Spurensuche nach dem legendären König Artus | Ganze Folge | Terra X Terra X History https://www.youtube.com/watch?v=d2tsuE2AhzY Transkript (automatisch erstellt) 0:02 * Dynamische Titelmusik * (Sprecher) König Artus, 0:28 die Ritter der Tafelrunde und der Heilige Gral: Kein Mythos ist so lebendig 0:34 wie der um den rätselhaften Herrscher der Briten. (Englisch) Die Frage, wer König Artus war, Mensch oder Mythos, 0:43 beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrhunderten. (Sprecher) Er ist der Einzige, der das magische Schwert Excalibur 0:50 aus dem Stein ziehen kann. Im Kampf gegen die Sachsen entscheidet er allein die Schlacht. 0:56 An seinem Hof Camelot versammelt er die edelsten Ritter und die schönsten Frauen. 1:01 Von seinem Glanz und Ansehen zeugen rauschende Feste. Und sein Ruf als gerechter Regent eilt ihm voraus. 1:10 Er ist natürlich eine der schillerndsten Figuren eines ideal gedachten Mittelalters überhaupt. 1:17 (Sprecher) Früh steht Artus unter Verdacht, pure Erfindung zu sein. Niemand kann sagen, wo er gelebt hat, 1:24 wo er gestorben ist oder begraben liegt. Er ist ein Phantom. 1:33 Wer oder was also steckt hinter dem Mythos? Eine alte Geschichtschronik könnte die Lösung bringen. 1:40 * Spannungsvolle Orchestermusik * (Sprecher) Die Geschichte von König Artus 1:54 spielt in Britannien um 500 nach Christus. Die Zeiten sind finster, die Römer haben die Insel verlassen, 2:00 die britischen Kleinkönige sind zerstritten, germanische Stämme bedrängen das Land. 2:10 In jener dunklen Epoche, so die Sage, betritt scheinbar aus dem Nichts 2:14 der erst 15-jährige Artus die Weltbühne und wird der neue König der Briten. 2:20 Magische Kräfte und sein Lehrer, der Zauberer Merlin, machen es möglich. 2:27 Mein König. Mordred. 2:31 Ich freue mich über deine Rückkehr. (Sprecher) König Artus gilt als stark und unerschrocken, 2:36 als kluger Stratege. In jahrelangen Kämpfen steht er an der Spitze seiner Krieger, 2:42 um Britannien zu verteidigen. Er ist der neue Hoffnungsträger für das von Krisen gebeutelte Volk. 2:53 Er ist ideal, ein Vorbild. Es geht darum, was einen guten König ausmacht, 2:58 um Führung, Kriegsstrategie, Ritterlichkeit, Ehre, den Adel und andere Themen, warum sich Schriftsteller 3:04 mit der Artus-Legende beschäftigen. (Sprecher) Zwölfmal soll König Artus in den Krieg 3:12 gegen die Sachsen gezogen sein. Die Entscheidung habe er am Mons Badonicus herbeigeführt. 3:17 In dieser letzten Schlacht, so erzählt es die Sage, tötet er eigenhändig viele hundert Männer. 3:27 Klingt eindeutig nach Fake News. Was steckt dahinter? 3:32 Der Kern der Artussage ist ein historisches Geschehen: der Abzug der Römer aus Britannien. 3:40 Dann die Situation, dass sich die römisch-britische Bevölkerung gegen Usurpatoren zur Wehr setzen muss, das sind die Sachsen. 3:49 Und die Sachsen rücken dann vom Osten in mehreren Wellen in das Land vor. 3:56 Er ist der, der den Vormarsch der Sachsen aufhält durch mehrere große Schlachten. 4:04 (Sprecher) Als siegreicher Krieger ist Artus früh eine bekannte Figur, zumindest in alten mündlichen Überlieferungen, 4:11 in walisischen Sagen und Erzählungen. Schriftlich erwähnt wird er erst im 9. Jahrhundert nach Christus: 4:18 in einem Text über die Geschichte Britanniens, verfasst von einem Mönch namens Nennius. 4:27 Den Artus-Mythos aber begründet ein anderes Werk. Zwischen 1135 und 1138 entsteht eine Königschronik, 4:37 die Artus in den Mittelpunkt stellt. Der Autor heißt Geoffrey von Monmouth, 4:42 vermutlich wie Nennius ein Geistlicher. Geoffrey trägt alles zusammen, 4:49 was er über seinen Helden erfahren kann. Wo die Überlieferungen schweigen, erfindet er neue Eigenschaften, 4:55 Episoden und Schauplätze. Schon damals üben seine gelehrten Kollegen Kritik an seinem Werk. 5:02 Sie bezeichnen einzelne Episoden als Lügen, zweifeln aber nicht an Artus' realer Existenz. 5:10 Geoffreys sogenannte "Historia Regum Britanniae" versteht sich als Geschichte der frühen Könige von Britannien, 5:17 mit allem, was dazugehört. Kriege, Liebe, Mord und Thronstreitigkeiten. 5:25 Über 100 Namen stehen auf der Königsliste, darunter illustre Herrscher wie Brutus, König Lear, 5:31 Konstantin der Große und König Artus. Er allerdings steht für einen Neuanfang. 5:37 Er ist der Erste, der ein friedlich vereintes Britannien regiert. Das zumindest erzählt der Autor. 