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Wer glaubt, wird selig - Leben und Ausstieg im christlichen Fundamentalismus (Doku)
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 252 Zeilen
- [Musik] Ich bin ja zu einer Marionette erzogen worden.
- [Musik] Dieses Schwarz-Weißbild, das hat mich ständig [Musik]
- begleitet. Ich glaube, dass die Angst vor der Hölle meinen Glauben extrem angetrieben hat.
- [Musik] [Musik] Gott, wir glauben, dass das Wort Gottes,
- die Bibel, die absolute Wahrheit ist. [Musik] Der Glaube ist das Wichtigste in meinem Leben.
- [Musik] Gott
- [Musik] Es gab schöne Momente, aber ich muss ganz ehrlich
- sagen, dass die evangelikale Erziehung mich kaputt gemacht
- hat. Ich glaube an Gott, aber Gott braucht kein System. Gott braucht keine Religion. Gott braucht auch kein
- [Musik] Kirchensystem. Ich bin in sogenannten evangelikalen Kreisen groß geworden. Dort habe
- ich eine religiöse Indoktrination erhalten. Das Walte Gott Vater, Sohn und Heilige Geist.
- Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen geliebten Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast.
- sei mit allen Stunden dieses Tages. Ich habe als Kind ähm die Bibel schon gelesen und kannte alle Geschichten bis ins kleinste Detail.
- Was mich unterschieden hat am meisten von anderen Kindern war, war das Leben in den zwei Komponenten Angst und dann auch B etwas Besseres zu
- sein als als meine Mitschüler, weil ich habe es ja, die anderen haben es [Musik]
- nicht. Was bedeutet? Wir wurden schon darauf getrimmt, dass ihr alle anderen Kinder in die Hölle kommen. Es sei denn, wir schaffen es, dass die in die
- Kinderstunde kommen. Der Fundamentalismus ist ein Teil des Christentums, ein kleiner Teil
- des Christentums. Wir können unterscheiden, wenn wir uns das christliche Feld angucken. Wir haben Katholizismus und wir haben den
- Protestantismus. In beiden Teilen, katholisch und Protestantisch, haben wir konservative Gruppen. Und in diesen konservativen
- Teilen jeweils haben wir noch kleine Segmente, die fundamentalistisch sind. [Musik] Hey, liebe Lein. Oh, du hast dich aber
- schick gemacht. Ab. Meine Schwester ist die einzige, mit der ich aus meiner Familie sehr intensiv Kontakt habe.
- Damals in innerhalb meiner Familie und der Gemeinde war sie irgendwo ein Vorbild für mich, weil sie schon immer so was
- rebellisches an sich hatte. Gemeinde, in der ich groß geworden bin, war eine sehr bibeltreue
- Gemeinde. Ich würde sie als sehr streng bezeichnen, weil wir sehr viele Regeln hatten. Hier willst du was? Da ist zum Kaffee.
- Ja, sehr gerne. Ja, aber ja, wir können noch gerne spazieren gehen. Es regnet nicht. Wir mussten Rücke oder Kleider tragen,
- die bis über die Knie gehen. Wir durften unsere Haare nicht schneiden. Wir durften sie aber auch nicht offen tragen. Das heißt äh geflochtene Zöpfe.
- Wir durften keinen Schmuck tragen. Radio Fernseh auch nicht. Also ich bin ohne Fernsehen groß geworden. Hochzeit über da wird man ja immer
- wieder oben eine Kantine ist auch toll Bestrafungen gab es, wenn wir uns nicht an Regeln gehalten haben, also wenn wir Dinge gemacht haben, die verboten waren.
