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Archiv der deutschen Frauenbewegung

Das Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF) in Kassel ist ein außeruniversitäres Zentrum zur Überlieferung und Erforschung der Geschichte von Frauen und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Was ist das Archiv der deutschen Frauenbewegung?
  2. 2. Geschichte der Einrichtung
  3. 3. Gründung und Entwicklung
  4. 4. Aufgaben und Arbeitsbereiche
  5. 5. Sammlungen: Archiv und Spezialbibliothek
  6. 6. Forschung, Publikationen, Kulturarbeit und Ehrungen

Was ist das Archiv der deutschen Frauenbewegung?

Das Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF) in Kassel ist ein außeruniversitäres Zentrum zur Überlieferung und Erforschung der Geschichte von Frauen und Frauenbewegungen in Deutschland zwischen 1800 und 1970. Es unterhält dafür eine Spezialbibliothek, ein Archiv und eine Forschungsstelle. Zugleich ist es eine Bildungs- und Kultureinrichtung. Es ist die größte und einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland und eine der wichtigsten Forschungsinstitutionen auf diesem Gebiet. Die Einrichtung erscheint als Stiftung, gefördert institutionell vom Land Hessen und der Stadt Kassel sowie über Drittmittel und den Förderverein „Freundinnen des Archivs der deutschen Frauenbewegung“ (seit 1992, über 150 Mitglieder). Seit dem 8. März 2003 besteht die Stiftung; von 1984 bis 2002 war das AddF ein Verein. Vorsitzende sind Andrea Hänger, Susanne Kinnebrock und Mechthild Bereswill; es gibt 13 Beschäftigte und 7 Freiwillige. Website: www.addf-kassel.de.

Geschichte der Einrichtung

Anfang der 1980er Jahre wuchs das Bewusstsein, dass die Geschichte der alten Frauenbewegung des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in Vergessenheit geriet, weil ihre Quellen nur rudimentär bewahrt wurden. Es gab zwar Archive einiger größerer Frauenverbände und der Neuen Frauenbewegung (ab den 1970er Jahren), aber kein Archiv, das Informationen zur „Alten“ Frauenbewegung und ihren Protagonistinnen sammelte – weder bürgerlich noch sozialistisch, konfessionell oder nicht, „radikal“ oder „gemäßigt“.

Gründung und Entwicklung

Im Februar 1983 wurde der Verein Archiv der deutschen Frauenbewegung gegründet, eröffnet am 8. März 1984 (Internationaler Frauentag). Initiatorin war Sabine Hering, bald gefolgt von Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen aus der Neuen Frauenbewegung der 1970er Jahre, alle in Kassel ansässig. Gründungsprämisse war eine Einrichtung von Frauen für Frauen: ohne formale Hierarchie, mit gleicher Bezahlung für alle, eingebunden in die Bewegung. Verbindendes Element war das Interesse an der Entdeckung der Geschichte des eigenen Geschlechts. Bereits im Gründungsjahr fand die erste Lesung zu Franziska zu Reventlow statt. 1985 erschien die erste Nummer der Zeitschrift Ariadne, 1986 die ersten Forschungsergebnisse in der eigenen Publikationsreihe (Band 1: deutsche Frauen in der internationalen Frauenfriedensbewegung 1892–1933). Wichtige Stationen: 1992 Gründung des Fördervereins, 1996 Umzug in die Gottschalkstraße (heutiger Sitz), 1997 erste Homepage, seit 2000 Online-Recherche über den OPAC, 2003 Umwandlung in eine Stiftung (Auflösung des Vereins zum 1. Januar 2005). Die Bestände wachsen kontinuierlich, ein Außendepot musste hinzugemietet werden.

