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Ammoniaksynthese - Der Griff in die Luft (Haber-Bosch-Verfahren) - FWU Lehrfilm

TV Pro 906114:02 4.108 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 76 Zeilen
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  1. schon immer waren Pflanzen die Grundlage menschlicher Ernährung [Musik] um wachsen zu können sind Pflanzen auf
  2. die Mineralstoffe im Boden angewiesen vor allem die Menge der Stickstoffverbindungen entscheidet über
  3. gesundes Wachstum oder über das dahin kümmern der Pflanze mit jeder Ernte werden dem Boden Mineralstoffe entzogen
  4. das gilt natürlich umso mehr je intensiver die Nutzung ist es muss also nach jeder Ernte immer wieder gedüngt werden wenn der Boden
  5. nicht bearmen soll die klassische Düngung mit organischen Abfällen wird dem nur in unzureichender
  6. Weise gerecht doch sie stellte bis zur Jahrhundertwende die einzige Möglichkeit da den Boden die entzogenen
  7. Mineralstoffe wieder zurückzugeben mit jeder neuen Saat mit jeder weiteren Ernte musste sich daher das
  8. Mineralstoffdefizit auf den Eckern vergrößern dabei hatte der Bauer gerade um die Jahrhundertwende eine dramatisch zunehmende Bevölkerungszahl in den
  9. Städten und industrierregionen zusätzlich zu versorgen während also die Ernten immer tätlicher aus vielen wuchs der Nahrungsbedarf
  10. enorm an es musste ein Ausweg aus diesem Dilemma gefunden werden die Lösung lag sozusagen in der Luft in unserer Atmosphäre
  11. denn gerade dort sind die größten Stickstoffmengen zu finden mit einem Stickstoffanteil von fast 80% [Musik]
  12. die große Mehrzahl aller Pflanzen so auch der für die Welternährung so wichtige Weizen kann diesen elementaren Stickstoff der Luft nicht verwerten
  13. der Grund die Struktur des stickstoffmoleküls zwei Stickstoffatome werden durch eine Dreifachbindung außergewöhnlich fest
  14. aneinander gebunden diese Dreifachbindung macht das stickstoffmolekül äußerst reaktionsträge der Stickstoff kann nur mit wenigen
  15. anderen Stoffen zur Reaktion gebracht werden zum Beispiel mit Wasserstoff dabei entsteht Ammoniak unter normalen Bedingungen ein Gas
  16. dieses Ammoniak dient als Ausgangsstoff für eine Reihe wichtiger Verfahren ein einfaches Laborexperiment weist die Bildung von Ammoniak aus Wasserstoff und
  17. Stickstoff nach die Reaktion verläuft nur in Anwesenheit eines Katalysators hinreichend schnell
  18. ein Molekül Stickstoff reagiert mit 3 Molekülen Wasserstoff es entsteht Ammoniak
  19. der Katalysator wird erst wirksam wenn er erwärmt wird und von Ammoniak macht ein Indikator sichtbar
  20. die Ausbeute ließe sich durch Erhöhung des Drucks verbessern soweit die Reaktion die als solche um die Jahrhundertwende durchaus bekannt
  21. war das Problem bestand in der technischen Umsetzung 1904 bekam fritz Haber Professor an der Technischen Hochschule Karlsruhe den
  22. Auftrag einen brauchbares Verfahren für die Synthese von Ammoniak zu entwickeln das Ergebnis diese Hochdruck versuchsapparatur die er
  23. fünf Jahre später im Jahre 1909 vorführen konnte sie bestand im wesentlichen aus drei Teilen
  24. einen gas-trockner zum Entzug der Feuchtigkeit in den synthesegasen in der Mitte der Reaktor schließlich das Ammoniak Sammelgefäß das
