Wie Deutschland Ausgrenzung als Inklusion verkauft | ZDF Magazin Royale ZDF MAGAZIN ROYALE https://www.youtube.com/watch?v=hGvKKIo4tKQ Transkript (automatisch erstellt) 0:00 (Jan): Meine Damen und Herren und alle dazwischen und außerhalb, wir haben Ende des Jahres, 0:03 das ist die letzte Ausgabe des "ZDF Magazin Royale" in diesem Jahr, 2024. 0:08 Ey, war das nicht ein schönes Jahr? * Musik * 1:00 (Jan): Wahnsinn, oder? War das nicht ein tolles Jahr? Wie die Zeit vergeht. 1:03 Eigentlich wollten wir ja letzte Woche schon alles dicht machen, inklusive uns selber, aber dann ist uns aufgefallen: 1:08 Fuck, wir haben ja was vergessen im "ZDF Magazin Royale". Ein super wichtiges Thema ist uns einfach durchgerutscht in diesem Jahr. 1:15 Und auch in den elf Jahren vorher. Inklusion. 1:20 Heute geht es im "ZDF Magazin Royale" um Inklusion, um die Situation von Menschen mit Behinderung in Deutschland. 1:26 * Zitat * Logisch, jeder Mensch soll teilhaben können an allem. 1:36 Das bedeutet Inklusion. Das müsste eigentlich sogar 1:39 der hinterletzte Rostbratwurstzipfel verstanden haben. (Markus Söder): Für mich sind wir alle eins. 1:43 Und für mich hat jeder die gleichen Chancen. Egal, mit welchem Handicap er startet 1:47 oder vielleicht durch einen Unfall oder eine Krankheit bekommt. (Jan): Jeder hat die gleichen Chancen. 1:52 Lieber christsozialer Markus, wirklich wahr? Stimmt es wirklich? Dann wollen wir doch mal schauen. 1:59 Ganz Deutschland hat sich zur Inklusion verpflichtet. Hier, die UN- Behinderten-Rechtskonvention, 2:04 die gilt seit 2009 in Deutschland. Menschen mit Behinderung dürfen nicht diskriminiert werden 2:08 und sollen überall an allem gleichberechtigt teilnehmen können. Das sind keine Privilegien, das sind Menschenrechte. 2:14 In den Bus einsteigen können, beim Fußball die gegnerische Mannschaft beleidigen, 2:18 seinen Ehemann betrügen oder beim Klaasohm auf Borkum mitmachen. Auch Menschen mit Behinderung sollen ein Recht darauf haben, 2:24 auf Borkum Frauen gegen ihren Willen mit Kuhhörnern zu verprügeln. Na klar, natürlich ganz normal. 2:30 In Deutschland gibt es übrigens mehr Menschen mit Behinderung, als man so denkt. 2:34 * Zitat * Ungefähr jede sechste Person. 2:41 Jede sechste Person. Und die meisten kommen nicht mit einer Behinderung auf die Welt, 2:45 sondern werden im Laufe ihres Lebens zu Menschen mit Behinderung. Durch Unfälle oder Erkrankungen 2:49 wie Endometriose, Krebs, MECFS, Parkinson, Epilepsie, Migräne, Rheuma, Asthma, Depression und und und. 2:57 (Person 1): Ich studiere in Düsseldorf und sitze im Rollstuhl. Und wenn ich mir dann in der Bibliothek 3:01 selbstständig ein Buch aus dem Regal nehmen muss, dann geht das nicht. Ich muss ständig fremde Leute fragen, 3:07 obwohl ich das gerne selbstständig machen würde. (Person 2): In einer Bäckerei, als ich Brot kaufen wollte, 3:14 sagte die Verkäuferin zu mir: "Ja, Sie sind blind." Also wenn ich blind wäre, würde ich mir ja den Strick nehmen. 