Aufgaben und Arbeitsbereiche

Es gibt vier Arbeitsbereiche: die Sammlungen mit Archiv und Spezialbibliothek, die Forschungsstelle, die Publikationen und die Bildungs- und Kulturarbeit. Ziele sind die Sicherung, Pflege und der Ausbau der Sammlungen sowie die Bereitstellung der Bestände für Forschung und Bildung; das AddF bietet sich auch als außerschulischer Lernort an. Es kooperiert u. a. mit dem Dachverband i.d.a. (informieren, dokumentieren, archivieren) deutschsprachiger FrauenLesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen und dem „Arbeitskreis Überlieferungen der Neuen Sozialen Bewegungen“ im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare. Forschungsseitig besteht Vernetzung mit Universitäten, u. a. der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Frauen- und Geschlechterforschung (IAG FG) der Universität Kassel. Ziel der Kultur- und Bildungsarbeit ist es, Frauengeschichte stärker im öffentlichen Bewusstsein zu verankern und Vorurteile abzubauen, die dazu führen, dass Leistungen von Frauen nicht gleichberechtigt neben die von Männern gestellt werden.

Sammlungen: Archiv und Spezialbibliothek

Gesammelt werden einzigartige Materialien zu Frauenbewegungen und Frauengeschichte von 1800 bis zum Ende der 1960er Jahre, bei Frauenverbänden und Kasseler Frauengruppen auch bis in die Gegenwart. Alle Phasen und Erscheinungsformen der organisierten Frauenbewegung werden beachtet, auch die Rezeptionsgeschichte bis heute wird dokumentiert. Das Archiv umfasst fünf Bestandsgruppen: Nachlässe von Frauen; Aktenbestände von Vereinen, Gruppen oder Institutionen; archivarische Sammlungen zu Personen, Körperschaften und Themen; ein Fotoarchiv; eine Pressedokumentation. Besonders bekannt sind der Nachlass der Kasseler Juristin Elisabeth Selbert, die maßgeblich dazu beitrug, dass Artikel 3 Absatz 2 „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ins Grundgesetz kam, und die Akten des Deutschen Evangelischen Frauenbundes – beide vollständig erschlossen mit Onlinefindbüchern. Die Spezialbibliothek hat den umfassendsten Bestand zur Geschichte von Frauen und Frauenbewegungen in Deutschland: Bücher, Periodika, Mikrofiches, elektronische Ressourcen und Graue Literatur, alle in einer Datenbank erfasst und über den OPAC online recherchierbar; genutzt wird sie als Präsenzbibliothek. Hervorzuheben ist der umfangreiche Periodika- und Broschürenbestand zu Themen wie Frauenstimmrecht, Sittlichkeit, Frauenberufen und -arbeit sowie Frauenkongressen.

Forschung, Publikationen, Kulturarbeit und Ehrungen

Die Forschungsstelle führt eigene Projekte zur deutschen Frauenbewegung durch, finanziert über eingeworbene Drittmittel, und bearbeitet historische wie sozial-, politikwissenschaftliche und philosophische Fragestellungen. Beispiele: ein Projekt zum Antisemitismus in der bürgerlichen Frauenbewegung, Arbeiten zu Potenzialen von Frauenverbänden bei der Karriereplanung sowie biografische Arbeiten zu Marie Stritt, Sophie Henschel, Helene Stöcker, Nora Platiel und Elisabeth Selbert. 2008 erschien mit der Bundeszentrale für politische Bildung ein Internetdossier zur Geschichte der Frauenbewegung. Seit 1985 gibt das AddF die Zeitschrift „Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte“ heraus (bis Heft 37/38.2000 Untertitel: Almanach des Archivs; seit 1990 zweimal jährlich, Mai und November, jedes Heft mit Themenschwerpunkt) – eine der ältesten Frauengeschichtszeitschriften Deutschlands. Seit 1986 erscheint unregelmäßig eine eigene Schriftenreihe mit Forschungsergebnissen und bibliographischen Hilfsmitteln. Die Kulturarbeit umfasst Vorträge, Seminare, Tagungen, Archivführungen, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen und Stadtführungen; seit 1992 gibt es Stadtrundfahrten und -gänge, der Förderverein organisiert jährlich eine Lesungsreihe. Ehrungen: 1991 Kulturförderpreis der Stadt Kassel, 2001 Elisabeth-Selbert-Preis des Landes Hessen für die Ariadne-Redaktion, 2006 Auszeichnung als Ort im Land der Ideen, 2008 Hessischer Archivpreis, 2011 Aufnahme in das Verzeichnis national wertvoller Archive, 2021 Auszeichnung als Ort der deutschen Demokratiegeschichte.

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