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Libet Experiment: Ist Willensfreiheit eine Illusion? (Ethik Abitur)
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 43 Zeilen
- In diesem Video werde ich das Libet-Experiment erklären. Falls ihr neu auf dem Kanal seid und euch für Philosophie interessiert, abonniert gerne den
- Kanal und aktiviert die Glocke. Auf diese Weise verpasst ihr kein Video mehr. Jetzt wünsche ich euch viel Spaß mit diesem Video. Dieses Video ist Teil meiner
- Ethik-Abi-Determinismus Reihe. Wie am Anfang gesagt, werden wir uns das Libet-Experiment oder um genauer zu sein: die zwei Libet-Experimente näher ansehen.
- Benjamin Libet war ein amerikanischer Physiologe und erlangte Anfang der 80er Jahre große Bekanntheit durch einen Versuch, der als „Libet-Experiment“ bekannt wurde.
- Das Experiment war wie folgt aufgebaut: Die Versuchsteilnehmer hatten die Aufgabe, zu beliebigen Zeitpunkten ihre Hand zu heben. Der Zeitpunkt der Muskelaktivität der Probanden – also
- wann sie die Hand gehoben haben – wurde dabei mithilfe eines Elektromyogramms, kurz EMG, gemessen. Die Versuchsteilnehmer sollten aber nicht nur ihre Hände heben,
- sondern sich zusätzlich anhand einer schnell laufenden Uhr merken, zu welchem Zeitpunkt sie den Drang verspürt haben, ihre Hand zu heben. Sie mussten sich dafür die Position des
- Zeigers der schnelllaufenden Uhr merken. Das sieht dann zum Beispiel so aus, dass eine Person hier die Hand gehoben hat und sich dann diesen Zeitpunkt gemerkt hat, weil sie
- dort den Drang verspürt hat, die Hand zu heben. Man könnte an dieser Stelle schon einwenden, dass es doch eigentlich total ungenau ist, wenn die Probanden selbst auf die Uhr schauen müssen
- und sich die Position des Zeigers merken. Tatsächlich wurden genau deswegen vor dem eigentlichen Libet-Experiment Vorversuche durchgeführt und es hat sich ergeben,
- dass der Unterschied zwischen einem tatsächlichen Ereignis – in dem Fall war‘s eine elektrische Hautreizung - und der gemerkten Position des Zeigers im Durchschnitt nur 50ms beträgt.
- Lasst uns für den Zweck dieses Videos also zunächst einmal glauben, dass die Versuchsteilnehmer sich tatsächlich einigermaßen akkurat den Zeitpunkt merken können, zu dem sie
- den Drang verspüren, die Hand zu heben. Jetzt war das aber noch nicht das ganze Experiment: Zusätzlich wurde nämlich mithilfe eines Elektroenzephalografen, kurz EEG,
- gemessen, wann im Gehirn der Probanden das motorische Bereitschaftspotenzial für die Handbewegung aufgetreten ist. Es hat sich durch das EEG herausgestellt, dass
- der Zeitpunkt, zu dem die Versuchsteilnehmer den Drang bewusst wahrgenommen haben, deutlich später war als der Zeitpunkt, zu dem die entsprechende Nervenaktivität im Gehirn beobachtet wurde.
- Dabei gab es zwischen den verschiedenen Versuchsteilnehmern auch Unterschiede: Wenn der Proband die Bewegung beispielsweise vorausgeplant hatte, hat das Bereitschaftspotential im Gehirn
- 1050ms vor der bewussten Wahrnehmung des Dranges eingesetzt. Wenn die Handlung der Versuchsteilnehmer stattdessen spontan ausgeführt werden sollte, hat das Bereitschaftspotential
- im Gehirn 550ms vorher eingesetzt. Weil man aus dem Vorexperiment ja wusste, dass die Probanden durchschnittlich nur 50ms ungenau sind beim Merken des Zeitpunktes, zu dem sie den Drang verspürt
- haben, konnte man folgern, dass sich dieser Unterschied nicht aus einem Messfehler ergibt. Aus diesem Experiment wurde dann geschlossen, dass der freie Wille eine Illusion ist, weil ja die
- Entscheidung die Hand zu heben, im Gehirn bereits getroffen wurde, bevor die Probanden diesen Drang bewusst wahrgenommen haben. Es wäre ja komisch zu behaupten, dass der Wille frei ist, wenn
- bereits im Gehirn festgelegt ist, was wir tun, bevor wir es selbst bewusst wahrnehmen können. Mit diesem Ergebnis war Benjamin Libet aber nicht zufrieden. Er selbst war ein Vertreter
- des freien Willens und wollte diesen durch ein weiteres modifiziertes Experiment beweisen. Und zwar hat er noch mal das gleiche Experiment durchgeführt wie davor, mit dem Unterschied,
- dass die Probanden die Handlung dieses Mal kurz vor der eigentlichen Ausführung abbrechen sollten. Libet wollte so zeigen, dass der Mensch eine Art Veto-Recht hat. Also wenn die Menschen entgegen
- den unbewussten Bereitschaftspotentialen des Gehirns handeln können – also die Handbewegung vor der eigentlichen Ausführung stoppen können - wäre ja vielleicht Platz für
- einen freien Willen im Menschen. Und tatsächlich kam heraus, dass die Probanden die Ausführung der Handlung stoppen konnten, obwohl vorher ein entsprechendes
- Bereitschaftspotential im Gehirn gemessen werden konnte. Benjamin Libet folgerte daraus, dass der bewusste Wille eines Menschen eine Handlung zwar nicht einleitet, aber den
- tatsächlich Vollzug einer Handlung unterbinden kann. Oder anders gesagt: Der Mensch kann sich zwar nicht aussuchen, was er tut, aber er kann sich aussuchen, diese Handlung abzubrechen.
