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Leben des Galilei to go & #MeinSenf (Brecht in10,5 Minuten)
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 129 Zeilen
- [applaus] Also grüß Gott. Ja, mein Name ist Brecht. Ich komme aus Augsburg und muss
- soll möchte folgende Erklärung zu meinem epischen Stück Leben des Galilei. Muss ich wirklich? Nein, Bert, du kannst auch
- sofort wieder nach unten. Aber es ist doch nur mal hauptsächlich Kirchenkritik und Wissenschaftskritik. Ja, aber jetzt
- sehen wir es uns doch noch mal an, aber sehr gerne. Mit dabei sind der große Wissenschaftler Galileo Galilei, der
- gerne istst, trinkt und recht hat. Seine Haushälterin ist Frau Sarti mit einer sehr pragmatischen Ader und einem Sohn
- namens Andrea. Ja, das ist in Italien ein Jungsname. Er ist Galileos Schüler und es gibt ihn später noch in Groß.
- Virginia ist Galileos Tochter, die leider eher an Fashion als an Physik interessiert ist. Ludovico ist reich und
- später ihr Verlobter. Und dann gibt's noch Freunde von Galilei und mehr oder weniger Geistliche. Darunter der kleine
- Mönch, den müssten Sie sich bitte noch ein bisschen kürzer vorstellen. Kardinal Barberini oder der Inquisitor. Ja, ich
- habe mein Stück 1939 im dänischen Exil geschrieben und es gibt auch ein paar Lieder mit Musik von
- Hans Eisler. Ja, vielen Dank Herr Brecht. Los geht's. 1609 in Padua, was damals zur Republik Venedig gehört.
- Galilei übt gerade Erdrehung mit Andrea. Das schneit Ludovico rein, sagt: "Bongiorno, Dotore, Bongiorno, ich hätte
- gern Privatunterricht, das macht 10 Scoodie im Monat. Haben Sie Hobbys? Pferde, dann macht's 15 im Monat." Okay,
- sagen Sie, kennen Sie diese komischen Linsenrohre hier aus Holland, die vergrößern alles. Und er so:
- "Interessant. Andrea, hol mir mal so Linsen." Und sie kommen am Dienstag wieder. Okay. Hallo. Hallo, Herr
- Unikurator. Ich brauche mehr Gehalt. Ja, aber nee, Sie forschen ja immer nur so. Bauen Sie doch mal was praktisches.
- Okay. Und so kommt es wenig später zu einem großen Event in Venedig, wo der große Wissenschaftler eine bahnbrechende
- Erfindung präsentiert. Tada, mit diesem total neuen, total coolen Gerät ist Venedig wieder ganz vorne mit dabei.
- Wenn man durchguckt, sieht man alles ganz nah. Deshalb nenne ich es Fernrohr. Und alle so bravo, sie bekommen mehr
- Gehalt. Und Ludovico so ich gratuliere ganz herzlich, ich habe es verbessert, aber natürlich Iris ist rot, das in
- Holland war grün. Und Ludovico scheint sehr viel gefallen an Virginia zu finden. Natürlich benutzt Galileo das
- Fernrohr gleich wieder für irgendwelche perversen wissenschaftlichen Zwecke. Er richtet es auf den Nachthimmel und
- schaut mit seinem Kumpel Sagredo die Sterne an. Also, wir stellen fest, der Mond hat Berge wie die Erde und ist nur
- ein dunkles Ding unter vielen. Da platzt der Unikurator rein und sagt: "Äh, du Tode, die Holländer importieren ganz
- billige Dumpingfernrohre." Das ist ja wirklich enttäuschend. Mich ekelt diese Welt an. Weg ist der Kurator und Sakredo
- sagt, aber wenn überall Sterne sind, dann hatte Kopernikus doch recht. Und wo ist Gott? Ja, das ist mir doch also in
- uns oder nirgends. Ich glaube, ich gehe nach Florenz. Spinnst du? Da sind überall Priester, die verbrennenfor
- Forscher. Das ist ein Fürstenhof. Deshalb gehe ich ja hin. Also nicht wegen Verbrennen, sondern da gibt's mehr
- Zeit und Geld zum Forschen. Und geschickt wie er ist, benennt er gleich mal ein paar frisch entdeckte Sterne
- nach den Medici, die in Florenz das sagen haben. Dann zieht er um und sein neues Arbeitszimmer ist ein bisschen
- schicker und wird gleich von Herzog Cosmo von Florenz beehrt, der allerdings erst neun ist. Ist das das Rohr? Finger
- weg. Und er so: "Hoheit, schön, dass ihr mich besucht und schön, dass ihr eure Gelehrten mitgebracht habt." Und zu
- denen sagte: "So, meine Herren, werft mal einen Blick durch das Fernrohr und das kopernikanische Weltbild ist
- bewiesen." Und die so: "Ja, aber nee, das ist laut Aristoteles unmöglich." Ja, gucken Sie doch einfach mal durch. Und
- wozu sollen diese neuen Sterne gut sein? Gucken Sie doch einfach mal durch. Nee, der der Herzog muss jetzt auch wieder
- zum Ball und da sind sie auch schon wieder weg. [stöhnen] Dann bricht die Pest aus.
