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Alwin Walther

Alwin Oswald Walther (* 6. Mai 1898 in Reick; † 4. Januar 1967 in Darmstadt) war ein deutscher Mathematiker, Ingenieur und Hochschullehrer.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Werdegang
  2. 2. Institut, Krieg und Rechentechnik
  3. 3. Rechenzentrum und letzte Jahre
  4. 4. Auszeichnungen und Erinnerung

Bedeutung und Werdegang

Alwin Oswald Walther (6. Mai 1898 in Reick; 4. Januar 1967 in Darmstadt) war Mathematiker, Ingenieur und Hochschullehrer. Er zählt zu den Pionieren der maschinellen Rechentechnik in Deutschland. Nach Militärdienst von 1916 bis 1919 studierte er von 1919 bis 1922 Mathematik und Physik an der Technischen Hochschule Dresden für das Höhere Lehramt. 1922 promovierte er zum Dr. rer. tech. (heute etwa Dr.-Ing.).

Von 1922 bis 1928 arbeitete er am Mathematischen Institut der Universität Göttingen als Assistent und Oberassistent von Richard Courant; 1924 habilitierte er sich und wurde Privatdozent. Am 1. April 1928 wurde er ordentlicher Professor für Mathematik an der TH Darmstadt sowie Leiter des Instituts für Praktische Mathematik. Seine Ausrichtung war die praktische Anwendung der Mathematik. In den frühen 1930er Jahren entwickelte er den im Ingenieurbereich verbreiteten Rechenschieber „System Darmstadt“.

Walther schlug Petrus Debye 1930 und Enrico Fermi 1936 für den Physik-Nobelpreis vor; beide Nominierungen endeten in einer Verleihung.

Institut, Krieg und Rechentechnik

Ab 1939 führte das Institut für Praktische Mathematik (IPM) in Darmstadt Berechnungen für das deutsche Raketenprogramm der Heeresversuchsanstalt Peenemünde durch. Walther galt dabei als einer der forschungsstärksten und einflussreichsten beteiligten Wissenschaftler der TH Darmstadt. 1942 wurde das IPM als „Wehrwirtschaftsbetrieb“ eingestuft und erhielt dadurch bestimmte Privilegien.

Das IPM arbeitete eng mit der im KZ Sachsenhausen im Rahmen des SS-Projekts „Ahnenerbe“ gegründeten Forschungsstätte „M“ (Mathematik) zusammen. Walther bot an, deren künftigen Leiter in Darmstadt auszubilden, und zeigte Interesse an weiterer Zusammenarbeit. Zudem leitete er die Sektion für praktische Mathematik am Krakauer Institut für Deutsche Ostarbeit unter Hans Frank. Er stand mit der „Sektion Astronomisches Rechenwesen“ im KZ Krakau-Plaszow in Verbindung; im Sommer 1944 verlangte das IPM von dort die Übersetzung russischer Fachliteratur.

Nach der Zerstörung großer Teile Darmstadts und der Hochschule beim Luftangriff in der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 wurde das IPM auf mehrere Ausweichstellen verteilt, an denen noch über 70 Personen arbeiteten. Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner Ende März 1945 ließ Walther alle Peenemünde betreffenden Forschungsberichte verbrennen. Aufträge der Kriegsmarine wickelte er bis 1947 ab.

Seit 1951 entstand unter seiner Leitung am IPM der DERA (Darmstädter Elektronischer Rechenautomat), ein raumgroßer Elektronenrechner mit Radioröhren. Am 11. Februar 1957 nahm das IPM mit der IBM 650 den ersten kommerziellen Computer der TH Darmstadt in Betrieb, der mit Mitteln der DFG erworben worden war. Vorlesungen und Übungen ermöglichten allen Studierenden der Hochschule, an diesem Rechner Programmieren zu lernen. Walther wirkte außerdem maßgeblich am Aufbau des 1963 eingeweihten Deutschen Rechenzentrums in Darmstadt mit.

Rechenzentrum und letzte Jahre

In den 1960er Jahren war Walther wesentlich an der Gründung des Hochschulrechenzentrums der TH Darmstadt beteiligt. Die ersten Räume standen 1963 im Sockelgeschoss des Westflügels des Alten Hauptgebäudes bereit. Nach dem Umbau ging im Herbst 1964 eine IBM 7040 in Betrieb.

IPM und Hochschulrechenzentrum waren organisatorisch getrennt. Dennoch leitete Walther beide Einrichtungen bis zu seiner Emeritierung am 30. September 1966. Er starb wenige Monate später nach kurzer Krankheit im Alter von 68 Jahren in Darmstadt.

Auszeichnungen und Erinnerung

Zu Walthers Auszeichnungen gehören die Ehrenmitgliedschaft der Vereinigung von Freunden der Technischen Universität zu Darmstadt (1950), die Silberne Médaille de la Ville de Paris für die Vorbereitung eines UNESCO-Kongresses zur Informationsverarbeitung (1959), die Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt (1963) und die Ehrendoktorwürde der TU Dresden (1963).

Von 1997 bis 2010 vergaben die Fachbereiche Informatik und Mathematik der Technischen Universität Darmstadt die Alwin-Walther-Medaille für herausragende Leistungen sowie außergewöhnliche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Informatik oder angewandter Mathematik. Die Medaille wurde 2010 abgeschafft; 2016 wurde der Robert Piloty-Preis eingeführt.

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