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Musik des Expressionismus
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 44 Zeilen
- Hey und herzlich willkommen. Wir reisen heute zusammen eine Klangwelt, die na ja ganz anders ist, als du es vielleicht gewohnt bist. Wir tauchen nämlich ein in
- die Musik des Expressionismus und das ist Musik voller starker roher Gefühle. Also schauen wir uns das mal genauer an. Fangen wir mal direkt mit einer Frage
- an. Muss Musik eigentlich immer schön klingen? Also so richtig harmonisch sein, damit wir sie genießen können? Tja, die Komponisten, über die wir heute
- reden, hätten da eine ganz klare Antwort drauf gegeben. Absolut nicht, denn genau darum ging es ja. Der Expressionismus war eine bewusste Entscheidung, Musik zu
- machen, die auffühlt, die einen vielleicht sogar schockiert. Sie sollte die Leute aus ihrer Komfortzone locken und sie dazu bringen, Musik mal komplett
- neu zu denken. Was ist also dieser Expressionismus in der Musik? Stell es dir am besten nicht als einen festen Stil vor, sondern eher als ein Ziel.
- Also stell dir vor, du hast einen richtig miesen Tag. Anstatt so zu tun, als wäre alles super, mal ein Bild mit total wütenden dunklen Farben. Genau das
- wollten die Komponisten mit ihren Tönen machen, die rohen ungefilterten Gefühle rauslassen, die tief in uns drin sind. Freude, klar, aber eben auch Angst, Wut
- und Verzweiflung. Es ging darum, das Innere nach außen zu kehren. Und um diese neue super emotionale Musik zu erschaffen, mussten die Komponisten was
- ziemlich radikales tun. Sie mussten mit den alten bequemen Regeln der Vergangenheit brechen. Sie wollten sich von allem befreien, was Musik irgendwie
- vorhersehbar machte. Und der Unterschied zur Musik davor, der könnte wirklich kaum größer sein. Auf der einen Seite haben wir die Musik der Romantik, oft
- wunderschön, total harmonisch und mit klaren eingängigen Melodien. Und auf der anderen Seite steht der Expressionismus. Dissonant, das heißt, die Töne reiben
- sich aneinander voller Überraschungen und mit Klängen, die manchmal absichtlich verstörend klingen sollten, einfach um diese inneren Konflikte
- darzustellen. Was war also so neu an dieser Musik? Na ja, zum einen die Dissonanz, also absichtlich schräge Töne, dann diese extremen Wechsel in der
- Lautstärke von Ohren betäubend laut zu flüsterleise in einem einzigen Augenblick. Die Melodien klangen oft auch nicht wirklich schön, weil sie eben
- die Zerrissenheit der menschlichen Seele zeigen sollten. Und die Komponisten haben auch Instrumente ganz anders oder total ungewöhnlich eingesetzt, einfach
- um neue Klangfarben zu erzeugen. Was genau ist diese Dissonanz? Stell es dir vor wie zwei Farben in einem Bild, die sich total beißen. In der Musik sind das
- Töne, die aneinander reiben und eine richtige Spannung erzeugen. Komponisten haben das gezielt genutzt, um beim Hörer ein Gefühl von Unruhe oder Anspannung
- auszulösen. Also perfekt, um innere Konflikte hörbar zu machen. N damit verbunden ist die Atonalität. Normale Musik hat ja meistens so eine Art
- Heimatonart, einen Grundton, zu dem sie immer wieder zurückfindet. Atonale Musik hat das nicht. Die ist sozusagen ohne festen Wohnsitz ständig in Bewegung
- total unvorhersehbar. Das macht sie unglaublich spannungsgeladen und ist natürlich ideal, um Gefühle wie Angst oder Verwährung auszudrücken.
- Wer waren denn jetzt die mutigen Köpfe hinter dieser musikalischen Revolution? Wir stellen euch mal die zwei wichtigsten vor, die diese neue
- Klangwelt geformt haben. Der wohl berühmteste und wichtigste Komponist des Expressionismus war Arnold Schönberg. Er war ein echter Pionier, der nicht nur
- die alten Regeln gebrochen hat, sondern gleich ein komplett neues System erfunden hat, um Musik zu organisieren. Diese Erfindung nennt sichtechnik.
- Das klingt jetzt vielleicht super kompliziert, aber die Grundidee ist eigentlich total simpel. Man nimmt einfach alle zwölf Töne, die es in
- unserer westlichen Musik gibt. Dann legt man eine feste Reihenfolge fest und diese Reihe wird dann zur Grundlage für das ganze Stück. Der entscheidende Punkt
- ist Regel Nummer 3: Kein Ton darf wiederholt werden, bevor nicht alle anderen elf einmal dran waren. Und zack, damit war die alte Idee von einer
- Heimattonart endgültig Geschichte. Ein weiterer wichtiger Komponist war Albern Berg. Er war ein Schüler von Schönberg und hat ganz ähnliche Techniken benutzt.
- Das wirklich spannende an seiner Musik ist aber, dass er diese radikal neuen Ideen mit Resten der alten romantischen Klangwelt verbunden hat. Manchmal blitzt
- in seinen atonalen Werken ganz plötzlich eine wunderschöne, traurige Melodie auf. Und so hat er eine ganz eigene, hochemotionale Mischung geschaffen, die
- irgendwie eine Brücke zwischen alt und neu gebaut hat. Aber dieser Drang, das Innere nach außen zu kehren, passierte nicht nur in der Musik. Das war kein
- reines Musikding, nein, es war Teil einer riesigen künstlerischen Bewegung, die alle Bereiche der Kunst erfasst hat. Egal, ob in der Malerei mit ihren
- verzerrten, farbintensiven Bildern, in der Literatur mit ihren oft düsteren Themen oder eben in der Musik, das Ziel war immer dasselbe, die tiefsten und
- manchmal auch die dunkelsten menschlichen Emotionen auszudrücken und zwar ohne sie zu beschönigen. Und was ist jetzt von dieser musikalischen
- Rebellion geblieben? Man könnte sagen, viel mehr als man vielleicht denkt. Diese Zeit hat die Musik nämlich für immer verändert. Schauen wir uns das mal
- auf einer Zeitachse an. Der Expressionismus war eine relativ kurze, aber extrem intensive Phase zwischen der ausklingenden Romantik und dem, was
- danach kam. Nach dem ersten Weltkrieg wollten viele wieder mehr Ordnung, was dann zum sogenannten Neoklassizismus führte. Aber die Tür zu einer völlig
- neuen Klangwelt war aufgestoßen worden und ließ sich einfach nicht mehr schließen. Und das Erbe dieser Zeit, das hören wir bis heute, ganz besonders in
- der Filmmusik. Denk mal an einen Horrorfilm oder einen Thriller. Wenn die Spannung steigt und die Musik total schrill und unheimlich wird, dann sind
- das oft genau die Dissonanzen, die die Expressionisten erfunden haben, um uns Unbehagen zu bereiten. Ohne Schönberg würde der weiße Hai wahrscheinlich nur
- halb so bedrohlich klingen. Das bringt uns zu einer letzten Frage, die du einfach mal mitnehmen kannst. Die Expressionisten wollten ja mit ihrer
- Musik das Gefühl ihrer Zeit einfangen. Wenn heute Komponistinnen und Komponisten versuchen würden, unsere Welt mit all ihren schnellen
- Veränderungen, den Konflikten und der digitalen Vernetzung in Musik zu fassen, wie würde diese Musik wohl klingen? Schön oder vielleicht auch ein bisschen
- schockierend?