Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Eine kurze Geschichte des Kapitalismus

dijeluno18:41 93.638 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 163 Zeilen
Herunterladen
  1. Seinen großen Durchbruch feierte der Kapitalismus in Großbritannien. Um 1600 herum waren die Briten gelangweilt genug, um die halbe Welt zu durchqueren,
  2. nur mit was Curry und Pfeffergünstige einzukaufen. Zu Hause konnten sie die Gewürze dann zu Preisen verticken, bei denen sogar Pablo Escobaer neidisch
  3. werden würde. Natürlich lief nicht immer alles glatt. Hin und wieder Sangsenschiff oder die Besatzung wurde von Piraten, die offensichtlich auch
  4. gerne günstig Gewürze kauften, nur eben ohne zu bezahlen. Aber das war für die Händler okay. Solange die Gewinne stimmten, galten ein paar tote Seeleute
  5. als akzeptabler Kollateralschaden. Ironischerweise waren versunkene Schiffe sogar praktisch, denn weniger Gewürze bedeuteten mehr Panik in der
  6. Bevölkerung, mehr Knappheit und somit saftige Preise. Doch Schiffe bauen, lebensmüde Besatzung anheuern und die langen Fahten machten das ganze
  7. Abenteuer ziemlich teuer. Deshalb hatten clevere Händler eine brillante Idee. Sie verkauften Anteile an diesen Todesfahrten an andere reiche Typen.
  8. Plötzlich konnte jeder, der mehr Geld als Lebensfällen hatte, vom potenziellen Untergang profitieren. Win-win. Da aber niemand garantieren konnte, dass die
  9. Schiffe nicht unterwegs und Piratenbue wurden, blieb das Ganze riskant. Deshalb tat der britische Staat das, was ein Staat für den freien Markt so tut und
  10. schuf Monopole für einige wenige Unternehmen. Diese glücklichen Unternehmen durfen von nun an den Markt manipulieren, Lagerbestände aufkaufen
  11. und Preise in die Höhe treiben. So entstand ein System, mit dem Ausbeutung, Manipulation und Wuerpreise nicht nur geduldet, sondern sogar vom Staat
  12. gefördert wurden. Kapitalismus its finest. In den 1780ern kratzten die Schotten James McConnell und John Kennedy ihr letztes Kleingeld zusammen
  13. und gründeten mit 1770 PF eine Baumwollfabrik. Heute wärden das ungefähr 270 000 PF, also genug, um sich in London eine halbe Garage zu kaufen.
  14. Bis 1810 wuchs das Vermögen der Brüder auf satte 88 000 PF, was heute ca. 9 Millionen PF entspricht. Natürlich zog der gerug schnellen Geld des
  15. Balkonkurrenz an. Dadurch fielen die Preise und weil James und John keinen Monopolstatus vom Start geschenkt bekam, mussten sie wohl oder übel mehr
  16. Baumwolle produzieren. Ihr Profit hing plötzlich stark von ihren Arbeitern ab. John, findest du nicht auch, die Arbeiter sind viel zu teuer? Ja, schon,
  17. aber die Leute müssen doch auch von irgendwas leben. Ich habe eine bessere Idee. Wir lassen einfach Kinder für uns schuften. Kinderarbeit? Bist du irre?
