Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Bauernkrieg 1525 - Als 100.000 Bauern gefallen sind (KI-Rekonstruktion)

Elias Rekonstruktionen8:07 282 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 55 Zeilen
Herunterladen
  1. Süddeutschland, Frühjahr 1525. In Hunderten von Dörfern zwischen Schwaben, Franken und Thüringen geschieht dasselbe. Männer versammeln
  2. sich, Bauern, Handwerker, Bergleute. Sie tragen Sensen, Dreschflegel, erbeutete Schwerter. Sie wählen Anführer. Sie schreiben Forderungen auf und dann
  3. marschieren sie. In wenigen Wochen sind es zehntausende. Der größte Volksaufstand, den [musik] das heilige römische Reich je erlebt hatte. Warum
  4. eskaliert ein sozialer Protest zum blutigsten Aufstand der deutschen [musik] Geschichte? Und warum endet er nicht mit Reformen, sondern mit 100000
  5. Toten? Um das zu verstehen, muss man verstehen, was sich seit Jahrzehnten [musik] aufgestaut hatte. Der deutsche Bauer des
  6. späten Mittelalters lebte in einem System, das ihn von allen Seiten [musik] gleichzeitig auspresste. Der Grundherr verlangte Abgaben vom Boden. Die Kirche
  7. verlangte [musik] den Zehnten, ein Zehntel des Ertrags. Jedes Jahr unabhängig von der Ernte. Dazu kamen Fronddienste, Tage, an denen der Bauer
  8. nicht sein eigenes Feld bestellte, sondern das des Herrn. Jagdrechte lagen beim Adel, also frß das Wild der Herren die Felder der Bauern leer und kein
  9. Bauer durfte es töten. Gemeinschaftliche Wälder und Gewässer, auf die Dorfgemeinschaften seit Generationen angewiesen waren, wurden eingezäunt und
  10. privatisiert. Und wer sich beschwerte, wurde vor ein Gericht gestellt, das vom selben Adel besetzt war, gegen den er klagte. Kein plötzlicher Verfall, ein
  11. langsamer jahrzehntelanger Prozess der Entrechtung und er beschleunigte sich genau [musik] in dem Moment, als etwas anderes die Welt erschütterte. Martin
  12. Luther. 1517 schlug Luther seine Thesen an die Kirchentür von Wittenberg. Er sprach von der Freiheit eines Christenmenschen, von der Würde des
  13. einfachen Gläubigen, von einer Ordnung, die Gott selbst gesetzt hatte und die die Menschen verdorben hatten. Die Bauern hörten das und zogen ihre eigenen
  14. Schlüssel. Luther wollte die Kirche reformieren, nicht die Gesellschaft, nicht die Ordnung. Die Bauern machten daraus beides. Wenn die Kirche korrupt
  15. war, [musik] warum dann der zehnte? Wenn alle Menschen vor Gott gleich waren, warum dann die Leibeigenschaft? Wenn die Schrift die höchste Autorität war, warum
  16. dann die Willkür der Herren? Die Worte waren dieselben. Die Schlussfolgerungen waren es nicht. Im Sommer 1524 begannen die ersten Unruhen. Im Hegau,
  17. im Schwarzwald am Bodensee weigerten sich Bauern Fronddienste zu leisten. Lokale Aufstände schnell niedergedrückt, aber das Feuer war gelegt. Im Februar
  18. [musik] 1525 formulierten Vertreter aufständischer Gruppen in Memmingen die 12 Artikel. Ein Dokument, [musik]
  19. das in seiner Nüchternheit erschreckt. Keine Revolutionsretorik, keine Abschaffung der Obrigkeit. konkrete [musik] begründete Forderungen. Die
  20. Gemeinden sollen ihre Pfarrer selbst wählen. Die Leibeigenschaft soll enden, [musik] denn Christus hat alle Menschen mit seinem Blut erlöst. Wälder und
  21. Gewässer sollen der Gemeinschaft zurückgegeben werden. Die Fronddienste sollen auf ein erträgliches Maß beschränkt werden. Jede Forderung
  22. [musik] wurde mit Bibelstellen belegt. Kein Aufstand, ein Argument. Die zwölf Artikel [musik] verbreiteten sich in Wochen in ztausenden Druckemplaren. Die
  23. Druckerpresse als Waffe. Es war eines der meist gelesenen Dokumente des Jahrhunderts. [musik] In Städten, in Klöstern, an
  24. Fürstenhöfen. Jeder [musik] wusste, was die Bauern wollten und jeder musste sich entscheiden, was er damit tat. Luther las sie und er entschied sich. Er
  25. verurteilte [musik] beide Seiten, den Hochmut der Fürsten, ja, aber auch den Aufstand. Er schrieb: "Aufruh sei niemals [musik] gerecht, egal wie
  26. gerecht die Sache sei." Als das Blut floss, legte er nach einer Schrift, die aufrief, [musik] die mörderischen und räuberischen Rotten
