Was sagen Steine über unsere Geschichte aus? | Ganze Folge | Colin Devey | Terra X Terra X History https://www.youtube.com/watch?v=NeCqHoMHML8 Transkript (automatisch erstellt) 0:10 * Titelmusik * An der Ostsee beginnt eine Zeitreise durch Jahrmillionen. 0:30 Der Geologe Colin Devey auf den Spuren der Erdgeschichte quer durch unsere Heimat. 0:36 Von der Küste im Norden bis zu einer unsichtbaren geologischen Grenze in der Mitte Deutschlands. 0:43 Um das Vermächtnis der Steine zu erkennen, muss er manch ausgetretene Pfade verlassen. 0:50 Und abtauchen in die Vergangenheit. Erst sein geübter Blick ermöglicht es, zu erkennen, 1:03 wie eng unser aller Leben mit den Steinen verwoben ist. Kiel in den frühen Morgenstunden. 1:32 Monatelang hat Colin Devey auf dem Forschungsschiff ausgeharrt. Jetzt kehrt er mit neuen Gesteinsproben 1:39 zum GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung zurück. Die eigentliche Arbeit beginnt erst: die Steine zum Sprechen zu bringen. 1:48 Hinter mir liegt die Expeditionshalle des GEOMAR. Hier lagern wir unsere geologischen Schätze aus aller Welt. 1:58 Kisten und Boxen sind prall gefüllt. Die Gesteinsproben ermöglichen, 2:03 geologische Ereignisse zu entschlüsseln, die unsere Erde geformt haben. 2:08 Sie stammen von Gebirgen ebenso wie von Meeresböden. Anhand dieses Tauchbootes sieht man, dass wir Geologen 2:16 alle möglichen Werkzeuge benutzen, um an unsere Schätze zu gelangen. Wenn ich meinen Freunden davon erzähle, dann fragen sie oft: 2:24 Wozu der ganze Aufwand? Die Steine können ja nicht reden. Und ob sie das können. 2:33 Wenn man sie genau betrachtet, hat jeder Stein seine eigene Geschichte zu erzählen. 2:38 Diesen hier haben wir tief aus dem Pazifik geholt. Und er könnte uns was über die Meereszusammensetzung erzählen. 2:47 Und diese hier kommen aus meinem Garten. Das sind Findlinge. Die kamen per Gletscher aus Skandinavien zu uns. 2:54 Und jetzt kann man sich fragen: Was hat das mit unserem Leben zu tun? 2:58 Und die Antwort ist ganz einfach: sehr viel. Wo sich die Geologie und unser Leben berühren, 3:04 das werde ich auf meiner Wanderung durch Deutschland hautnah erleben. Sie beginnt im Winter an der Küste im Norden. 3:13 Und führt den Geologen von Kiel aus zum Seelenter See. Ein Rückzugsraum für viele Wasservogelarten, 3:20 die hier überwintern. Der See ist ein Überbleibsel der letzten Weichsel-Eiszeit, 3:27 um die 12.000 Jahre alt. Seit jeher bekannt für seinen Fischreichtum. 3:33 Das weiß auch der Seeadler. In den frühen Morgenstunden hat er hier das Sagen. 3:46 Jäger und Beute haben sich in ihrem Kampf um Leben und Tod über Jahrmillionen weiterentwickelt. 3:52 Und sich dabei immer wieder an die veränderte Umwelt angepasst. Nur durch diese Wechselwirkung hat sich das Leben seit 560 Mio. Jahren 4:00 von Einzellern zu immer komplexeren Geschöpfen entwickelt. Arten entstanden und vergingen, 4:06 angepasst an Landschaften, Klimabedingungen und Fressfeinde. 4:15 Erst mit dem Aussterben der Dinosaurier vor ca. 66 Mio. Jahren beginnt die Ära der Säugetiere. 4:22 Sie lässt vor rund zwei Mio. Jahren die frühe Form des Menschen in Afrika die Bühne des Lebens betreten. 4:32 Diese Beziehung zwischen Evolution und Geologie hat dem Leben im Wasser und an Land immer wieder einen Schub verpasst. 4:43 Die Erdoberfläche ist geologisch gesehen so was wie die heutige Ausgabe einer Tageszeitung, also die Gegenwart. 4:50 Und darunter liegt ein Stapel älterer Zeitungen. Am besten sieht man das, 4:56 wenn man ein Stück aus der Wiese heraushebt. Wow. Also die Schichten sind eine Abfolge aus der Erdgeschichte. 5:11 Jede dieser Schichten war selbst einmal an der Oberfläche und beherbergte früheres Leben. 5:17 Manchmal sind sie zerknittert und gefaltet. Das kommt durch Bewegungen in der Erde. 5:23 Und ganz unten kommt das Fundament. Hier unter Norddeutschland 5:27 ist das ein früherer Kontinent namens Avalonia. Ungefähr 700 Mio. Jahre alt. 5:33 Alle Schichten zusammengenommen bilden die Erdkruste in diesem Teil Deutschlands. 5:38 Würde sie sich nach oben statt nach unten erstrecken, erreichte sie eine Höhe von mehr als 20 Kilometern. 5:47 Unten auf dem Boden, besser gesagt auf der Ostsee, tummeln sich die hartgesottenen Kitesurfer auch im Winter. 