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Öko-Test
Öko-Test (Eigenschreibweise ÖKO-TEST) ist ein deutschsprachiges Verbraucherschutzmedium. Seit 1985 untersucht und bewertet Öko-Test Produkte und …
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Gegenstand und Arbeitsweise
Öko-Test, in Eigenschreibweise ÖKO-TEST, ist ein deutschsprachiges Verbraucherschutzmedium. Seit 1985 untersucht und bewertet es Produkte und Dienstleistungen. Die Ergebnisse erscheinen monatlich im ÖKO-TEST-Magazin, in Sonderveröffentlichungen und in digitalen Publikationen auf der Website. Im Mittelpunkt stehen Gesundheit, Sicherheit und vorbeugender Verbraucherschutz.
In 40 Jahren wurden über 100.000 Produkte und Dienstleistungen geprüft. Das Spektrum umfasst sämtliche Endverbraucherprodukte und -dienstleistungen, zum Beispiel Puppen, Beißringe, Mineralwasser, Butter, Kleidung, Waschmittel, Wandmalfarbe, Shampoo, Hautcreme und Katzenfutter. Schwerpunkte sind Lebensmittel, Kosmetik und Dinge des täglichen Bedarfs.
Testeinkäufer kaufen die Produkte anonym im Handel ein. Öko-Test besitzt keine eigenen Labore, sondern arbeitet mit akkreditierten Prüfinstituten in ganz Deutschland zusammen. Die Redaktion legt fest, auf welche Schadstoffe, Inhaltsstoffe oder Wirksamkeiten die Labore achten sollen. Diese Kriterien werden entsprechend den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen fortlaufend angepasst. Anschließend bewertet die Redaktion die Laborergebnisse.
Öko-Test prüft häufig strenger als der Gesetzgeber. Deshalb können auch Produkte, die gesetzliche Vorgaben einhalten, das Urteil „ungenügend“ erhalten. Öko-Test begründet dies damit, dass gesetzliche Grenzwerte oft zu lasch seien oder ganz fehlten. Außerdem werden Stoffe abgewertet, wenn ihre Unbedenklichkeit für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt nicht tatsächlich erwiesen ist.
Seit Dezember 2010 wird in einzelnen Testberichten auch Corporate Social Responsibility (CSR) berücksichtigt. Gemeint ist die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens bei Produktion und Nachhaltigkeit. Geprüft wird sowohl, ob sich Unternehmen zu dieser Verantwortung bekennen, als auch, welchen Aufwand sie dafür betreiben. Die CSR-Ergebnisse fließen inzwischen in das Gesamturteil ein.
Verlag, Eigentum und Reichweite
Redaktion und Vertrieb von ÖKO-TEST arbeiten unabhängig voneinander und sind gesellschaftsrechtlich getrennt. Die ÖKO-TEST Verlag GmbH & Co. KG führt die Tests durch und veröffentlicht sie. Die ÖKO-TEST AG ist die Muttergesellschaft und verwaltet den Anzeigenvertrieb sowie die Verwaltung und den Vertrieb des ÖKO-TEST-Labels.
Hauptaktionärin der ÖKO-TEST AG ist seit 2002 die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (ddvg), die Medienbeteiligungsgesellschaft der SPD. Die ddvg hält unmittelbar 10,2 % der Aktien und mittelbar über die Tochtergesellschaft Green Lifestyle GmbH (GLG) weitere 70,2 %, insgesamt also 80,4 %. Der übrige Anteil liegt im Streubesitz von rund 640 Aktionären. Die ÖKO-TEST Verlag GmbH & Co. KG gehört zu 100 % der ÖKO-TEST AG. Im Rechenschaftsbericht der SPD wird ÖKO-TEST als eines der Hauptprodukte ihrer Medienunternehmen gemäß § 24 Abs. 7 Nr. 2 des Parteiengesetzes genannt. Nach Angaben der ÖKO-TEST AG greifen weder ddvg noch SPD in die redaktionelle Arbeit ein.
Die verkaufte Auflage des monatlichen Magazins betrug laut IVW 1/2024 118.317 Exemplare. Die Reichweite wurde mit 0,96 Millionen Lesern pro Ausgabe und 2,16 Millionen Online-Nutzern pro Monat angegeben (b4p 2023/I). In den Angaben für IVW 2/2026 werden 116.438 verkaufte und 117.241 verbreitete Exemplare genannt. Die Print-Reichweite beträgt 0,96 Mio., die Online-Reichweite 2,16 Mio. Leser beziehungsweise Nutzer. Bianca Puff ist Geschäftsführerin der ÖKO-TEST Verlag GmbH & Co. KG; gemeinsam mit Cordula Posdorf bildet sie die Chefredaktion.
Entstehung und wichtige Veränderungen
Das Vorläufermagazin war die „Neugier – Illustrierte Zeitschrift mit Öko-Test“, die im April/Mai 1983 in der Berliner Neugier-Verlag GmbH erschien. Gründer und Herausgeber war der Wirtschaftsjournalist Jürgen Räuschel (1936–2005). Aus dem Neugier-Verlag entstand die ÖKO-TEST Verlag GmbH & Co. KG Betriebsgesellschaft. Ab Januar 1985 arbeitete die erste Redaktion in Frankfurt-Sachsenhausen. Jürgen Räuschel war zunächst alleiniger Geschäftsführer.
Am 17. November 1988 wurde eine dreiköpfige Chefredaktion mit Regina Sauer, Fritz Arndt und Jürgen Stellpflug gewählt. Nachdem Regina Sauer und im Januar 1990 auch Fritz Arndt ausgeschieden waren, blieb Jürgen Stellpflug alleiniger Chefredakteur. Der journalistische Leitgedanke bestand darin, Menschen im praktischen Alltag mit harten Fakten aus Produkttests zu unterstützen, statt lediglich über Umweltskandale zu berichten. Seitdem werden monatlich Tests unter dem Namen Öko-Test veröffentlicht.
