Musik des Expressionismus erklaerung-und-mehr https://www.youtube.com/watch?v=I8MYL915VNk Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Hey und herzlich willkommen. Wir reisen heute zusammen eine Klangwelt, die na ja ganz anders ist, als du es vielleicht gewohnt bist. Wir tauchen nämlich ein in 0:08 die Musik des Expressionismus und das ist Musik voller starker roher Gefühle. Also schauen wir uns das mal genauer an. Fangen wir mal direkt mit einer Frage 0:18 an. Muss Musik eigentlich immer schön klingen? Also so richtig harmonisch sein, damit wir sie genießen können? Tja, die Komponisten, über die wir heute 0:27 reden, hätten da eine ganz klare Antwort drauf gegeben. Absolut nicht, denn genau darum ging es ja. Der Expressionismus war eine bewusste Entscheidung, Musik zu 0:36 machen, die auffühlt, die einen vielleicht sogar schockiert. Sie sollte die Leute aus ihrer Komfortzone locken und sie dazu bringen, Musik mal komplett 0:45 neu zu denken. Was ist also dieser Expressionismus in der Musik? Stell es dir am besten nicht als einen festen Stil vor, sondern eher als ein Ziel. 0:55 Also stell dir vor, du hast einen richtig miesen Tag. Anstatt so zu tun, als wäre alles super, mal ein Bild mit total wütenden dunklen Farben. Genau das 1:04 wollten die Komponisten mit ihren Tönen machen, die rohen ungefilterten Gefühle rauslassen, die tief in uns drin sind. Freude, klar, aber eben auch Angst, Wut 1:12 und Verzweiflung. Es ging darum, das Innere nach außen zu kehren. Und um diese neue super emotionale Musik zu erschaffen, mussten die Komponisten was 1:22 ziemlich radikales tun. Sie mussten mit den alten bequemen Regeln der Vergangenheit brechen. Sie wollten sich von allem befreien, was Musik irgendwie 1:30 vorhersehbar machte. Und der Unterschied zur Musik davor, der könnte wirklich kaum größer sein. Auf der einen Seite haben wir die Musik der Romantik, oft 1:39 wunderschön, total harmonisch und mit klaren eingängigen Melodien. Und auf der anderen Seite steht der Expressionismus. Dissonant, das heißt, die Töne reiben 1:49 sich aneinander voller Überraschungen und mit Klängen, die manchmal absichtlich verstörend klingen sollten, einfach um diese inneren Konflikte 1:56 darzustellen. Was war also so neu an dieser Musik? Na ja, zum einen die Dissonanz, also absichtlich schräge Töne, dann diese extremen Wechsel in der 2:07 Lautstärke von Ohren betäubend laut zu flüsterleise in einem einzigen Augenblick. Die Melodien klangen oft auch nicht wirklich schön, weil sie eben 2:16 die Zerrissenheit der menschlichen Seele zeigen sollten. Und die Komponisten haben auch Instrumente ganz anders oder total ungewöhnlich eingesetzt, einfach 2:24 um neue Klangfarben zu erzeugen. Was genau ist diese Dissonanz? Stell es dir vor wie zwei Farben in einem Bild, die sich total beißen. In der Musik sind das 2:33 Töne, die aneinander reiben und eine richtige Spannung erzeugen. Komponisten haben das gezielt genutzt, um beim Hörer ein Gefühl von Unruhe oder Anspannung 2:41 auszulösen. Also perfekt, um innere Konflikte hörbar zu machen. N damit verbunden ist die Atonalität. Normale Musik hat ja meistens so eine Art 2:50 Heimatonart, einen Grundton, zu dem sie immer wieder zurückfindet. Atonale Musik hat das nicht. Die ist sozusagen ohne festen Wohnsitz ständig in Bewegung 2:58 total unvorhersehbar. Das macht sie unglaublich spannungsgeladen und ist natürlich ideal, um Gefühle wie Angst oder Verwährung auszudrücken. 