5:47 Auch heute hält die Forschung Geoffreys Geschichte für zu fantastisch, um wahr zu sein. 5:54 Doch im 12. Jahrhundert gehört seine Historia zu den populärsten Geschichtswerken überhaupt. 6:03 Das Werk hat schnell eine weite Verbreitung gefunden. Es gibt heute noch so etwa 200 Handschriften, 6:10 in denen das Werk überliefert ist. Wir haben andere Texte, die gerade mal in einer Schrift, 6:15 und wir haben Texte, die nicht überliefert sind. Das heißt, 200 ist wirklich viel, und es muss mehr gegeben haben. 6:23 (Sprecher) Immer wieder versuchen Wissenschaftler zu beweisen, dass es für Artus ein historisches Vorbild gibt. 6:30 Eine Theorie bringt den römischen Befehlshaber Lucius Artorius Castus ins Spiel. 6:35 Artorius war vermutlich im 2. Jahrhundert nach Christus in Britannien stationiert. 6:44 Der nächste Römer, der infrage kommen soll, ist Ambrosius Aurelianus. 6:49 Angeblich führte er im späten 5. Jahrhundert ein römisch-britisches Heer in die legendäre Schlacht 6:55 am Mons Badonicus. Dabei gelang es ihm, den Vormarsch der Sachsen zu stoppen, 7:00 wie es heißt. Der dritte berühmte Römer, 7:07 der immer wieder in der Forschung auftaucht, nennt sich Riothamus. Auch er ein Heerführer aus dem 5. Jahrhundert. 7:14 Er starb angeblich um 470 im Kampf gegen die Goten. * Spannende Orchestermusik * 7:24 Ebenfalls beliebt ist die These vom Bären-Mann "Artos", keltisch für "Bär". 7:30 Demnach wäre Artus ein keltischer Krieger gewesen, der als Anführer den Sachsen entgegentrat. 7:36 Doch auf den Prüfstand gestellt, lässt sich keine der Theorien beweisen. 7:43 Artus als realhistorische Figur ist natürlich mit vielen Fragezeichen behaftet. 7:49 Es gibt auf der einen Seite die Anknüpfungspunkte über den Namen. 7:53 Und die Forschung hat intensiv auch nach entsprechenden Namen in der historischen Überlieferung gesucht. 8:00 Ein zweiter Weg der Identifikation ist natürlich, man sucht sich entsprechende historische Figuren, 8:07 die ... eine herausragende Führungsrolle gespielt haben. 8:14 Es ist eben so, dass diese Figur Artus aus verschiedensten Teilen zusammenmontiert wird. 8:20 Und wir haben hier quasi mit diesen verschiedenen Elementen, den Namen und verschiedene Heerführer, 8:29 genau die Zutaten, die dann zusammengemischt werden und dann ein Ganzes ergeben. 8:36 (Sprecher) Fiktion ist auch der fast 2000 Jahre alte Stammbaum, den Geoffrey für Artus erstellt. 8:42 Der Autor behauptet nämlich, dass Artus in direkter Linie vom mythischen Trojaner Aeneas abstamme. 8:51 Weitergeführt wird die Linie über den Urenkel Brutus, der nach Britannien kommt und der Insel seinen Namen gibt: 8:57 Land des Brutus. Selbst Artus' Vater ist fiktiv. 9:02 Wie kann dann König Artus tatsächlich gelebt haben? Vor allem, da der Herrscher von Anfang an 9:11 als mythischer Held beschrieben wird. Als übermenschlich stark, 9:15 einer, der Drachen, Monster und Riesen besiegen kann. Und der einen Zauberer namens Merlin als Lehrer hat. 9:25 Er ist es auch, der dem Jungen den Weg auf den Thron ebnet. Andererseits beschreibt Geoffrey Artus als mittelalterlichen Ritter. 9:35 Mit goldenem Helm, einem Schild mit dem Bildnis der Jungfrau Maria, mit Lanze und Schwert. 9:43 Auch für Artus' vermeintlichen Geburtsort hat der Autor offenbar eine klare Vorstellung. 9:51 Die kleine Ortschaft Tintagel liegt an der zerklüfteten Westküste der Grafschaft Cornwall. 9:57 Laut Geoffrey wird Artus dort gezeugt und geboren, als unehelicher Spross von König Uther Pendragon. 10:07 Jedes Jahr ziehen tausende Artus-Fans auf die Burgruine direkt am Meer. 10:12 Obwohl die Forschung längst belegt hat, dass Artus dort nicht gelebt haben kann. 10:17 Die Anlage entsteht erst ab 1230. Archäologen haben aber Überreste einer Siedlung 10:27 aus dem 5. und 6. Jahrhundert nach Christus entdeckt. Sie könnte Geoffrey inspiriert haben. 10:35 Wenn es König Artus nicht gegeben hat, wer oder was verbirgt sich sonst hinter dem Mythos? 10:42 Die Spur führt zum anglo-normannischen Königshaus. Als Geoffreys Werk um 1135 entsteht, 10:50 steckt der Hof in einer politischen Krise. Seit rund 70 Jahren sind die Normannen an der Macht. 10:58 Ursprünglich Seeräuber aus Skandinavien, die jahrzehntelang die Küsten Europas überfielen, 11:03 auch Nordfrankreich. Nach einer herben Niederlage 11:10 einigen sie sich mit dem französischen König und erhalten eigenes Land als Lehen. 