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Stickstoff - Anorganische Chemie
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 55 Zeilen
- Hallo, schön, dass Sie hier sind! In diesem Video lernen Sie mit dem Stickstoff
- das erste Element der Gruppe der Pentele kennen. Sie lernen sein Vorkommen und seine Eigenschaften
- sowie einen Weg zur chemischen Aktivierung des Elements zu beschreiben. Das Element Stickstoff ist in vielen Kontexten bedeutend,
- sowohl in der organischen und anorganischen Chemie als auch in der Biochemie, wo er beispielsweise als zentraler Baustein der Aminosäuren
- und der Purinbasen vorkommt. Obwohl der menschliche Körper nur zu etwa 3% aus Stickstoff besteht,
- ist das Element damit doch das Vierthäufigste in unserem Körper. In der Natur kommt der Stickstoff elementar als diatomares Molekül vor.
- In der Luft bildet es mit etwa 78,1 Volumenprozent den Hauptbestandteil und gleichzeitig die wichtigste Quelle
- für die Darstellung stickstoffhaltiger Verbindungen. Daher ist es auch ein wichtiges Industriegas,
- das technisch durch die Verflüssigung und anschließende fraktionierte Destillation der Luft gewonnen wird.
- Der durch Luftverflüssigung erhaltene Stickstoff enthält in der Regel noch Edelgase, insbesondere das Argon,
- dessen Siedepunkt nur etwa 10°C über dem des Distickstoffs liegt. Alternativ zur Luftverflüssigung kann die Aufreinigung der Luft
- daher auch mithilfe membranbasierter Verfahren erfolgen. Diese liefern etwa 95%igen Stickstoff.
- Sofern im Labor chemisch reiner Stickstoff benötigt wird, kann dieser auch vor Ort durch die thermische Zersetzung
- von reinem Natriumazid gewonnen werden. Das Natriumazid zersetzt sich oberhalb 275°C wie hier beschrieben
- in die Elemente. Formell handelt es sich dabei um eine Reduktion des Natriums
- bei gleichzeitiger Oxidation des Stickstoffs. Der molekulare Stickstoff ist ein sehr reaktionsträges Gas
- mit einem Siedepunkt von -196°C bzw. 77 K. In flüssiger Form ist der Distickstoff
- daher auch ein viel verwendetes Tieftemperatur-Kühlmittel. Die Reaktionsträgheit des Moleküls kann auf seinen unpolaren Charakter
- und insbesondere die hohe Bindungsenthalpie von 942 kJ/mol zurückgeführt werden. Diese wiederum resultiert aus der formellen Bindungsordnung von drei.
- Diese hohe Bindungsordnung wird erreicht, da das Stickstoffatom mit seiner Elektronenkonfiguration 1s2 2s2 und 2p3
- drei Bindungen eingehen muss, um formell eine Edelgaskonfiguration zu erreichen. Nach einer Vorstellung
- würde das Molekül seine drei p-Orbitale zur Bindungsbildung verwenden, um eine sigma- und zwei pi-Bindungen auszubilden.
- Allerdings liegen das 2s- und die 3p- Orbitale energetisch so nahe beieinander, dass eine Wechselwirkung zwischen diesen möglich ist.
- Im Sinne der Valenzbindungstheorie kann man daher von einer zumindest teilweisen Hybridisierung ausgehen.
- Im Fall einer angenommenen sp- Hybridisierung würde die Dreifachbindung daher wie hier gezeigt zustande kommen.
- Je ein sp-Hybridorbital der beiden Stickstoff-Atome ist entlang der Bindungsachse zum Bindungspartner hin orientiert.
- Es kommt zu einer Überlappung und Ausbildung einer sigma-Bindung. Man kann sich hierbei gut vorstellen,
- dass die Überlappung zweier stark zueinander orientierter sp-Hybridorbitale zu einer besseren Überlappung führt,
- als die Überlappung zweier nicht hybridisierter p-Orbitale. Parallel hierzu können je zwei in der Projektionsfläche
- bzw. senkrecht dazu stehende p-Orbitale seitlich miteinander überlappen und, wie hier angedeutet, eine pi-Bindung ausbilden.
- Mit einer sigma- und zwei pi-Bindungen, die so gebildet würden, wäre damit die Bindungsordnung von drei erreicht.
- In einer Beschreibung der Bindung im Sinne der Molekülorbitaltheorie führt die Wechselwirkung der energetisch ähnlichen 2s- und 2p-Niveaus
- zu einer Interferenz dieser Niveaus. Ein Resultat hieraus ist, dass, anders als im Disauerstoff-Molekül,
- das bindende sigma-Molekülorbital ein geringfügig höheres Energieniveau annimmt, als die beiden bindenden pi-Niveaus,
- die aus einer Wechselwirkung von px- und py-Orbitalen resultieren. Die Bindungsachse wäre gemäß dieser Betrachtung entlang der z-Achse orientiert.
- Die Bindungsordnung von drei ergibt sich dann daraus, dass diese drei bindenden Molekülorbitale mit jeweils zwei Elektronen vollständig
- und die entsprechenden antibindenden Molekülorbitale nicht gefüllt sind. Die genannte Interferenz der 2s- und 2p-Niveaus beider Stickstoffatome
- hatten wir bei der Betrachtung im Sinne der Valenzbindungstheorie alternativ als sp-Hybridisierung interpretiert.
- Um den Stickstoff als Quelle für weitere Verbindungen nutzen zu können, ist aufgrund der starken Bindung bzw. der hohen Bindungsenthalpie
- ein erheblicher Energieeintrag notwendig. Eine reduktive Aktivierung mit dem starken Reduktionsmittel Wasserstoff
- erfolgt beispielsweise im Haber-Bosch-Verfahren, das aber an anderer Stelle diskutiert wird.
- Einen anderen klassisch- anorganischen Zugang zu einer reaktiven Stickstoffverbindung bietet die hier beschriebene Reaktion
- mit Calciumcarbid als Reduktionsmittel. Diese Verbindung enthält formell eine C2(2-)-Anion
- und somit Kohlenstoff in der Oxidationsstufe –I. Die Umsetzung mit Distickstoff liefert bei Temperaturen zwischen 1000 und 1100°C
- die Verbindung Ca-NCN, das Calciumcyanamid. Das Cyanamid-Anion ist ebenfalls zweifach negativ geladen
- und enthält Stickstoff in der Oxidationsstufe –III, welcher somit um jeweils drei Elektronen reduziert wurde.
- Gleichzeitig sind oxidierte Kohlenstoffatome enthalten, die die Oxidationsstufen +IV, im Cyanamid,
- bzw. 0, im elementaren Kohlenstoff, aufweisen. Das Cyanamid-Anion ist isoelektronisch mit dem Kohlendioxid
- und daher ebenfalls linear gebaut. Das Calciumcyanamid wird unter der Bezeichnung Kalkstickstoff
- unter anderem als Düngemittel eingesetzt. Im Boden reagiert es mit der Feuchtigkeit
- gemäß der hier formulierten Reaktions- gleichung zu Calciumcarbonat CaCO3 und liefert den für die Pflanzen wichtigen Ammoniak als Stickstoffquelle.
- Das Calciumcarbonat sorgt zudem dafür, dass eine Übersäuerung des Bodens vermieden wird.
- Zusammenfassend haben Sie das Vorkommen, die Gewinnung und die Eigenschaften des Stickstoffs kennengelernt und sind nun in der Lage diese
- sowie einen Weg zu seiner chemischen Aktivierung zu beschreiben. Versuchen Sie nun selbst einmal,
- die Eigenschaften des Distickstoffs zu formulieren und in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden.
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