3:20 (Person 3): Ich habe 'ne chronische Erkrankung und aufgrund dessen u.a. 3:25 'ne starke Sehbehinderung. Wenn z.B. Ampelsignale 3:29 oder Töne es nicht tun und ich dann nicht 3:31 die Ampel erkennen kann, kann es im schlimmsten Fall sein, 3:33 dass ich über 'ne rote Ampel laufe oder stundenlang an der 3:36 Ampel stehe und nicht weiß ob ich über Grün oder Rot gehen kann 3:40 und eventuell angefahren werde. (Person 4): Ich wollte zum Friseur 3:43 vor ein Paar Tagen und musste dann erst mal 3:46 20 bis 30 Minuten recherchieren, um herauszufinden, 3:49 welcher Friseur barrierefrei ist. Und hatte nicht die Entscheidung, zu welchem Friseur 3:53 möchte ich gerne gehen, sondern zu welchem Friseur 3:56 kann ich gehen, weil er ebenerdig zugänglich ist. 3:59 (Person 5): Ich bin im Prinzip seit meiner Geburt auf den Rollstuhl angewiesen 4:03 und wenn ich mit einer Begleitperson unterwegs bin, merke ich, dass ich 4:07 nicht so Ernst genommen werde. Man spricht automatisch 4:10 mit der Person hinter mir, ob das jetzt an der Kasse ist oder auch beim Arzt. 4:14 (Jan): Ja, Menschen mit Behinderungen werden behindert in Deutschland, 4:17 von unzähligen Barrieren, die Menschen ohne Behinderung 4:20 gar nicht bemerken. Sie werden behindert von ihrer Umwelt. 4:23 Bei Inklusion geht es darum, dass das nicht länger passiert. Aber jetzt kommt das Wort, 4:28 das in jedem Satz, der zu schön ist, um Deutsch zu sein, 4:30 immer kommt: Aber! Aber: Inklusion 4:35 gibt es nicht in Deutschland. Das Wort sagen immer 4:37 nur alle - "Inklusion". Aber was Deutschland für Inklusion hält, 4:41 ist nichts anderes als Exklusion. Die Ausgrenzung und Behinderung 4:45 von Menschen. Deutschland ist ein exklusives Land. 4:49 * Zitate * Allgemeine Menschenrechte und UN-Behinderten-Rechtskonventionen, 5:07 mein Arsch! Inklusion ... 5:10 (Stimme aus dem Off): Exklusion ... ... geht schon ganz früh los 5:12 in Deutschland, bei Kindern, z.B. in der Schule. 5:15 Wir haben in Deutschland extra eigene Schulen für Menschen, 5:18 die behindert werden. Und die machen das exakte Gegenteil von Inklusion. 5:22 * Zitat * So denkt z.B. Sachsen-Anhalt: 5:29 Sonderschulen, die inzwischen übrigens meistens "Förderschulen" heißen. 5:32 Klingt ja auch viel schöner, nicht so nach Absondern oder 5:35 Aussondern, sondern nach Fördern. Aber, das ist natürlich Quatsch. 5:41 Förderschulen fördern v.a. eines. Die staatlich organisierte Ausgrenzung von Menschen, 5:46 die es seit 2009 eigentlich in Deutschland nicht mehr geben dürfte. 5:50 Aber: ... * Zitat * 5:58 Deutschland macht einfach sein eigenes Ding. Wir halten uns nicht 6:01 an Konventionen oder Versprechen. Deutschland hat einfach das Robert-Geiss-Mindset. 6:06 (Carmen Geiss): Du bist der Mann, du musst, du hast, als du mich geheiratet hast, gesagt, du wirst immer für mich da sein. 6:11 (Robert Geiss): War gelogen. (Jan): Ja, war gelogen. 6:14 Haha, was willst du machen? Dabei gibt es bereits 6:17 eine Lösung für echte Inklusion. Nämlich Schulen, in denen alle Kinder 6:21 gemeinsam unterrichtet werden. Aber Bildung ist in Deutschland 6:26 leider Ländersache. In Bremen klappt es schon ganz gut, 6:28 da sind fast alle Schulen wirklich inklusiv. Aber in Baden-Württemberg 6:32 gehen sogar im Verhältnis mehr Kinder auf Förderschulen 6:34 als noch 2009. Es wird nicht besser, sondern 6:37 schlechter in Baden-Württemberg. Aber ob Kinder in eine Förderschule 6:40 gehen oder in eine inklusive Schule, das macht einen riesengroßen Unterschied. 