11:15 Ihr neues Siedlungsgebiet nennen sie nach ihrer Herkunft: Normandie. Die Normannen sind Nachkommen der Wikinger, 11:24 die sich im 10. Jahrhundert im Nordwesten Frankreichs ansiedelten. 11:28 Später vermischten sie sich mit den Franken, nahmen ihre Sprache und Religion an 11:33 und schufen ein mächtiges Reich. So bewahrten sie sich eine gewisse Unabhängigkeit. 11:39 (Sprecher) Es ist im Oktober 1066, als der normannische Herzog Wilhelm I. 11:44 seinen Herrschaftsanspruch auf die Krone Britanniens durchsetzt. Mit einer Flotte überquert er den Ärmelkanal 11:51 und besiegt in der Schlacht von Hastings die Angelsachsen. Von da an ist Wilhelm sowohl König von Britannien 12:02 als auch Herzog der Normandie. Als Wilhelm der Eroberer geht er in die Geschichte ein. 12:10 Er gilt als Begründer des anglo-normannischen Königshauses. Im Jahr 1135 besteigt der Normanne Stephan von Blois 12:20 den britischen Königsthron. Er ist der Enkel von Wilhelm dem Eroberer. 12:28 Seine Cousine Mathilda erhebt aber ebenfalls Ansprüche. Zwischen beiden tobt ein Thronstreit, 12:34 der fast 20 Jahre dauern wird und der im Land zu schweren Unruhen führt. 12:44 Stephan von Blois ist es, der König Artus für sich entdeckt und zum Vorfahren 12:49 der anglo-normannischen Dynastie erklärt. Der mythische Herrscher der Briten ist für ihn die ideale Figur, 12:56 um seine eigene Thronfolge zu legitimieren. In dieser Situation 13:05 braucht man anscheinend so etwas wie eine dynastische Grundlage. 13:10 Und diese dynastische Grundlage wird geliefert in der "Historia Regum Britanniae", 13:18 die vermutlich im Auftrag von Stephan von Blois entsteht, der wahrscheinlich diese ganze Artusgeschichte, 13:26 die schon präsent ist, einsetzt, um die eigene Herrschaft zu untermauern, 13:31 die eigene Herrschaft zu sichern und vielleicht auch so etwas wie eine eigene Genealogie abzusichern. 13:37 Es ist auf jeden Fall ein Werk mit einer ganz klaren Intention und einer ganz klaren Idee. 13:44 Und die Idee, die könnte man mit dem Begriff Propaganda durchaus umschreiben. 13:51 (Sprecher) Die Normannen als ideale Herrscher Britanniens? Forscher halten das für möglich. 13:57 Zumindest lässt Geoffrey in seinem Werk die Welt des sagenhaften Artus und der normannischen Herrscher miteinander verschmelzen. 14:06 Stephan hat sich womöglich als König Artus gesehen. Artus als idealer Herrscher 14:12 und Vorbild für normannische Werte und Tugenden. Mit einem Hof, der Artus' Hof gleicht. 14:17 In Pracht, Vornehmheit und Eleganz seiner Ritter und Hofdamen. 14:26 (Sprecher) Über das Privatleben des mythischen König Artus erfährt der Leser nur wenig. 14:32 Er heiratet Guinevere, die aus einer vornehmen römischen Familie stammen soll, 14:37 wie Geoffrey schreibt. Die Hochzeit findet nach der Schlacht gegen die Sachsen statt. 14:44 Über Guinevere kursieren unterschiedliche Geschichten, die bis in die keltische Sagenwelt zurückreichen. 14:51 Als weiße Fee, als bösartige Verräterin, als schwache, aber tugendhafte Frau. 14:58 Aber immer liebt Artus sie aus vollem Herzen. Wenn wir in die unmittelbare familiäre Situation 15:06 von Artus hineinschauen, sieht zunächst alles sehr gut aus. 15:10 Als er als Herrscher etabliert ist, bekommt er eine Ehefrau, eine ideale Ehefrau, Guinevere. 15:18 Diese Frau, natürlich wie er selbst, er, strahlender Held, sie, wunderschön, 15:24 es passt hervorragend. (Sprecher) Als Geoffrey das Leben am Artus-Hof beschreibt, 15:30 beschreibt er eigentlich den normannischen Königshof. Geistliche lehren die jungen Adligen, die dort leben. 15:36 Es geht um die Geschichte Britanniens, höfische Sitten und Religion, aber auch um Neues. 15:43 Neben Latein wird jetzt auch Altenglisch gelehrt, die Sprache der unterworfenen Angelsachsen. 15:49 (Mann) Meine Herren, sprechen Sie mir nach. Das Vaterunser. 15:55 * Sprechen Altenglisch. * (Sprecher) Zum elitären Kreis der Schüler 16:11 gehört auch Artus' Neffe Mordred. Der Sage nach ist er seinem König treu ergeben, 16:16 ist ihm oft in den Kampf gefolgt. Die Muttersprache der Normannen, die sie nach Britannien mitbringen, 16:26 ist Französisch. Doch Eroberer und Eroberte passen sich an. 16:31 Und allmählich vermischen sich Englisch und Französisch. Schon nach wenigen Jahrzehnten entsteht eine neue Sprachform: 16:39 das Anglonormannische. Wir sehen heute noch den Einfluss der normannischen Kultur. 