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Precht: Kommt die Autokratie ausgerechnet durch die AfD-GEGNER? đŸ’„

PolitikScharfsinn10:01 6.981 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 72 Zeilen
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  1. wÀre es denkbar, dass die Autokratisierung jetzt nicht von den Rechtspopulisten kommt wie in Ungarn, sondern dass die Autokratisierung aus
  2. dem Abwehrkampf der liberalen Mitte gegen ihre Feinde entsteht. Richard David Precht Ă€ußert sich hier im GesprĂ€ch mit dem Politologen Feit Selk
  3. erstmalig seit der Wahl in Sachsenanhalt ĂŒber die Lage der deutschen Politik. Dabei stellt Brecht auch einige unbequeme Fragen zum Umgang der
  4. politischen Mitte mit der AfD. Schauen wir uns das Ganze genauer an. Und ist es nicht tatsÀchlich möglich, dass es ein irgendwann keine Mehrheit von Menschen
  5. mehr gibt, die die liberale Demokratie in Deutschland, jedenfalls die Real existierende, unterstĂŒtzen wollen, sondern einen Systemumbau sogar
  6. herbeisehnen mit deutlich autokratischeren ZĂŒgen. Ist das nicht eine zu erwartende Zukunftsprognose? Was jetzt die Frage nach der
  7. Autokratisierung hier zu Lande Ă€h angeht, wĂŒrde ich sagen, ja, es gibt auch diese Tendenzen, ne? Also, man kann es ja
  8. jetzt eigentlich schon beobachten, dass es, ich will es auch nicht skandalisieren, aber illiberalisierungstendenzen
  9. gibt, die hier zulande Fuß fassen. Also jetzt die Auswahung von Kompetenzen fĂŒr die Geheimdienste. Die Geheimdienste. Ähm, dann das ist
  10. jetzt auch nicht in einem skandalösen Ausmaß, aber die Bestrafung von Meinungsdelikten hat auch zugenommen. Also, es gibt
  11. Digital Services Act Paragraph 188 Politikerbeleidigung. Ja. Sind alles so im Sinne der liberalen Demokratie problematische
  12. Gesetzgebungen. Ja. Ja. Ja, es im Sinne der im Sinne des Liberalismus oder bestimmter Vorstellung
  13. liberaler Freiheiten, definitiv Ă€h Demokratie oder eine Regierung, die eine Mehrheit hat, kann natĂŒrlich auch diese Politiken beschließen. Insofern
  14. können wir uns langfristig in dem Versuch, die liberale Demokratie gegen ihre Feinde zu schĂŒtzen, zunehmend in Richtung Autokratie bewegen? Also
  15. wÀre wÀre es denkbar, dass die Autokratisierung jetzt nicht von den Rechtspopulisten kommt wie in Ungarn, sondern dass die Autokratisierung
  16. [rĂ€uspern] aus dem Abwehrkampf der liberalen Mitte gegen ihre Feinde entsteht? Äh ja und nein. Also ja in der Hinsicht,
  17. dass es Tendenzen gibt der VerhÀrtung, der Liberalisierung und der gleichen, die man denke ich beobachten kann. Nein, in der Hinsicht, dass glaube ich der
  18. Begriff der Autokratie irrefĂŒhrend ist, also was unsere Zeit heute prĂ€gt und dadurch gibt's, denke ich, auch relativ großes BedĂŒrfnis nach Orientierung
  19. grĂ¶ĂŸerer, also Einordnung in grĂ¶ĂŸere ZusammenhĂ€nge, dass Begriffe und auch Institutionen, die uns vertraut sind, nicht mehr so
  20. richtig zu passen scheinen. Ja, stellt hier tatsÀchlich eine gute Frage, denn illiberale Tendenzen erlebt man inzwischen nicht nur als abstrakte
  21. Theorie. Man denke an die Debatten um Politikerbeleidigung, an Ermittlungen wegen Äußerungen im Internet oder daran, wie schnell heute selbst Posts und
  22. andere OnlineaktivitÀten juristische Folgen haben können. Der Politologe sagt dann im Grunde, dass unsere alten Begriffe vielleicht gar nicht mehr
  23. richtig auf die heutige Situation passen. Vielleicht entsteht gerade etwas, dass man mit Autokratie viel zu grob beschreibt und deshalb auch
  24. politisch falsch einordnet. Bei der AfD heißt es stĂ€ndig, sie sei die Gefahr fĂŒr die liberale Demokratie. Sollte man aber nicht eher darauf
  25. schauen, ob der Abwehrkampf gegen sie selbst nicht zunehmend illiberale ZĂŒge annimmt, gerade diese Möglichkeit wird eigentlich nirgendwo diskutiert.