- Allerdings ähm wurden wir halt ziemlich gut da drin, Dinge heimlich zu machen. Ich meine, was das rebellisch Sein angeht, hast du mich ja schon arg
- inspiriert damals. Z.B. wenn du zur Schule gefahren bist, ne? Ja. Ja, wir hatten ja, stimmt, ja, wir mussten ja Röcke tragen und äh durften uns nicht
- schminken und so. Ja, dann habe ich halt heimlich immer die Hose unter meinem Rock angehabt und dann im im Gebüsch mein Rock ausgezogen, bin ich mit der
- Hose weitergegangen. Ja. Ja. Eine einige Hosen von mir mussten dran glauben. Die hat Papa dann
- wirklich mit dem Messer zerschnitten, damit du die bloß so nicht mehr anziehen kannst. Ja. Ja,
- die Bibel spielt eine ganz zentrale Rolle. Also, sie ist die Glaubensgrundlage im christlichen Fundamentalismus. Sie ist ja das
- Fundament des Christentums. Daher kommt ja schon dieser Begriff. Und es wird immer wieder auf die Bibel zurückgegriffen in allen möglichen
- Erklärungen dafür, warum der eigene Glaube der Richtige ist, weil er in der Bibel steht, weil Gott es gesagt hat. [Musik]
- Ich bin als sechstes Kind geboren worden, ähm und habe dann noch vier kleine Geschwister bekommen. Das heißt waren zu
- [Musik] zehnt. wenn meine Eltern dann abends mit uns in der Bibel gelesen haben, dann war also haben die uns natürlich auch
- manchmal so ein paar Sachen erklärt und es war halt einfach klar, dass ähm das was da steht, das ist so auch passiert. Das war einfach wie so eine
- das war einfach so so eine Wahrheit. Die hat auch niemanden Frage gestellt oder so.
- Aber man weiß als Kind ja nicht, dass es eine andere Realität geben könnte. Also ich hatte ja keinen Vergleich. Ich dachte eben, das wäre
- normal. In meinem Alter gab es diese Poiealben, die man dann in der Klasse rumgegeben hat und dann durfte jeder irgendwie so ein kleines Gedichtchen
- reinschreiben und wir mussten immer Bibelverse reinschreiben. Also das es war auch wirklich so. Meine Mutter hat sich neben uns gesetzt und hat uns
- gezeigt, was wir abschreiben sollen. Ich finde es immer interessant, diese Fotos anzugucken, weil ich auf den
- meisten Bildern total ausgelassen und fröhlich wäre, trotz allem, obwohl ich auch weiß, dass ich ähm da sehr drunter gelitten habe und ähm das auch bis heute
- irgendwie noch in mir wirkt. Und trotzdem sind das so Fotos, wo ich irgendwie spiele und mich freue oder auch mit meinen Geschwistern irgendwie
- interagiere. Ich glaube, ich war als Kind nur Angst getrieben. Also, ich kann es echt nicht anders sagen, weil ähm meine Mutter ist psychisch krank und war
- wie so eine Haustürnin. Also, es war wirklich so, dass man morgens als erstes geguckt hat, wie ist die Stimmung? Das gehör, also ich glaube, das gehörte
- einfach für sie, dass man Kinder auch schlägt, wenn sie nicht gehorchen. Es steht ja auch in der Bibel, wer seinen Sohn liebt, züchtigt
- ihnen. Mit dieser Zucht äh war einfach auch dann Schläge mit gemeint. Der Stock äh war in der Küche auf dem Küchenschrank und ähm ähm meine Mutter
- sagte, war mal bis dein Vater von der Arbeit kommt. Als ich Kind war, wurde ich mit dem Gürtel geschlagen. Ähm irgendwann hat mein Vater dann gemerkt,
- dass es ähm von der Polizei her Konsequenzen geben kann. Ich habe einmal auch so eine verpasst bekommen, dass ich zum Arzt
- musste und dass das dann gedeckelt worden ist. Sag zu deinem Arzt, hat meine Mutter gesagt, dass du gefallen bist, aber ich bin nicht
- gefallen, sondern mein Vater hat mich mit dem Knie ins Stebein gerunzt. Ich war so eine Träumerin. Ich habe mir oft eine Welt erträumt,
- ähm, die mir schöner gefallen hat. Ich glaube, ich habe mir auch sehr oft gewünscht, andere Eltern zu haben. Wenn ich jetzt hier in dieser Wohnung
- bin und bestimmte äh Tür, wenn ich höre auf dem Flur, wenn Türen ins Schloss fallen dann zucke ich zusammen und dann denke, oh,
- mein Vater kommt von der Arbeit. Ich glaube, die haben sich nicht da dabei gedacht, dass es irgendwie
- negative Konsequenzen haben würde für deren Kinder. Ja. [Musik]
- Das größte Ziel in unserer Gemeinde ist es, bibeltreu zu leben. Danke, Christian. Und da gibt's nichts, was da drüber kommt. Ja, das was in der
- Bibel steht, ist absolute Richtschnur für unser Leben. So, wir sehen uns vorigen Christian, ne? Wenn ich bibeltreu bin, dann habe ich
- die Bibel als Maßstab für mein Leben. Wenn ich Fundamentalist bin, dann habe ich die Bibel als Maßstab für mein Leben. Und beides ist für mich, denke
- ich mal, zutreffend. Nee, aber wir haben gedacht, wir haben gedacht, dass Kannst du das irgendwie seitlich oder so oder da drauf?