- Andrea Virginia, Frau Sati, packt ganz schnell eure Sachen. Der Herzog hat uns eine letzte Kutsche geschickt. Wir
- müssen weg. Und die packen ganz schnell ihre Sachen. Der einzige, der nicht packt, ist eher, weil er sich nicht von
- seiner Forschung losreisen kann. Ich weiß gar nicht, was ich mitnehmen soll. Und dann sind sie weg. Er ist
- zurückgeblieben mit Frau Sati. Frau Sati, wo ist sie denn? Andrea springt irgendwann aus der Kutsche, läuft zurück
- und sagt: "Mama, Mama, deine Mutti ist bei den Osulinerinnen im Kloster im Krankenhaus." Ja, die ist total krank.
- Sie haben mich nicht zu ihr gelassen und pädagogisch geschickt äh wie ist sagt Galileo äh hilf mir mal beim Forschen.
- Ein paar Jahre später hat man Galilei nach Rom zitiert, weil er immer wieder so unverschämt war zu beweisen, dass die
- Erde sich um die Sonne dreht und äh die Geistlichen machen sich schon ziemlich über ih lustig. Haha, mir ist schon ganz
- schwindlig von der Erdrehung, pass auf, dass du nicht runterfällst. und so ein alter Kardinal. Es ist eine
- Unverschämtheit, den Menschen aus dem Zentrum der Schöpfung rauszureißen, bis irgendwann der päsliche Chefastronom
- Clavius um die Ecke kommt, der alles überprüft hat und sagt: "Es stimmt, die Vernunft hat gesiegt." Am Abend ist
- Ball bei Kardinal Belarin Galileo ist jetzt so hipp und bekannt, dass seine Tochter überhaupt nicht mehr beim
- Friseur warten muss und intensiv mit Ludovico flirtet. Da kommen zwei Kardinäle. Ja, die sehen jetzt nicht
- immer so aus, ne? Ist ja ein Maskenball und sagen: "Ah, Galilei, wir haben heute im Vatikan beschlossen, dass die Erde
- trotzdem das Zentrum der Welt ist und der Kopernikus kommt auf den Index. Wie bitte? Und und die Tatsachen." Ja, wir
- können uns nicht immer mit solchen Kleinigkeiten aufhalten. Sie können auch ruhig weiterschreiben, aber immer hübsch
- theoretisch, gell? Ach, Menno. Und der Inquisitor sucht dann noch mal das Gespräch mit Virginia und sagt: "Meine
- Tochter Eminenz, herzlichen Glückwunsch zur offensichtlich bald bevorstehenden Hochzeit. Danke, Eminenz. Immer schön
- auf den Papa aufpassen, gell? Und wer war noch mal dein Beichtvater? In Rom lernt Galileo auch einen Kritiker
- kennen, nämlich den kleinen Mönch, der zu ihm kommt und sagt hier: "Sorry, Dortore, ich bin auch
- Naturwissenschaftler, ne? Ich verstehe das, aber wir können doch den Leuten nicht den Sinn des Lebens wegnehmen.