  26. Das Fazit, was ich daraush höre bei dem, was Sie sagen, ist, dass eine so hochkomplexe, hoch individualisierte, heterogene
  27. Gesellschaft letztlich nicht mehr demokratisch regierbar ist, das ist doch die Konsequenz. Also je
  28. mehr Einzelinteressen, Partikularinteressen eine Bedeutung kommen, die Bindungskraft der großen Institutionen nachlĂ€sst m
  29. und jeder sozusagen sein eigenes Ding machen will, dann ist bedeutet das am Ende diese Verstopfung, ĂŒber die wir gesprochen
  30. haben und die HandlungsunfÀhigkeit der Politik und das in einer Zeit, wo sich gerade durch die geostrategische Revolution die Bedeutung Europas und
  31. Deutschlands verĂ€ndert, also minimiert in einer Zeit, wo mit dem zweiten Maschinenzeitalter der kĂŒnstlichen Intelligenz die gesamte Ökonomie
  32. umgebaut wird schließlich unsere sozialen Sicherungssysteme, die sehr altmodisch finanziert sind. Also gerade in der Situation brĂ€uchte man ja gerade
  33. diese Kraft und diese Entschlossenheit, um was zu verÀndern und sie beschreiben sehr, sehr genau, warum wir die nicht haben.
  34. Mhm. Glauben Sie denn dann wirklich noch daran, dass die liberale Demokratie sich von innen heraus erneuern und
  35. reformieren kann, um sich dem 21. Jahrhundert anzupassen? Mhm. Also was ich gegenwÀrtig beobachte, ist, dass es eher eine Tendenz gibt Àh a
  36. zur Anpassung, dass Menschen sagen, ja, gut, da kann man jetzt eh nicht so viel machen, Anpassungstendenz, dann gibt es die Tendenz,
  37. also an den Stillstand gewöhnen, richtig? Also, man kann ja auch dauerhaft Ă€hm, wenn man dauerhaft frustriert wird, man gewissermaßen
  38. politisch resignieren, ne? das wÀre so der Weg einer Brasilianisierung, wenn man so will, Àh diese Tendenz gibt's, dann gibt es ja weiterhin eine
  39. politische Dynamik. Äh ich wĂŒrde ja nicht sagen, dass alles stillgestellt ist, ne? Es gibt eine politische Dynamik. Eine Tendenz ist, dass Ă€hm ist
  40. so vielleicht neues Modell eines, gab's in Deutschland ja auch mal schon als Idee, nationalen Liberalismus, ne? Wiederkehrsnationalismus.
  41. Könn kann der kann aus ihrer Sicht der Nationalismus und die Wiederkehr des nationalen oder gar völkischen Gedankens irgendetwas an den von Ihnen
  42. analysierten Problemen Mhm. Àndern? Ich denke nicht.
  43. Ob der Politologe mit seiner Antwort da wirklich richtig liegt, kann man durchaus bezweifeln. Prechtszusammenfassung trifft aber einen
  44. wichtigen Punkt. Je unterschiedlicher die Interessen, Werte und Vorstellungen innerhalb einer Gesellschaft werden, desto schwieriger wird es gemeinsame
  45. politische Lösungen zu finden. Denn Demokratie lebt am Ende davon, dass man Mehrheiten organisiert und bei vielen Fragen Kompromisse findet. Das wird
  46. komplizierter, wenn Positionen immer weiter auseinanderliegen und es bei manchen Grundfragen kaum noch einen echten Mittelweg gibt. Genau diese
  47. Spannung sieht man inzwischen auch in Deutschland immer deutlicher. Interessant ist dabei, dass weder Precht noch Selk hier wirklich eine
  48. ĂŒberzeugende Antwort darauf haben. Sie beschreiben das Problem ziemlich klar, aber die eigentliche Lösung bleibt offen. Das der grĂ¶ĂŸten Probleme bei uns
  49. ist die Wiederwahl von Politikern, weil wer wiedergewÀhlt werden möchte, der macht immer eine Politik, die sich daran ausrichtet, dass das auch möglich ist.