16:46 Wörter wie "court" oder "government" kommen aus dem Französischen. 16:50 Die Normannen brachten ihre französische Sprache mit. Daraus entwickelte sich das Englisch von heute. 16:58 (Sprecher) Geoffreys Königschronik wirkt vor allem wegen der detaillierten Schilderungen der Kämpfe 17:04 so glaubwürdig. Dass sein Werk zu einem Riesenerfolg wird, 17:09 liegt aber auch daran, dass er mit einem beliebten Kunstgriff arbeitet. 17:14 Geoffrey lässt die Artusgeschichte zwar im 6. Jahrhundert spielen, erzählt sie jedoch als Geschehnisse des 12. Jahrhunderts. 17:23 Das ist etwas Übliches, dass mittelalterliche Autoren den Stoff, den sie berichten, 17:28 vor dem Hintergrund der eigenen Zeit berichten. Das heißt, wenn etwas geschildert wird, 17:34 was durchaus weit in der Vergangenheit war, wird das in der Art und Weise geschildert, 17:39 als würde es jetzt stattfinden. Und man kann das bei Geoffrey und bei Artus 17:44 an verschiedenen Dingen festmachen, an Kleidung oder an den Festen, die geschildert werden. 17:50 (Sprecher) Es gibt die Vermutung, dass Wilhelm der Eroberer das Vorbild für Geoffreys König Artus gewesen sei. 17:56 Dies gelte zumindest für die Beschreibung von Artus' Herkunft. Sowohl Wilhelm als auch der sagenhafte Artus 18:05 sind als uneheliche Kinder geboren. Beide werden als Bastarde verhöhnt, 18:10 haben wenig Aussicht auf die Königswürde, schaffen es aber trotzdem. 18:18 Auch die Schilderung der Rüstungen und der Waffentechnik in Geoffrey Werk 18:22 spiegelt die Welt der Normannen im 12. Jahrhundert wider. Wie sie ausgesehen hat, zeigt der Teppich von Bayeux. 18:33 Darauf verewigt ist die normannische Eroberung Britanniens in der Schlacht von Hastings 1066, 18:39 detailliert dargestellt auf fast 70 Metern Länge. Eine Art Comic-Strip des Mittelalters. 18:49 Die Reiterei von Wilhelm dem Eroberer in schweren Rüstungen, ausgestattet mit Lanze, Schwert und Schild. 18:56 Dieses Bild hat der Autor vor Augen, wenn er von Artus und seinen kämpfenden Rittern erzählt. 19:04 Die Schlacht von Hastings entscheiden die Normannen durch massive Angriffe ihrer schweren Kavallerie. 19:10 Die Angelsachsen dagegen kämpfen so, wie sie es immer getan haben: zu Fuß. 19:15 Den Angriffen der Reiter mit ihren langen Lanzen haben sie nichts entgegenzusetzen. 19:23 Mit der Niederlage bei Hastings endet das Reich der angelsächsischen Könige in Britannien. 19:29 Die Normannen übernehmen das Zepter und verändern das Land grundlegend. Die Beute wird unter den Siegern verteilt 19:40 und die Ritter mit Lehen belohnt. Das Lehen verpflichtet sie, ihrem König als Vasall zu dienen. 19:46 In erster Linie bedeutet das, mit und für seinen Herrn treu und unentgeltlich in den Krieg zu ziehen. 19:55 Es waren erfolgreiche Zeiten. Ihr sollt nun euren gerechten Lohn empfangen. 20:02 Cador, ich verleihe dir Cornwall 20:07 mit all seinen Dörfern, Burgen, Feldern und Wäldern als Lehen. Ich danke Euch, mein König. 20:15 Du, Gawain, erhältst Maine. Herrsche gerecht. 20:22 Mein König, ich danke Euch. Das Herrschaftssystem funktioniert natürlich 20:29 vor allen Dingen durch Geben und Nehmen. Also der König gibt etwas, er gibt Güter, 20:37 er gibt auch Preziosen und Ähnliches. Und er erhält dafür Treue. 20:43 Das finden wir im realen Herrschaftsumfeld dieses britisch-normannischen Reichs. 20:52 Genau dasselbe Modell finden wir natürlich auch in der Artus-Geschichte realisiert. 20:57 Auch dort ist es der König Artus, der gibt. (Sprecher) Auch die Darstellung der Burgen 21:05 verweist auf die Normannen. Erst sie bringen den Burgenbau nach Britannien. 21:10 Die Bollwerke sollen die Herrschaft der neuen Machthaber langfristig sichern. 21:16 Bis Ende des 12. Jahrhunderts entstehen in Britannien mindestens 500 Festen. 21:21 Sie dienen nicht nur als sichere Wohnorte für den Adel, sondern innerhalb der eroberten Gebiete 21:27 auch als Verwaltungszentren. Zwischen den Anlagen sollten nicht mehr als etwa 50 Kilometer liegen, 21:35 also genau die Strecke, die ein Ritter an einem Tag zurücklegen kann. 21:41 Um viele der Burgen entstehen im Lauf der Zeit Städte, die noch heute das Gesicht Britanniens prägen. 