- Da gibt sicherlich Gemeinden, die es anders halten, äh die viel liberaler sein wollen und offener für alles und jeder darf alles machen. Das möchten wir
- so nicht. sondern für uns ist das Wort Gottes maßgebend und was da drin steht, da möchten wir uns dran [Musik]
- halten. Es ist ganz wichtig zu betonen, dass in fundamentalistischen Kreisen eine absolute Überzeugung herrscht. Mein Glaube ist der richtige Glaube. Mein
- Glaube führt zur Erlösung zum Seelenheil. Da ist wenig Raum für Zweifel, wenig bis gar kein Raum für Zweifel. Das ist natürlich auch ähm
- etwas, worin sich Fundamentalisten unterscheiden von, jetzt sagen wir mal, erfangelischen Landeskirchen oder gemäßigteren Freikirchen oder so, in
- denen es durchaus legitim ist, sich mit Zweifeln auseinanderzusetzen. Wenn mir jemand sagt, man kann der Bibel nicht voll vertrauen, man kann nicht
- alles glauben, dann muss ich da wieder sprechen. Für mich ist die Bibel von er Mose 1 bis Offenbarung 22 Gottes Wort. Woher kommt diese Erde? Woher kommt das
- Wasser? Woher kommt die Luft? Woher kommen die Lebewesen? Wie soll das alles passieren? auf einem völlig sterilen Stein. Da ist irgendwo ein Bauplan des
- allmächtigen Gottes dahinter und darauf vertraue ich. Wenn die Bibel äh von einer Schöpfungsgeschichte spricht, dann haben
- die Wissenschaftler ein Problem. Ich habe jetzt nur das Neue Testament dabei. Das habe ich mit 60 Jahren bekommen von meinen Söhnen und da haben
- sie auf jeder Seite eine Seite Bibeltext und eine Seite Schreibrand und so sehen die aus. Das ist jetzt also der Bibeltext und das sind meine Notizen,
- die ich dann für irgendeine Predigt oder was mit dazu genommen habe. Das ist das Wichtigste in unserem Leben. Oftmals ist ja die Rede von einer
- wortwörtlichen Auslegung der Bibel, das finde ich immer ein bisschen problematisch, weil die Bibel ja ein Dokument ist, ähm eine
- Schriftensammlung, die 2000 plus Jahre alt ist und wir interpretieren sie immer, egal wie unsere Einstellung ist durch eine heutige Perspektive.
- Oh Gott, jetzt kommt gleich das scheiß ein scheiß kratzen. Oh nein. Oh
- nee. Also ich selber habe mich von Anfang an schon zu Männern hingezogen gefühlt. Ich habe das verdrängt,
- versucht zu vergessen, was natürlich nicht funktioniert, weil es immer wieder hochkam und dann natürlich der Kampf
- gegen die inneren Dämonen. Das war ja vom Teufel. Ich wollte unbedingt heterosexuell
- sein. Unbedingt. Ging aber nicht. Das ging aber nicht.