5:58 So wie sie mit ihren Brettern auf dem Wasser treiben, schwimmt auch die Erdkruste auf zähflüssigen Gesteinsmassen 6:05 tief im Inneren der Erde, immer in Bewegung. Das ist zwar für die Surfer unerheblich, 6:14 doch für die Halbinsel Graswarder lebensbedrohlich. Ich bin einiges von meinen Expeditionen gewöhnt. 6:23 Aber da draußen im Winter auf den Wellen zu reiten, das wäre mir zu ungemütlich. 6:28 Bald könnte diesem kuscheligen Häuschen hinter mir auch das Wasser bis zum Halse stehen. 6:33 Der Meeresspiegel steigt hier nämlich an. Nicht nur wegen des Klimawandels. 6:38 Sondern wegen den Nachwehen der letzten Eiszeit. Vor 12.000 Jahren bedecken bis zu 3000 Meter mächtige Gletscher 6:45 ganz Nordeuropa. Als sich der Eispanzer zurückzieht, 6:49 werden enorme Mengen Schmelzwasser freigesetzt. Die Ostsee entsteht. 6:55 Doch das fehlende Gewicht der mächtigen Eisschicht hat in Skandinavien einen gravierenden Effekt. 7:01 Bis zu 10 mm jährlich hebt sich dort die Erdkruste. Und sorgt für ein Absinken der deutschen Ostseeküste 7:08 um bis zu einem Millimeter im Jahr. So steigt an der Küste der Meeresspiegel auch ohne Klimawandel. 7:16 Wenn auch nur ganz langsam. Der Boden der Ostsee kippt wie eine Wippe. 7:21 Das bedeutet, die ganzen Häuser hier werden früher oder später im Meer verschwinden. 7:27 Ich sehe zu, dass ich Land gewinne. Bis es soweit ist, haben die Vögel auf dem Graswarder 7:33 ein wichtiges Rückzugsgebiet. Selbst in den Wintermonaten finden unzählige Vogelarten 7:42 Schutz und ausreichend Nahrung. Viele von ihnen, wie auch diese Strandläufer, 7:52 verbringen deshalb die kalte Jahreszeit auf der Halbinsel. Hinter den Küsten der Ostsee beginnt das Norddeutsche Tiefland. 8:02 Das flache Land ist von den Gletschermassen der letzten Eiszeiten geprägt. 8:06 Hier weht fast immer Wind. Nach der Eiszeit hat er wertvolle Nährstoffe herangeweht. 8:12 Aus dem kargen Gletscheruntergrund hat sich über Jahrtausende wertvoller Ackerboden gebildet. 8:20 Nur hier und da haben die Gletscher Sandflächen hinterlassen. Auch damit lässt sich gutes Geld machen, 8:27 wie hier in der Kiesgrube Kreuzfeld. Nach Wasser ist Sand der am meisten verbrauchte Rohstoff der Welt. 8:34 Sand brauchen wir in unserer modernen Welt für fast alles: Neben dem Küstenschutz und der Bauindustrie 8:40 findet er sich selbst in Glas und Zahnpasta. Sand ist ein Geschenk großer geologischer Umwälzungen. 8:48 Was haben ein Radlader und ein Gletscher gemeinsam? * Musik * 9:01 Richtig, beide transportieren unheimlich viel Sand und Gestein. Während der letzten Eiszeit haben die Gletscher Norddeutschland 9:10 mit Sand und Kies überschüttet. Und das ist für unsere Gesellschaft essentiell. 9:15 Unsere Häuser, unsere Straßen und so viel mehr sind aus Sand gebaut. Sand wird deshalb immer knapper. 9:22 Die Welt braucht stetig mehr davon in grobkörniger Form. Vor allem für die Betonherstellung. 9:29 Der feine Sand aus den Wüsten ist dafür nicht geeignet. Aber es ist nicht nur Sand, 9:36 den die Gletscher vor 12.000 Jahren mit sich brachten. Das ist der Wandhoff-Findling. 9:44 Mit 126 Tonnen ist das ein stattliches Gewicht. Doch für einen Gletscher ist das nicht viel mehr als ein Sandkorn. 9:51 Der kommt aus Südschweden und ist an der Unterseite eines Gletschers nach Deutschland gereist. 9:57 Dabei hat er die Landschaft unter sich abgehobelt. Findlinge nennen Geologen Felsblöcke, die durch Gletscher 10:06 von ihrem Ursprungsort in Skandinavien manchmal Tausende Kilometer weit weg transportiert wurden. 10:13 Ein Blick in den Gletscher zeigt, mit welcher Kraft er die Landschaft geformt hat. 10:19 Seine Eismassen sind ständig in Bewegung. Wie Schmirgelpapier glättet er das Gelände. 10:29 An seinen Rändern schiebt der Gletscher große Mengen Geröll vor sich her, die Endmoränen. 10:37 Sie bilden die wenigen Erhebungen und belegen bis heute, wie die Gletscher den Norden Deutschlands 10:43 geologisch geprägt haben. Bei seinem Rückzug hinterlässt der mächtige Eispanzer ein flaches Land. 10:50 Durchzogen von tiefen Furchen, ausgespült von abfließendem Schmelzwasser. 