Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).
Wenn das Leben zu Ende geht - so hilft Palliativarzt Philipp Sterbenden I 37 Grad
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 41 Zeilen
- Das würde ich mir wünschen, dass wir in unserer Gesellschaft den Tod mehr zum Leben führen und den Tod mehr in das Leben integrieren
- und ihn nicht als Stigma, als Strafe, als Scheitern sehen, sondern als Natürlichkeit genauso wie die Geburt. [Musik]
- Ich mache jetzt die Funktion. -Brauchst du da Hilfe? Erst mal nicht, ich melde mich sonst.
- Wir behandeln weniger Befunde, sondern das Befinden. Also natürlich machen wir auch Diagnostik auf einer Palliativstation im Krankenhaus: Wir nehmen Blut ab, machen bildgebende Diagnostik, endoskopische Untersuchung
- - das ist alles auch ganz wichtig, aber es ist niemals der Befund alleine, der dann zu der Therapie führt, sondern ist immer das Befinden des Patienten. Das steht bei uns an erster Stelle.
- So, das war es. Alles geschafft. Die Medizin hat lange Zeit, glaube ich, die Option des Sterbens ausgeblendet. Die Intensivmedizin hat
- sich unheimlich entwickelt, auch die Onkologie hat sich massiv entwickelt, sodass es natürlich unglaubliche Erfolge sind aber es ist auch ein bisschen das Sterben aus dem Fokus gerückt und das sehe ich als Gefahr.
- Guten Morgen. - Guten Morgen. Na, wie geht's heute? - Heute geht's gut. Soll so sein.
- Es gibt natürlich auch schwere Schicksale, die einen sehr betroffen machen. Und mit den Schmerzen ist es immer noch so stark oder hat sich das gebessert? - Ja, hat sich so weit gebessert.
- Hat sich gebessert, ja? - Mh, ein bisschen. Aber die meiste Zeit habe ich eher das Gefühl, dass ich sehr viel helfen kann.
- Ist auch total süß, finde ich, wie sie so strahlt, ja. Da sieht man auch noch mal, was für ein tolles Wesen sie hat. - Das strahlt sie immer noch aus.
- Also das ist natürlich toll, das ist auch wirklich bis zum Schluss geblieben. [Musik]
- In der Regel ist es so, dass die Menschen immer müder werden und das sehen wir auch bei ihr. Wenn jemand immer müder wird, dann wird irgendwann ganz schlafen, irgendwann aufhören zu Atmen und dann sterben,
- und das ist ein friedlicher Prozess. Eigentlich ist der Tod nichts Schreckliches und das ist, glaube ich, auch ein stetiger Weg, der nie abgeschlossen ist.
- Dieses Betonen der Natürlichkeit des Lebens und des Lebensendes und glaube ich auch einer der Gründe, warum ich hier sitze.
- Ich habe eigentlich schon relativ früh gewusst, dass ich mich wirklich für die Menschen interessiere. Hab dann hier die Palliativstation im praktischen Jahr entdeckt und da hat mich die Arbeit sehr beeindruckt
- und es war eigentlich genau das, wo ich sagte: Hier, hier möchte ich eigentlich arbeiten und das ist so, wie ich mir Medizin vorstelle. Wo ich mich auf die ganzen Menschen einlassen kann,
- wo ich Zeit für den Patienten habe, wo ich auch als Mensch therapeutisch wirksam sein kann. In den Kliniken haben wir oft eine sehr kurative Kultur - das wir heilen möchten,
- was ja auch wunderbar ist, wenn man das möchte, aber auch anzuerkennen, dass es manchmal nicht ums Heilen geht, sondern um das Ansprechen des nahenden Todes und des Sterbens
- und der Sorgen davor: Das ist die Aufgabe der Palliativmedizin oder der Palliativversorgung. Ja, ich hatte letzte Woche mit ihrer Frau auch gesprochen. Sie hatte ja auch gefragt, wie es denn weitergeht.
- - Sie hat natürlich auch Angst, diese Frage zu stellen, wenn ich dabei bin, weil sie sagt, es klingt so, als würde sie mich loslassen oder verabschieden. Ne, finde ich gar nicht. Wir sind ja in diese Situation reingeschubst worden.
- Ich glaube, dass das schon ein Unterschied ist, auch ob man seinen Partner verliert durch eine Trennung, der war im Hintergrund vielleicht noch greifbar ist oder ob der Partner eben für immer weg ist.