- Es ist sehr wichtig, dass wir jetzt auf einige Kritikpunkte an den Libet-Experimenten zu sprechen kommen. Insgesamt habe ich 4 wichtige Kritikpunkte zusammengestellt.
- Der erste Kritikpunkt ist, dass eine folgenlose Spontanentscheidung für die Untersuchung des freien Willens ungeeignet ist. Eine echte Entscheidung wurde beim Libet-Experiment nur
- zu Beginn getroffen – und zwar die Entscheidung überhaupt am Experiment teilzunehmen. Wenn wir uns beispielsweise den Abiturienten Simon vorstellen, der verzweifelt zu entscheiden versucht, ob
- er lieber Verfahrenstechnik oder Politikwissenschaften studieren soll, dann ist es ja nicht so, dass eine bestimmte Nervenaktivität im Gehirn entsteht und er eine Sekunde später
- eine Entscheidung trifft. Stattdessen wird er Wochen – oder Monatelang hin und her überlegen. So ein Entscheidungsprozess kann durch das Libet-Experiment nicht gut nachgebildet werden.
- Ein zweiter Kritikpunkt ist, dass eigentlich total zweifelhaft ist, ob man als Mensch akkurat wissen kann, wann man einen bestimmten Drang verspürt. Wenn ich euch zum Beispiel darum bitte,
- diesem Video einen Like zu geben, könnt ihr dann sagen, ob es einen exakten Zeitpunkt gibt, zu dem ihr den Drang zu Liken oder nicht zu Liken verspürt oder ist es eher so,
- dass sich der Drang langsam aufbaut und man deshalb keinen exakten Zeitpunkt benennen kann. Der nächste Kritikpunkt besteht darin, dass das Veto im zweiten Versuch, also der Abbruch des
- Handhebens, ja eigentlich gar kein echtes Veto war. Die Probanden wussten ja schon, dass sie die Handlung vor der eigentlichen Ausführung abbrechen sollten. Das heißt, dass der Abbruch der Handlung
- womöglich bereits im Gehirn entschieden war, bevor die Probanden die Handlung ausgeführt haben. Es gibt jetzt aber einen noch viel umfassenderen Kritikpunkt: Selbst wenn das Libet-Experiment
- zeigen kann, dass wir so eine Art Veto-Recht besitzen, widerlegt das noch nicht den Determinismus. Der Determinismus bestreitet ja gar nicht, dass Menschen einen Willen haben
- und dementsprechend handeln. Der Determinismus sagt nur, dass der Wille und die darauffolgenden Handlungen der Menschen bereits vorherbestimmt sind (aufgrund von ihren vergangenen Erlebnissen,
- ihren Genen und den Naturgesetzen). Dass ein Mensch Veto einlegt und die Hand dann gar nicht hebt, ist also durchaus mit dem Determinismus vereinbar, weil ja bereits festgestanden haben
- kann, dass der Mensch die Hand nicht heben wird. Jetzt würde mich interessieren, was ihr eigentlich über das Libet-Experiment denkt? Findet ihr’s plausibel? Schreibt
- mir das gerne in die Kommentare. In welchem Verhältnis stehen eigentlich Körper und Seele zueinander? Ist die Seele und das menschliche Gehirn ein und dasselbe?
- Falls ihr euch für das Leib-Seele-Problem in Hinblick auf Willensfreiheit interessiert, klickt gerne auf dieses Video. Ich wünsche euch viel Spaß dabei, bis gleich!
Zum Nachlesen
Freier WillePhilosophische Positionen · Bedingte und unbedingte Willensfreiheit · Vereinbarkeit von Determinismus und Willensfreiheit · Indeterminismus und Willensfreiheit.
Argument der WillensfreiheitDieser Artikel behandelt die Begründung eines Arguments durch Willensfreiheit. Für das Argument der Willensfreiheit in der Religion siehe Allmachtsparadoxon.