10:58 So entsteht die Feldberger Seenlandschaft, die gerade den Winter hinter sich gelassen hat. 11:07 * Musik * Colin Devey ist immer wieder fasziniert davon, 11:14 wie die Jahreszeiten Landschaften verändern. Wie Pflanzen und Tiere neue Kraft nur aus der Wärme schöpfen. 11:25 Und wie die Natur es schafft, das von der Eiszeit geprägte Gebiet im Norden Deutschlands für sich zurückzugewinnen. 11:37 Direkt vor mir liegt eine Endmoräne. Auf diesem Geröllhaufen wächst, nur einen Steinwurf von hier entfernt, 11:44 der älteste Buchenwald Deutschlands. Der ist zum Gegenstand der Forschung geworden. 11:49 Und ich bin sehr gespannt, was dort passiert. Es ist die Anpassungsfähigkeit der Buche, die es ihr ermöglicht hat, 11:58 sich innerhalb weniger Jahrtausende nach der letzten Eiszeit von den Alpen bis hierher, nach Mecklenburg-Vorpommern, auszubreiten. 12:07 Eine Buche kann im Jahr bis zu 50 Zentimeter in die Höhe wachsen. Und die ältesten unter ihnen sind bis zu 30 Meter hoch. 12:15 Von der Höhe inspiriert rührt der Name des Waldes: Die Heiligen Hallen. 12:22 Sie dienen auch vielen Waldbewohnern als Unterschlupf. * spannungsvolle Musik * 12:38 Von Menschenhand fast unberührt entfaltet sich der Wald seit über 300 Jahren. 12:43 Für Forscherinnen und Forscher ist er ein einzigartiges Zeugnis im Kampf gegen das Waldsterben. 12:50 Die Biologin Jeanette Blumröder versucht, das Geheimnis der Heiligen Hallen zu lüften. 12:55 Was die Buchen hier so resistent gegen Hitze macht. Hallo, Jeanette. 13:01 In einigen Teilen Deutschlands sterben die Wälder zunehmend ab. Was ist das Geheimnis dieses Waldes? 13:07 In diesem Wald wurde schon lange nichts mehr getan. Es wurde hier kein Holz geerntet seit langer Zeit. 13:13 Dazu kommt, dass es auch viel Totholz gibt. Gerade in trockenen und heißen Zeiten 13:18 kann man aus diesem zersetzenden Totholz richtig Wasser rausdrücken, obwohl es in der kompletten Umgebung staubtrocken ist. 13:27 Stirbt ein Baum, dient er als Wasserspeicher. Von Insekten und Mikroorganismen zersetzt 13:33 bildet er so den Nährboden für nachwachsende Bäume. Welche Aspekte dieses Waldes führen dazu, 13:39 dass sein Mikroklima so günstig ist? Es gibt hier nicht nur alte dicke Bäume, 13:44 sondern auch alle anderen Generationen, die hier miteinander leben. 13:49 Dadurch gibt es natürlich verschiedene Schichten. Wie so verschiedene Etagen, die dadurch entstehen. 13:55 Wodurch das Kronendach immer relativ geschlossen bleibt. Okay. Und was könnte die Forstwirtschaft 14:01 denn aus so einem Wald lernen? Je dichter das Kronendach eines Waldes, 14:05 desto geringer sind die Maximaltemperaturen. Also in Zeiten des Klimawandels müssen wir 14:11 mehr auf die selbstregulierenden Kräfte des Waldes vertrauen. Definitiv. 14:16 Ein Wald, der sein eigenes Überleben sichern kann, lockt weitere Beschützer an. 14:22 So bewahrt ihn der Schwarzspecht vor Schädlingen. Borkenkäfer gehören zu seiner Leibspeise. 14:33 Doch es ist nicht nur der Wald, der um diese Jahreszeit seine volle Pracht zeigt. 14:39 Ende April, Anfang Mai beginnt in Norddeutschland noch ein ganz anderes Naturschauspiel, 14:45 das sich am besten aus der Luft bewundern lässt. Auf den Feldern steht der Raps in voller Blüte. 14:54 * Musik * Nach der Eiszeit ließen die zurückweichenden Gletscher 15:05 nur öde Sand- und Schotterflächen zurück. Im Laufe der Zeit bildete sich darauf 15:11 eine fruchtbare Humusschicht. Dieser Oberboden bildet die Grundlage 15:16 für unsere heutige Landwirtschaft. Nur 20 bis 30 Zentimeter dick ist die kostbare Schicht, 15:22 der wir unsere Feldfrüchte verdanken. Und unter das satte Grün der Wiesen nebenan 15:28 mischt sich Anfang Mai das strahlende Gelb des Rapses, Der wird meist zu Biodiesel oder Ölen verarbeitet. 15:37 Doch ist er nicht das einzige, was sich da unten zu Geld machen lässt. 15:42 Viel tiefer unter Norddeutschland liegt noch ein anderer Schatz verborgen. 15:47 Der stammt aus einer viel früheren Epoche. Damals war alles hier mit einem warmen salzigen Meer bedeckt. 15:58 Die Reise führt 250 Millionen Jahre zurück in die Zeit, als das Zechsteinmeer große Teile Norddeutschlands bedeckte. 16:12 Das flache Meer liegt damals am Rande einer heißen Wüste. Durch das trockene und warme Klima verdunstet viel Wasser. 