21:47 Darunter Hastings, Cambridge und auch Nottingham. Zu den prominentesten Normannenburgen 21:53 gehören der Londoner Tower und nicht zuletzt Dover Castle im Südosten Englands. 22:01 In Dover Castle, eine der wichtigsten Normannenburgen, haben Experten die Innenräume im großen Turm rekonstruiert. 22:09 Sie geben eine Vorstellung davon, wie die Ausstattung einmal ausgesehen hat. 22:15 Kostbare Wandteppiche sorgten nicht nur für Gemütlichkeit, sondern auch für eine gute Isolation. 22:21 Licht und Wärme spendete ein großer Kamin. Damals ein großer Luxus, 22:28 von dem die breite Masse der Bevölkerung jedoch nur träumen konnte. 22:32 Auf den Burgen lebte ausschließlich die Elite des Landes. Du wirst den ganzen Tag betrunken sein. 22:38 Die Beschreibung vom Leben am Königshof und speziell von Feiern nimmt in Geoffreys Chronik breiten Raum ein. 22:45 Er schildert Sitten und Gebräuche, die aus Frankreich kommen und nachweislich von den Normannen eingeführt werden. 22:51 Der Wein ist kein Problem für dich, Cador. (Sprecher) Wenn der König einlädt, 22:56 machen sich seine Getreuen auf den Weg zum königlichen Hof. Die Festivitäten sind opulent und dauern immer mehrere Tage. 23:05 Dabei wird in Turnieren gekämpft, Schach gespielt, musiziert und reichlich gegessen und getrunken. 23:14 Die Hofkultur spielt in Geoffreys Geschichte eine große Rolle. Artus hält Hof und ist in Friedenszeiten 23:20 Gastgeber vieler Feste. Zu ihm kommen die tapfersten Ritter und die schönsten Damen. 23:25 Der Artushof ist prächtig, glanzvoll und kultiviert. All das spiegelt aber sehr stark die Hofkultur 23:31 zur Zeit von Geoffrey wider. (Sprecher) In Sachen Mode 23:36 sind die Mitglieder der Königsfamilie Vorreiter. Über die Kleider, die sie tragen, spricht man. 23:42 (Zofe) Meine Königin. Meine Königin. 23:46 Meine Königin. (Sprecher) Farbenfroh sollen sie sein, die Materialien kostbar. 23:52 Trifft dieses Kleid Euren Geschmack? Oder soll es das mit dem goldenen Kragen sein? 23:57 (Sprecher) Im Mittelalter besonders gefragt sind Gewänder aus Brokat, Samt oder kostbarer Seide, 24:02 am besten reich bestickt und mit Goldplättchen verziert. Gürtel, Bänder und Schleier machen den Modestil der Adligen perfekt. 24:12 Bringt mir noch das weiße Kleid. Das mit dem Schleier. 24:16 Sehr wohl. (Sprecher) Eine strenge Kleiderordnung regelt, 24:21 wer was tragen darf. Gewänder, Schmuck oder Frisur, 24:25 nichts ist dem individuellen Geschmack überlassen. Das Outfit im Mittelalter ist vor allem 24:30 ein Zeichen der gesellschaftlichen Stellung, besonders auf einem Königsfest. 24:36 * Spricht Englisch. * Feste dienten der Machtdemonstration, 24:41 aber auch dazu, um Politik zu machen. Man konnte netzwerken, wichtige Adlige oder Würdenträger treffen. 24:49 Feste dienten politischen, zeremoniellen oder sonstigen Zwecken. 24:57 Was ist mit mir? Habe ich dir nicht treu gedient, mich im Kampf bewährt? 25:06 Warum hast du mir kein Land zu Lehen gegeben? Du bist noch nicht so weit. 25:12 Aber keine Angst, deine Zeit wird kommen. Die Schotten im Norden geben keine Ruhe. 25:18 Eines Tages wirst du dich bewähren und die Schotten fernhalten. Wie du meinst. 25:25 Mordred, dein Platz ist hier, an meiner Seite. Lass uns über das Fest sprechen. Es kommen wichtige Gäste. 25:33 Wir müssen Allianzen schmieden. (Sprecher) Damals wie heute, 25:39 ohne die richtigen Allianzen und geschickte Diplomatie kann ein Herrscher nicht erfolgreich regieren. 25:47 Feste am Königshof sind natürlich zentrale Elemente der Verbindung. Man zeigt dort die Macht 25:55 und auch die Rolle, die man entsprechend spielt. Es gibt in der Forschung den Begriff "Spielregeln der Politik". 26:03 Die gruppieren sich ganz wesentlich natürlich auch um das höfische Fest. 26:08 (Sprecher) Für ein Festmahl wird alles aufgefahren, was die königliche Küche hergibt. 26:14 Die Vorbereitungen dauern Tage. Mindestens fünf Gänge stehen auf der Speisekarte. 26:21 Viele einheimische Lebensmittel wie Getreide oder Gemüse sind Zinsabgaben der Bauern aus dem Umland. 26:28 Exotische Waren gelangen über Händler an den Hof. Weißbrot gilt als besonders edel, 26:34 aber auch Fleisch, Geflügel und frische Früchte gehören zum königlichen Bankett. 