  18. Na, Kinderarbeit klingt so hart. Ich nenne es frühkindliche Talentförderung. Mit 18 haben sie dann schon mindestens 8 Jahre Berufserfahrung, ein paar
  19. Sprachkurse und Praktiker im Ausland und sie können mit 19 Vorstandsvorsitzen d bei Nestle werden. Glaubst du wirklich, dass die Gesellschaft das akzeptieren
  20. wird, solange wir in billige Kleidung verkaufen? Juckt das niemanden. Und so kam es. Die Anzahl der Arbeiter in der Fabrik explodierte von 312 im Jahr 1802
  21. auf 1500 in den 1830ern. Fast die Hälfte davon waren billige Kinderarbeiter unter 16, viele unter 10 und einige sogar er 7 Jahre alt. Aber hey, früh übt sich, wer
  22. ein echter Workerholic werden will. Zum Glück hatten sie keine Zeit sich im Work Life Balance Gedanken zu machen, denn sie arbeiteten von 6 Uhr morgens bis
  23. 7:30 Uhr abends. Doch irgendwann hatten die Arbeiter die Schnauze voll und fingen an sich zu organisieren. Gewerkschaften entstanden und fingen
  24. sogar mit Streiks an. Die wurden aber von den Arbeitgebern verschlagen mit Hilfe des britischen Staates. Der streiken verhaftete und
  25. Gewerkschaftsführer einfach in den Knast steckte. Trotzdem konnten diese nervigen kleinen Revolutionen immerhin verhindern, dass die Löhne noch tiefer
  26. sanken. Und so blieb das Verhältnis von Arbeitgeber zu Arbeiter, sagen wir mal, etwas angespannt. Einige besonders schlaue Köpfe hatten sehr früh
  27. begriffen, dass Profite, die von Maschinen oder Arbeitern abhängen, so unsicher sind, wie mit Tinder die große Liebe zu finden. Ihnen wurde klar, dass
  28. man im Kapitalismus gar nicht arbeiten muss. Es reicht völlig, sein Geld für sich arbeiten zu lassen und ihn beim Vermehren zuzusehen, denn Kapitalismus
  29. ist im Wesentlichen die Investition von Geld in der Erwartung, noch mehr Geld zu verdienen. entstanden Börsen, an denen Aktien, Anleihen, Währungen und
  30. Rohstoffe gehandelt wurden. Die Niederländer machten mit ihrer Amsterdammer Börse bereits 1602 den Anfang. Zu diesen schlauen Köpfen
  31. gehörten die amerikanischen Brüder mit den sehr englisch klingenden Namen Augustus und Otto Heinze. Im Oktober 1907 schmiedeten sie einen genialen
  32. Plan, der die Finanzwelt erschüttern sollte. Brudi, wir kaufen alle Aktien der United Copper Company auf. Wofür? Ganz einfach, dadurch treiben wir den
  33. Aktienkurs künstlich in die Höhe. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt haben, werden gezwungen sein, die Aktien von uns zu hohen Preisen
  34. abzukaufen. Und so einfach werden wir stinkreich. Sie, Sir, sind einfach genial. Damit dieser Plan gelang, hatten sich die Brüder viel Geld von Banken und
  35. Treuhandgesellschaften geliehen, vor allem bei der Knickerbocker Trust Company, die vor lauter Profitgier wohl vergessen hatte, kritische Fragen zu
  36. stellen. Doch die Brüder schafften es nicht, alle Aktien zu kaufen. Ihr genialer Plan scheiterte. Plötzlich brachen Banken und
  37. Treuandnggesellschaften zusammen, allen voran die Knickerbocker Trust Company. Menschen zogen ihr Geld ab, so dass viele Banken und Treugesellschaften
  38. nicht mehr genug Bargeld hatten und komplett schließen mussten. Diese Krise ging als Panik von 1907 in die Geschichte ein. Ein harmlos klingender
  39. Name für ein Vorfall, der globale Märkte erschütterte und unzählige Menschen in den Ruinen stürzte. In letzter Minute tauchten die Retter in der Not auf. JP
  40. Morgan, John De Rockefeller und Cornelius Venderbild. Sie setzen ihr gigantisches und mit sehr dubiosen Mitteln erbeutet privates Vermögen ein,
  41. um das Bankensystem künstlich am Leben zu halten. Doch es war so, als würde man einen gebrochenen Damm mit einem alten gebrauchten Kaugummi kleben. Doch dann
  42. überraschend und gerade rechtzeitig tauchte die unerwartete Rettung auf. Der erste Weltkrieg. Die Kriegsindustrie boomte und an dem
  43. späteren Wiederaufbau der großflächigen Zerstörung konnten Unternehmen ordentlich Kohle machen, insbesondere US-Konzerne, die von den Zerstörungen
  44. nicht betroffen waren. Außerdem wurde die US-Notenbank fert. Sie sollte die Zinsätze und die Geldmenge steuern und anderen Banken auf die Finger hauen, um
  45. weitere Bankenkrisen zu verhindern. Aus den Fehlern dieser Krise haben die Amerikaner also sicherlich gelernt und das wird nicht wieder passieren.