- Sonst fragen die sich doch, wenn das Universum keine Ordnung hat, wieso soll ich mich für irgendwelche Fürsten kaputt
- arbeiten oder abschießen lassen? Es geht immer nur um Geld und Macht. Mich wollen sie auch kaufen, aber ich muss die
- Wahrheit halt sagen. Hier lies das mal. Und er so: "Was ist denn das?" Und beißt sofort an den Köder an. Das ist
- Wissenschaft. Und schon hat er Blut gelckt. 8 Jahre lang hält Galilei Klappe und forscht so leise vor sich hin. Da
- kommen verschiedene Leute zu Besuch, unter anderem auch Ludo Vico und Virginia. So, wir sind ja immer noch nur
- Verlobt, ne? Aber jetzt werden wir heiraten. Ich bin so aufgeregt. Und er sagt: "Hallo Dortore, es gibt bald einen
- neuen Papst Kardinal Barberini. Der alte legt im Sterben. Was? Barberini, das ist doch der Naturwissenschaftler. Dann
- fangen wir sofort an, die Sonnenflecken zu erforschen. Das würde ich nicht machen, denn da hat meine Mutti was
- dagegen. Ach, weil ihre Bauern in der Kampagne sonsten Aufstand machen oder was? Z.B. und weil das sonst nichts wird
- mit Virginia und mir. So, na dann tschüss und dann geht er und sie so Ludo Vico. Und sie fällt in Ohnmacht. Galilei
- hingegen staubt das Teleskop ab, fängt an die Sonnenflecken zu erforschen und dann schreibt er niederträchtigerweise
- ein Buch darüber auf Italienisch, statt auf Latein, wie es sich gehört. Dieser hinterhältige Schachzug führt dazu, dass
- die Vorfahren von Harald Lesch auf jedem Jahrmarkt in Italien qualitativ hochwertiges Infotainment betreiben. Die
- himmlische Ordnung ist nur noch zum Lachen. Ihr braucht nicht für andere den Buckel krumm machen. Das findet nicht
- nur der Vatikan doof, sondern es erzeugt generell so eine rebellische Stimmung und irgendwann sagt sogar Cosmo, der
- Herzog von Florenz, sein Landesher zu Galileo. Sorry, Dotore, die Inquisition lädt sie dringend nach Rom zu einer
- Party ein. Sie sind der Ehrengast, ich kann sie nicht länger beschützen. Und der so schluck dabei ist der neue Papst
- eigentlich kein Feind der Wissenschaften. Ja, kann man nicht sagen. Der hat doch eigentlich recht.
- Glücklicherweise wird er von so weisen Beratern wie dem Inquisitor umgeben und ihr sagt: "Ja, aber er hat auf
- Italienisch veröffentlicht, das ist schlechter Geschmack, aber äh die Kaufleute brauchen seine Sternkarten. In
- seinem Buch ist die Kirche dumm." Und er so, also gut, dann mach halt, aber nur die Instrumente zeigen. Und nun wird
- Galileo tatsächlich von der Inquisition verhört. Die Kirche hat angekündigt, dass er wieder wird und dass dann
- pünktlich um 17 Uhr die große Glocke geläutet wird. Seine Freunde warten auf ihn. Das ist jetzt Andrea in groß und es
- ist 17 Uhr. Er hat nicht wieder rufen. Ich habe es gewusst. Er wiersteht. Da schlägt [musik] die große Glocke und sie
- so nein. Und dann bringen sie Galileo rein. Seine Freunde sind richtig enttäuscht von ihm. Er hingegen ist
- total mitgenommen von diesem Verhör. Und Andrea sagt dann so: "Verräter, unglücklich das Land, das keine Helden
- hat." Nee, unglücklich das Land, das Helden nötig hat. Na ja, und dann bleibt er für den Rest seines Lebens Gefangener
- der Inquisition und Virginia, die er ja sehr enttäuscht hat, recht sich offensichtlich an ihm, indem sie immer
- schön auf sein Seelenheil aufpasst und sagt: "So: "Papa, jetzt diktiere mir doch noch mal einen Brief an den
- Erzbischof." Sie schreibt und er diktiert. Ich Okay, Eminenz, ich freue mich immer,
- wenn die Kirche beweist, dass die geistig Armen selig sind. Da kommt Andrea vorbei, der seinen ehemaligen
- Mentor mittlerweile überhaupt nicht mehr gut leiden kann. Ja, ich bin auch nur auf der Durchreise nach Holland, um frei
- zu forschen. Wie geht's? Gut. Und sonst? Geh mal in die Küche, Virginia. Ach, Meno, also das Ich habe die Discorsie zu
- Ende geschrieben, was allerdings und sogar eine geheime Kopie angefertigt. Gott sei Dank, ich wusste, dass du nur
- so getan hast, als ob du dich unterwirfst, aber in Wahrheit. Nee, ich hatte einfach Angst vor der Folter. Das
- Manuskript kannst du mitnehmen und veröffentlichen. Der Sinn der Wissenschaft ist das Zweifeln. Ich habe
- die Wissenschaft zwar verraten, das gebe ich zu, aber immerhin ein paar Spuren hinterlassen. Tschüss. Und in der
- letzten Szene sehen wir, wie Andrea das Manuskript aus Italien rausschmuggelt und nebenbei noch ein bisschen gegen die
- Diskriminierung von Hexen ankämpft. Wir stehen erst am Beginn. Ende. Jetzt habe ich eine Idee. Wie wäre es denn, wenn
- ich sage, mein Stück kritisiert nicht nur die Kirche damals oder die Wissenschaft heute, wenn sie
- verantwortungslos wird, sie Atombombe, sondern kurze Phrasen statt kritischem und komplexem Denken, sowas wie America
- first. Ja. Oder Ausländer raus, ist doch unsozialistisch und unchristlich. Ich glaube, Bertholdt, das ist der Beginn
- einer wunderbaren Freundschaft. Und das, liebe Gemeinde, war Leben des Galilei von Berthold Brecht.