26:42 So wie der Herrscher die Feste dazu nutzt, sich der Loyalität befreundeter 26:46 und verwandter Lehnsherrn zu versichern, so nutzen diese wiederum die Chance, 26:51 lukrative Ämter zu ergattern. Geoffrey liefert einen Einblick, 27:00 wie das Verwaltungssystem in Britannien um 1135 ausgesehen hat. Eingeführt hat es bereits Wilhelm der Eroberer, 27:07 in erster Linie, um die Steuereinnahmen zu berechnen. Aber auch, um die Zahl der wehrpflichtigen Männer 27:14 in Erfahrung zu bringen. An die Spitze der Verwaltung setzt er nur engste Vertraute. 27:24 Im Britischen Nationalarchiv in London liegt ein Dokument, das im Volksmund "Buch des jüngsten Tages" genannt wird, 27:31 das sogenannte Domesday Book. Es stammt aus dem Jahr 1086 27:36 und gilt als das älteste Grundbuch der Welt. Darin aufgelistet ist alles, 27:41 was zum anglo-normannischen Reich gehört hat. Auf knapp 900 Seiten stehen Namen und Besitztümer 27:52 aus über 13.000 Ortschaften. Für Hanley in Worcestershire 27:56 notieren Williams Abgesandte zum Beispiel: 20 Dorfbewohner, 17 Kleinbauern, 17,5 Landeinheiten, 28:04 neun Diener, sechs Schweineherden zu 60 Schweinen, eine Mühle, Wald und einen Falkenhorst. 28:18 Der gesamte Besitz geht auf den König über, ein Viertel davon vermacht er der Kirche. 28:23 Ein Fünftel behält er selbst. Über die Hälfte geht an normannische Barone. 28:28 Dem angelsächsischen Adel bleibt gerade mal drei Prozent. Dass die Besitzverhältnisse 28:37 zugunsten der Normannen geregelt werden, ist nicht nur ein politischer Schachzug des Eroberers, 28:42 sondern macht ihn auch zum reichen Mann. Und nicht nur das. 28:47 Er macht damit auch den Weg frei für einen zentralisierten Staat. Alle Angaben, die im Domesday Book stehen, 28:53 erklärt er für rechtlich endgültig. Die Vergabe von Ämtern und Ländereien 29:00 ist auch Artus' Schlüssel zur Machterhaltung, wie Geoffrey schreibt. 29:04 Privat allerdings liegt ein Schatten über seinem Glück. Nach neun Ehejahren hat das Königspaar 29:10 noch immer keinen Nachwuchs. Und Mordred macht Guinevere heimlich den Hof. 29:20 Anscheinend braucht man so ein Gegengewicht, eine Gegengewicht-Figur zu dem idealen Helden. 29:28 Und vielleicht braucht man diese Figur auch, um zu zeigen, dass das Artusreich auch negative Aspekte hat. 29:37 Man will natürlich auch das Publikum mit den entsprechenden Geschichten faszinieren und fesseln. 29:45 Eine typische Situation, die wir ja haben, dass man eben auch bei der Lektüre des Textes bleibt. 29:53 Also Sex and Crime, auch heute etwas, was zieht. Auch damals in der höfischen Zeit etwas, was die Menschen anlockt. 30:04 Es gibt eine Zeit zum Kämpfen, und es gibt eine Zeit, um den Sieg zu feiern. 30:11 Ihr habt tapfer gekämpft. Mordred, mein Neffe, 30:16 du bist wie ein Sohn für mich. Du hast dich im Kampfe tapfer bewährt. 30:22 Wir trinken auf dein Wohl. (Männer) Zum Wohl. 30:27 Ich danke dir, mein König. Aber deine Tapferkeit stellt alles in den Schatten. Auf dein Wohl. 30:33 Und auf das Wohl der Königin, und auf dass Euch bald ein Sohn und Erbe geboren werden möge. 30:39 Lang lebe König Artus. (Ritter) Lang lebe König Artus. Lang lebe die Königin. 30:45 (Sprecher) Den Flirt zwischen Guinevere und Mordred lässt Geoffrey in seinem Werk unkommentiert. 30:51 Er kritisiert aber allgemein Wollust und Trägheit, weil sie den Frieden gefährden. 30:58 Eine Vorahnung, die sich erfüllen könnte, denn Boten kommen an den legendären Artus-Hof, 31:04 in die Burg, die in späteren Werken Camelot genannt wird. Der Autor verortet sie in der "Stadt der Legionen" in Wales. 31:14 Die "Stadt der Legionen", walisisch Caerleon, ist bis um 300 nach Christus ein römisches Hauptquartier. 31:21 Im 11. Jahrhundert bauen die Normannen dort eine Burg. Dass Geoffreys Wahl auf diesen Ort fällt, ist kein Zufall. 31:30 Die Anlage liegt nur 40 Kilometer von seinem Heimatort entfernt. Er kennt die Gegend wie seine eigene Westentasche. 31:39 * Spricht Englisch. * Wirklich interessant an Geoffrey von Monmouths Werk ist, 31:44 dass Caerleon eine große Rolle in seiner Geschichte spielt, eine überproportional große Rolle 31:50 in einer Geschichte über Britannien. Die Archäologie hat inzwischen gezeigt, 31:58 dass viele der großen Bauwerke, die von den Römern errichtet wurden, 32:03 das Amphitheater, in dem wir stehen, das große Turmtor im Zentrum der Festung und die Bäder, 32:08 zur Zeit von Geoffrey von Monmouth noch standen. Er schreibt, dass dieser Ort hier hervorragend geeignet war, 32:15 um Hof zu halten. (Sprecher) Das Amphitheater führt zu einer völlig neuen Facette 32:25 des Artus-Mythos: die Tafelrunde. Das Besondere von Caerleon ist diese kreisförmige Anlage. 