Als im Jahr 2000 die Auflage sank, stand der Verlag kurz vor der Pleite. Jürgen Stellpflug wurde Geschäftsführer und wandelte die GmbH & Co. KG in eine Aktiengesellschaft um. Die Zahl der Tests wurde schrittweise erhöht, danach stiegen die Auflagenzahlen. 2002 übernahm die DDVG die Mehrheit am Verlag. Am 20. Oktober 2004 wurde in Frankfurt die ÖKO-TEST HOLDING AG mit einem Grundkapital von 5.112.900 € gegründet. Vorstände wurden Jürgen Stellpflug und Kerstin Thomberg.
Ende 2017 und Anfang 2018 gab es interne Meinungsverschiedenheiten über die China-Strategie und die Digitalisierung. Jürgen Stellpflug wurde als Geschäftsführer und Chefredakteur entbunden; sein Mitgeschäftsführer Patrick Junker wurde ebenfalls entlassen. Mirko Kaiser wurde kommissarischer Chefredakteur, Hans Oppermann Vorsitzender der Geschäftsführung und Vorstand, später auch Chefredakteur.
Im Januar 2022 wurde die bisherige Öko-Test AG zur Trennung von Redaktion und Anzeigengeschäft in die Öko-Test Verlag GmbH & Co. KG und die Öko-Test AG überführt. Vorstand der AG wurde Serge Schäfers, Geschäftsführerin der GmbH und Chefredakteurin wurde Kerstin Scheidecker. Das Aktienkapital der AG betrug 2022 nach eigenen Angaben etwas über 5 Millionen Euro. 2024 veröffentlichten Kerstin Scheidecker und Katja Tölle das Buch „Gibt’s das auch in Grün? Tricks der Industrie durchschauen, nachhaltig einkaufen“. Zugleich wurde der Ausbau des Digitalgeschäfts zum Schwerpunkt: Artikel und Testergebnisse sind online teilweise kostenlos, teilweise gegen Entgelt abrufbar.
Kritik und rechtliche Auseinandersetzungen
Gegen Öko-Test wird durchschnittlich einmal pro veröffentlichter Ausgabe prozessiert. Für Prozesskosten werden deshalb jährlich mindestens 250.000 Euro eingeplant. Nachdem Öko-Test 1988 einen Prozess um Testergebnisse endgültig verloren hatte, versuchten Hersteller verstärkt, die Veröffentlichung von Tests gerichtlich verbieten zu lassen. In der Ausgabe April 2004 erklärte Öko-Test, in den vorangegangenen 25 Jahren weit über hundert Prozesse gewonnen zu haben. Als Beispiele werden Auseinandersetzungen um Zucker in Bionade und um hochgiftige zinnorganische Verbindungen im Goleo, dem Maskottchen der Fußballweltmeisterschaft 2006, genannt.
2015 startete die SPD-Medienholding DDVG in China das unabhängige Verbraucherportal okoer.com. Öko-Test sollte seine Erfahrungen mit ökologischen Produkttests einbringen und chinesische Produkte in Deutschland testen. Die Expansion erfüllte die Erwartungen nicht; Öko-Test soll dabei einen Millionenbetrag verloren haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelte wegen des Verdachts der Untreue, stellte die Ermittlungen jedoch ein.
2019 wurde im Zusammenhang mit dem China-Geschäft ein interner Prüfbericht bekannt. Danach soll Öko-Test über Jahre falsche Auflagenzahlen für Sonderhefte angegeben haben, um von Anzeigenkunden höhere Preise verlangen zu können. Auch diese Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden eingestellt.
Kritik gibt es außerdem an der Vermarktung des ÖKO-TEST-Labels. Die ÖKO-TEST AG lizenziert das Label, sodass Hersteller mit einem Testergebnis auf ihren Produkten werben können. BGH und EuGH bestätigten, dass es sich um eine bekannte Marke handelt. Der ehemalige Chefredakteur Jürgen Stellpflug kritisiert die Lizenzierung auf dem Portal Testwatch. Nach seiner Darstellung hätte der Verlag ohne Einnahmen aus den Labels allein 2022 einen Verlust von über 2,2 Mio. Euro erlitten. Daraus leitet er ein mögliches wirtschaftliches Interesse an möglichst vielen positiven Testergebnissen und eine Gefährdung der Neutralität ab.
Katharina Riehn von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg erklärte 2019, die Kriterien seien für Verbraucher oft schwer zu durchschauen. Jürgen Stellpflug warf Öko-Test über Testwatch neben Fehlern auch willkürliche und indiskutable Bewertungen sowie Fake-Tests vor. Öko-Test räumte konkrete Fehler ein: Im März 2019 wurde eine falsche Aussage über die Inhaltsstoffliste einer Mascara aus dem Test von Februar 2019 widerrufen. Die Septemberausgabe 2023 wurde wegen einer falschen Bewertung von Followfood-Kabeljau-Fischstäbchen aus dem Verkauf genommen. Öko-Test erklärte, für die Bewertung sei ein falscher Kabeljaubestand zugrunde gelegt worden, und zog sie nach einer außergerichtlichen Unterlassungserklärung zurück. Weitere Fehler wurden laut Testwatch unter anderem bei Öko-Strom-Tests von 2021 und 2022 sowie beim Kakaopulver-Test von Mai 2023 behauptet; Fehler im Kakaopulver-Test wurden berichtigt.