Zum Inhalt springen
L

Das Video kommt von YouTube: erst beim Abspielen verbindet sich die Seite mit YouTube (Google).

Stickstoffkreislauf | EINFACH ERKLÄRT

StudioEinfach - Wissen, das Klick macht! 7:06 1.205 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 48 Zeilen
Herunterladen
  1. Hey und herzlich willkommen. Heute geht's um einen der, na ja, seltsamsten und gleichzeitig wichtigsten Kreisläufer auf unserem Planeten. Den
  2. Stickstoffkreislauf. Klingt kompliziert, ist aber super spannend, denn er ist wirklich überall um uns herum und trotzdem können wir fast nichts damit
  3. anfangen. Wie das sein kann und warum ohne ihn absolut kein Leben möglich wäre, das schauen wir uns jetzt mal genauer an. Okay, lass uns mal mit einem
  4. kleinen Rätsel anfangen. Stell dir vor, du atmest gerade in diesem Moment etwas ein. etwas, das dein Körper absolut
  5. lebensnotwendig braucht, also für deine DNA, für deine Proteine, für alles. Aber dein Körper kann es einfach nicht verwenden. Völlig nutzlos. Ziemlich
  6. verrückt, oder? Und nein, ich meine nicht den Sauerstoff. Was könnte das nur sein? Die Auflösung ist Stickstoff. Ja, wirklich. Schau dir das mal an. Die
  7. Luft, die wir atmen, besteht zu unfassbaren 78% aus Stickstoff. Das ist fast viermal so viel wie der Sauerstoff, auf den wir uns immer so konzentrieren.
  8. Und genau hier haben wir das sogenannte Stickstoffparadoxon. Wir schwimmen quasi in einem riesigen Ozean aus diesem Zeug, das wir zum Leben
  9. brauchen, aber in seiner reinen Form als Gas in der Luft können wir und die allermeisten anderen Lebewesen damit absolut nichts anfangen. Er ist da aber
  10. für uns quasi unerreichbar. Woran liegt das? Tja, an reiner Chemie. In der Atmosphäre kommt Stickstoff eigentlich immer im Doppelpack vor als N2 Molekül.
  11. Und du kannst dir das vorstellen wie zwei Legosteine, die mit dem stärksten Superkleber der Welt zusammengepappt sind. Das ist eine extrem stabile
  12. Dreifachbindung und um die zu knacken, bräuchte man eine Wahnsinnsenergie. Energie, die unser Körper einfach nicht aufbringen kann. Aber hey, die Natur
  13. wäre nicht die Natur, wenn sie dafür nicht eine absolut geniale Lösung gefunden hätte. Und die Hauptrolle in dieser ganzen Geschichte, die spielen
  14. winzig kleine unsichtbare Helfer direkt unter unseren Füßen. Ganz spezielle Bakterien. Sie sind die wahren Helden hier. Und der erste super wichtige
  15. Schritt, den dieser Helfer machen, nennt sich Stickstofffixierung. Hier kommen diese Bakterien ins Spiel. Stell sie dir vor, wie winzige Chemiefabriken, die
  16. genau das können, was wir nicht können. Sie knacken diese bombenfeste N2 Bindung und wandel den Stickstoff aus der Luft in Ammonium um. Sie machen den
  17. Stickstoff sozusagen erst verdaulich für den Rest der Natur. Diese Fixierung läuft hauptsächlich auf zwei Wegen ab. Der mit Abstand wichtigste ist der
  18. biologische Weg, also durch die Bakterien. Manche davon, die sogenannten Knölchenbakterien, leben sogar in einer perfekten WG direkt an den Wurzeln von
  19. Pflanzen. Es gibt aber auch einen, sagen wir mal, brachialeren Weg, Blitzeinschläge. Die pure Energie eines Blitzes ist so gewaltig, dass sie diese
  20. N2 Moleküle ebenfalls spalten kann. So, jetzt könnte man denken, super, Problem gelöst, der Stickstoff ist im Boden. Aber Moment, ganz so einfach ist es dann
  21. doch nicht. Das frisch produzierte Ammonium ist für viele Pflanzen in größeren Mengen sogar giftig. Die Reise des Stickstoffs, die ist also noch lange
  22. nicht zu Ende. Und jetzt kommt der nächste Schritt ins Spiel, die Nitrifikation. Das kannst du dir wie eine
  23. Staffelübergabe vorstellen. Wieder sind Bakterien am Werk, aber diesmal andere Spezialisten. Team 1 schnappt sich das giftige Ammonium und wandelt es in
