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Anekdote (Thomas Mann)

Anekdote ist eine kleine Erzählung von Thomas Mann aus dem Jahr 1908. Inhaltsverzeichnis. 1 Inhalt; 2 Anmerkungen; 3 Ausgaben; 4 Literatur. Inhalt.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Werk und Ausgangsfrage
  2. 2. Die Ehe der Beckers
  3. 3. Enthüllung und Folgen
  4. 4. Philosophischer Bezug

Werk und Ausgangsfrage

„Anekdote“ ist eine kleine Erzählung von Thomas Mann aus dem Jahr 1908. Nach einem Abendessen unter Freunden sprechen die Gäste über Buddha, den „Schleier der Maja“, Sehnsucht und Erkenntnis. Zur kritischen Illustration der Frage „Was ist ein Ideal?“ erzählt einer von ihnen die Geschichte von Angela Becker. Sie gilt wegen ihrer Schönheit, ihrer blauen Augen, ihres Mundes, Grübchens und ihrer blonden Locken als „himmlisch“ und wird von allen bewundert.

Die Ehe der Beckers

Angela ist mit dem vierzigjährigen, stillen und höflichen Bankdirektor Ernst Becker verheiratet und zehn Jahre jünger als er. Becker hat sie einst „von auswärts mitgebracht“; die Ehe bleibt kinderlos. Angela veranstaltet Abendgesellschaften und begleitet ihren Gesang auf der Harfe. In ihrem Salon bewundern die Männer sie, wirkliche Freunde hat sie jedoch nicht.

Enthüllung und Folgen

Als die Gäste Angela erneut mit Komplimenten überhäufen und Ernst Becker zu seiner Gattin beglückwünschen, bricht er nach langem Schweigen sein Schweigen. Totenbleich beschreibt er die Ehe als seine „Hölle“: Angela sei „liebesleer und widrig verödet“, liege tagsüber schlaff herum, vernachlässige ihre Körperpflege, quäle die Katze und betrüge ihn mit Dienstboten und Bettlern. Er habe dies nur „um der Liebe willen“ ertragen.

Die Gesellschaft ist entsetzt; zwei Herren führen den aufgebrachten Becker beiseite. Wenige Tage später begibt er sich offenbar nach einer Vereinbarung mit Angela in eine Nervenheilanstalt, obwohl er vollkommen gesund sei und lediglich zum Äußersten gebracht worden sei. Später ziehen die Beckers in eine andere Stadt.

Philosophischer Bezug

Als philosophische Grundlage wird Schopenhauer genannt: Den Schleier der Maya zu lüften, also eine trügerische Erscheinung zu durchschauen, könne nur durch eigenes Handeln gelingen. Direktor Becker versucht dies, indem er sein langes Schweigen beendet.

Die Anmerkungen verbinden außerdem die „Süßigkeit der Sehnsucht“ mit Buddhas „Dürsten“ und verweisen auf Fritz Mauthner sowie Friedrich Nietzsche. Nietzsche beschreibt unter anderem die „Sehnsucht zum Idyll“ als Glauben an eine urvorzeitliche Existenz des künstlerischen und guten Menschen.

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