Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Bordkatze der Bismarck

Die Bordkatze der Bismarck soll den Untergang von drei Schiffen überlebt haben. Im deutschen Sprachraum ist die Schiffskatze vor allem unter dem Namen Oscar …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Kern der Erzählung
  2. 2. Die drei angeblichen Schiffsuntergänge
  3. 3. Angebliches späteres Leben
  4. 4. Gründe gegen die Legende

Kern der Erzählung

Die sogenannte Bordkatze der Bismarck ist eine vermutlich erfundene Schiffskatze, die der Legende nach im Zweiten Weltkrieg den Untergang von drei Kriegsschiffen überlebte. Im deutschen Sprachraum ist sie vor allem als Oscar oder Oskar bekannt; im Englischen heißt sie auch Unsinkable Sam („Unsinkbarer Sam“). Beschrieben wird sie als schwarzer Kater mit weißer Brust und weißen Pfoten.

Die Geschichte ist vor allem als außergewöhnliche Überlebenslegende bekannt. Untersuchungen von Heinrich Kaufhold-Roll kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass es diese Bordkatze der Bismarck nie gegeben hat. Weder Akten und andere Primärquellen noch Aussagen überlebender Besatzungsmitglieder belegen ihre Existenz.

Die drei angeblichen Schiffsuntergänge

Der Legende zufolge befand sich der Kater zunächst auf dem deutschen Schlachtschiff Bismarck. Nachdem die Bismarck die Hood versenkt hatte, wurde sie von der britischen Flotte verfolgt und sank am 27. Mai 1941. Die überlieferten Angaben zur Besatzungsstärke unterscheiden sich innerhalb der Darstellung: Einerseits ist von fast 2100 Besatzungsmitgliedern die Rede, andererseits von 2241 Mann. Übereinstimmend werden 115 gerettete Menschen genannt.

Angeblich fand der britische Zerstörer HMS Cossack keine menschlichen Überlebenden, sondern nur eine schwarze Katze, die auf einem Brett trieb. Der britische Name Oscar ist überliefert; wie das Tier auf der Bismarck geheißen haben soll, ist unbekannt. Oscar sei anschließend zur Schiffskatze der Cossack geworden.

Am 24. Oktober 1941 wurde die Cossack vom deutschen U-Boot U 563 torpediert und schwer beschädigt. Dabei starben 159 Seeleute. Nachdem alle Rettungsversuche gescheitert waren, wurde der Zerstörer am 26. Oktober aufgegeben und sank. Oscar soll erneut überlebt haben und nach Gibraltar gebracht worden sein.

Danach sei er auf den britischen Flugzeugträger HMS Ark Royal gekommen, der an der Versenkung der Bismarck beteiligt gewesen war. Das zuvor mehrfach angegriffene und reparierte Schiff galt als glückhaft. Bei der Rückkehr von einem Einsatz bei Malta wurde es am 13. November 1941 vom deutschen U-Boot U 81 torpediert. Am 14. November sank die Ark Royal ungefähr 30 Seemeilen vor Gibraltar. Nur ein Matrose kam ums Leben; Oscar soll wiederum gerettet worden sein.

Angebliches späteres Leben

Nach dem Untergang der Ark Royal wurde der Kater der Erzählung zufolge als möglicher Unglücksbringer betrachtet und durfte nicht mehr auf einem Schiff der Royal Navy dienen. Er soll zunächst im Büro des Hafenkapitäns von Gibraltar geblieben sein und danach bis 1955 in einem Seemannsheim in Belfast gelebt haben.

Gründe gegen die Legende

Die Quellenlage widerspricht der Geschichte deutlich. In den Akten der beteiligten Schiffe und in anderen Primärquellen zur Versenkung der Bismarck wird keine Schiffskatze erwähnt. Auch keiner der Überlebenden berichtete von einer Katze an Bord – weder aus der Zeit vor dem Gefecht noch während des Kampfes oder des Untergangs. Ehemalige Besatzungsmitglieder bestätigten gegenüber Frank Allen von der HMS Hood Association ebenfalls, dass sich keine Schiffskatze auf der Bismarck befand.

Auch die Rolle der HMS Cossack macht die angebliche Rettung unplausibel. Der Zerstörer hatte die Bismarck zwar mit Torpedos angegriffen, hielt sich danach aber zum Schutz der britischen Schlachtschiffe HMS King George V und HMS Rodney in deren Nähe auf. Als diese beiden Schiffe den Kampfort um 10:35 Uhr wegen Brennstoffmangels verließen, begleitete die Cossack sie. Sie nahm deshalb überhaupt nicht an der Rettung der Überlebenden teil.

Die Bismarck sank am 27. Mai 1941 um 10:40 Uhr. Von den angegebenen 2241 Besatzungsmitgliedern wurden 115 gerettet: 85 durch die HMS Dorsetshire, 25 durch die HMS Maori, drei durch das deutsche U-Boot U 74 und zwei durch das deutsche Wetterbeobachtungsschiff 7. Die HMS Cossack gehörte nicht zu den Rettungsschiffen.

Selbst eine unbemerkte Katze hätte nach Einschätzung der Untersuchung kaum überleben können. An der Untergangsstelle herrschten hoher Seegang und Kälte; es gab keine Rettungsboote, und die Meeresoberfläche war von einer dicken Ölschicht bedeckt. Als wahrscheinlicher Ursprung der Legende gilt daher, dass ein britischer Seemann einer kleinen schwarz-weißen Katze in Gibraltar nachträglich den Rang der Bordkatze der Bismarck verlieh. Dadurch wurde das Tier berühmt und erhielt möglicherweise leichter Unterkunft und Futter.

Weiterlesen