16:23 So erhöht sich die Konzentration des Salzes nach und nach immer mehr. Kristalle bilden sich und sinken zu Boden. 16:33 Über Jahrmillionen entstehen so mächtige Schichten aus Steinsalz. Die werden heute in einer Tiefe von über 500 Metern abgebaut. 16:45 Werksgeologe Ingo Dressel zeigt Colin Devey die Salzlager im Bergwerk Braunschweig-Lüneburg. 16:54 Mit schweren Bohrfahrzeugen bereiten seine Kollegen die Löcher für eine Sprengung vor. 17:05 Das sind aber gigantische Hallen aus Salz. Aber Salz ist nicht gleich Salz, ne? 17:11 Nein, im Zechsteinmeer ist es als Kalisalz oder als Steinsalz ausgefallen. 17:15 Und wozu braucht man diese unterschiedlichen Salze? Das Kalisalz wird für die Düngemittelindustrie verwendet, 17:22 als Mineralstoff für unsere Felder. Und das Steinsalz nutzen wir zum einen als Speisesalz. 17:29 Aber auch in der Pharmaindustrie für Infusionslösung oder als Industriesalz für die Herstellung von Kunststoffen. 17:36 Und als Auftausalz im Winter für unsere Straßen. Wahnsinn, so viele Anwendungen. Ich sag "Glück auf", danke. 17:43 Unser Bedarf an Salz ist sehr hoch. Jährlich werden allein in Deutschland 17:51 rund 21 Mio. Tonnen Stein- und Kalisalz aus dem Untergrund herausgesprengt. 17:56 Ein Leben ohne Salz ist schier undenkbar. Es steckt in so vielen Bereichen unseres Alltags drin. 18:03 Die Steinsalzwände hier sehen fest und starr aus, aber das sind sie gar nicht. 18:08 Das enorme Gewicht der darüber liegenden Steinschichten setzt sie unter sehr hohen Druck. 18:14 Und auf lange Zeiträume fangen sie an, sich zu bewegen. Salz hält selbst dem stärksten Druck stand und fließt stets dorthin, 18:28 wo der Widerstand am geringsten ist. Mit großer Macht drängt es nach oben 18:33 und formt so seltsam anmutende Hügellandschaften, wie den Elm bei Braunschweig. 18:38 25 Kilometer lang bildet er einen knapp über 300 Meter hohen Höhenzug. Weitere vom Salz geschaffene Anhöhen sind sichtbares Erbe 18:49 einer längst vergangenen Zeit, die sich heute im Untergrund als geologische Besonderheit im Norden Deutschlands wiederfindet. 18:59 Im Flachland sind solche großen Hügel eine echte Besonderheit. Vor den Eiszeiten war der Elm sogar 200 Meter höher. 19:07 Aber dann wurde auch er von den Gletschern abgeschliffen. Ein Schicksal, das die Norddeutsche Tiefebene vereint. 19:13 Am Horizont liegt schon der Harz. Eines von mehreren Mittelgebirgen in Deutschland. 19:18 Sie haben einen gemeinsamen Ursprung: Die Bildung des Superkontinents Pangäa vor über 30 Mio. Jahren. 19:31 Damals befeuern unterirdische Strömungen die Kollision der Kontinente. 19:36 Nach und nach fügen sich alle Landmassen der Erde zum Superkontinent Pangäa zusammen. 19:42 Im Zentrum ein tropisches Meer, durchzogen von Gesteinsschollen. Sie kollidieren, werden übereinander getürmt 19:50 und vereinen sich zu Deutschland. Dabei wird auch ein gigantisches Gebirge geboren. 19:59 Die Varisziden. Das noch junge Deutschland ist ein Hochgebirgsland. 20:07 Gipfel zwischen sechs und 8000 Meter sind damals keine Seltenheit. Eine Bergwelt wie im Himalaya heute. 20:15 Dort, wo die Kontinente aufeinanderprallen, erstreckt sich das Gebirge weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. 20:23 Doch die Gebirgszüge werden schon bald durch Wind und Wetter abgetragen. 20:36 Das ehemalige Hochgebirge hat sich längst zu einer sanften Hügellandschaft gewandelt. 20:43 Die bilden unsere heutigen Mittelgebirge. Ihre Gipfel nicht höher als 500 bis 1500 Meter. 20:50 Darunter auch einer, der als Versammlungsort dunkler Mächte berühmt geworden ist: 20:58 Der Brocken im Harz. Er thront wie eine Insel über der Norddeutschen Tiefebene. 21:06 Am Nordrand liegt der "Grand Canyon" des Harzes. Ein zerklüftetes Tal mit vielen Schluchten im uralten Bergmassiv. 21:16 Hier liegt der Ursprung vieler Mythen des Brockens, als Heimat der Hexen und Teufel in der Walpurgisnacht. 21:24 Die steil aufragenden Felsen des Bodetales verdanken ihre Form der gewaltigen Kraft des Wassers. 21:30 Der Ursprung des Flusses liegt am Brocken, dem höchsten Gipfel Norddeutschlands. 