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Bildungssystem in Japan
Das Bildungssystem in Japan ist ein 6-3-3-4-System, entsprechend der Anzahl der Jahre, die in den aufeinander folgenden Institutionen verbracht werden.
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Grundstruktur und allgemeine Regeln
Das japanische Bildungssystem ist ein 6-3-3-4-System: Auf sechs Jahre Grundschule folgen drei Jahre Mittelschule, drei Jahre Oberschule und gewöhnlich vier Jahre Hochschule beziehungsweise Universität. Das System wurde im März 1947 zusammen mit dem Grundgesetz der Erziehung und dem Schulbildungsgesetz eingeführt. Ziel war die Chancengleichheit in der Bildung. Zuständig ist das Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT).
Dem Schulsystem gehen Kinderkrippen (保育園, hoikuen), Kindergärten (幼稚園, yōchien) und zunehmend integrierte Einrichtungen für frühkindliche Bildung und Betreuung (認定こども園, nintei kodomo-en) voraus. Kinderkrippen nehmen Kinder gewöhnlich ab zwei Monaten auf, Kindergärten Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren. Seit Oktober 2019 ist der Besuch dieser Einrichtungen für Drei- bis Fünfjährige grundsätzlich gebührenfrei.
Die Bildungspflicht dauert neun Jahre und erstreckt sich nicht auf Kinder ohne japanische Staatsbürgerschaft. Das Schuljahr beginnt am 1. April. Die landesweit einheitlichen Ferien umfassen zwei Wochen zu Neujahr, zwei Wochen im März/April und sechs Wochen im Juli/August. Öffentliche Schulen haben eine 5-Tage-Woche, private Schulen häufig eine 6-Tage-Woche. Während der Bildungspflicht gibt es kein Sitzenbleiben; Schüler werden automatisch versetzt.
Neben getrennten Grund- und Mittelschulen bestehen seit 2016 neunjährige Pflichtschulen (義務教育学校, gimu kyōiku gakkō), die beide Stufen verbinden, sowie sechsjährige Sekundarschulen (中等教育学校, chūtō kyōiku gakkō), die Mittel- und Oberschule kombinieren. Die Zahl dieser Schulformen und ihrer Schüler erreichte 2024 Höchstwerte.
Grundschule und Mittelschule
Die Grundschule (小学校, shōgakkō) dauert sechs Jahre. Kinder werden nach Vollendung des sechsten Lebensjahres eingeschult und besuchen normalerweise die Schule ihres Wohnbezirks. Fast alle Grundschulen sind öffentlich und werden von Gemeinden getragen; Schuluniformen sind nicht überall vorgeschrieben.
Der seit April 2020 geltende Lehrplan führte mehrere Änderungen ein. In den Klassen 3 und 4 gibt es „fremdsprachliche Aktivitäten“ (外国語活動, gaikokugo katsudō), ab Klasse 5 ist Englisch ein reguläres Unterrichtsfach. Seit 2020 ist außerdem Programmierunterricht verpflichtend. Der Unterricht soll stärker auf aktive Mitarbeit der Schüler („active learning“) und weniger auf reinen Frontalunterricht ausgerichtet sein. Die durchschnittliche Klassengröße lag 2010 bei etwa 25 Schülern, regional jedoch zwischen 18 in der Präfektur Kōchi und 32 in der Präfektur Tokio. Rund 2 % der Klassen waren jahrgangsgemischt.
Nach der Grundschule besuchen die meisten Kinder eine öffentliche, dreijährige Mittelschule (中学校, chūgakkō) in Wohnungsnähe. Private Mittelschulen verlangen in der Regel eine Aufnahmeprüfung. An Mittelschulen besteht meist Uniformpflicht. Im letzten Schuljahr bereiten sich die Schüler intensiv auf die Aufnahmeprüfung für die Oberschule vor, die ihren weiteren Bildungsweg stark beeinflussen kann.
Mit der Mittelschule endet die Bildungspflicht, aber etwa 98–99 % der Absolventen besuchen anschließend eine weiterführende Schule. Die meisten Grund- und Mittelschulen werden von Gemeinden getragen und staatlich finanziell unterstützt. In der PISA-Studie 2022 erreichte Japan 536 Punkte in Mathematik, 516 im Lesen und 547 in den Naturwissenschaften. Damit gehörte Japan in allen drei Bereichen zu den fünf besten Teilnehmerstaaten; in Mathematik nimmt das Land seit Jahren Spitzenplätze ein.
