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Andreas-Gryphius-Theater

Andreasa Gryphiusa), benannt nach dem schlesischen Dichter Andreas Gryphius, ist ein Schauspielhaus in Głogów (deutsch: Glogau) in der Woiwodschaft …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Schauspielhaus in Głogów
  2. 2. Frühe Theatertraditionen
  3. 3. Entstehung und Umbauten
  4. 4. Architektur, Büste und Wiederaufbau

Schauspielhaus in Głogów

Das Andreas-Gryphius-Theater ist ein Schauspielhaus in Głogów, dem deutschen Glogau, in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Es ist nach dem schlesischen Dichter Andreas Gryphius benannt. Der heutige klassizistische Bau wurde im Wesentlichen 1798 bis 1799 gestaltet, im Lauf von rund 150 Jahren mehrfach umgebaut und nach seiner Zerstörung im Jahr 1945 von 2017 bis 2019 wiederaufgebaut.

Frühe Theatertraditionen

Die Glogauer Theatergeschichte war lange durch zwei Formen geprägt: protestantisches Schultheater des Barock und katholisches Jesuitentheater. Das 1629 zum Kolleg erhobene Gymnasium besaß einen Bühnensaal. Dieser wurde beim Brand des Kollegs 1711 zerstört; Kolleg und Theatersaal waren bis 1720 wiederhergestellt.

Das schlesische protestantische Barocktheater wird in Literatur- und Theatergeschichte als „Gryphius-Bühne“ bezeichnet. Zu Andreas Gryphius’ Zeit spielten Ensembles im Theatersaal des Gymnasiums, im Schloss oder im Komödiensaal des Jesuitenkollegs. Ein erstes selbstständiges Theater ist für 1660 belegt: Beim Besuch Kaiser Leopolds bestand ein „Theater auf dem Reitplatz“. Ob dieses Gebäude gedeckt war, ist nicht sicher; vermutlich war es jedenfalls nicht für dauerhaftes Spielen vorgesehen.

Entstehung und Umbauten

An der Ostseite des Rings standen seit dem 13. Jahrhundert die Fleischbänke oder -scharren: zwei langgestreckte Holzbauten der Fleischerinnung. Nach dem Stadtbrand von 1758 wurden sie nur provisorisch wiederaufgebaut. Für das Areal entstanden verschiedene Pläne. Dannenberg sah Fleischbänke im Erdgeschoss und ein Schmetterhaus im Obergeschoss vor. Die preußische Kriegs- und Domänenkammer beauftragte dagegen Karl von Machui mit einem Entwurf mit öffentlichem Kaffeehaus und Redoutensaal, einem Saal für gesellschaftliche Veranstaltungen. Dieser Bau wurde trotz des Widerstands der Fleischerinnung ausgeführt. Ob der Redoutensaal bereits als Theatersaal diente, ist nach der Quellenlage unklar.

Als Theaterdirektor Faller 1798 ein stehendes, also dauerhaft betriebenes Theater gründen wollte, galt der Redoutensaal als ungeeignet und das Gebäude als baufällig. Der Architekt Johann Christian Valentin Schultze (1748–1831) plante die Aufstockung für einen Theatersaal. Das 1799/1800 eröffnete Gebäude erhielt über den Fleischbänken ein drittes Geschoss; Schultze verband die Bauteile mit Formen des Frühklassizismus.

1839/40 wurde die Decke über dem Redoutensaal entfernt und dadurch ein größerer Theatersaal geschaffen. 1859 oder 1859 kam eine zweiläufige Freitreppe hinzu, die frühere Eingänge zu den Fleischbänken verdeckte. 1926 wurde der Bühnenbereich umgestaltet. Beim Umbau von 1928 blieben nur die Umfassungsmauern erhalten, während eine Eisenbetonkonstruktion eingezogen wurde. Die Fleischbänke wurden abgebrochen und die Freitreppe entfernt; so erhielt das Theater ein Erdgeschoss für den Publikumsverkehr.

Architektur, Büste und Wiederaufbau

Das Gebäude hat einen schmalen, langgestreckten Grundriss. Es ist dreigeschossig und nur drei Fensterachsen tief. Putzstreifen gliedern das Sockelgeschoss, ein Friesband und Gesimsprofile trennen die Obergeschosse. An den Ecken betonen Risalite, also vorspringende Fassadenteile, den Bau.

Die lange Ostfront wird durch einen starken Mittelrisalit bestimmt. Zwei massive Wandpfeiler bilden ihn und rahmen einen großen Portalbogen. Zwischen den Säulen lagen ursprünglich die Zugänge zu den Fleischbänken. Der Mittelrisalit stabilisiert zugleich das Dachwerk: Er wirkt als Widerlager und bauversteifende Klammer. Im Bogen steht eine dreiachsige, zweigeschossige Säulenordnung mit Architrav, dem waagerechten Auflager über den Säulen. Darüber liegt eine kassettierte Halbkuppel mit einer Nische für die Gryphius-Büste. Die Herkunft dieses Portalmotivs wird in der Literatur unterschiedlich diskutiert; genannt werden italienische Vorbilder und Francesco Milizia. Schultze verwendete ähnliche Portale auch am Glogauer Landwehrkasino, an der Orangerie im Ludwigsgarten in Sagan und am Württembergischen Palais in Lüben.

1863 beschloss ein Ausschuss aus Magistrat und Wissenschaftlichem Verein, die Büste in der großen halbkreisförmigen Portalöffnung über der Freitreppe aufzustellen. Die feierliche Enthüllung erfolgte am 6. Juli 1864, zehn Tage vor dem 200. Todestag von Gryphius. Bei der Belagerung von Glogau im Spätwinter 1945 brannte das Theater aus; nur die Außenmauern blieben stabil erhalten. Von 2017 bis 2019 wurde es für etwa 20 Millionen Złoty wiederaufgebaut. Dabei rekonstruierte man die Außenfassade und bezog erhaltene historische Bausubstanz ein.

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