- Ich habe ein Doppelleben geführt. Den ersten homosexuellen Freund, den ich hatte, war in der Jugendgruppe von den Evangelikalen. Wir haben unter Cover
- gelebt. Okay. So, mein Vater war glücklich, dass ich einen engen Freund habe und er hat mich dann immer zu diesem engen Freund
- hingefahren. Ich habe da oft übernachtet und so weiter und so fort. So, jetzt gehen wir rein.
- Scheiße. Oh nein. Allerdings war das keine christliche
- Freundschaft, sondern wir hatten eine Beziehung. Dann wenn der Sex vorbei war, dann wenn wir wenn wir gekommen sind und der
- Rausch war vorbei und wir die Unterhosen wieder angezogen haben, dann kam das schlechte
- Gewissen. Ja, nicht dass irgendwie nach draußen kommt. Das ist der größte Fehler in meiner Matrix.
- Ganz im Gegenteil, ich habe in den evangelikalen Kreisen gesagt, man muss noch mehr gegen die Homosexuellen
- vorgehen. Nach außen habe ich das bekämpft sogar. Das war noch mal so richtig Schwinke auftragen, damit man ja keine
- Pickel sieht. Ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit dem gehen wir ins
- Licht. Sind wir ohne Gott, macht die an sich breit, aber mit dem fürchten wir uns nicht.
- Nächsten Liebe und Sünde kann ich nicht vereinbaren. Homosexualität ist Sünde vor Gott. Die Bibel sagt sogar ist eine Greuelsünde, also etwas Gott ganz
- besonders hast. Und ich kann eine Sünde nicht durch nächsten Liebe in der Gemeinde eindringen lassen. Das das das funktioniert nicht.
- Ja, wenn einer sagt, ich bin ein Mörder und habe den Dritten umgebracht nacheinander und der sagt, der liebte mich denn nicht, ich muss doch bei euch
- amim Gedächtnis mal teilnehmen. Da müssen wir ihm nur sagen, pass mal auf, Junge, du lebst doch hier in groben Dingen, die nicht vor Gott in Ahnung
- sind. Und das ist also, das kann man nicht so einfach zudecken, dass man sagt, du kannst machen, was du willst. Äh, auf jeden Fall die nächsten Liebe
- deckt dich zu, ne? Wisst ihr, für mich ist das Gedächtnis mal immer die schönste Stunde in der
- Woche. Die ganze Woche kommen wir zu Herrn Jesus und sagen auch mir, ich habe hier Schmerzen oder meine Mama, mein Papa und wer auch immer hat Probleme.
- Aber die größte Katastrophe in der Menschheitsgeschichte, wisst ihr was das war? Das war der Sündenfall im Garten Eden.
- Und heute leben 8 Milliarden Menschen und sie sind alle von der Geburt aus an auf dem Weg zur ewigen Verdammnis, wenn sie sich nicht zum Herrn Jesus hin
- bekehren. Und deshalb sandte Gott den Herrn Jesus Christus als Heiland und Erlöser. Ich kann meiner Neigung freien Lauf lassen. Ich kann tun und machen,
- was ich will. Oder ich kann sagen, oh nee Gott, ich liebe dich. Ich liebe die Menschen. Ich tue nichts, was dir nicht gefällt. Er hängt im Gericht. Stellt
- euch das einmal vor. Und da wird die Sünde von Milliarden Menschen auf ihn gelegt. Lass uns doch einmal aufstehen und beten.
- Herr Jesus, wir danken dir von Herzen für dein Wort. Ich kann den Mensch, der homosexuell ist oder eine Schwester, die lesbisch ist, lieben. Auf jeden Fall.
- Die kann ich lieben als Mensch. Aber ich kann das, was die tun, nicht [Musik] willigen. Amen. Amen.