  50. Das heißt, ich darf keinen verschrecken und verdrießen. Wenn ich jetzt die Legislaturperiode, in der die Politik im Bund die Ă€h
  51. VerhÀltnisse umgestalten kann, auf sechs oder 7 Jahre verlÀngere aber von Anfeuer an klar mache, dass weder der Kanzler noch seine Minister
  52. wiedergewĂ€hlt werden können, dann hĂ€tte ich eine Handlungsfreiheit hergestellt, die deutlich grĂ¶ĂŸer ist als jetzt. Und wenn ich jetzt auch noch alle
  53. Landtagswahlen im Sinne von Midterm Elections, alle 16 Landtagswahlen auf einen einzigen Termin in der Mitte der Legislaturperiode datiere, dann stehe
  54. ich auch nicht jedes Jahr vor vier Wahlen. WĂ€re das aus ihrer Sicht technokratisch, aber schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, um
  55. etwas gegen die Verstopfung und Verstockung und Verkrustung zu machen? Nee, also weil weil dieser RĂŒckkopplungsmechanismus,
  56. der ist ja wichtig fĂŒr so eine Wahldemokratie. Ist ja ganz essentiell. Äh da gibt's ja noch andere Varianten, die noch ĂŒber das hinausgehen, was sie
  57. jetzt beschrieben haben. Da geht's ja letztlich darum, dass man die Ă€hm RĂŒcksichtnahme der Ă€h Politiker auf die BĂŒrgerschaft
  58. und auf die situative Stimmung, die wÀre weg. Ja, gut, aber die situative Stimmung gibt's ja immer irgendwie. Also
  59. was Timing angeht, das kann man vielleicht verbessern, okay, aber Àh was worauf sie angespielt haben, da geht's ja darum, dass man sozusagen diesen
  60. Feedbackmechanismus nicht mehr hat, ne? Also, man ist ja, das finde ich ja großartig, wenn der weg wĂ€re, weil weil die Idee einfach
  61. darin besteht, da ich jetzt pausenlos RĂŒcksicht auf Feedback nehmen muss bei allem, was ich mache. Am nĂ€chsten Tag gucken, was steht
  62. in der Presse, wer begrĂŒĂŸt was und wer begrĂŒĂŸt nichts. Und wenn ich dann strukturelle Umbauten mache, dann werde ich immer einen Aufschrei der EntrĂŒstung
  63. haben, weil diejenigen, die davon profitieren, die freuen sich und die die erwarten vielleicht nicht zu profitieren, werden sich ganz lauts
  64. beklagen. Und auf diese Art und Weise sind Umbauten, wie wir gerade wieder beim Rentensystem und so weiter gesehen haben, echte Umbauten eigentlich nicht
  65. mehr möglich. Wenn wir also den Laden flott kriegen mĂŒssen, dann kann ich nicht alle 5 Minuten fragen, war das hier super, was ich gemacht habe oder
  66. nicht, sondern da muss ich das Zeitfenster fĂŒr das Feedback, ich meine, es wird ja weiterhin gewĂ€hlt, es dauert nur etwas lĂ€nger und dazwischen muss ich
  67. auf das Feedback keine RĂŒcksicht nehmen, nur das erlaubt ja strategische VerĂ€nderungen. Brechtsidee hat sicher Vor und
  68. Nachteile, aber bei einem Punkt liegt er nicht ganz falsch. Politiker mĂŒssen heute sehr viel Energie darauf verwenden, ihre eigene Wiederwahl
  69. abzusichern. Wer weiß, dass in wenigen Jahren wieder gewĂ€hlt wird, denkt bei großen Reformen natĂŒrlich auch daran, wie diese Entscheidung bei den WĂ€hlern
  70. ankommt. Wenn man wirklich mehr strukturelle VerÀnderungen will, ist die Idee deshalb zumindest diskutabel, Wiederwahlmöglichkeiten stÀrker zu
  71. begrenzen. Gleichzeitig wĂŒrde damit natĂŒrlich auch ein wichtiger Kontrollmechanismus des Volkes geschwĂ€cht. Was denkt ihr, sollte man
  72. die Wahlbedingungen fĂŒr Politiker grundsĂ€tzlich verĂ€ndern?

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