  46. Richtig, falsch. Wenn diese Krise ein Sturm war, sollte die nächste ein verdammter Hurricane werden. In den goldenen 20ern war die Panik von 1907
  47. vergessen. Privatanleger und Banken in den USA investierten wie im Rausch und setzten euphorisch auf steigende Aktienkurse. Meistens mit Geld, dass sie
  48. gar nicht hatten. Nun, das ist doch fantastisch. Eine wirklich kluge Entscheidung, junger Mann. Wir legen das Geld in einen
  49. Kapitalmarkt Anlagefond, dann werden wir das Geld in ausländischen Währungskonten investieren, um höhere Zinsen zu generieren. Und es ist weg. Um
  50. Aktienkurse immer weiter steigen zu lassen, produzierte die Industrie im Überfluss. Doch das Vermögen war zunehmend ungleich verteilt und der
  51. Großteil der Bevölkerung konnte sich das produzierte Zeug nicht leisten. Um es trotzdem loszuwerden, wurden die Menschen mit der Werbung zugeschmissen
  52. und verschuldeten sich weiter. Jeder hat ein Auto, nur du nicht. Verdammt, ich brauche ein Auto. Aber am 24. Oktober 1929 begannen die
  53. Aktienkurse zu fallen. Es war der berühmte schwarze Donnerstag und es kam noch besser. Es folgte der noch berühmtere und noch schwärzere Dienstag
  54. am 29. Oktober 1929. Aktienkurse brachen komplett ein. Da so viele mit geliehenem Geld gezockt hatten, löste das eine Kettenreaktion aus. Menschen verloren
  55. ihr gesamtes Vermögen, Banken gingen bankrott und die Wirtschaft fiel in sich zusammen. Die bis dahin wohl größte Spekulationsblase platzte mit lautem
  56. Knall. Doch das waren nur die Vorboten für das, was noch folgen sollte. Länder wie Argentinien, Kuba und Australien waren abhängig vom Export ihrer Güter in
  57. die USA und nach Europa und lagen am Boden. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte die USA große Kredite an europäische Länder vergeben, insbesondere an
  58. Deutschland. Das Geld brauchte Europa, um die Wirtschaft anzukurbeln und Reparationszahlung umzustellen. Die Amerikaner brauchten aber jetzt das
  59. Geld, zogen es aus Europa ab und Europa ging zu Boden. Bis 1933 stiegt die Arbeitslosigkeit in den USA auf 25%, in Deutschland und anderen europäischen
  60. Ländern auf 20%. Unzählige Familien verloren alles. Armut und Obdachlosigkeit breiterten sich aus. Aus dem schwarzen Dienstag wurde die große
  61. Depression. Die Bevölkerung verlor ihr Vertrauen in die Politik. Radikale Ideen gewannen an Beliebtheit. In Deutschland brachte dieses Chaos diesen Mann an die
  62. Macht. Um die große Depression zu heilen, wurden weltweit viele Maßnahmen ergriffen, aber sie funktionierten alle nicht wirklich. Die endgültige Wende
  63. brachte der Zweite Weltkrieg. Nach diesem Fiasco hatten die Regierung die Schnauze voll von Casinowtschaft und sagten zu den Banken: "Hey, wie wär es,
  64. wenn I mal Kredite an Leute vergeben würde, die damit tatsächlich was Sinnvolles anstellen und nicht an der Börse verzocken." Und so kam es. Es
  65. folgte eine Phase von strengen Bankenregulierungen, die Finanzspekulationen weitesgehend verhinderte. Für fast alle westlichen
  66. Länder brach für die nächsten 25 Jahre goldene Zeiten an. Die Wirtschaft boomte, die Löhne stiegen und es hätte noch viel länger so weitergehen können,
  67. aber es kündigten sich Turbulenzen der besonderen Art an. Im Rahmen des Bradon Woods Abkommens im Jahr 1944 wurden die Währungen von 44 Ländern an den
  68. US-Dollar gekettet, der US-Dollar selbst an Gold. Der Dollar dürfte nur so viel wert sein, wie die Amerikaner Gold in ihren Keller. Auf diese Weise sollten
  69. Währungsschwankungen verhindert und der Welthandel vereinfacht werden. Zur Überwachung der Ordnung wurden der internationale Währungsform und die
  70. Weltbank gegründet, aber für die USA bedeutete es, dass sie nicht so viel Geld drucken konnten, wie sie gerne wollten. Also warfen sie das Abkommen
  71. 1971 in die Tonne und druckten nach Lust und Laune Geld. Irgendwie mussten teure Hobbys wie z.B. soll der Vietnamkrieg schließlich finanziert werden. Auch die
  72. anderen 43 Länder konnten nun fröhlich Geld drucken. Der Dollar blieb aber weiterhin die weltweite Leitwährung, was den USA auf ihren weltweiten
  73. Shoppingtouren sehr hilfreich war. Das Geldgedrucke erwies sich für alle schon sehr bald als sehr nützlich, denn in den 1970ern kam die Ölkrise und danach noch
  74. eine. Doppelt hält besser. Die Unternehmen holten rum, weil die Gewerkschaften tatsächlich genug Macht hatten, um Löhne durchzusetzen, die mit
  75. der Inflation mithielten. Die Notenbanken druckten wie wild noch mehr Geld.