- Wir sollten Menschen nicht ausgrenzen und ablehnen, sondern wir sollten ihnen die Wahrheit erklären, liebevoll erklären und für sie
- [Musik] [Musik] beten. Ich glaube, es ist in diesen
- christlichen Kreisen wirklich sehr normal, dass man nicht lange zusammen ist, bevor man heiratet und das auch oft schon sehr früh. Was vor allen Dingen
- damit zusammenhängt, würde ich jetzt mal sagen, dass so viele Dinge verboten sind. Also nicht nur ähm das Geschlechtsverkehr vor der Ehe also
- nicht verboten ist, aber nicht also eigentlich nicht geduldet wird. Ähm, man darf auch nicht
- zusammenleben. Ich hatte damals einen Freund, der mir einen Heiratsantrag gemacht hat und ähm ich habe dann tatsächlich mit 21 geheiratet.
- Ähm, als wir dann zusammen gewohnt haben, haben wir uns eben auch besser kennengelernt und ich habe viel mehr Gewohnheiten auch von ihm mitbekommen,
- die ich halt vorher nicht gesehen habe, unter anderem, dass er alkoholsüchtig war. Als ich dann gemerkt habe, dass er nicht bereit ist, sich selbst Hilfe zu
- suchen oder irgendwas zu ändern, habe ich gesagt, dann dann gehe ich, also dann möchte ich das nicht weiter aushalten
- müssen. Ich dachte, dass ein guter Christ heiratet, dass ein guter Christ eine Frau hat, dass ein guter Christ Kinder hat.
- Und dann gab es diese eine Frau, die im Grunde genommen sich männlich gab, so die halt nicht wie andere Frauen in Kleidern oder was weiß ich
- Frauenklambotten herumlief, sondern jetzt das war eine rauhe Lady. Da dachte ich, oh, das kann ein Kompromiss sein,
- innerlich. Und relativ schnell nach 6 Monaten Beziehung haben wir schon geheiratet unter Druck, im Grunde genommen
- innerlichen Druck. Wir dachten, wir müssten heiraten. So, das war hals über den Korb
- alles. Hier ist immer die Stelle, wo ich mich verfahre. So oder so. Links abbiegen auf die Jakobsstraße. Die E hat dann 8 Jahre mit Ach und Krach
- gehalten. Ich habe nicht die Kraft gehabt, A zu sagen zu meiner Frau, die Ehe ist kaputt. Wir müssen überlegen, was wir jetzt
- machen. Oder B: Hey meine liebe Frau, tut mir echt leid, dass ich so eine, dass ich so schlimm zu dir war. Ich bin in
- Wirkwul. Ich dachte auch als Christ darf man sich nicht scheiden lassen. Somit äh ist die Ehe bis zum
- bitteren Ende geführt worden. Ja, das heutige Predethema ist natürlich ein sehr heikliches Thema. Wie
- kann ein doch so liebender Gott Menschen in die Hölle werfen? Das ist natürlich ein provokatives Thema, das weiß ich selber, aber ich denke mal, das bewegt
- viele Menschen, wenn es auch einen liebenden Gott gibt. Wieso kann dieser liebende Gott, wenn das Leben eines Menschen zu Ende ist, ihn verurteilen
- und im Gericht und dann in die Hölle werfen? Und zwar für alle Ewigkeiten, das ist das Thema heute, wenn ich das Evangelium höre, ich
- lasse es mir durch den Kopf gehen und wenn ich dann sage, äh, nichts für mich, glaube ich nicht dran, nichts für mich. Und wenn man diese Einstellung bis zu
- seinem letzten Atemzug nicht ändert, ist das leider eine Sache, wo Gott sagen muss, du willst mich nicht haben. Okay, du brauchst mich nicht haben. Und da
- muss der Mensch ewig von Gott getrennt sein. Und ewig von Gott getrennt sein heißt
- Hölle. Ost Johannes Kapitel 1 hatten wir heute morgen schon angesprochen, aber das lese ich trotzdem vor. Ab Vers 9. Das war das wahrhaftige Licht, das in
- die Welt kommend jeden Menschen erleuchtet. Es gibt nur zwei Orte. Es gibt keine Grauzone. Es gibt ein Verloren sein und ein Rettet sein.