21:35 Dieser Berg hütet ein feuriges Geheimnis. * Musik * 21:43 Seit Urzeiten bahnt sich das Wasser der Bode einen Weg durch die Schluchten im Harz. 21:48 Überall hat der Fluss Steine freigelegt. Doch ist es der feinkörnige Sand, der im Wasser als Sediment 21:57 flussabwärts treibt und die Granitwände, auf die er seit Jahrtausenden prallt, nach und nach aushöhlt. 22:08 Ein Biotop, in dem Vögel und Insekten zu Hause sind. Colin Deveys Weg hoch zum Brocken führt vorbei an Prachtlibellen 22:20 im Liebestanz, hin zu Prachtvillen. Allesamt erbaut mit den Steinen des Harzes. 22:30 Diese wunderschönen Häuser hinter mir bestehen aus Granit und anderen Gesteinen der Umgebung. 22:36 Die ältesten Steine stammen aus dem variszischen Gebirge. Der Granit dagegen ist jünger. 22:41 Der ist als Magma in der Gebirgsmasse aufgestiegen und dort langsam erstarrt. 22:47 Am Brocken erkennt man gut, wie Vulkane vor 295 Millionen Jahren den Harz formen. 22:54 Heißes Gestein, das sich in rund fünf Kilometern Tiefe in Magmakammern sammelt, drängt damals nach oben. 23:02 Irgendwann versiegt die Zufuhr, und das Magma erstarrt in der Tiefe zu Granit. 23:08 Wind und Wetter tun ihr Übriges und tragen über Jahrmillionen Schicht für Schicht ab. 23:14 So legt die Erosion die versteinerten Magmakammern frei, die schließlich an die Oberfläche kommen 23:19 und heute die Landschaft prägen. Eine dieser Kammern bildet vor 145 Millionen Jahren das Brockenmassiv. 23:33 Ein Berg, geboren aus der Gluthitze des Erdinneren. Davon zeugen nicht nur die Felsbrocken. 23:41 Sondern auch andere Elemente, die damals mit an die Oberfläche gelangten. 23:46 Und den Harz für lange Zeit zu einer Bergbauregion machten. Alles rings um mich herum ist Granit. 23:53 So einen gigantischen Magma-Block nennen wir Geologen Pluton. Und davon gibt es in den deutschen Mittelgebirgen einige. 24:01 In den Randbereichen dieser Plutone befinden sich einige Lagerstätten. Von Blei, Zink, Silber, Gold, aber auch ein anderes Element, 24:09 das unsere moderne Gesellschaft nachhaltig prägen sollte. Das wurde vor über 200 Jahren im Erzgebirge entdeckt. 24:18 Es wird unserem Jahrhundert den Namen geben. Um seinen Ursprung zu untersuchen, 24:23 macht sich Colin Devey auf den Weg nach Freiberg in Sachsen. Der Silberbergbau hat den Ort reich gemacht. 24:32 Vom 12. Jahrhundert an haben die Menschen fast 800 Jahre lang in Minen geschuftet, bis die Silberadern erschöpft waren. 24:40 Für das große Schloss im Herzen der Stadt hat es allemal gereicht. Doch um Silber geht es dem Geologen heute nicht. 24:48 Der Geigerzähler wird mir helfen, das Element, das ich suche, zu finden. 24:52 In einer Ausstellung, die das Erdinnere aus allen Teilen der Erde beherbergt. 25:02 Mineralien, Edelsteine und Meteoriten in allen erdenklichen Farben und Formen. 25:12 Zeugen einer faszinierenden Unterwelt, die für uns Menschen kaum zugänglich ist. 25:17 Und doch unser Leben seit Jahrhunderten prägt. Eins davon heute mehr als alle anderen. 25:28 Hier ist es. Ein relativ unscheinbares Gestein namens Pechblende. 25:35 Es enthält das Element Uran. Und das ist radioaktiv, wie der Geigerzähler beweist. 25:42 In dieser Form ist es allerdings recht ungefährlich. Aber Uran kann man nicht nur hören. 25:48 Man kann es sogar mithilfe einer UV-Lampe sichtbar machen. Die Entdeckung des Urans aus dem Erzgebirge: 26:01 Sie ist die Grundlage des Atomzeitalters. Alles beginnt, als es Martin Klaproth gelingt, 26:08 Uranoxid erstmals aus Pechblende zu isolieren. Ein weiterer Meilenstein 26:14 ist die Entdeckung von Henri Becquerel 100 Jahre später: Die natürliche Radioaktivität von Uran, 26:20 die von Pierre und Marie Curie erforscht wird. Ernest Rutherford findet heraus, dass Uranatome zerfallen 26:27 und sich chemisch wandeln. Bis aus Uran Blei wird, wandelt es sich bis zu 18 Mal 26:33 in einer zeitlich genau zu bestimmenden Abfolge. Mithilfe der Uran-Blei-Messung konnte das Alter der Erde 26:41 schließlich auf knapp 4,6 Milliarden Jahre bestimmt werden. Dieser geologische Beweis hat unser Weltbild grundlegend verändert. 26:49 Die Erde ist doch nicht in sechs Tagen entstanden. Und sie ist auch nie zur Ruhe gekommen. 26:56 Seit der Mensch vor 12.000 Jahren sesshaft wurde, verbraucht er die Ressourcen des Planeten. 