  25. von einem Kühlmantel umschlossen ist um die Verflüssigung des ammoniak-gases feststellen zu können befindet sich am unteren Ende ein Schauglas
  26. Arbeiten unter Hochdruck bei etwa 200-fachem Überdruck Einsatz eines Katalysators im Reaktorraum und erhöhte Temperatur
  27. damit waren also die wesentlichen verfahrensmerkmale der späteren großtechnischen Herstellung im Prinzip schon verwirklicht
  28. fast 90 Gramm Ammoniak pro Stunde konnten mit dieser Apparatur erzeugt werden die große Herausforderung die Umsetzung
  29. in den großtechnischen Maßstab wobei allerdings in dieser modernen Anlage eine fast 80-jährige Städte Weiterentwicklung steckt
  30. damals war der erste Schritt die Suche nach einem technisch verwendbaren Katalysator
  31. 1911 fand Alwin mitasch im tausenden von versuchen ein Katalysator Gemisch für die Synthese das bis heute unübertroffen ist
  32. Eisen mit einigen Prozent Tonerde und eine geringe Menge Kali lediglich ein kleiner Anteil an Calcium ist später noch dazu gekommen
  33. als nächstes war ein Material für den Reaktor zu finden er musste nicht nur dem hohen Druck standhalten sondern auch gegen die
  34. reaktionsgase resistent sein Karl Bosch fand die Lösung er verwendete mehrschichtige
  35. Konstruktionen die den extremen Bedingungen standhalten konnten 200-fachen Überdruck 400 Grad und reaktionsfreudigem Wasserstoff
  36. heute erlauben moderne Stähle mit geringem Kohlenstoffanteil den Bau von Reaktoren mit sehr großem Volumen immerhin circa 50 Kubikmeter Katalysator
  37. fast ein solcher Reaktor alle zwei Jahre im Rahmen der routinemäßigen Überprüfung der gesamten
  38. Anlage wird der Katalysator ausgetauscht der Innenraum des Reaktors hat etwa 3,5 m Durchmesser und ist ca 6 m hoch
  39. die Ausbeute einer solchen Anlage beträgt 1.500 Tonnen Ammoniak pro Tag das ist nahezu dass millionenfache der ursprünglichen haberschen Apparatur
  40. dort wurden die beiden Synthese Gase Stickstoff und Wasserstoff lediglich aus vorratsflaschen einem Trockner zugeführt gerade die Erzeugung und Reinigung der
  41. Synthese Gase nehmen aber im modernen Anlagen einen sehr großen Raum ein Ausgangsbasis für die Wasserstoffgewinnung ist heute
  42. vorwiegend dass Erdgas es besteht bis zu 98% aus Methan CH4 besitzt also einen hohen Wasserstoffanteil zunächst wird das Methan von
  43. Schwefelverbindungen befreit die als Katalysator Gifte wirken das gereinigte Erdgas gelangt dann in einen gewaltigen primärreformer
  44. dort wird es mit dem zweiten Rohstoff zusammengebracht im Wasserdampf das geschieht bei einer Temperatur von 800 Grad
  45. der erdgasflamme gegenüber befinden sich Rohre durch die die beiden Gase strömen die Rohre enthalten nickel als Katalysator
  46. Wasserdampf und Methan reagieren am Nickel es bilden sich Wasserstoff und Kohlenstoffmonoxid auch überschüssiges Methan befindet sich
  47. noch im austretenden Gasgemisch es hat nicht reagiert dieses Gemisch wird nun aus den primärenformer weitergeleitet in den
  48. sekundärreformer dort kommt über eine Ringleitung der dritte Rohstoff hinzu die Luft
  49. sie ist der stickstofflieferant der in der Luft ebenfalls enthaltene Sauerstoff muss allerdings beseitigt werden auch dies geschieht im sekundäre
  50. forma und zwar auf sehr elegante Weise das nicht vollständig umgesetzte Methan aus den primärreformer reagiert nämlich mit dem Sauerstoffanteil der Luft im