- Das ist eine Quälerei. Und das meiste, was den Menschen in der Hölle quält, ist die Tatsache, dass der Mensch wusste, dass es so kommen würde, dass er die
- Entscheidung, die er zu seinen Lebzeiten getroffen hat, sowas von bereuen wird. Und zwar eine Ewigkeit lang. Das wird wahrscheinlich die größte Qual für den
- Menschen sein. Wir können uns also nur auf das, was in der Bibel drin steht, verlassen. Menschliche Meinung zählt nicht. Mitgliedschaft in
- fundamentalistischen Gemeinschaften ist oft dadurch motiviert, dass man dadurch Orientierung bekommt, klare Antworten auf schwierige Fragen. Was passiert nach
- dem Tod? Sie sind auf der Suche nach einfachen Antworten, nach einem klaren Weltbild, nach konkreten Führungsfiguren, an denen sie sich
- orientieren können. Ich glaube, dass die Angst vor der Hölle äh meinen Glauben extrem angetrieben
- hat. Ähm, ich glaube, dass mir das so als Kind oder als Teenager noch nicht so bewusst war, weil ähm in der Gemeinde
- und in den Liedern und so weiter, es wird immer von Gottes Liebe gesprochen und es steht natürlich auch immer im Vordergrund, Gott ist aus Liebe für uns
- gestorben und so weiter. Ähm, das wird schon immer so sehr in den Fokus gerückt. Deswegen habe ich mich auch an sowas
- festgehalten. Allerdings wurde diese Angst vor der Hölle immer präsenter bei mir. Wo ich als Kind wirklich Schwierigkeiten mit hatte, ist ähm, dass
- es ja immer darum geht, Gott an erste Stelle zu setzen. Und es hat eigentlich auch immer so wasas selbstverleugnendes, weil wenn ich merke, ich ähm ich lese,
- weil es mir Spaß macht oder ich gucke ein Film, weil weil es mich unterhält, dann war das immer gleich verbunden mit dem schlechten Gewissen, weil ich
- wusste, ich mache das ja jetzt gerade gar nicht für Gott. Und das gleiche gilt für Hobbys. Ich hatte immer das Gefühl, ich muss jetzt aber eigentlich das Ganze
- für Gott [Musik] tun. Also, das ist natürlich dann ein riesen Thema, weil der Mensch ist halt
- egoistisch. Also wie oft am Tag denke ich halt an mich und nicht an Gott. Und dadurch ist halt jeder Tag äh damit geendet, dass ich dachte, ja, ich ich
- habe halt wieder gesündigt, wenn man wütend gewesen ist, wenn man irgendwie Hassgefühl hatte, das war Sünde. Ähm es war Sünde, wenn man den Eltern
- widersprochen hat. Also Sünde war alles das, was die Welt tat. Also, wenn ich darüber nachdenke, dann glaube ich heute noch glaube ich
- teilweise, dass ich früher ein Alien gewesen bin. Also das, was die Welt tat, das war Zigarettenrauchen, das war übermäßiges Alkohol trinken, Sex vor der
- Ehe, äh Homosexualität. Mein erstes Outing hatte ich, als meine Exfrau weg war. Da habe
- ich endlich Luft geschnappt. Ich fuhr nach Oudenburg, nach Bielefeld, nach Köln und hatte Dates und
- ähm das war Freiheit. Zum anderen war es auch ein riesen Erdbeben, weil all mein christliches System, die restlichen Überbleibsel, die
- zerbrachen. Hi. Na, mein
- Lieber, komm rein. Ist aber kalt, oder? Andre und ich, wir haben uns getroffen 2016 zum ersten Mal und da fing unsere
- Beziehung nicht gut an, weil er Pastor einer freien evangelischen Gemeinde ist und ich dachte, ach du meine Güte, da ist schon wieder so ein evangelikaler
- Fahrer, der mich in sein System kriegen will. Und äh wir haben uns dann erstmal ordentlich in die Haare gekriegt.
- Wir haben uns ordentlich gefetzt. Nur der Unterschied zwischen Andrej und vielen anderen Leuten in den Systemen ist, Andrej ist am Ball geblieben und er
- hat nicht einfach unsere Beziehung abgehakt, sondern er hat sich mit mir gestritten
- und wir sind halt Freunde. Ja, str gute Freunde. Ja, also du hast mir von deiner Homosexualität direkt so ja Kübel Wasser
- drüber so nach dem Motto, das bin ich. Kommst du damit klar? Ja, klar komme ich damit klar. Also, ich habe nie versucht dir das auszureden.