6:44 Und zwar für den Rest ihres Lebens. * Zitat * 6:55 Ja, Förderschulen fördern v.a. Ausgrenzung. Die meisten Schüler*innen 7:00 haben nach der Förderschule nicht mal einen Hauptschulabschluss. 7:02 Aber Menschen, die behindert werden, die brauchen eh 7:04 keinen Schulabschluss, oder? Die können nach der Förderschule in der Werkstatt arbeiten, na und? 7:08 * Zitat * (Jan): Ja genau, Werkstätten. 7:20 Da denkt man doch direkt an selbstgebastelte Karten, 7:22 an Honigkerzen, an wunderschöne Echtholz-Butt-Plugs, 7:26 die man auf dem Weihnachtsmarkt kaufen kann. Aber 7:29 viele Werkstätten sind keine muckeligen Bastelstuben, sondern billige 7:33 Produktionsstätten, die Millionen Euros umsetzen und für fette Konzerne 7:37 Aufträge erfüllen. (Ausschnitt SWR): Und hier werden die Bordwerkzeuge 7:40 für den Porsche Macan zusammengestellt. 7:43 Monatslohn im Schnitt: rund 220 Euro. (Jan): What? 7:48 Rund 220 Euro im Monat? Ja klar, natürlich. 7:51 220 Euro im Monat - rund. Porsches müssen ja günstig sein. 7:55 Damit man sich den auch schon als junger High-Performer leisten kann, 7:57 wenn man noch ganz oben in der Pyramide steht. 8:00 (Christian Lindner): Bitte nicht weitersagen. Mit 19 habe ich 8:03 meinen ersten Porsche gekauft. (Jan): Nee, keine Sorge, 8:05 sagen wir niemandem weiter. Das wird niemand 8:07 irgendwie jemals erfahren. Klar, der Mindestlohn in Deutschland 8:11 liegt aktuell übrigens bei 2054 Euro im Monat. 8:15 Aber der Mindestlohn gilt nicht in Werkstätten, 8:19 also zumindest nicht für Menschen, die behindert werden. 8:21 220 Euro im Monat. 220 Euro. 8:25 Da kommen zwar noch staatliche Zuschüsse drauf, aber ... 8:29 Überraschung! Menschen, die behindert werden, 8:31 sind in Deutschland besonders von Armut bedroht. 8:34 * Er atmet tief ein. * Riechen Sie das auch? Dieser Duft? Was ist das? 8:39 Das sind aber nicht irgendwie Zimt, Weihrauch und Myrrhe, oder? 8:43 Was ist das? (Knossi): Riecht komisch. 8:54 * Würgegeräusch * Du Drecksau! Mir hat wirklich 9:02 einer Scheiße geschickt! * Würgegeräusch * Ja, Deutschland stinkt! 9:06 220 Euro im Monat. Ey Deutschland, du Drecksau! 9:10 Werkstätten unterstützen nicht Menschen, die behindert werden, 9:13 sondern Konzerne, die Billigstarbeitskräfte brauchen, 9:15 um noch mehr Gewinn zu machen. * Zitat * 9:29 Michael Wendler hatte Recht, all die Jahre! 9:32 Und wir haben nicht auf ihn gehört. (Michael Wendler): Ich werfe der Bundesregierung bezüglich der ... 9:36 (Jan): ... Umsetzung der Behindertenrechtskonvention 9:39 der Vereinten Nationen ... (Michael Wendler): grobe und schwere Verstöße gegen die 9:45 Verfassung und des Grundgesetzes vor (Jan): Ja, vollkommen richtig, Micha. 9:50 Besser hätte ich es selber nicht sagen können. 9:52 Deutschland verstößt gegen das Grundgesetz. 9:55 Aber das interessiert keinen, niemanden. 9:58 Weil es nur um Menschen geht, die behindert werden. 10:00 Und die sieht oft sowieso keiner. Werden morgens im Dunkeln 10:03 vom Fahrdienst im Wohnheim abgeholt, zur Werkstatt gebracht und abends 10:06 im Dunkeln nach getaner Arbeit wieder zurück ins Wohnheim gefahren. 