  76. in cash reserve infinite cash Die stiegen. Die Aktienmärkte gingen in den Keller. Die Unternehmen waren fassungslos, dass sie plötzlich ihre
  77. Arbeiter halbwegs fair bezahlen und gleichzeitig die hohen Ölpreise schultern mussten. Doch ihr Gejammer wurde schon sehr bald erhört. Paul
  78. Falker wurde Chef der US-Nenbank und dachte sich: "Hm, was wäre, wenn wir einfach alle arbeitslos machen?" Also hob er die Zinsen so hoch, dass die
  79. Wirtschaft zusammenbrach. Millionen Menschen verloren ihre Jobs, Gewerkschaften wurden entmachtet und die Unternehmen atmeten erleichtert auf.
  80. Endlich wieder Ruhe. In Europa passierte das Gleiche. In Großbritannien ging Margaret Thatcher sogar noch einen Schritt weiter und erklärte den
  81. Bergarbeiter in den Krieg. Mit Polizeiknüppeln und einer Portion sadistischer Freude zerschlug sie die Gewerkschaften und feierte sich dafür
  82. hart. Der Weg war frei für die wahre kapitalistische Erlösung. Die Finanzbranche wurde entfesselt und Spekulationen wieder erlaubt. Endlich
  83. konnten neue Spekulationsblasen aufgepumpt werden. Seit Anfang der 80er stiegen die Aktienkurse wieder kräftig, während das Wirtschaftswachstum kräftig
  84. nachl. Arbeitnehmer mussten plötzlich froh sein, wenn sie einen Job hatten. Hin und wieder wurde das Ganze von Finanzkrisen unterbrochen, die
  85. einsetzen, wenn ein Schneeballsystem irgendwo am Ende war. Aber das war alles kein Problem, denn die Lösung war einfach. Notenbanken druckten noch mehr
  86. frisches Geld und systemrelevante Unternehmen wurden von Staaten mit Steuergeldern gerettet. Die Reichen wurden reicher, die Armen wurden ärmer.
  87. Doch Ende der 1990er erstrahlte ein helles Licht am Horizont. Eine Revolution, die allen unendlichen Reichtum bescheren sollte, die früh
  88. genug auf den Zug aufsprangen. Zumindest versprachen das die PowerPoint Präsentation frisch gebackener Startupgründer. Es war ein Jahrzehnt,
  89. indem einziger richtig platzierter Buchstabe E ganze Märkte in Ektase versetzte. Commerce, Business Government Longmask.