32:35 Sehr bald wurde der Platz mit einem Runden Tisch verglichen, der dann auch als Runder-Tisch-Platz bekannt wurde. 32:43 (Sprecher) Bei Geoffrey kommt der Begriff "Tafelrunde" nicht vor. Er schildert lediglich, 32:49 dass sich König Artus und seine Ritter in einem runden Turmzimmer beraten. 32:53 Einige Experten vermuten aber, dass die Szene spätere Dichter inspiriert hat. 33:01 Noch zu Lebzeiten von Geoffrey, etwa 20 Jahre nach Erscheinen der Königschronik, 33:06 übersetzt ein normannischer Autor die Geschichte ins Anglonormannische 33:10 und baut die Tafelrunde mit ein. Die Idee: ein strahlender König 33:17 inmitten seiner edlen Ritter an einem runden Tisch, alle von gleichem Rang und gleicher Ehre. 33:23 Nur die besten und tapfersten Männer dürfen an der Runde teilnehmen. 33:27 Eine eingeschworene Gemeinschaft, die im Verbund entscheidet, wie das Königreich Camelot regiert werden soll. 33:34 Ein mittelalterliches Idealbild, zumindest in der Theorie. Die Tafelrunde ist ein Element, 33:44 die Herrschaft breiter zu verteilen. Sie ist natürlich auch ein Element, 33:50 das ein Stück weit egalitär ist oder sich gibt. Natürlich ist der Herrscher Artus 33:57 immer noch "primus inter pares", aber dann: Alle anderen sind in ähnlicher Situation. 34:03 Unsere Artus-Epen zeigen allerdings, dass das auch Neid und Missgunst hervorrufen kann. 34:11 Wer sitzt dem Herrscher am nächsten, wer sitzt an seiner rechten Seite, wer ist der Beste der Ritter. 34:19 * Bedrohliche Musik * Eine Gesandtschaft aus Rom hat mich aufgesucht. 34:28 Sie bezeichnen mich als Emporkömmling. Ich solle meinen wahren Platz kennen. 34:36 Und sie stellen meine Herrschaft Britanniens infrage. * Entrüstetes Murmeln * 34:44 Sie fordern die Rückgabe aller eroberten Gebiete sowie unsere Unterwerfung. 34:52 * Stimmengewirr * Bleibt ruhig. 35:00 Wir wollen uns beraten. Wir haben lange genug gefeiert. 35:09 Wir müssen in den Krieg ziehen. Wir sind keine Feiglinge. 35:14 Wir sind Kämpfer. Ich sage, wir ziehen in den Krieg. (Sprecher) Auf dem Höhepunkt seiner Macht, 35:22 inmitten einer Zeit des Friedens, trifft König Artus eine folgenreiche Entscheidung, 35:27 im festen Glauben, Britannien zu retten. Schreib, 35:33 dass ich nach Rom kommen werde. "Ich komme nach Rom, 35:39 aber nicht, um mich zu unterwerfen, sondern um es zu erobern." 35:43 (Ritter) Lang lebe König Artus. Lang lebe Britannien. Mordred, du wirst mich in Zeiten meiner Abwesenheit vertreten. 35:53 Ich vertraue dir das Land an. Und ich gebe die Königin in deinen Schutz. 35:57 (Mordred) Ich danke dir. Ich werde dich nicht enttäuschen. 36:01 Du hast mein Wort, ich werde das Land und die Königin mit meinem Leben verteidigen. 36:07 (Sprecher) Doch Artus ergeht es wie Wilhelm dem Eroberer. Wenn der Normanne die Insel verließ, 36:12 um in Frankreich zu kämpfen, versuchten Verräter in Britannien, die Macht an sich zu reißen, 36:18 meist aus dem Kreis seiner engsten Vertrauten. Bei König Artus schmiedet sein geliebter Neffe Mordred 36:25 einen düsteren Plan. Als Artus dann eben außer Landes ist, 36:32 dann kann er die Herrschaft übernehmen, von der er denkt, sie steht ihm zu. 36:38 Aber wie gesagt, da steht eben das Erbrecht entgegen, das ihn quasi per se von der Herrschaft 36:47 als Herrscher ausschließen würde. Er könnte nur teilhaben an der Macht. 36:52 Teilhabe reicht ihm entsprechend aber nicht aus. Dieses Problem ist für ihn eigentlich nur lösbar mit Verrat. 37:01 * Lachen * (Sprecher) Mordred ist wie Artus und Guinevere 37:06 eine Figur mit rätselhafter Herkunft. In manchen Darstellungen ist er der Sohn von Artus, 37:11 in anderen sein Neffe. Der Zauberer Merlin sagt ihm voraus, 37:16 dass er eines Tages auf Artus' Thron sitzen werde. Auch über seine Liebschaft mit Guinevere 37:25 existieren mehrere Spielarten. In manchen Sagen erwidert Guinevere Mordreds Liebesschwüre. 37:31 In anderen Überlieferungen zerrt er sie vom Thron und misshandelt sie. Als Artus nach Rom aufbricht, 37:41 vertraut er das Reich seinem Neffen Mordred an. Das erweist sich als großer Fehler, denn Mordred verrät ihn, 37:47 nimmt ihm Krone und Thron und sogar seine Frau Guinevere. Vielleicht hätte Artus sein Reich in treuere Hände geben sollen. 