  24. Nitrit um. Das ist schon mal besser, aber immer noch nicht optimal. Also kommt sofort Team 2 und wandelt das Nitrit in Nitrat um. Und Nitrat, das ist
  25. der absolute Jackpot für die Pflanzenwelt. Okay, wir haben jetzt also Nitrat im Boden, quasi den perfekten natürlichen
  26. Superdünger und von hier aus kann der Stickstoff jetzt endlich seine große Reise antreten. Rein in die Welt der Lebewesen und drauf in die
  27. Nahrungskette. Die Pflanzen saugen dieses Nitrat über ihre Wurzeln auf, fast so wie wir mit einem Strohhalm. Diesen Prozess nennt man übrigens
  28. Assimilation und erst jetzt im Inneren der Pflanze wird der Stickstoff endlich zu dem, was alle von Anfang an wollten, zum Baustein für Proteine, also für
  29. Wachstum und für die DNA, den Bauplan des Lebens. Und wie kommt der Stickstoff jetzt zu uns und anderen Tieren? Tja, ganz einfach. Wir essen ihn also über
  30. die Nahrungskette. Pflanzenfresser nehmen den Stickstoff auf, wenn sie Blätter oder Früchte fressen und Fleischfresser bekommen ihn dann, wenn
  31. sie die Pflanzenfresser fressen. So wandert der Stickstoff Stufe für Stufe nach oben. Aber wir reden ja von einem Kreislauf, der muss sich also irgendwann
  32. schließen. Was passiert denn mit dem ganzen Stickstoff, wenn Pflanzen und Tiere sterben oder na ja, mal müssen? Geht der einfach verloren? Nein,
  33. natürlich nicht. Alles geht wieder zurück in den Boden. An dieser Stelle kommt die Putzkolonne der Natur zum Einsatz. Zetzer, also wieder Bakterien
  34. und auch Pilze. Die stürzen sich auf alles, was organisch ist. abgestorbene Blätter, tote Tiere, Ausschaltungen. Und bei diesem Prozess der Ammonifikation
  35. zerlegen sie alles wieder und geben den Stickstoff als Ammonium frei. Genau, das ist wieder die Form, die wir ganz vom Anfang kennen. Und das ist der
  36. eigentliche Clue an der Sache. Dieses recycelte Ammonium kann sofort wieder für die Nitrifikation genutzt werden. Das ist eine absolut geniale Abkürzung
  37. im System. So muss nicht jeder Stickstoffbaustein super aufwendig aus der Atmosphäre geholt werden, sondern wird direkt vor Ort wieder verwendet. So
  38. und damit sich der Kreis komplett schließt, fällt jetzt nur noch ein letzter Schritt, die Denitrifikation. In ganz Sauerstoffarmen Ecken im Boden
  39. gibt es noch mal andere Bakterienspezialisten und die machen was verrücktes. Sie atmen Nitrat an Stelle von Sauerstoff. Dabei
  40. wird das Nitrat wieder in reinen gasförmigen Stickstoff, also N2, zerlegt und der steigt zurück in die Atmosphäre. Der Kreislauf ist wieder am Anfang.
  41. Okay. Puh, das war jetzt die komplette Reise des Stickstoffs. Aber warum ist das alles so unfassbar wichtig für uns? Lass uns das mal auf den Punkt bringen.
  42. Hier sehen wir noch mal die gesamte Reise auf einen Blick. aus der Luft in den Boden durch die Bakterien zu den Pflanzen, von den Pflanzen zu den Tieren
  43. und am Ende alles wieder zurück in den Boden und in die Luft. Ein absolut perfekt abgestimmtes von unzähligen Mikroorganismen am Laufen
  44. gehalten wird. Und der springende Punkt ist doch der. Dieser unsichtbare Prozess ist die Grundlage für praktisch alles Leben auf diesem Planeten. Ohne die
  45. Arbeit dieser Bakterien könnten Pflanzen nicht wachsen und ohne Pflanzen gebahrung für Tiere und für uns Menschen. Es ist wortwörtlich das
  46. Fundament unserer gesamten Existenz. Und das bringt uns zu einer letzten wirklich wichtigen Frage. Dieser Kreislauf ist ein ganz fein ausbalanciertes System.
  47. Was passiert eigentlich, wenn wir Menschen z.B. durch unsere Landwirtschaft und viel zu viel Dünger dieses perfekte Gleichgewicht stören?
  48. Eine Frage, über die es sich auf jeden Fall lohnt, mal nachzuwenken. Danke dir fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.

Zum Nachlesen