  51. Beisein des Stickstoffs zu Kohlenstoffmonoxid und weiteren Wasserstoff bei Temperaturen um 1000 Grad
  52. das Kohlenstoffmonooxid wird anschließend zu Kohlenstoffdioxid umgesetzt und ausgewaschen
  53. in einer Leitwarte wird dieser Prozess der Gasaufbereitung so geregelt dass die gewünschte Zusammensetzung des synthesegases immer gewährleistet ist
  54. für die Gewinnung der beiden Ausgangsstoffe also des Wasserstoffs und des Stickstoffs aus Erdgas und Luft ist ein hoher Energieaufwand erforderlich
  55. in seiner versuchsapparatur hat der Haba dieses Problem außer Acht gelassen denn seine ganze Aufmerksamkeit galt dem synthesevorgang im Reaktor
  56. bei hohem Druck treffen dort Stickstoff und Wasserstoff auf die Katalysator Oberfläche wo sie sich in die Atome trennen die beiden Stickstoffatome
  57. binden nacheinander je drei Wasserstoffatome sodass insgesamt zwei ammoniakmoleküle entstehen die beiden ammoniakmoleküle lösen sich
  58. wieder von der Katalysator Oberfläche die bei dieser Reaktion frei werdende Energie wird zugleich sinnvoll genutzt
  59. so wird das nachströmende Synthese Gas auf die Prozesstemperatur von 500 Grad gebracht unter diesen Bedingungen wird ein Ammoniakgehalt von 11 Volumen
  60. Prozent erreicht um die Ausbeute zu verbessern wird das austretende Gasgemisch so gleich in einem zweiten Reaktor geleitet sodass
  61. schließlich ein Ammoniakgehalt von 16 Volumenprozent erzielt wird auch bei dieser Reaktion im zweiten Reaktor wird wieder Energie frei
  62. das ausströmende heiße Gas wird daher in einen Wärmeaustauscher geleitet wo ihm ein Großteil seiner Energie entzogen wird und zwar zu Erzeugung von
  63. überhitztem Dampf dieser Dampf treibt eine Turbine und damit Kompressoren
  64. in insgesamt vier Stufen wird so das Synthese Gas auf den erforderlichen Druck gebracht
  65. dieser Druck wird so gewählt dass der Energieaufwand in wirtschaftlich vertretbaren Grenzen bleibt
  66. das im Reaktor gebildete Ammoniakgas muss schließlich in einem Abscheider so weit heruntergekühlt werden dass sich das Ammoniak verflüssigt
  67. hier die großtechnische Umsetzung über ein weitläufiges Rohr und Verteilungssystem gelangt das Ammoniak
  68. schließlich in kugeltanks zur vorübergehenden Speicherung der Stickstoff der Luft ist in eine Verbindung übergeführt die als
  69. Zwischenprodukt und Ausgangsstoff für viele weitere chemische Synthesen dient flüssiges Ammoniak lässt sich problemlos zum verbrauchertransportieren wo es
  70. beispielsweise für die Herstellung von Kunstfasern benötigt wird ammoniak ist auch wichtig für die Produktion von Lacken und Farben
  71. in Kraftwerken findet Ammoniak Anwendung bei der Entfernung giftiger Stickoxide aus den Rauchgasen doch der weitaus größte Teil nämlich
  72. etwa 80% der Welt ammoniakproduktion wird zur Herstellung von Düngemittel verwendet durch die Ammoniaksynthese wurde die
  73. Luft zu einem der wichtigsten Rohstofflieferanten doch die Erfolgssicherheit der pioniertage ist heute zurückhaltend
  74. mit übergroßen Mengen hat zu beachtlichen ökologischen Problemen geführt die Nitrat Auswaschung in das
  75. Grundwasser ist nur ein Beispiel dafür erst die sachgemäße Anwendung der Düngemittel macht den Griff in die Luft
  76. zu einem wirklichen Fortschritt [Musik]

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