10:10 Abseits der Gesellschaft, ohne gleichberechtigte Möglichkeiten, 10:12 am Leben teilzunehmen. Aus dem Auge, aus dem Sinn. 10:16 Offiziell sollen Werkstätten Menschen, die behindert werden, auf den Arbeitsmarkt vorbereiten. 10:22 Aber von der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln, 10:26 das klappt nur bei 0,35 % aller Beschäftigten. 10:29 Eine von 300. Einmal Werkstatt, immer Werkstatt. 10:33 Wer will, der soll natürlich in Werkstätten arbeiten können. 10:36 Aber es geht eben ums Wollen. (Lulzim Lushtaku): Menschen, die in einer Werkstatt 10:43 beschäftigt sind, müssen fair bezahlt werden. 10:48 Darum muss sich die nächste Bundesregierung sich kümmern. 10:51 Wichtig ist auch, Menschen, die auf den allgemeinen Arbeitsmarkt 10:57 wechseln, sollen die passende, richtige Unterstützung bekommen. 11:06 Es gibt aber auch viele Menschen, die kommen gerne zur Werkstatt. 11:11 Für diese Menschen ist es wichtig, dass die Werkstatt weiterhin 11:15 ein guter Arbeitsort bleibt. (Jan): Viele Menschen wollen gerne 11:19 in einer Werkstatt arbeiten. Aber vielleicht liegt das auch daran, 11:22 weil der Deutsche Arbeitsmarkt nicht gemacht ist für Menschen, 11:25 die behindert werden. Dabei gibt es sogar 11:26 eine gesetzliche Quote. Arbeitgeber*innen mit mindestens 20 11:30 Arbeitsplätzen müssten in Deutschland eigentlich fünf Prozent ihrer Stellen 11:34 besetzen mit Menschen, die offiziell 11:36 als schwerbehindert gelten. Aber das klappt nicht. 11:42 * Zitat * 61 % tun es also nicht. 11:51 Fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen 11:53 halten sich nicht ans Gesetz. Wir auch nicht. 11:56 Auch wir, das "ZDF Magazin Royale", gehören zu den 61 % 12:00 der deutschen Unternehmen, die die gesetzliche 12:01 Beschäftigungspflicht nicht erfüllen. Aber gute Nachrichten für alle 12:05 Gesetzesbrecher*innen da draußen: Im Gesetz ist der Gesetzesbruch direkt mit einkalkuliert. 12:11 * Zitat * Ja, wer sich nicht an die gesetzliche Quote hält, 12:24 der kann sich einfach freikaufen. Wie aus dem Gefängnis bei "Monopoly". 12:27 Oder wie Prominente mit schmutzigen Geheimnissen 12:29 mit der "Ein Herz für Kinder"-Gala von Bild und ZDF einmal im Jahr. 12:32 Auch wir haben letztes Jahr die Beschäftigungsquote nicht erfüllt. 12:37 Und auch wir haben uns freigekauft. Bei uns, beim "ZDF Magazin Royale", 12:40 arbeitet keine Person mit bekannter Schwerbehinderung. 12:43 Deshalb mussten wir letztes Jahr 13.680 Euro Strafe zahlen. 12:47 Aber macht nix, weil ... * Zitat * 12:57 Wer das Gesetz bricht, muss zwar zahlen, aber darf dann die Strafe 13:02 von der Steuer absetzen. Vielen Dank, Deutschland. 13:05 Inklusion. (Stimme aus dem Off): Exklusion. 13:07 Und auch wir haben das gemacht. Die ganze Strafe, 13.680 Euro, 13:10 einfach von der Steuer abgesetzt. * Würgegeräusch * 13:15 Ja, stinkt. Ich will aber nicht die ganze Zeit 13:18 mit dem Finger auf mich zeigen, sondern auch mal auf andere schauen. 13:21 Wie machen das andere, größere, bei Politikern noch 13:24 beliebtere Unternehmen als unseres mit der gesetzlichen 13:27 Beschäftigungs-Pflicht für schwerbehinderte Menschen? 