- Vielen Dank. Ich [applaus] mag Theaterstücke, die sich mit
- historischen Themen beschäftigen. Und obwohl ich nicht der größte Brechtfan ever bin, würde ich sagen, in dieser
- Disziplin gehört lebendes Galilei zu den Top Five der deutschen Literatur. Brecht wählt Situationen aus dem Leben
- von Galileo Galilei, in denen deutlich wird, was die Produktionsbedingungen von Wissenschaft sind. Galileo braucht Geld,
- braucht Freiheit, braucht Sicherheit, um forschen zu können. Venedig bietet zunächst mehr Freiheit, Florenz dann
- mehr materielle Sicherheit. Aber hier lernt Galileo, dass er den Einfluss und damit die Gefahr der Kirche auf seine
- Forschung unterschätzt hat. In all den Stationen, die Brecht uns zeigt, präsentierte uns einziertes Bild.
- Die Kirche ist keineswegs durch und durch konservativ. Sie spricht mit vielen Stimmen. Ebenso sind Ludo als
- Repräsentant der Oberschicht und Galileo als Forscher gemischte Charaktere. Es geht Brecht also eher um die Darstellung
- von Komplexität und Widersprüchen als um grobe Vereinfachung. Bert Brecht steht wie kein zweiter
- Theatermacher des 20. Jahrhunderts für seine Methode, das epische Theater. Und dochen lassen sich in Leben des
- Galilei nicht so wahnsinnig viele Spuren davon finden. Wie ist es mit dem Verfremdungseffekt, der
- Illusionsdurchbrechung? [schnauben] Es gibt Texteinblendungen und Lieder zwischen den Szenen, aber
- weder direkte Ansprache ans Publikum noch viele Unterbrechungen. Im Gegenteil, Galilei ist immer wieder eine
- Identifikationsfigur. Die Szenen sind sehr emotional. Wir tauchen in die Handlung ein. Es werden
- zwar politische Zusammenhänge aufgezeigt, aber dabei werden die realistischen Situationen nicht
- verlassen. Ich finde, hier zeigt sich Brechtsqualität. Er muss seine Methode nicht auf Biegen und Brechen in jedem
- seiner Stücke anwenden. Hier macht er es anders und das ist auch gut so. Es gibt ja dieses bekannte andere
- deutsche Theaterstück, in dem es angeblich um einen Gelehrten geht, aber in Götes Faust erfahren wir so gut wie
- nichts über die Lebenswirklichkeit eines Forschenden. Darum geht's Gote nicht. Das ist bei Brecht anders. Dadurch, dass
- das Stück konkret bei Galileis Problemen bleibt, wird uns anhand der historischen Verhältnisse unsere heutige Situation
- klarer. Wissenschaft, Freiheit, Geld, Macht, Verantwortung. Diese Phänomene stehen in jeder Zeit in einem bestimmten
- Kräfteverhältnis zueinander. In unserer Zeit hat sich der Schwerpunkt klar zum Geld verschoben und es ist unsere
- gesellschaftliche Aufgabe Macht und Machbarkeit mit Verantwortung zu koppeln.
- [schnauben] So viiel zu Leben des Galilei. Wenn euch das Video gefallen hat, dann liked es, teilt es, abonniert
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- euch gut gehen und lest was Schönes. Tschüss. [musik]
Zum Nachlesen
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