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Tierethik⎥Mittelalter (Augustinus, Thomas von Aquin, Franz von Assisi)

Ethik-Abi by BOE6:13 1.299 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 36 Zeilen
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  1. Im Mittelalter hatten Menschen in ihrem Alltag vielfältigen Umgang mit Tieren. Tiere wurden in der Landwirtschaft eingesetzt, dienten als Transportmittel,
  2. Nahrungsmittel- und Rohstofflieferanten. Das mittelalterliche Mensch-Tier-Verhältnis war vor allem vom biblischen Schöpfungsbericht und den Lehren des Aristoteles geprägt.
  3. Welches Bild von Tieren einflussreiche mittelalterliche Denker wie Augustinus, Thomas von Aquin und Franz von Assisi hatten, erfährst du in diesem Video.
  4. Die einflussreichsten Denker des Mittelalters vermischten die christliche Tradition mit aristotelischen Gedanken. Um Tiere metaphysisch einzuordnen,
  5. benutzten sie sowohl die biblische Idee einer von Gott gegebenen Schöpfungsordnung als auch das aristotelische Konzept einer Stufenleiter der Natur (scala naturae).
  6. Laut biblischem Schöpfungsbericht hat Gott nur den Menschen nach seinem Bilde geschaffen und ihn damit über Tiere und andere Geschöpfe gestellt. Außerdem hat er dem Menschen einen
  7. Herrschaftsauftrag über die anderen Lebewesen gegeben. Der Mensch soll über die Natur und die Tiere herrschen. Tiere haben laut gängiger Interpretation der Bibel keine Vernunft,
  8. keine moralische Verantwortlichkeit, keine unsterbliche Seele und damit auch nicht die Möglichkeit der Erlösung. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Mensch
  9. Tiere ausbeuten und quälen darf. Auch Tiere sind ebenso wie andere Lebewesen Geschöpfe Gottes und haben damit einen Eigenwert. Der Mensch hat nicht nur einen Herrschafts-
  10. sondern auch einen Bewahrungsauftrag und damit Verantwortung für die Natur. Laut Aristoteles stehen Tiere auf der Stufenleiter der Natur (scala naturae) zwischen Pflanzen
  11. und Menschen. Sie sind wie Pflanzen fähig zu Ernährung, Wachstum und Fortpflanzung und verfügen zudem über die Fähigkeit zur Bewegung, über Sinneswahrnehmung und Affekte.
  12. Im Gegensatz zum Menschen fehlt ihnen jedoch der Logos, also Vernunft und Sprache. Da Tiere auf Grund ihrer fehlenden Vernunft nicht fähig zu Gerechtigkeit sind,
  13. müssen sich Menschen ihnen gegenüber auch nicht gerecht verhalten. Sie sind grundsätzlich aus dem Bereich des Ethischen und Politischen ausgeschlossen und dienen lediglich dem
  14. Nutzen des Menschen beispielsweise als Nahrung. Antike Argumente für eine fleischlose Ernährung, wie wir sie beispielsweise bei Plutarch und Porphyrius finden,
  15. beeinflussten die mittelalterliche Debatte nicht, da die entsprechenden antiken Quellen im lateinischen Westen fehlten. Augustinus geht im 4. Jahrhundert in Anlehnung
  16. an den biblischen Schöpfungsbericht und die aristotelische Stufenleiter der Natur von einer Hierarchie aller Lebewesen aus und zwar je nach ihrer Nähe zu Gott. Der Mensch hat
  17. gegenüber niederen Wesen wie Tieren keine direkten moralischen Pflichten. Tiere existieren nur für die Menschen und der Mensch darf sie benutzen. In De civitate Dei erklärt er, dass sich das
  18. fünfte Gebot „Du sollst nicht töten.“ nicht auf die Tötung von Tieren bezieht, da man ansonsten auch andere Lebewesen wie Pflanzen verschonen müsste. Er stützt seine Position einerseits durch
  19. die fehlende Vernunft der Tiere und andererseits durch die von Gott gegebene Ordnung der Natur, nach welcher der Mensch über den Tieren steht. Auch Thomas von Aquin geht im 13. Jahrhundert
  20. davon aus, dass Tiere nicht direkt moralisch berücksichtigt werden müssen. Nur der Mensch wurde als Ebenbild Gottes geschaffen und mit Vernunft ausgestattet.