  90. Nein, dennoch nicht. Das Rezept war einfach. Gründe dein Startup, schmeiß ein Docom in den Firmennamen und versprich, dass deine online
  91. Hundeshampoo Abos schon bald alle Haustiere des Planeten bedienen werden. Schon stand eine Horder Investoren Schlange, um dich mit Geld zu
  92. beschmeißen. Wenn dann noch Wörter wie Skalierung oder First Mover Advantage fielen, gab es für die Investoren keinen Halten mehr. Keiner wollte den nächsten
  93. Megatrend verpassen. Ein Hauch von Goldrausch lag in der Luft. Doch im Jahr 2000 wurde allmählich klar, dass viele Startups ihre monströsen Umsätze nicht
  94. mal ansatzweise in die Realität umsetzen konnten. Investoren und Kleinanleger zogen ihr Geld so schnell sie konnten aus dem Markt. Viele Menschen, vor allem
  95. in der IT-Branche, verloren ihre Jobs und so platzte die DCOM Blase. Als Gewinner dieser Krise ging vor allem Techkrisen wie Amazon, Google und
  96. Microsoft hervor. Sie kauften vielversprechende, aber vor der pleite stehende Startups Ramspreisen peppelten sie auf und wurden dadurch noch
  97. mächtiger. Dafür, dass der Knall der Docblase nicht zu laut war, sorgte das seit den 80ern eingespielter Verfahren. Die Notenbanken druckten Geld und
  98. senkten die Leizinsen. In den USA drängten Regierung und Notenbanken die Banken dazu, mehr Kredite an weniger kreditwürdige Menschen zu vergeben.
  99. Weißt du was ihr machen solltet? Kredite an Menschen vergeben, die sich die Kredite gar nicht leisten können. Hä? Glaub mir, das wird mega. So wurde die
  100. nächste Blase aufgepumpt. Doch dieser Knall sollte ohrenbetäubend werden. Während die ITBranche am Boden lag, wurde die Immobilienbranche zur nächsten
  101. Attraktion für profitgeile Investoren. Dort gab es nun Kredite für jeden, der eine Unterschrift unter einen Kreditvertrag setzen konnte. Es galt die
  102. goldene Regel: Immobilienpreise steigen immer. Du kannst dein Hauskredit nicht mehr bezahlen, kein Problem. Die Bank nimmt dir dein Haus weg und verkauft es
  103. mit Gewinn. Es war die goldene Zeit der Subprime Kredite und weil es viele profitgeile Investoren gab, wurden neue Finanzinstrumente geschaffen, um noch
  104. mehr Geld zu schäffeln. Kredite wurden in Wertpapiere gepackt und weiterverkauft. Aber was sollte man mit Krediten machen, die so riskant sind,
  105. dass sie keiner kaufte? Ganz einfach, man verpackte sie in mehreren Schichten in hübsche Pakete und schuf damit Collateralized Deppt Obligations. Kurz
  106. CDOS. Was das ist? Stell dir vor, du bist Obstverkäufer mit einem eigenen Stand. Du verkaufst Äpfel, Birnen und Bananen. Äpfel und Bananen verkaufen
  107. sich super, das sind die guten Kredite. Aber die Birnen will keiner haben. Das sind die faulen Dinger. Bevor die Birnen vergammeln, schnippelst du alles
  108. zusammen und verkaufst es teuer als Obstsalat. Kein Mensch riecht den Birnengammel im Mix, zumindest solange der Laden brummt. Doch es ging noch
  109. genialer. Der Verkäufer am Stand links neben dir, nennen wir ihn Tom, sieht, dass dein Geschäft läuft und er will auch darin verdienen. Das ist dein CDO.
