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Wo hat Gotthold Ephraim Lessing gewohnt und gearbeitet? - Authentische Lessingorte in Wolfenbüttel

Wolfenbüttel - Die Lessingstadt9:10 516 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. In diesem Video zeigen wir Euch die Lessingorte in Wolfenbüttel, also die authentischen Orte, an denen Gotthold Ephraim Lessing gelebt und gearbeitet hat.
  2. Auf dem Wolfenbütteler Schlossplatz bündeln sich mit der berühmten Herzog August Bibliothek und dem Schloss mehrere Jahrhunderte Geistes- und Kulturgeschichte. Im Wolfenbütteler Schloss
  3. residierten bereits seit dem Mittelalter die kunstsinnigen Welfenherzöge des Territoriums Braunschweig-Wolfenbüttel. Die Herzog*innen begeisterten sich für bildende Kunst, Musik,
  4. Literatur und Gelehrsamkeit. Als der Erbprinz Karl Wilhelm Ferdinand einen neuen Leiter für seine traditionsreiche Bibliothek suchte, fiel seine Wahl auf den renommierten Gelehrten,
  5. Literaturkritiker und Dichter Gotthold Ephraim Lessing. Lessing kam am 4. Mai 1770 in Wolfenbüttel an und wurde drei Tage später feierlich in sein
  6. Amt als Bibliothekar eingeführt. Er erhielt fünf Zimmer im herzoglichen Schloss, in denen er sich häuslich einrichten konnte. Zu Beginn seiner Zeit in Wolfenbüttel war Lessing mit seiner Stellung
  7. überaus zufrieden und ging als ewiger Bücherwurm auf Entdeckungsreise in den Schätzen der Bibliothek. An seinen Vater schrieb er, dass er in der Bibliothek fast keine Amtsgeschäfte habe und
  8. sich ganz den Büchern widmen konnte, was seiner unersättlichen Lesesucht natürlich entgegenkam. So weit so gut, das Problem war jedoch, dass Lessing in unserem Schloss der
  9. einzige Bewohner war und sich schon bald sehr einsam fühlte. Der Hof war vor über 20 Jahren nach Braunschweig umgezogen und Lessing hauste in dem riesigen Kasten wie eine
  10. Art Schlossgespenst. In seinen Briefen an seine Freunde klagte er über seine „weitläufige und öde Wohnung“ in dem „verwünschten Schloss“. In einem Brief vom Oktober 1772 schrieb er:
  11. „Ich werde in der Einsamkeit, in der ich hier leben muss, von Tag zu Tag dümmer und schlimmer. Ich muss wieder unter Menschen, von denen ich hier so gut als gänzlich abgesondert bin.“
  12. Lessing litt sehr unter seiner „Wolfenbüttelschen Einsamkeit“ und erkrankte 1772 sogar an einer schweren Depression. Trotz allem blieb er jedoch produktiv und schrieb hier bedeutende Werke wie
  13. das Drama „Emilia Galotti“, das er hier im Schloss fertigstellte. Wir haben jetzt einen kleinen Funfact für Euch: Der Ort, an dem Lessing wohnte und sein Drama geschrieben hat, ist heute
  14. das Gymnasium im Schloss. Die Schüler lesen hier also einen Text, der 250 Jahre zuvor an derselben Stelle geschrieben wurde. Authentischer geht es eigentlich nicht, oder?
  15. Lessings psychische Gesundheit besserte sich erst im Oktober 1776, als er nach langen Jahren der Einsamkeit endlich seine geliebte Herzensfreundin
  16. Eva König heiraten konnte. Die beiden hatten sich 1768 kennengelernt und schrieben sich in den Jahren ihrer Trennung fast zweihundert Briefe, die mit ihrer Ironie und zärtlichen
  17. Zuneigung füreinander zu den schönsten Liebesbriefen der Weltliteratur zählen. Die Liebesbriefe von Gotthold und Eva aus der Brautzeit sind in einem separaten Buch erschienen.