Oberschule und technische Fachausbildung
Nach der Mittelschule besuchen fast alle Schüler eine dreijährige Oberschule (高等学校, kōtō gakkō oder 高校, kōkō). Der Zugang ist grundsätzlich an eine Aufnahmeprüfung gebunden. Der Ruf und das Ausbildungsniveau einer Schule spiegeln sich häufig im Schwierigkeitsgrad dieser Prüfung wider. Der Oberschulabschluss berechtigt formal zum Eintritt in eine Universität und wird daher dem deutschen Abitur gleichgestellt. Eine gesonderte Abschlussprüfung gibt es jedoch nicht: Der Abschluss wird durch regelmäßige Teilnahme am Unterricht und das Bestehen von Klassenarbeiten erworben.
Der seit April 2022 jahrgangsweise eingeführte Lehrplan umfasst Japanisch, Geographie und Geschichte, darunter die Pflichtfächer „Geschichte im Überblick“ und „Geographie im Überblick“, außerdem Bürgerkunde mit dem Pflichtfach „Öffentlichkeit“ (公共, kōkyō), Mathematik, Naturwissenschaften, Gesundheitserziehung und Sport, Kunst, Fremdsprachen, Hauswirtschaft und Informatik. Das Pflichtfach „Informatik I“ (情報I) vermittelt auch Grundlagen des Programmierens. Viele Fächer sind innerhalb dieser Gebiete als Wahlpflichtunterricht angelegt.
Spezialisierte Oberschulen bieten Fachrichtungen an, die mit deutschen Berufsgymnasien vergleichbar sind. Dazu gehören Landwirtschaft, Technik, Wirtschaft, Fischerei, Hauswirtschaft, Krankenpflege, Informatik, Wohlfahrt, Mathematik, Sport, Musik, Kunst und Englisch.
Neben öffentlichen, meist von den Präfekturen getragenen Schulen gibt es viele private Oberschulen. Seit dem Schuljahr 2010 sind öffentliche Oberschulen gebührenfrei, zunächst teilweise einkommensabhängig; für private Schulen zahlt der Staat Zuschüsse. 2025 beschloss die Regierung, die Einkommensgrenzen abzuschaffen und die Förderung auf private Oberschulen auszuweiten. Die Zahl der Oberschulen und ihrer Schüler sinkt, während der Fernunterricht (通信制, tsūshinsei) stark wächst.
Fachoberschulen (高等専門学校, kōtō semmon gakkō, kurz 高専, kōsen; KOSEN beziehungsweise College of Technology) wurden 1962 zur Deckung des industriellen Fachkräftebedarfs eingeführt. Sie können nach der Mittelschule besucht werden und dauern fünf Jahre.
Hochschulen und Universitäten
Ein großer Teil der Oberschulabsolventen besucht anschließend eine vierjährige Hochschule beziehungsweise Universität (大学, daigaku) und erwirbt den Bachelor (学士, gakushi), den ersten akademischen Grad. Die Zulassung setzt Aufnahmeprüfungen voraus. Der seit 1990 bestehende „Center-Test“ wurde 2021 durch den „Gemeinsamen Test für die Universitätszulassung“ (大学入学共通テスト, daigaku nyūgaku kyōtsū tesuto) ersetzt. Dabei wurde insbesondere das Hörverstehen in der Englischprüfung aufgewertet. Zusätzlich veranstalten die einzelnen Universitäten eigene Aufnahmeprüfungen. Schüler, die nach der Oberschule ein Jahr ausschließlich für die Aufnahmeprüfung lernen, werden Rōnin genannt. Der öffentliche Ruf einer Universität hängt besonders von der Schwierigkeit ihrer Aufnahmeprüfung ab.
Im Studienjahr 2024 waren rund 2,95 Millionen Studenten an Universitäten eingeschrieben, trotz sinkender Jahrgangsstärken ein historischer Höchststand. Der Frauenanteil im grundständigen Studium betrug 45,9 %. Etwa 58,6 % eines Jahrgangs begannen 2024 ein Universitätsstudium, rund 80 % der 18-Jährigen eine Form tertiärer Bildung. Japan hat über 800 Universitäten, darunter 86 nationale und 95 sonstige öffentliche; die große Mehrheit ist privat. Im Mai 2024 gab es rund 337.000 ausländische Studierende.
Auf den Bachelor können ein zweijähriger Masterkurs (大学院, daigakuin) mit dem Mastergrad (修士, shūshi) und anschließend meist ein dreijähriger Doktorkurs mit dem Doktortitel (博士, hakase/hakushi) folgen. Kurzhochschulen (tanki daigaku, Junior Colleges) dauern zwei Jahre, bieten überwiegend geistes- und sozialwissenschaftliche Kurse an und werden mehrheitlich von Frauen besucht; ihre Zahl sinkt stark.