  110. Also schließt da eine Wette darauf ab, dass die Preise auf deinen Obstsalat immer weiter steigen. Diese Wette ist ein synthetisches CDO. Der Verkäufer am
  111. Stand links neben dir, nennen wir ihn Jerry, sieht, dass man sich mit diesem Modell dumm und dämlich verdienen kann. Also schließt er eine Wette auf die
  112. Wette von Tom ab. Jerry wettet, dass Tom seine Wette gewinnt. Schon haben wir das synthetische CDO Nummer 2. Auf diese Wette wird noch eine Wette
  113. abgeschlossen, auf diese noch eine und so weiter, bis irgendwann keiner mehr Bock auf Wetten hat oder bis deine Kunden keinen Bock mehr auf Gammelbeiren
  114. im Obstsalat haben und dein süßer Obstand den Bach runtergeht. So lief das auf dem amerikanischen Immobilienmarkt nur mit Häusern, an denen menschliche
  115. Existenzen hängen. Doch im Jahr 2007 sankten die Immobilienpreise in den USA plötzlich. Kreditnehmer konnten ihre Kredite nicht mehr bezahlen. Banken
  116. blieben auf faulen Krediten sitzen und kippten reihweise um. Aber was diese Situation zu einer weltweiten Krise werden ließ, war die riesige
  117. Verschuldung der Banken. Im Profitrausch hatten sie enorme Kredite im Inland und Ausland aufgenommen, um Kredite zu vergeben und selbst wie bekloppt CDOs zu
  118. kaufen. Ihr Schulden der US-Bank Leemman Brothers waren 40 mal so hoch wie ihr Kapital. Leemman Brothers ging pleite. Banken horteten ihr Geld und vergaben so
  119. gut wie keine Kredite mehr. So wurde aus der kleinen US-Bankenkrise eine ausgewachsene globale Wirtschaftskrise. Sie war so episch. Die DCOM Blase sah
  120. dagegen aus wie ein schlechter TikTokanz. Wieder einmal verloren unzählige Menschen ihre Existenzgrundlagen wegen fehlern
  121. gieriger Investoren, wegen Ereignissen, die die meisten erst verstanden, wenn sie den Film Big Shot gesehen hatten. Die Rettung: Steuergelder: 1,6 Billionen
  122. Dollar in den USA, 464 Milliarden Euro in Deutschland. Wie? Die Krise brachte aber auch Gewinner hervor und zwar die, die auf den Zerfall des amerikanischen
  123. Immobilienmarktes wetteten. In den USA wurde die Krise im Juni 2009 offiziell für beendet erklärt. Doch Europa stürzt im Jahr 2010 in die nächste. Durch die
  124. Weltwirtschaftskrise geriet mehrere Länder in Zahlungsprobleme, allen voran Griechenland, ähnlich wie Italien, Spanien oder Portugal. Es folgten viele
  125. weitere Krisen. 2013, 2014, 2015, unvergessen der Brexit 2016 und der Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China 2018. Und damit das uns nicht
  126. langweilig wurde, brach im Jahr 2020 die Coronapandemie aus. Lieferketten brachen zusammen. Im Sues Kanal sitzt die Evergiven weiter
  127. fest. Energiepreise explodierten, Inflationsraten schossen in die Höhe. Im Jahr 2020 wurde plötzlich deutlich,
  128. welche Berufe tatsächlich wichtig für die Gesellschaft sind. Pflegekräfte, Apotheken, medizinisches Personal, Müllleute, Fahrer und Verkäufer wurden
  129. als systemrelevant eingestuft. Es wurde außerdem sehr deutlich, dass diese systemrelevanten Jobs viel schlechter bezahlt werden als die Bull Jobs, deren
  130. Verlust niemanden jucken würde, wie z.B. Investmentbanker. Je unbedeutender der Job für die Gesellschaft, desto höher das Gehalt. So funktioniert moderner
  131. Kapitalismus. Irgendwer hat während der ersten Pandemiewelle viele Menschen in Deutschland und Europa dazu bewegt, abends für Pflegekräfte und
  132. medizinisches Personal an Fenstern und auf Balkonen zu klatschen. Und das war auch schon genug der Wertschätzung. 2022 entschied ein alter Mann in Russland die
  133. Ukraine anzugreifen. Energiepreise und Inflationen kannten keinen Halt mehr. Es vergeht kaum ein Jahr ohne irgendeine Krise.
  134. Die Deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal überraschend geschrumpft. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist nicht mehr wettbewerbsfähig.
  135. Das dritte Rezessionsjahr in Folge. Eine so lange Durstrecke hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben.
  136. Und so erleben wir in Deutschland den Zerfall der Wirtschaft. Die Arbeitswelt wird zu Effizienz geprügelt. Künstliche Intelligenz ist der neue heiße Scheiß.
  137. Dieser sitzt heute schon tausende Menschen und wenn man der US-Bank Goldman Sex glauben darf, werden in den nächsten 10
  138. Jahren 300 Millionen Jobs durch KI ersetzt. Das wäre fast die gesamte Bevölkerung der USA. Unternehmen, die sowieso schon zu viel Macht haben,
  139. bekommen noch mehr. Monopole werden größer. Natürlich ist das alles Symbol der Bevölkerung. Wenn dein Job durch KI ersetzt wird, hast du mehr Freizeit. Du
  140. hast kein Geld, weil du keinen Job mehr hast. Schade. Der geilste Typ der Welt verordnete den Mitarbeitern von Twitter eine 80 Stunden Woche, weil er es kann.