27:03 Sein Bedarf an Energie nimmt stetig zu. Lange ist das gut gegangen, dank der Schätze, 27:09 die meist im Erdinneren versteckt liegen. So wie im Ruhrgebiet. 27:14 Geprägt von einem über 300 Millionen Jahre alten Sedimentgestein: Kohle. Einst entstanden aus abgestorbenen Pflanzenarten wie Farnen, Bärlappen 27:29 oder Schachtelhalmen, findet man heute nur noch selten Wälder, die an diese ferne Vergangenheit erinnern. 27:36 So wie hier in diesem Wald in der Nähe von Bochum. Auf diesem sumpfigen Untergrund direkt neben der Autobahn 27:52 wächst ein Schachtelhalmwald. Vor über 300 Mio. Jahren im Karbon 27:56 waren die Vorfahren dieser Gewächse wahrhafte Riesen. Und auch bei den Tieren herrschte Gigantismus. 28:04 Durch die ausgedehnten Wälder ist der Sauerstoffgehalt auf der Erde fast doppelt so hoch wie heute. 28:10 Insekten haben deswegen oft die vielfache Größe ihrer Nachfahren. In den tropischen Sumpfwäldern strotzen die stark vernässten 28:23 und schlammigen Böden vor Mikroorganismen. Sie zersetzen damals wie heute Blätter und umgefallene Bäume. 28:31 Abgestorbenes pflanzliches Material wurde in den Sümpfen zu Humus umgesetzt. 28:36 Und aus solcher Matsche wurde über sehr lange Zeit schließlich äußerst wertvolle Steinkohle. 28:42 Eine wichtige Voraussetzung dafür wurde von den Varisziden geschaffen. Denn das enorme Gewicht des Gebirges 28:50 lässt es immer tiefer in die Erdkruste sinken. An seinen Rändern entstehen Vertiefungen, 28:58 in denen sich Sumpfwälder bilden. Hier kommt es immer wieder zu Überschwemmungen. 29:06 Die abgestorbenen Pflanzenreste sinken zu Boden. Durch das Auf und Ab des Meeresspiegels 29:14 lagern sich weitere Schichten aus Sand und Sedimenten ab. Druck und hohe Temperaturen verwandeln das pflanzliche Material 29:22 über Jahrmillionen zunächst zu Torf, dann zu Braun- und Steinkohle. Hunderte kohleführende Schichten entstehen, 29:30 die im Ruhrgebiet bis zur Oberfläche reichen. So wie hier, im historischen Stollen der Zeche Nachtigall im Muttental. 29:46 Hier braucht Colin Devey nicht einmal einen Spaten, um Kohle zu finden. Dort, wo die Kohleschichten bis an die Erdoberfläche reichen, 29:58 befanden sich schon seit dem Mittelalter die ersten Abbauorte. Bis heute schätzen wir den hohen Brennwert der Steinkohle 30:06 und benutzen sie in der Industrie und auch bei der Stromerzeugung. Seit über 600 Jahren haben wir es nicht geschafft, 30:13 auf ihr Feuer zu verzichten. Und das, obwohl der Abbau der Steinkohle in Deutschland 30:18 schon 2018 eingestellt wurde. Die Schächte und Stollen verbleiben im Untergrund. 30:23 Und das hat Konsequenzen für die gesamte Region. Und diese Konsequenzen können zu einer ernsten Gefährdung werden. 30:31 Was man gut im stillgelegten Bergwerk in Nuttlar an der Ruhr sehen kann. Hier macht sich der Geologe für eine besondere Mission bereit. 30:46 Abtauchen in die Vergangenheit. Gleich werde ich in einem vollgelaufenen Bergwerk tauchen. 30:59 Das hört sich nicht nur ungemütlich an, das ist es auch. Zum Glück muss ich nicht alleine da rein. 31:15 Bis zu 200 Arbeiter bauten im Schichtdienst Schiefer ab. Und machten es als Dach- oder Plattenschiefer 31:22 zum Wahrzeichen einer ganzen Region. In den über 20 Kilometer langen Stollen 31:28 finden sich noch immer die Überbleibsel einer großen Bergbautradition. 31:32 Doch 1985 war diese Mine aus wirtschaftlichen Gründen am Ende. Der Strom wurde abgeschaltet. 31:40 Und damit auch die Pumpen, die das Bergwerk während des Abbaus trocken hielten. 31:47 Manche Gerätschaften sind wirklich noch gut erhalten. Es fühlt sich so an, als wären die Bergleute gerade erst weg. 31:56 Ganz schön gespenstisch hier unten. Dass hier alles unter Wasser steht hat einen simplen Grund. 32:04 Denn viele Stollen liegen unterhalb des Grundwasserspiegels, so dass fortlaufend Wasser in sie läuft. 32:10 Auf seinem Weg dorthin löst es Salze und Mineralien aus dem Gestein, die keinesfalls ins Trinkwasser gelangen dürfen. 32:17 Deshalb muss das verunreinigte Wasser in den meisten Bergwerken des Ruhrgebiets ständig abgepumpt werden. 32:26 Doch in Nuttlar besteht diese Gefahr zum Glück nicht. Deshalb hat man hier die Pumpen abgeschaltet. 32:32 Aber das ist nicht das einzige Problem. Von Zeit zu Zeit kollabieren die alten Stollen. 