- Haben Sie vielleicht irgendeine Vorstellung, was vielleicht auch nach dem Tod passiert? - Nein, weil ich mich dazu entschlossen habe, nicht aufzugeben. Ob das jetzt naiv ist, realistisch,
- wissen wir Gott sei dank beide heute nicht. Ich habe mich aber für diesen Weg entschieden, von daher bin ich fest der Überzeugung, diesen Weg weiter zu gehen und auch diesen Weg zu schaffen.
- Wie gesagt, das ist so schwer in die Zukunft zu gucken. Ich glaube aber, dass wir alles, was möglich ist, tun, aber nichts tun, was sinnlos ist.
- Das ist schwer, weil man sich so auf einer... man befindet sich auf dünnem Eis, man will keine Hoffnungen zerstören, die den Menschen vielleicht noch am Leben erhalten,
- aber man will auch nicht unehrlich sein und da die Balance zu finden ist eine große Aufgabe. Aber das Aushalten von schweren Situationen, einfach nur seine Schulter hinzuhalten,
- das ist auch ein Großteil der Palliativmedizin. Nicht immer sofort eine Lösung parat zu haben, sondern diese Schwere der Situation einfach mit dem Patienten zu ertragen.
- Es gibt Tage, die sind ganz normal, da vergisst man die Arbeit komplett und das ist eigentlich meistens der Fall, wenn ich mit der Familie zusammen bin.
- Dass ich dann komplett abschalten kann und bei der Familie bin und da auch ganz gebraucht werde als Vater, als ihr Mann. Ich denke, dass es auch komisch wäre, wenn man ständig diesen Gedanken an den Tod hätte.
- [Musik] Es war schon ein schwerer Abschied, weil wir so viele Gemeinsamkeiten hatten.
- Ich konnte mich sehr gut in ihn einfühlen, aber dadurch, dass wir beide wussten, wie der Weg weiter geht, war das immer klar, dass es bald ein Abschied geben wird, aber ich habe das Gefühl, es war ein guter Abschied
- und ich denke auch sehr an seine Frau und seine Kinder, wie es denen jetzt wohl geht. Ich habe zum Glück noch nicht so viele Menschen aus meiner Familie verabschieden müssen,
- aber ich kann mich daran erinnern, als meine beiden Großmütter gestorben sind, dass das nicht unbedingt was mit meinem professionellen Tun zu tun hatte,
- das, wenn ein Angehöriger oder jemand aus der Familie betroffen ist oder Freunde, dann ist das was ganz anderes, dann bin ich genauso Angehöriger, Patient, Verzweifelter, Hilfsbedürftiger wie die, die ich immer vor mir habe.
- Dann brauche ich Hilfe. Ja und ich habe, glaube ich, auch Angst davor, dass das irgendwann passieren wird und also ich weiß ja, dass es passieren wird und trotzdem hab ich da Angst vor.
- An der Schule, wo ich war, gab es nur einen Lehrer für Instrument und es war ein Trompetenlehrer. Super Lehrer, der mir keinen Druck gemacht, der mir einfach den Spaß gelassen hat und dann kam die Bigband-Zeit
- und ich habe die Jungs kennengelernt und so kam das. [Musik]
- Ich vergesse alles um mich herum und bin fröhlich und es ist ein sehr sehr großer Ausgleich. [Musik]
- Ich finde gerade, wenn man merkt, dass es nur eine begrenzte Zeit gibt, dann ist es umso wichtiger, die Zeit zu genießen mit guten Freunden, mit Musik, mit solchen Momenten
- und kann man gar nicht beschreiben. Das ist so ein tolles Gefühl und ich liebe das Leben sehr.
Zum Nachlesen
TodUnterschiedliche Auffassungen in Religionen und philosophischen Richtungen werden im Artikel Leben nach dem Tod behandelt (s. a. Nahtoderfahrungen). Siehe …
LebenFür Platon ist die Selbstbewegung ein Kennzeichen des Lebendigen, Aristoteles spricht Leben auch dem ersten unbeweglichen Beweger zu. An diesen Widerspruch …
SterbebegleitungIn der Sterbebegleitung, auch Sterbebeistand genannt, geht es darum, Menschen in den letzten Wochen vor ihrem Tod beizustehen, sie zu trösten und …
ReportageAls Reportage (von lateinisch reportare = berichten, melden) bezeichnet man im Journalismus unterschiedliche Darstellungsformen, bei denen der Autor nicht …