  21. Zwar verfügen auch manche Tiere mit Blick auf einzelne Verhaltensweisen über eine gewisse Klugheit (prudentia). Dabei handelt es sich aber nicht um die universale Klugheit des Menschen.
  22. Da Tiere keine Vernunft haben, haben sie auch keinen Gerechtigkeitssinn. Sie sind demzufolge moralunfähig. Tiere sind laut Thomas zum Gebrauch
  23. durch den Menschen bestimmt, da Gott alle Dinge der menschlichen Herrschaft unterstellt hat. Der Mensch darf Tiere nutzen und auch töten. Thomas verweist dabei sowohl auf die Naturordnung
  24. als auch auf die Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Tiere haben zwar ebenfalls eine Seele. Diese vergeht jedoch im Unterschied zur unsterblichen Seele des Menschen beim Tod.
  25. Dennoch soll der Mensch Tiere freundlich und nicht grausam behandeln. Dabei geht es jedoch nicht um das Tier, sondern um den Menschen. Der Mensch soll allgemein von Grausamkeit abgehalten werden.
  26. Von Tieren empfundene Schmerzen können beim Menschen auf emotionaler Ebene Mitleid hervorrufen, da auch Tiere Gefühle haben, die vom Menschen wahrgenommen werden können.
  27. Thomas’ Ansicht nach hat der Mensch gegenüber Tieren also nur indirekte Pflichten: Im Umgang mit Tieren zeigen sich nämlich bestimmte positive oder negative Charaktereigenschaften,
  28. die gefördert oder unterdrückt werden sollten. Ebenso wie bei Augustinus haben Tiere auch bei Thomas keinen eigenen, sondern höchstens einen instrumentellen und indirekten Wert.
  29. Franz von Assisi (1181/82-1226) gilt als einer der ersten Tierschützer. Er pflegte eine besonders enge Beziehung zu Tieren, betrachtete sie als Brüder des Menschen und hielt sogar Predigten
  30. vor ihnen. Für ihn sind Menschen, Tiere und Pflanzen eine große Familie, deren Vater Gott ist. Franziskus lebte als Bettelmönch in größter Armut und wollte die Welt und seine Bewohner, Menschen,
  31. Tiere und Pflanzen besser verstehen. Durch sein asketisches Leben und enges Verhältnis zur Natur wurde er zum Patron der Tiere. Angeblich verstanden ihn die Vögel, wenn er zu ihnen sprach,
  32. und selbst Wölfe wurden in seiner Gegenwart zahm. Seine Botschaft lautete: „Ein jedes Lebewesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz.“ Sein berühmter „Cantico delle Creature“
  33. (Loblied der Geschöpfe; 1224/25) ist ein Lob der Einheit von Mensch, Tier, Natur und Umwelt. Als Datum für den Welttierschutztag wurde daher auch der 4. Oktober,
  34. der Namenstag von Franz von Assisi, gewählt. Jedoch verzichtete auch Franz von Assisi nicht auf die Tötung und den Verzehr vor Tieren. Wie ist dein erster Eindruck? Hat sich seit
  35. dem Mittelalter das Mensch-Tier-Verhältnis entscheidend verändert? Schreibe deine Gedanken hierzu sehr gerne unten in die Kommentare.
  36. Mit dem Quizlet-Lernset „Aristoteles - Welt- und Menschenbild“ kannst du dein Wissen zu Aristoteles jetzt überprüfen und vertiefen. Viel Spaß beim Lernen und bis bald!

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