  141. Nachdem er Twitter gekauft es zu umbenannt und etwa 50% der Belegschaft entlassen hatte, mussten die übrig gebliebenen die anderen 50% auffangen.
  142. Auch das war natürlich alles zum Wohl der Bevölkerung. Durch Entlassungswellen werden Existenzen zerstört. Schade. Sorry.
  143. Dafür werden ohnehin schon steinreiche Leute immer reicher. Du bist nicht reich. Schade. Sorry. Im frühen 20. Jahrhundert sagte Louis
  144. Brandis, ehemaliger Richter am obersten Gerichtshof der USA, wir müssen uns entscheiden, wir können eine Demokratie haben oder
  145. konzentrierten Reichtum in den Händen weniger, aber nicht beides. Wenn die Sicherung der Profite für ohnehin schon reiche Menschen das
  146. eigentliche Staatsziel ist, dann wird die Regierung gezwungenermaßen regelmäßig gegen die Interessen der breiten Bevölkerung entscheiden. Im Jahr
  147. 2012 wurde die deutsche Bevölkerung befragt, ob die Rente mit 67 rückgängig gemacht werden sollte. Mit ja antwortete dara auf zwei Drittel der ärmeren
  148. Bevölkerung, aber nur ein Drittel der Reichen. Die Rente mit 67 blieb. Geil. Nur noch 40 Jahre arbeiten. Die Frage, ob die Bundeswehr aus
  149. Afghanistan abziehen sollte, bejahen 75% der Ärmeren, aber nur 43% erreichen. Die Bundeswehr blieb. Mach dich bereit an dein Limit zu gehen.
  150. Oh Scheiße. Man könnte meinen, es gelte die Regel: Je mehr Arme dafür sind, desto weniger sollte es umgesetzt werden. Im Jahr 2021
  151. war Armin Laschet Kanzlerkandidat der CDU, obwohl seine Popularität geringer war als die von seinem Konkurrenten Marcus Söder.
  152. Brokkoli und Karotten lehnen wir ab. Aber warum war Lascher trotzdem Kanzlerkandidat? Dazu sagte er,
  153. für die Westintegration gab es in der Adenauer Zeit keine Mehrheit in Deutschland. Für die Nachrüstungsdebatte gab es keine Mehrheit, als 100tausende
  154. auf der Straße standen. Man muss Politik aus einem Grundverständnis machen, das nicht auf Umfragen schaut. So sieht Politik im Sinne der breiten
  155. Bevölkerung aus. Das Arbeitsministerium fasste diese Erkenntnisse im Armuts- und Reichtumsbericht 2016 zusammen und schickte ihn Bundeskanzleramt. Eine
  156. Passage aus dem Bericht lautete: "Es besteht eine klare Schieflage in den politischen Entscheidungen zu Lasten der Armen. Damit droht ein sich
  157. verstärkender Teufelskreis aus ungleicher Beteiligung und ungleicher Responsivität, bei dem sozial benachteiligte Gruppen merken, dass ihre
  158. Anliegen kein Gehör finden und sich deshalb von der Politik abwenden, die sich in der Folge noch stärker an den Interessen der Bessergestellten
  159. orientiert. Kurz zusammengefasst, die Armen merken, dass ihre Meinung komplett egal ist, wenden sich von der Politik ab und somit
  160. haben die Reichen noch mehr sagen. Dazu sagte die Regierung Merkel und löschte diese Passage komplett aus dem Bericht. Aber damit sind wir in Deutschland zum
  161. Glück nicht allein. Eine Studie in den USA kam zum gleichen Ergebnis. Auch dort waren die Ansichten der Armen und der Mittelschicht irrelevant für die
  162. Politik. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die aktuelle wirtschaftliche und politische Situation auf viele Menschen wie ein Fiebertraum
  163. wirkt. Einiges erinnert sehr stark an die 1930er Jahre. Es bleibt zu hoffen, dass wir dieses Mal rechtzeitig die Kurve kriegen.

Zum Nachlesen