32:39 Durch das Gewicht der darüber liegenden Schichten. Teile des Ruhrgebiets sind in den letzten 100 Jahren 32:47 um bis zu 20 Meter abgesunken. Diese Bereiche liegen heute unter dem Grundwasserspiegel. 32:56 Ohne die Pumpen im Ruhrgebiet wäre die Existenz von fünf Millionen Menschen bedroht. 33:03 Wagen wir den Blick in eine mögliche Zukunft. Es ist das Jahr 2050. 33:12 Vor Jahren haben die Pumpen aufgehört, Wasser abzutransportieren. 33:18 Innerhalb kurzer Zeit bildet sich eine Seenlandschaft in der einst so dicht bevölkerten Region an der Ruhr. 33:29 Um ein Szenario dieser Art zu verhindern, müssen die Gebiete, die sich unter den Grundwasserspiegel abgesenkt haben, 33:36 ständig entwässert werden. 600 Pumpanlagen halten das Ruhrgebiet trocken. 33:45 Nur 150 Jahre umfasst die Geschichte des industriellen Bergbaus im Westen Deutschlands. 33:51 Und doch hat sie tiefe Spuren hinterlassen. Vom Tetraeder in Bottrop hat Colin Devey einen guten Ausblick 34:00 über die Landschaft, die einst ein Sumpfgebiet war. Und heute nur noch künstlich am Leben erhalten werden kann. 34:11 Das Pumpen gehört zu den "Ewigkeitsaufgaben" des Steinkohlebergbaus. 34:17 Es ist ein menschengemachtes Problem, das wir lösen müssen. Zumindest für die Zeit, die wir noch im Ruhrgebiet leben wollen. 34:24 In der Eifel dagegen beschäftigt man sich mit einer geologischen Gefahr aus der Tiefe. 34:29 Dafür gibt es noch keine Lösung, außer vielleicht Reißaus zu nehmen. Das schaue ich mir nun an. 34:36 Colin Deveys Wanderung dauert jetzt schon sechs Monate. Es ist Hochsommer, als er in der Eifel ankommt. 34:44 Mit ihren Maar-Seen gehört sie, geologisch gesehen, noch zum Norden Deutschlands. 34:50 Ihre Krater sind vulkanischen Ursprungs und füllen sich ausschließlich mit Regenwasser. 34:57 Die trockene Einöde nebenan im Steinbruch Emmelberg könnte kaum gegensätzlicher sein. 35:05 Ich stehe mitten in einem Vulkankegel. Hinter mir sind die Ascheschichten, die während der Eruption 35:11 nacheinander und in nur wenigen Minuten abgelagert wurden. Im Alltag ist solches vulkanische Material 35:18 fast fertiger Straßenschotter. Aber neben der Asche befinden sich in diesen Schichten 35:23 auch solche großen Brocken. Das sind Lavabomben, flüssiges Gestein, 35:28 das durch die Luft geschleudert wurde. Während des Fluges drehen sich die Lavabomben um ihre eigene Achse 35:35 und erkalten dabei. Daraus entsteht meist ein bizarres Aussehen, 35:40 das Vulkanologen spindelförmig nennen. Die ersten Eruptionen in der Westeifel 35:47 ereignen sich vor rund 700.000 Jahren. Auch in anderen Landesteilen Deutschlands brodeln und spucken 35:54 die Berge Feuer, bis vor erst 11.000 Jahren alles zur Ruhe kommt. Eine trügerische Ruhe gerade hier in der Eifel, sagen Experten. 36:09 Denn immer wieder bebt die Erde leicht. Und das ist nicht die einzige Hinterlassenschaft der Feuerberge. 36:17 Das ist ganz schön heiß und trocken geworden. Gut, dass ich meinen Sprudel dabei habe. 36:22 Die prickelnden Blasen in der Flasche haben auch was mit den Vulkanen hier zu tun. 36:28 Aus Magma tief in der Erdkruste wird Kohlendioxid freigesetzt. Das passiert entweder beim Abkühlen und Aushärten, 36:35 oder wenn es von dort unten aufsteigt. Dann verringert sich der Umgebungsdruck 36:40 und das Gas kann entweichen. Trifft das Gas dann auf Grundwasser, 36:45 kann das ganz schön erfrischend sein. Das aus Magma freigesetzte CO2 steigt durch die Erdschichten empor. 36:56 Trifft es auf eine Grundwasserschicht, verbindet es sich mit Wasser und bildet prickelnde Kohlensäure. 37:03 Auf seinem weiteren Weg nach oben löst es wertvolle Nährstoffe aus dem umliegenden Gestein, bis es schließlich in natürlichen Quellen 37:12 an der Oberfläche zu Tage tritt. Mineralwasser frisch aus der Quelle. 37:23 Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Geologie uns Menschen zugutekommen kann. 37:29 Die darin gelösten Mineralstoffe und Spurenelemente können von meinem Körper sofort verwendet werden. 37:39 Aber nicht nur wir Menschen wissen die Geologie zu schätzen. Für einige Waldbewohner hier in der Nähe 37:46 ist sie sogar richtungsweisend. Ganz neue Forschungsergebnisse weisen daraufhin, 37:51 dass der Aufstieg von Gasen auch Millionen andere Lebewesen anzieht. Im Wald trifft Colin Devey auf die Wissenschaftlerin Gabriele Berberich. 