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Biedermeier | EINFACH ERKLÄRT
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 39 Zeilen
- Hallo und willkommen. Wir schauen uns heute mal die Biedermeier Zeit genauer an. Das ist eine total faszinierende
- kulturelle Reaktion auf eine Welt, die damals komplett im Umbruch war. Okay, fangen wir doch direkt mal beim Namen
- an, denn der ist, na ja, ziemlich doppeldeutig. Er hat nämlich zwei total unterschiedliche Bedeutungen. Und genau
- diese Geschichte hinter dem Namen ist eigentlich der perfekte Startpunkt. Sie zeigt nämlich, daß der Begriff
- Biedermeier einen ziemlich überraschenden, ja sogar satirischen Ursprung hat. Das Wort Bider hatte
- früher nämlich eine total positive Bedeutung, also sowas wie rechtschaffen, aufrichtig, ein ehrenwerter Mensch.
- Heute, tja, heute klingt es ja eher ein bisschen negativ, oder so im Sinne von einfältig, altbacken, vielleicht sogar
- spießig. Und jetzt kommt der eigentliche Clue bei der ganzen Sache. Der Name wurde erst erfunden, als die Epoche
- schon längst vorbei war. Er geht zurück auf eine fiktive Figur Gottlieb Biedermeier und der war im Grunde eine
- Karikatur des typischen unpolitischen Bürgers, der sich lieber zu Hause verkrochen hat, anstatt sich mit den
- großen Problemen seiner Zeit auseinanderzusetzen. Aber warum gab es diesen Rückzug
- überhaupt? Um das zu verstehen, müssen wir uns mal die Welt von damals ansehen und die war, man kann es nicht anders
- sagen, ziemlich chaotisch. Stellt euch das mal vor. Plötzlich gibt es Dampfmaschinen, Gaslaternen, die erste
- Lokomotive, die industrielle Revolution hat alles auf den Kopf gestellt. Dieser rasante technologische Wandel war für
- die einen total aufregend, aber für viele andere war er einfach nur zutiefst beunruhigend. Die Gesellschaft war da
- wirklich gespalten. Und kommt euch das bekannt vor? Ich finde, das zeigt einfach perfekt, dass dieses Gefühl von
- neuer Technologie überrollt zu werden, absolut zeitlos ist. Damals waren es Dampfmaschine und Lokomotive, heute sind
- es vielleicht das Smartphone und das Internet. Die einen feiern den Fortschritt, die anderen fühlen sich
- überfordert und ziehen sich lieber zurück. Okay, wie haben die Menschen also damals auf diese ja überwältigende
- neue Realität reagiert? Und das ist der springende Punkt. Die Antwort war ein ganz bewusster Rückzug. Weg von dem
- Chaos da draußen, rein ins Private, ins Häusliche, ins Gemütliche. Es ging darum, sich eine eigene kleine heile
- Welt zu schaffen. Eine harmonische Idlle, in der man die Kontrolle hatte. Ein ganz wichtiger Teil dieses Rückzugs,
- und das ist wirklich spannend, war die Natur. Man hat sich auf eine ganz besondere,
- fast schon tiefgründige Weise auf die Natur konzentriert. Aber Achtung, das war ganz anders als bei den Romantikern.
- Für die war die Natur ja so ein Spiegel für wilde, ungebändigte Emotionen. Im Biedermeier sah man das anders. Da war
- die Natur ein perfektes geordnetes System, das von ganz allein funktioniert. Also hat man sie
- beobachtet, dokumentiert, geordnet und genau darin trost und so eine Art höhere Ordnung gefunden. Dieses genaue
- Hinschauen, das war sozusagen der Weg zum inneren Frieden. Die Natur war also nicht nur eine hübsche Kulisse, sondern
- der eigentliche Schlüssel zum Glück und zum Wohlbefinden. So und wie spiegelt sich das Ganze jetzt in der Literatur
- dieser Zeit wieder? Da finden wir nämlich eine wirklich überraschende Bandbreite. Auf der einen Seite gibt es
- da diese perfekten Idullen, z.B. die Geschichte von Mimili, die sich in die Schweizer Alpen zurückzieht und dort die
- Ruhe und die Liebe findet. Aber und das ist die andere Seite, es gibt auch Werke wie die berühmte Judenbuche und da
- wird's plötzlich ganz dunkel. Da wird der Wald zum Schauplatz von illegalem Holzeinschlag, von Verbrechen, ja sogar
- von Mord. Das zeigt, wie komplex diese ganze Epoche eigentlich war. Was nehmen wir also aus all dem mit? Was ist das
- eigentliche Erbe dieser ganzen Bewegung? Im Grunde im tiefsten Kern steht die Biedermeierhaltung für einen absolut
- menschlichen Impuls, die Flucht. Die Flucht vor einer Realität, die einfach zu kompliziert und zu schnell wird. Und
- das bringt uns zu einer letzten Frage, die wir uns vielleicht alle mal stellen sollten in unserer heutigen komplexen
- und total vernetzten Welt. Was ist eigentlich unser Biedermeier? Wenn uns alles zu viel wird, wohin ziehen wir uns
- dann zurück, um wieder ein bisschen Harmonie und Ordnung zu finden?
Zum Nachlesen
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