3:06 Wer waren denn jetzt die mutigen Köpfe hinter dieser musikalischen Revolution? Wir stellen euch mal die zwei wichtigsten vor, die diese neue 3:14 Klangwelt geformt haben. Der wohl berühmteste und wichtigste Komponist des Expressionismus war Arnold Schönberg. Er war ein echter Pionier, der nicht nur 3:23 die alten Regeln gebrochen hat, sondern gleich ein komplett neues System erfunden hat, um Musik zu organisieren. Diese Erfindung nennt sichtechnik. 3:32 Das klingt jetzt vielleicht super kompliziert, aber die Grundidee ist eigentlich total simpel. Man nimmt einfach alle zwölf Töne, die es in 3:40 unserer westlichen Musik gibt. Dann legt man eine feste Reihenfolge fest und diese Reihe wird dann zur Grundlage für das ganze Stück. Der entscheidende Punkt 3:49 ist Regel Nummer 3: Kein Ton darf wiederholt werden, bevor nicht alle anderen elf einmal dran waren. Und zack, damit war die alte Idee von einer 3:58 Heimattonart endgültig Geschichte. Ein weiterer wichtiger Komponist war Albern Berg. Er war ein Schüler von Schönberg und hat ganz ähnliche Techniken benutzt. 4:08 Das wirklich spannende an seiner Musik ist aber, dass er diese radikal neuen Ideen mit Resten der alten romantischen Klangwelt verbunden hat. Manchmal blitzt 4:16 in seinen atonalen Werken ganz plötzlich eine wunderschöne, traurige Melodie auf. Und so hat er eine ganz eigene, hochemotionale Mischung geschaffen, die 4:25 irgendwie eine Brücke zwischen alt und neu gebaut hat. Aber dieser Drang, das Innere nach außen zu kehren, passierte nicht nur in der Musik. Das war kein 4:35 reines Musikding, nein, es war Teil einer riesigen künstlerischen Bewegung, die alle Bereiche der Kunst erfasst hat. Egal, ob in der Malerei mit ihren 4:45 verzerrten, farbintensiven Bildern, in der Literatur mit ihren oft düsteren Themen oder eben in der Musik, das Ziel war immer dasselbe, die tiefsten und 4:54 manchmal auch die dunkelsten menschlichen Emotionen auszudrücken und zwar ohne sie zu beschönigen. Und was ist jetzt von dieser musikalischen 5:02 Rebellion geblieben? Man könnte sagen, viel mehr als man vielleicht denkt. Diese Zeit hat die Musik nämlich für immer verändert. Schauen wir uns das mal 5:12 auf einer Zeitachse an. Der Expressionismus war eine relativ kurze, aber extrem intensive Phase zwischen der ausklingenden Romantik und dem, was 5:21 danach kam. Nach dem ersten Weltkrieg wollten viele wieder mehr Ordnung, was dann zum sogenannten Neoklassizismus führte. Aber die Tür zu einer völlig 5:30 neuen Klangwelt war aufgestoßen worden und ließ sich einfach nicht mehr schließen. Und das Erbe dieser Zeit, das hören wir bis heute, ganz besonders in 5:38 der Filmmusik. Denk mal an einen Horrorfilm oder einen Thriller. Wenn die Spannung steigt und die Musik total schrill und unheimlich wird, dann sind 5:47 das oft genau die Dissonanzen, die die Expressionisten erfunden haben, um uns Unbehagen zu bereiten. Ohne Schönberg würde der weiße Hai wahrscheinlich nur 5:56 halb so bedrohlich klingen. Das bringt uns zu einer letzten Frage, die du einfach mal mitnehmen kannst. Die Expressionisten wollten ja mit ihrer 6:04 Musik das Gefühl ihrer Zeit einfangen. Wenn heute Komponistinnen und Komponisten versuchen würden, unsere Welt mit all ihren schnellen 6:12 Veränderungen, den Konflikten und der digitalen Vernetzung in Musik zu fassen, wie würde diese Musik wohl klingen? Schön oder vielleicht auch ein bisschen 6:19 schockierend?