38:02 Seit Jahren erforscht sie die Nester der Ameisen und untersucht, wie ihre Standorte mit der Geologie in der Eifel in Verbindung stehen. 38:14 Gabi, was hat es mit diesen Ameisenhaufen auf sich? Wir kartieren hier die Nester der Roten Waldameise, 38:20 um mehr über die regionale Tektonik zu erfahren. Guck dich um: Wiese, Wald, Gräser. 38:26 Wo sehen wir da die Störungszonen, also kleine Risse in der Erdkruste, aus denen möglicherweise Gase aufsteigen? 38:33 Risse in der Erdkruste, das heißt, das sind kleine geologische Marker? Wir haben Bodenuntersuchungen, also Gas im Boden untersucht, 38:42 aber auch das Gas in den Nestern. Und wir konnten feststellen, dass insbesondere Kohlenstoffdioxid, 38:49 Helium und Radon in den Nestern erhöht sind. Das heißt, die Ameisen scheinen nach Gas aus der Tiefe zu suchen, 38:57 um da ihr Nest zu bauen? Ganz genau. 39:03 Wie an einer Perlenschnur aufgereiht finden sich die Nester dort, wo die Gase in den Wald austreten. 39:09 Für Gabriele Berberich sind sie wichtige Orientierungspunkte. Die Ameisen führen uns zu diesen Rissen durch ihre Nester. 39:19 Also Ameisen-Geologen, finde ich klasse. Danke schön. - Gerne, Colin. 39:24 Aus welchen Gründen die Ameisen das Gas im Boden suchen, kann Gabriele Berberich noch nicht sagen. 39:31 Doch immer dann, wenn ein Erdbeben den Gasaustritt in einer Region verschließt, bauen sich die Waldameisen einen neuen Nistplatz. 39:43 Ob sie vielleicht sogar das Kommen eines Bebens vorab wahrnehmen, konnte noch nicht festgestellt werden. 39:49 Wenn dem so wäre, könnten sie als eine Art Frühwarnsystem fungieren. Denn das Erdinnere unter der Eifel ist ständig in Bewegung. 40:01 Messungen ergeben regelmäßig, dass sich dort heiße Magmaströme sammeln. Vulkanologen sprechen vom "Eifel-Plume". 40:12 Er hebt die Oberfläche der Region mit bis zu einem Millimeter pro Jahr an. Dass die Vulkane wieder zum Leben erwachen könnten, deutet sich an. 40:27 Von Koblenz aus ließe sich das wohl gut und sicher beobachten. Colin Devey ist mittlerweile am Deutschen Eck angekommen. 40:42 In der geologischen Zeitwahrnehmung wird es wohl bald zu einem neuen Ausbruch kommen. 40:47 Aber keine Panik: Bis es für uns Menschen so weit ist, dauert es noch ein paar tausend Jahre. 40:53 Hier am Deutschen Eck erinnert ein monumentales Denkmal an die erste Vereinigung Deutschlands im Jahre 1871. 41:01 Landschaftlich gesehen ist es wohl eher der Rhein, der die Gebiete Nord- und Süddeutschlands 41:06 seit Jahrmillionen verbindet. Aber wo verläuft dazwischen die geologische Grenze? 41:15 * Musik * Es ist der südliche Rand der zentralen Mittelgebirge, 41:23 wo sich Deutschland teilt: In einen Norden und einen Süden mit ganz unterschiedlicher Geologie. 41:31 An der Grenze liegt die Metropole Frankfurt am Main. Die Stadt in der ungefähren Mitte Deutschlands 41:40 ist heute ein strategischer Verkehrsknotenpunkt. Doch verbindet sie schon seit dem frühen Mittelalter 41:49 den Norden und den Süden unserer Heimat. Colin Devey ist am Ende seiner Wanderung 41:59 durch den Norden Deutschlands angekommen. Auf dem Europaturm blickt er zurück auf seine Zeitreise 42:05 durch die dortigen Landschaften, geformt in Jahrmillionen. Von hier oben hat man einen wirklich guten Weitblick. 42:14 In diese Richtung liegt der Südrand der Mittelgebirgsschwelle, also geologisch das Ende von Norddeutschland. 42:23 Eiszeiten, urzeitliche Meere und ein gigantisches Gebirge prägen die Landschaften des Nordens. 42:29 Die Steine sind Zeugen ihrer Entstehung und das erdgeschichtliche Vermächtnis zugleich. 42:35 Wer genau hinschaut, sieht, wie eng unser eigenes Leben mit der Geologie verbunden ist. 42:43 In der anderen Richtung liegen die Ausläufer Süddeutschlands. Auch dort erzählen die Steine spannende Geschichten. 42:50 Es erwartet mich unter anderem der Geschmack der Geologie und das Rätsel, warum Steine Fahrstuhl fahren können. 42:57 Ich bin sehr gespannt, was mich im Süden erwartet. Tschüs, bis zum nächsten Mal. 43:21 Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021