berücksichtigen. Sie versteht sich als Trägerin des orthodoxen Glaubens auf den britischen Inseln. Außerdem möchte sie die Zusammenarbeit zwischen byzantinisch-orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen fördern.

Entstehungslinie

Die heutige Britisch-Orthodoxe Kirche führt ihre Anfänge auf Jules Ferrette (1828-1904) und Richard Williams Morgan zurück. Ferrette war Franzose, trat zunächst bei den Dominikanern in Flavigny-sur-Ozerain ein und wurde am 2. Juni 1855 in der Lateranbasilika zum Priester geweiht. Ein Jahr später verließ er den Orden und distanzierte sich vom Katholizismus. In Damaskus soll er sich mit dem syrisch-orthodoxen Bischof von Emesa, Mar Bedros, angefreundet haben. 1866 erschien Ferrette in England und behauptete, Mar Bedros habe ihn zum Bischof von Iona in Schottland geweiht.

Richard Williams Morgan war 1842 zum anglikanischen Priester geweiht worden. Er vertrat ein Christentum, das auf die Zeit vor der Mission durch Augustinus von Canterbury zurückgreifen sollte. Ferrette soll Morgan zum Bischof geweiht haben, mit dem Titel Pelagius I., Hierarch von Carleon-on-Usk, Patriarch der „Ancient british church“. Morgan setzte diese behauptete Sukzessionslinie fort: Er weihte 1879 Charles Isaac Stevens zum Bischof, der die Weihe an den Armenier Leon Chechemain weitergab. Eine bedeutende Gemeinde betreuten diese Bischöfe nach dem Artikel jedoch nicht.

Abgrenzungen und Neuordnungen

1938 distanzierte sich das Syrische Patriarchat von Antiochien von der Behauptung, Ferrettes Weihelinie stamme aus seiner Sukzession. Am 17. Oktober 1943 trafen sich daraufhin verschiedene Bischöfe der Weihelinie Ferrettes und anderer Weihelinien zu einem „Konzil von London“. Vertreter mehrerer teilweise nur auf dem Papier bestehender Kirchen verurteilten dort den Syrisch-Orthodoxen Patriarchen von Antiochien als schismatisch. Sie wählten außerdem einen eigenen Patriarchen von Antiochien: William Bernard Crow, einen Theosophen und Bischof der Liberalkatholischen Kirche. Er nahm den Namen Seine Heiligkeit Mohoran Mar Basilius Abdullah III. an.

Einige Monate später vereinigten sich die Ancient British Church, die British Orthodox Catholic Church und die Old Catholic Orthodox Church zur Western Orthodox Catholic Church. Diese beanspruchte Autokephalie, also kirchliche Selbstständigkeit, Autonomie und territoriale Jurisdiktion in Großbritannien und Westeuropa. Sowohl die anglikanische als auch die orthodoxen Kirchen distanzierten sich ausdrücklich von dieser Kirchengründung.

Weg zur koptischen Verbindung

William Bernard Crow weihte am 10. April 1944 Hugh George de Willmott Newman zum Bischof. Dieser trug den Titel Mar Georgius, Erzbischof und Metropolit von Glastonbury und Katholikos des Westens. De Willmott Newman nahm zahlreiche Bischofsweihen vor. Unter anderem weihte er den Franzosen Paul-Edouard de Fournier de Brescia, der ein von einem episcopus vagans gegründetes Kloster in der Bretagne wiederbelebte. Ein episcopus vagans ist ein Bischof ohne klare Einbindung in eine anerkannte kirchliche Struktur.

1977 weihte de Willmott Newman seinen Neffen William Henry Hugo Newman-Norton. Dieser nahm den Namen Mar Seraphim an, begann Verhandlungen mit der Koptischen Kirche und wurde 1994 zum Metropoliten für Glastonbury geweiht. Als solcher war er auch Mitglied der koptischen Synode. Seitdem firmierte seine Kirche als Britisch-Orthodoxe Kirche im koptischen-orthodoxen Patriarchat; zuvor hieß sie zuletzt Orthodoxe Kirche in den britischen Inseln. Der bretonische Zweig ging diesen Schritt nicht mit und nennt sich Keltisch-Orthodoxe Kirche.

Leitung und Zugehörigkeit

Oberhaupt der Britisch-Orthodoxen Kirche war bis zu seinem Tod im November 2025 Vater Seraphim von Glastonbury, mit bürgerlichem Namen William Henry Hugo Newman-Norton, geboren am 27. Februar 1948. Durch ihn war die Kirche von 1996 bis 2015 Vollmitglied der Heiligen Synode des koptischen Patriarchats von Alexandrien. Sein Nachfolger ist Abba Jacobus III.

Die Angaben zeigen, dass die Kirche nur zeitweise vollständig in die koptische Kirchenstruktur eingebunden war. Zugleich blieb sie in Liturgie und Selbstverständnis auf die britischen Inseln bezogen.

Gemeinden, Liturgie und Publikation

Die Britisch-Orthodoxe Kirche ist zahlenmäßig sehr klein. Sie unterhält 12 Pfarreien und Niederlassungen in Großbritannien. Ihre Liturgie, also der gottesdienstliche Ablauf, wird auf Englisch gefeiert. Verehrt werden sowohl englische Heilige als auch orthodoxe orientalische Heilige.

Normalerweise feiert die Kirche die Liturgie des heiligen Jakobus. Diese Liturgie ist in der Koptischen Kirche nicht gebräuchlich. Daneben werden auch die üblichen liturgischen Feiern der Koptischen Kirche begangen. Offizielles Organ der Britisch-Orthodoxen Kirche ist der Glastonbury Review.

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