13:29 Z.B. Porsche, wie sieht's aus bei Porsche? 13:32 Haben die sich 2023 an die gesetzliche Beschäftigungs-Pflicht gehalten? 13:35 * Zitat * Genau. 13:41 Warum sollte Porsche auch Menschen, die behindert werden, 13:43 bei vollem Lohn anstellen? Schließlich gibt's ja 13:46 das deutsche Werkstätten-System. Und das ist doch viel billiger. 13:50 * Zitat * Porsche stellt nicht genug Menschen an, die behindert werden, 14:08 sondern lässt lieber Menschen, die behindert werden, 14:09 in Werkstätten für sich arbeiten. Für z.B. 220 Euro im Monat - mega! 14:15 Porsche nennt das "finanzielle Unterstützung von Einrichtungen" 14:18 und spendet natürlich auch gerne mal was. 14:20 Aber das ist trotzdem nichts anderes als good old Ausbeutung. 14:25 Porsche hält sich nicht an die Beschäftigungspflicht 14:27 und ist damit nicht alleine. Mindestens 16 der im DAX notierten 14:30 fettesten deutschen Konzerne erfüllen nicht die 14:32 gesetzliche Beschäftigungspflicht. Fröhliche Weihnachten - hahaha. 14:37 00:21:35:17 00:21:37:12 01:20 (Jan): Inklusion. (Stimme aus dem Off): Exklusion. 14:38 (Jan): Aber es gibt ja zum Glück nicht nur ... 14:43 * himmlische Musik * ... denen natürlich Menschen egal 14:51 sind, solange der DAX Rekorde bricht. Es gibt ja auch noch 14:53 den öffentlichen Sektor, den Staat, der immer wieder 14:56 mit gutem Beispiel vorangeht. Ey Staat, sag doch mal hallo, komm! 14:59 * schwungvolle Popmusik * * Musik läuft aus Lautsprecher weiter. * 15:11 Skibidi! Zusammen mit unseren Kolleg*innen 15:14 vom inklusiven Magazin "andererseits" haben wir in den 15:17 Bundesländern nachgefragt: Wie steht der Staat als Arbeitgeber 15:20 zu Menschen, die behindert werden? Wie sieht es da aus 15:22 mit 'ner Anstellung? Und naja, auch mehrere 15:25 deutsche Bundesländer erfüllen die gesetzliche Beschäftigungspflicht nicht. 15:28 Rheinland-Pfalz z.B. hätte im letzten Jahr deshalb 15:30 um ein Haar rund 288.000 Euro Strafe bezahlen müssen. 15:35 Aber * Zitat * 15:44 Weil * Zitat * 15:58 Rheinland -Pfalz, der Porsche Macan unter den deutschen Bundesländern. 16:01 Statt ausreichend Menschen, die behindert werden, anzustellen, 16:04 hat Rheinland-Pfalz einfach ganz viele Aufträge an Werkstätten erteilt 16:07 und musste darum keine Strafe zahlen. Der Staat, der selbst 16:10 die UN-Behindertenrechts-Konvention unterschrieben hat, 16:12 dribbelt sein eigenes System aus. (Detlef Steves): Hör mal, jetzt mal ganz ehrlich. 16:16 Habt ihr an 'nem Reifen geleckt, der 200 km gebrannt hat? 16:23 (Jan): Nein, das ist ... Das ist einfach 16:26 (Jan): Inklusion ... (Stimme aus dem Off): Exklusion ... in Deutschland. Dank 'nem netten Trick 16:30 0 Euro abdrücken, statt 288.000 Euro Strafe zahlen. 16:34 ähnlich geile Deals hat Rheinland-Pfalz 16:36 auch schon 2021, 2019, 2016 und 2015 abgezogen. (Jan): Inklusion. (Stimme aus dem Off): Exklusion. 16:43 Der Staat interessiert sich einfach nicht besonders dafür. 16:45 übrigens, schönes, aktuelles, sehr pikantes Beispiel: Wahllokale. 