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Asena-Legende

Die Asena-Legende ist ein auf chinesische Quellen gestützter Ursprungsmythos der Türken. Asena ist eine türkeitürkische Nebenform zu Aschina, dem Stammvater des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was ist die Asena-Legende?
  2. 2. Die Legende
  3. 3. Der Wolf als Symbol und der Name Asena
  4. 4. Älteste Version: „Wolf erzieht verlassenes Kind“
  5. 5. Inhalt der Zhou shu-Fassung
  6. 6. Unterschiede der Pei shih-Fassung

Was ist die Asena-Legende?

Die Asena-Legende ist ein Ursprungsmythos der Türken, der auf chinesische Quellen gestützt ist. Asena ist eine türkeitürkische Nebenform zu Aschina, dem Stammvater des herrschenden Clans der Kök-Türken, die in chinesischen Quellen als Tujue bezeichnet werden. Aschina ist in den chinesischen Quellen auch der Familienname der türkischen Chagane (Herrscher). Die ältesten schriftlichen Erwähnungen finden sich in der chinesischen Literatur, vor allem in den Annalen verschiedener chinesischer Herrscherhäuser; die älteste in den Aufzeichnungen der Nördlichen Zhou-Dynastie (Mitte des 6. Jahrhunderts). Bis auf eine Ausnahme spielt in allen chinesischen Erzählungen zur Abstammung der Türken eine Wölfin eine besondere Rolle. Ähnliche Abstammungsmythen mit Wölfin gibt es bereits früher im Shiji des Historikers Sima Qian (gest. 85 v. Chr.) bei den Wusun und später in der Geheimen Geschichte der Mongolen (Mitte des 13. Jahrhunderts) bei den Mongolen.

Die Legende

Die Legende erzählt von einem kleinen Jungen, dem einzigen Überlebenden seines Stammes, der einem Massaker zum Opfer fällt. Der Junge wird von einer Wölfin gefunden und aufgezogen. Die Wölfin flieht mit ihm in eine Höhle in den Bergen nordwestlich von Gaochang; in der Höhle liegt eine große Ebene mit reicher Vegetation. Je nach Version ist der Junge noch ein Säugling, der gesäugt wird, oder bereits zehn Jahre alt und wird mit Fleisch ernährt. Der Junge wächst heran und vereinigt sich mit der Wölfin; in manchen Versionen lebt er lange genug, um Rache zu nehmen. Aus der Vereinigung gehen zehn Jungen hervor.

Der Wolf als Symbol und der Name Asena

Der Wolf (türkisch kurt, alttürkisch böri) ist ein pantürkisches Symbol und wurde als heiliges Totemtier und Ahne verehrt. Früher hieß er kök böri („blauer, himmlischer Wolf“); in manchen Stämmen galt es als tabu, den Namen Böri für das Tier auszusprechen. Wissenschaftler brachten die Zahl „zehn“ der Legende mit den zehn Stämmen (On Oq = „zehn Pfeile“) in Verbindung, aus denen der Westteil des ersten Reiches der Göktürken bestand. Das Gebirge nordwestlich von Kao-ch'ang wurde als das Altai-Gebirge wiedererkannt. Aschina war das Adelsgeschlecht, dem die Herrscher des ersten und zweiten Göktürkenreiches entstammten; je nach Mythus-Variante nahm einer oder nahmen alle Abkömmlinge der Wölfin in der ersten oder einer Folgegeneration den Namen Aschina als Familiennamen an. Aus Aschina wurde später der Name der Wölfin Asena abgeleitet.

Älteste Version: „Wolf erzieht verlassenes Kind“

Die älteste Version steht im Zhou shu (um 629 fertiggestellt, Aufzeichnungen der Nördlichen Zhou-Dynastie 556–581); eine ähnliche Fassung im Pei shih (um 659). Das Sui Shu (629–636) ist dem Pei shih nahezu Wort für Wort identisch. Diese Variante war vermutlich unter der Mehrheit der damaligen Türken am meisten verbreitet. Das zeigt sich auch äußerlich: Die Stele von Bugut ist mit einer Wölfin geschmückt, die ein Kind säugt; die Flagge des Göktürkenreichs zeigte einen goldenen Wolfskopf; die Leibgarde der Herrscher hieß laut chinesischen Quellen fu-li (türk. böri, „Wölfe“). Zhou shu und Sui shu berichten zudem von einer alljährlichen Zeremonie an der „Höhle des Ahnen“ (auf osttürkischem Territorium), bei der Osttürken die Stattlichen und die Westtürken hohe Würdenträger entsandten. In der Wissenschaft wird angezweifelt, dass es sich dabei um die gleiche Höhle wie in der Legende handelte; schon die chinesischen Texte verwendeten zwei verschiedene Bezeichnungen (hsüeh für die Legendenhöhle, k'u für die Zeremonienhöhle).

Inhalt der Zhou shu-Fassung

Laut Zhou shu sind die Türken ein von den Xiongnu losgelöster Zweig und gehören zum A-shih-na-Clan. Sie waren ein unabhängiger Volksstamm und wurden durch ein Nachbarland vollständig vernichtet. Ein zehnjähriger Junge überlebte: Die Soldaten konnten ihn wegen seines Alters nicht töten, hackten ihm die Füße ab und warfen ihn in einen Sumpf. Eine Wölfin ernährte ihn mit Fleisch; als er herangewachsen war, vereinigte er sich mit ihr und schwängerte sie. Der König erfuhr, dass der Junge lebte, und schickte einen Boten, der auch die Wölfin töten wollte; sie floh an einen Berg nördlich von Kao-ch'ang. In dessen Höhle lag eine sich über mehrere hundert li erstreckende, von Bergen umschlossene Ebene mit reicher Vegetation. Dort brachte die Wölfin zehn Jungen zur Welt, die Frauen von draußen nahmen; jeder Nachkomme nahm einen Familiennamen an und nannte sich A-shih-na. Die Familien vermehrten sich, kamen einige Generationen später aus der Höhle heraus, unterwarfen sich den Ju-ju (Juan-Juan), lebten an der Südseite des Chin-shan und dienten ihnen als Schmiede.

Unterschiede der Pei shih-Fassung

Die Fassung im Pei shih weicht in folgenden Punkten ab bzw. ergänzt: Die Vorfahren der Türken lebten westlich des Westlichen Meeres; dem Jungen werden Füße und Arme abgehackt; die Flucht der Wölfin geschieht so plötzlich, dass man annahm, sie sei von einem Geist an den Berg nordwestlich von Kao-ch'ang transportiert worden; nur einer der zehn Jungen heißt A-shih-na; in der Höhle wird A-shih-na als Anführer bestimmt; die Türken führen dort eine Flagge mit Wolfskopf, um ihre Abstammung von der Wölfin nicht zu vergessen; sie werden aus der Höhle von A-hsien-shih herausgeführt; die Juan-Juan heißen hier Juan-Juan statt Ju-ju. Diese Variante spiegelt vermutlich die tatsächliche Abhängigkeit der Türken von den Juan-Juan bis zu ihrer Revolte im Jahr 552 wider.

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