  27. der Bauern zu töten, zu stechen, zu [räuspern] würgen. Die Bauern hatten auf Luther als moralische Stimme gehofft. Er wandte sich gegen sie. Es war einer der
  28. folgenreichsten Verrate der deutschen Geschichte. Nicht aus Bosheit, aus Überzeugung. Luther glaubte wirklich, dass Aufruh gegen die weltliche Ordnung
  29. Sünde war, unabhängig vom Anlaass, aber die Bauern, die in seinem Namen auf die Felder gezogen waren, sahen das anders und sie vergaßen es nicht. Aber im
  30. Frühjahr 1525 war das noch nicht entschieden. Im schwäbischen Bauern sammelten sich über 20.000 Mann. Klöster wurden besetzt,
  31. Schlösser niedergebrannt. [musik] In Franken rückte der Aufstand auf Würzburg vor. In Thüringen entstand ein drittes Zentrum. Mit einer anderen
  32. Stimme an seiner Spitze. Thomas Münzer. Wo Luther reformieren wollte, wollte Münzer umstürzen. Er predigte nicht die Verbesserung der Verhältnisse. Er
  33. predigte deren Ende, eine neue Ordnung, Gottgewollt und radikal, in der die Mächtigen gestürzt und die Armen erhöht werden. Er sammelte seine Leute in
  34. Mühlhausen, Bergleute, Handwerker, Bauern, das Reich Gottes auf Erden von Menschenhand errichtet. Ihm gegenüber standen die Fürsten. Der schwäbische
  35. Bund hatte Georg von Truchses zu Waldburg als Feldhauptmann. Ein erfahrener Militär, ausgebildete Söldner, Artillerie, Logistik. Er hatte
  36. keine Eile. Er wartete, ließ die Bauern sich erschöpfen, verhandelte dort, wo es nützte und griff dann zu. Am 12. April 1525
  37. vernichtete er das Baltringer Heer südlich von Ulm. Die Bauern hatten keine einheitliche Führung, keine Artillerie, keine Taktik. Was sie hatten, war Zahl
  38. und Entschlossenheit. Gegen ausgebildete Söldner und Kanonen reichte das nicht. [musik] Böblingen, Mai 1525.
  39. Das fränkische Bauernher wurde aufgerieben. Tausende Tote auf dem Schlachtfeld, hunderte hingerichtet danach und dann Frankenhausen. Am 15.
  40. Mai 1525 standen Münzers Thüringer Bauern auf einem Hügel vor der Stadt. [musik] Ihnen gegenüber das kombinierte Heer von
  41. Philip von Hessen und Herzog Georg von Sachsen. Gut ausgerüstet, zahlenmäßig überlegen, schwere Artillerie. Münzer soll seinen Männern versprochen haben,
  42. die Kanonenkugeln mit seinen Händen [musik] aufzufangen. Gott würde eingreifen. Am Himmel erschien ein Regenbogen. Die Bauern sahen darin ein
  43. Zeichen. Dann eröffneten die Kanonen das Feuer. Rund 5000 Bauern starben in wenigen Stunden. Die Überlebenden wurden in die Stadt verfolgt, niedergemacht.
  44. [musik] Münzer versteckte sich, wurde gefunden, gefoltert und enthauptet. Sein Kopf wurde auf einer Stange aufgestellt
  45. [musik] als Warnung, als Antwort auf alle, die nach ihm noch fragen würden. In den folgenden Wochen erloschen die letzten Herde des Aufstands. Im Elsas,
  46. in Tirol, in Salzburg, überall dasselbe Muster. Fürsten, die zunächst verhandelt hatten, griffen nun ohne Gnade zu. Die Zahlen sind schwer zu fassen. Historiker
  47. schätzen, dass zwischen [musik] 70.000 und 100.000 Menschen im deutschen Bauernkrieg ums Leben kamen. Die meisten nicht im Kampf, sondern danach.
  48. Hinrichtungen, Strafexpeditionen, niedergebrannte [musik] Dörfer. Die Zölf Artikel wurden für illegal erklärt. Die Leibeigenschaft in vielen Gebieten
  49. verschärft, die Rechte der Gemeinden beschnitten, die Herren hatten gewonnen und sie sorgten [musik] dafür, dass niemand vergaß, was es kostete, sich zu
  50. erheben. Münzer blieb in der Geschichte lange als Ketzer, als Fanatiker, als warnendes Beispiel. Jahrhunderte später druckte die DDR sein Gesicht auf die
  51. Banknote. Luther behielt sein Gewissen. [musik] Er schrieb: "Er bereue nichts." Und die Forderungen der zöf Artikel. [musik] Viele von ihnen setzten sich
  52. durch. Nicht durch Aufstand, sondern über Jahrhunderte, durch geduldigen [musik] Druck derer, die noch da waren. Das Ende der Leibeigenschaft, das Recht
  53. der [musik] Gemeinden auf Selbstbestimmung, die Begrenzung der Abgaben. Sie bekamen, was sie wollten, nur nicht sie selbst. Ein Frühjahr
  54. voller Hoffnung, ein Sommer voller Blut [musik] und danach nur eine Lektion, die die Sieger in jedes Dorf einmeißelten. Ordnung wird nicht verhandelt, [musik]
  55. sie wird durchgesetzt.

Zum Nachlesen