16:49 * Zitat * 71 % der deutschen Wahllokale waren 2017 barrierefrei, 17:09 sagt die Bundeswahlleiterin. (Olaf Scholz): Wir leben in einem tollen Land. 17:12 Auf jeden Fall. Aber, als wir nachgefragt haben, 17:18 "Frau Bundeswahlleiterin, was genau meinen Sie 17:20 eigentlich mit barrierefrei?" "Keine Barrieren für niemanden?" 17:24 * Zitat * Nicht 71 % aller Wahllokale 17:33 sind barrierefrei, sondern 71 % aller Wahllokale behaupten, sie seien barrierefrei. 17:39 Ich habe verstanden, so wie die SPD behauptet, sie mache sozialdemokratische Politik. 17:44 Aha, im Konjunktiv. Wenn Wahllokale wirklich barrierefrei wären, 17:48 dann hätten sie barrierefreie Parkplätze, damit Menschen, die einen Rollstuhl benutzen, 17:52 zum Wahllokal kommen. Ein taktiles Leitsystem, 17:54 damit sich Menschen mit 'ner Sehbehinderung zurechtfinden. Breite Flure, auf denen zwei Rollstuhlfahrer:innen 17:59 aneinander vorbeifahren könnten. Eine rollstuhlgerechte Toilette, 18:02 am besten mit Personenlift, der wird sehr oft vergessen. Ein Warnsystem, das auch blinkt, damit gehörlose Menschen mitbekommen, 18:08 dass ihr Leben in Gefahr ist. Es gäbe Gebärdensprachen-Dolmetscher*innen, 18:11 die gehörlosen Personen sagen könnten, wie die Wahl abläuft und in welche Kabine sie müssen. 18:14 Das und noch vieles, vieles, vieles mehr bräuchte es, um wirklich barrierefreie Wahllokale zu haben. 18:20 Aber, ey, ich meine Wahllokale, die sind in Deutschland ja total oft in Schulen untergebracht. 18:25 Wie sollen die denn barrierefrei sein? Und genau das ist das Problem, genau das ist das Problem! 18:33 Wahl ist nur alle vier Jahre, beziehungsweise wenn die FDP es will, aber Schule ist jeden Tag! 18:39 Wenn wir barrierefreie Schulen hätten, dann hätten wir auch barriere- freie Wahllokale in Deutschland. 18:43 (Olaf Scholz): * Niesen * Tschuldigung. Nicht angenommen, nicht angenommen. 18:48 Im Wahllokal seine Stimme abgeben zu können, ist kein Privileg. Wählen ist das Mindeste, um an der Gesellschaft teilnehmen zu können. 18:54 Demokratische Mitbestimmung: Jeder Mensch hat das Recht, an der Wahl teilzunehmen. 18:59 Und damit einen Anspruch auf ein barrierefreies Wahllokal, oder? * Zitat * 19:13 Alright, Hashtag der Woche: Das Motto gilt übrigens auch für Briefwahl-Unterlagen, 19:20 die sind auch nicht barrierefrei, weil sie oft nicht in leichter und verständlicher Sprache verfasst sind. 19:24 Darauf wären aber nach Schätzungen rund zehn Millionen Menschen in Deutschland angewiesen. 19:29 Naja, naja, Inklusion ... (Stimme aus dem Off): Exklusion ... eben, (Jan): Hashtag "so gut es geht jedenfalls". 19:36 Das muss reichen für Deutschland im Jahr 2024, 2025. Das ist unser deutscher Anspruch: So gut es geht jedenfalls. 19:45 Wie schlecht es um Inklusion in Deutschland steht, haben wir mit unseren Kolleg*innen von "andererseits" 19:49 für Sie zusammengestellt. Auf einer fantastischen Website: 19:55 Die Seite ist, anders als deutsche Briefwahl-Unterlagen, in Leichter und Einfacher Sprache. 19:59 Da können Sie unsere ganze Recherche, noch viel mehr, als wir hier in die Sendung gepackt bekommen haben, 20:03 über die Feiertage schön reinschmökern. Auch viele neue Erkenntnisse, die auch nicht in der Show waren. 20:08 Alles auf der Website, andererseits.org/inklusion. * Jubel und Applaus *