37:54 Die Lehre daraus: Verlasse nie dein Königreich, wenn du nicht weißt, 37:59 dass dein Stellvertreter es gut für dich verwaltet. (Sprecher) Als Artus vom Verrat erfährt, 38:04 kehrt er umgehend mit seinem Heer nach Britannien zurück. 542 kommt es zu einer Entscheidungsschlacht, 38:11 wie es im Text heißt. Mordred wird dabei getötet, 38:15 Artus von einem Getreuen Mordreds schwer verletzt, das britische Königreich droht unterzugehen. 38:22 * Triste Streichmusik * Die letzten verbliebenen Getreuen, heißt es weiter, 38:31 bringen ihren König auf die mythische Insel Avalon. Dort sollen seine Wunden gepflegt werden. 38:37 Ob der Herrscher überlebt oder nicht, wird nicht erzählt. Was bleibt, ist die Hoffnung der Briten, 38:42 dass ihr Herrscher irgendwann wiederkehrt. Mit dem Verlust des überragenden König Artus 38:52 versinkt Britannien im Chaos. Geoffrey schildert, wie die Sachsen zurückkehren 38:57 und endgültig die Macht an sich reißen. Aus Sicht des Hofdichters wäre das nicht passiert, 39:02 wenn Artus und Mordred den inneren Frieden gewahrt hätten. Forschern zufolge ist Geoffreys Kommentar 39:13 als klarer Hinweis auf die politischen Zustände in Britannien um 1135 zu verstehen. 39:22 Der Autor kritisiert den Thronstreit zwischen König Stephan und seiner Cousine Mathilda. 39:27 Immerhin hält die sogenannte "Anarchy" das anglo-normannische Königreich 19 Jahre lang fest im Griff. 39:36 Erst nach Stephans Tod beginnt mit Mathildas Sohn, Henry II., eine neue Ära. 39:42 An der Beliebtheit von König Artus ändert Geoffreys Kritik aber nichts. 39:48 * Spricht Englisch. * Geoffrey von Monmouths Geschichte über Artus 39:53 war enorm einflussreich. Lange nach Geoffrey, als König Stephen, Wilhelm der Eroberer 39:58 und andere längst nicht mehr an der Macht waren, wurde sie immer weiter erzählt. 40:03 Sie fasziniert noch immer. Der Kriegerkönig und ideale Herrscher 40:07 als Sinnbild für gute und starke Führung. (Sprecher) Mit der Veröffentlichung von Geoffreys Buch 40:14 gerät eine Lawine ins Rollen. Viele Schriftsteller entdecken den legendären König für sich 40:20 und spinnen seine Geschichte fantasievoll weiter. * Glorreiche Orchestermusik * 40:26 Schon 20 Jahre nach dem Erscheinen der Königschronik verfasst der Dichter Wace seinen "Roman de Brut" 40:32 in anglo-normannischer Sprache und erfindet die Tafelrunde hinzu. Der französische Dichter Chretien de Troyes wiederum 40:42 nennt die Ritter Lancelot und Parzival und baut den Heiligen Gral in die Artussage ein. 40:51 Etwa um 1200 taucht bei Robert de Boron zum ersten Mal das Schwert im Stein auf. 40:59 In Deutschland sind es vor allem Werke von Hartmann von Aue und der berühmte "Parzival" von Wolfram von Eschenbach", 41:06 die Artus populär machen. Geoffreys anglo-normannischer König Artus 41:14 wird dabei immer mehr überdeckt. * Ruhige Klaviermusik * 41:18 Sein Held verändert sich unaufhaltsam, vom starken, klugen und gerechten König 41:23 wird er sogar zum christlichen Heilsbringer. Viele Herrscher wollen von seinem Glanz profitieren. 41:34 Richard Löwenherz, der sein Schwert Excalibur nennt, ist der Erste in der langen Reihe britischer Herrscher, 41:40 die ihre Abstammung unbedingt auf Artus zurückführen wollen. Auch der habsburgische Kaiser Maximilian I., 41:48 der "letzte Ritter", lässt für sein Grabdenkmal in der Hofkirche zu Innsbruck 41:53 eine überlebensgroße Artusstatue in Bronze gießen. Heinrich VIII. hat sich als Artus der Tafelrunde 42:04 porträtieren lassen. Das Bild hängt in Winchester Hall. 42:10 1848 erteilt die englische Königin Viktoria den Auftrag, ihr Ankleidezimmer im Westminster-Palast 42:17 mit Bildern aus der Sage zu schmücken. Und Prinz Charles trägt den Namen "Arthur" als Beinamen, 42:27 das gilt auch für seinen Sohn William und seinen Enkel Louis. Bis heute wird nach Spuren von Artus' Existenz gesucht. 42:36 Die meisten Forscher glauben aber nicht an einen realen Artus. Für sie ist er schlichtweg die Verkörperung 42:42 eines idealen mittelalterlichen Herrschers. Jeder Autor erschafft seine eigene Artuswelt, 42:49 und oft scheinen reale Ereignisse und Personen durch. Bei Geoffrey könnten es 42:56 die anglo-normannischen Herrscher sein. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021