  18. Nach seiner Hochzeit zog Lessing mit Eva und ihren drei Kindern in das Meißnerhaus am Schlossplatz 2. Das Meißnerhaus ist nach dem Hofbuchhändler Johann Christoph Meißner benannt. Die Gebrüder Meißner
  19. betrieben hier eine florierende Buchhandlung. Vor Lessings Einzug lagerten hier 30.000 Bücher. Lessing lebte ungefähr ein Jahr im Meißnerhaus und verbrachte hier die glücklichste Zeit
  20. seines Lebens. Gotthold und Eva waren ein glückliches Paar und konnten ihre Träume vom Zusammenleben endlich verwirklichen. Auch Lessings Freunde bemerkten jetzt an ihm eine deutliche
  21. Veränderung seines Charakters. Während er vorher ein etwas verbitterter Junggeselle gewesen war, wurde er nun etwas lockerer und freute sich an dem familiären Leben mit Eva und den Kindern. Die
  22. beiden luden ihre Freunde nach Wolfenbüttel ein und führten ein offenes und gastfreundliches Haus. Auch die Besucher der Bibliothek waren willkommen und wurden von
  23. Eva bewirtet. In Lessings glücklichstem Jahr gingen die Gäste im Meißnerhaus ein und aus. Es muss hier zugegangen sein wie in einem Bienenstock.
  24. Heute erinnert eine Tafel am Meißnerhaus an Lessings glücklichstes Jahr. Und die Lessingakademie, die sich der Erforschung von Leben und Werk
  25. des Dichters widmet, hat hier ihren Sitz. Als Eva erneut schwanger wurde und von ihrem Mann ein Kind erwartete, zog die junge Familie im November 1777 um in das Lessinghaus
  26. am Schlossplatz. Hier wohnte und arbeitete Lessing bis zu seinem Tod im Februar 1781. Das Lessinghaus in Wolfenbüttel zählt zu den schönsten Dichterhäusern in Deutschland. Es
  27. wurde 1735 im französischen Rokokostil für einen Diener des Herzogs erbaut. Heute befindet sich hier ein Museum über Lessing, das momentan für Euch geöffnet ist und das Ihr besichtigen könnt.
  28. Das Lessinghaus ist jedoch nicht nur ein magischer, sondern leider auch ein tragischer Ort. Eva war hochschwanger und brachte hier am Weihnachtstag 1777 Gottholds Sohn Traugott
  29. zur Welt. Da es eine schwierige Geburt war und der kleine Traugott mit einer Zange zur Welt gebracht werden musste, war der Zustand von Mutter und Kind äußerst kritisch. Drei
  30. Tage später starb Lessings einziger Sohn an den Folgen der Zangengeburt. Evas Zustand schien sich erst zu bessern, doch zwei Wochen starb auch sie am Kindbettfieber.
  31. Lessing ist über den Tod seiner geliebten Frau und Lebensfreundin Eva nie hinweggekommen. In einem Brief an seinen engen Freund und Vertrauten Johann
  32. Joachim Eschenburg brachte er den brennenden Schmerz über Evas Tod so zum Ausdruck: „Meine Freude war nur kurz. Und ich verlor ihn so ungern, diesen Sohn! denn er hatte so viel
  33. Verstand! so viel Verstand! War es nicht Verstand, daß man ihn mit eisernen Zangen auf die Welt ziehen musste? daß er sobald Unrath bemerkte? – War es nicht Verstand,
  34. daß er die erste Gelegenheit ergriff, sich wieder davon zu machen? – Freylich zerrt mit der kleine Ruschelkopf auch die Mutter mit fort! – Denn noch ist wenig Hoffnung, daß ich sie behalten werde. –
  35. Ich wollte es auch einmal so gut haben, wie andere Menschen. Aber es ist mir schlecht bekommen.“ Lessing überwand jedoch seine Trauer und richtete sich im Sterbezimmer von Eva
  36. sein Arbeitszimmer ein. Hier schrieb er ein Jahr später sein vielleicht bedeutendstes Werk: das Drama Nathan der Weise.
  37. Im Nathan hat Lessing den Tod seiner Frau verarbeitet. Obwohl der Jude Nathan bei einem von Christen verübten Progrom seine Frau und alle seine acht Kinder verliert,
  38. überwindet er schließlich seinen Hass und nimmt ein kleines Kind von Christen auf, das er im jüdischen Glauben aufzieht.
  39. Lessing Toleranzdrama vermittelt in ergreifenden Worten und Bildern die Botschaft, dass alle Menschen und Religionen miteinander verwandt sind. Ob ein Mensch nun als Christ,
  40. Jude oder Muslim geboren wird, ist letztlich zweitrangig. Wichtiger ist, wie er sich gegenüber seinen Mitmenschen verhält und was er
  41. in der Gesellschaft an Positivem bewirkt. Lessings Botschaft der unzerstörbaren Menschenliebe, die von diesen Fenstern in Wolfenbüttel aus in die ganze Welt ging,
  42. ist gerade heute brandaktuell. Bleibt dran, denn in unserem nächsten Video zeigen wir Euch die Denkmäler und Grabstätten von Gotthold und Eva in Wolfenbüttel und Braunschweig!

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