Alle Universitäten erheben Gebühren. Öffentliche Hochschulen sind deutlich günstiger als private. Der Staat trägt rund 93 % der Kosten im Primar- und Sekundarbereich, aber nur etwa 37,5 % im Tertiärbereich; der OECD-Durchschnitt im Tertiärbereich liegt bei 67,4 %. Japanische Unternehmen rekrutieren künftige Mitarbeiter ungefähr drei Vierteljahre vor dem Ende der Universitätszeit. Für viele Unternehmen ist vor allem der Ruf der Universität wichtig; häufiger als in Deutschland arbeiten Absolventen später in Bereichen, die nicht ihrem Studienfach entsprechen.
Schrift, Fremdsprachen und Entwicklung des Bildungswesens
Das japanische Schriftsystem besteht aus den Silbenschriften Hiragana und Katakana sowie den Wortschriftzeichen Kanji; zusätzlich wird Rōmaji, die lateinische Schrift, verwendet. Hiragana werden meist schon im Kindergarten gelernt. Katakana und die ersten Kanji folgen im ersten Grundschuljahr, ebenso wird Rōmaji in der Grundschule eingeführt. Während der neunjährigen Bildungspflicht lernen Schüler die 2136 Jōyō-Kanji. Für jedes Zeichen müssen die Strichfolge und meist mindestens zwei kontextabhängige Aussprachevarianten gelernt werden. Als erste Fremdsprache wird Englisch unterrichtet: seit 2020 in den Klassen 3 und 4 als Aktivität, ab Klasse 5 als benotetes Fach. In Mittel- und Oberschule wird der Unterricht fortgesetzt; mündliche Kommunikation und Hörverstehen haben gegenüber der früheren Konzentration auf Lesen und Übersetzen an Bedeutung gewonnen. Eine zweite Fremdsprache gibt es gewöhnlich erst an der Universität, meist Chinesisch, Koreanisch, Deutsch oder Französisch.
Historisch entstand im 7. Jahrhundert im Rahmen der Taika-Reform mit der Daigaku-ryō eine Hofschule nach chinesisch-konfuzianischem Vorbild. Neben chinesischer Sprache, Schrift und konfuzianischen Klassikern wurden Verwaltung, Landvermessung, Buchführung und Astrologie gelehrt. Buddhistische Klöster wurden wichtige Wissensorte. In der Edo-Zeit vermittelten Tempelschulen (Terakoya) auch einfachen Bürgern und Frauen Lesen und Schreiben. Über die Niederlassung der Holländer auf Deshima gelangte westliches Wissen nach Japan; seine Erforschung hieß Rangaku („Hollandkunde“). Nach der Öffnung Japans wurden westliche Wissenschaft, Universitäten und Bildungseinrichtungen systematisch übernommen. Die Bildungspflicht, ein dreigliedriges Schulsystem, kaiserliche Universitäten und private Universitäten wurden eingeführt. Im Militarismus wurde die Schule auch für patriotische Erziehung genutzt. Nach 1945 wurden die Universitäten zu wichtigen Partnern des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und der industriellen Forschung.
Der Geburtenrückgang verursacht sinkende Schülerzahlen, Schulschließungen und Zusammenlegungen, besonders auf dem Land. 2024 erreichten die Schülerzahlen einen historischen Tiefstand. Zugleich bestehen Lehrermangel und hohe Arbeitszeiten: 2022 arbeiteten Grundschullehrer durchschnittlich 52,4 Stunden und Mittelschullehrer 57,4 Stunden pro Woche. Der 1. September, der erste Schultag nach den Sommerferien, weist statistisch die höchste Suizidrate unter Schülern auf. Von 1972 bis 2013 begingen an diesem Tag 18.048 junge Menschen Suizid, durchschnittlich 131 pro 1. September. Als mögliche Gründe werden Versagens- und Zukunftsängste, Leistungsdruck, eine strikte Gruppenstruktur und Mobbing genannt; auch im April steigt die Zahl der Suizide unter Kindern und Jugendlichen.
Für japanische Kinder von Familien, die vorübergehend in Deutschland leben, gibt es japanische Schulen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt und München. In Österreich besteht die Japanische Internationale Schule in Wien, in der Schweiz die Japanische Schule Basel. Die 2012 aufgelöste Toin Gakuen Schule Deutschland in Bad Saulgau war keine staatliche 日本人学校, sondern eine private 私立在外教育施設.