- Ähm um sexuell zu empfinden, kann ich auch keinen Menschen ausreden, ne? Ähm, ich habe vielleicht eine andere Vorstellung davon, wie es zu sowas kommt
- und äh wie das äh wie hilfreich das für ein Leben sein kann. Da sind wir unterschiedlich. Aber ich ähm habe nie versucht, dir das irgendwie auszureden,
- ne? Ähm ich denke, das ist eine Entscheidung, die du vor Gott triffst und wo ich dich auch in dieser Entscheidung mit Gott alleine sein
- lassen kann, ne? Ja, sonst wären wir auch keine Freunde. Ja, wenn er das einmal probiert hätte, äh dann wäre das nicht gut ausgegangen.
- Ich wiederum kann auch deine Angst verstehen, dass du Menschen, die dir mit Ablehnung begegnet sind, obwohl sie von christlicher Nächsten Liebe reden, ne?
- Ähm, dass du vor solchen Menschen Angst bekommen hast, ne? Ja, ich meine, ich bin sehr, sehr sehr verletzt worden von diesen Leuten. Ja, und wenn man meine
- Geschichte als äh also hört so bisschen in die Tiefe hinein, dann wundern sich manche Menschen, warum ich immer noch sage, ich
- bin Christ. Ich
- verstehe die Aussagen der Bibel so, wir sollen ja sagen zu unserer eigenen Schöpfung. Und das bedeutet auch und da habe ich lange zu gebraucht äh dass ich
- ja gesagt habe, ja, ich bin homosexuell, ja, ich bin von Gott so erschaffen. Es ist kein Problem.
- Ein Sohn hat der Welt das Heil gebracht. Schenkte Licht in dunkler Nacht. G Leben einen
- Sinn und ein Ziel hat. Die Bibel ist nicht diskriminierend. Die Bibel ist ehrlich. Die zeigt uns, wie
- wir sind. Ich finde alles gut, was in der Bibel steht, auch wenn ich nicht alles verstehe. Jetzt kommen mehrere
- Einladungen. Einmal zur Bibel und Gebetsstunde am Mittwoch um 19 Uhr. Dann darf ich herzlich einladen zum Frauenfrühstück, auch wenn ich nicht
- dabei sein kann, am kommenden Donnerstag um 9:30 Uhr, will mich auch nicht umoperieren lassen, ne? Das ist sicher nicht nach dem Willen
- Gottes, aber die Schwestern sind herzlich eingeladen. In der Bibel steht, dass die Frauen in der Gemeinde schweigen sollen. Man begründet es
- damit, dass Frauen zu emotional sind, Führungskräfte in einer Gemeinde zu übernehmen. Und Männer sind da so ein bisschen nüchter und die Frauen haben
- dann die Aufgaben, die für Frauen emotionaler sind, dass sie vielleicht ist mal ein Häkelkreis machen oder dass sie Frauenfrühstück machen und sowas
- alles, ne? Und die Männer müssen dann ganz nüchtern eine Gemeinde führen und leiten. Das ist halt so. Ich konnte nie Kinder kriegen. Meine Frau hat drei zur
- Welt gebracht. Ja, und kann ich nicht, aber sie konnte auch nie hier predigen. Also das Entscheidende ist, wir wollen in allen Punkten bei dem bleiben, was im
- neuen Testament steht. Es ist ja nicht so, dass wir die Frauen diskriminieren und sagen, so, ihr seid nur Frauen, haltet euch zurück, wir machen das
- schon. sondern derjenige, der sich in eine Gemeinde einbringt und besonders derjenige, der predigt, hat eine riesen Verantwortung und wird dafür, wenn er
- was falsches sagt, auch vor Gott Rechenschaft ablegen müssen. Also, wir nehmen man quasi den Wind aus den Segeln der Frauen, aber die Frau als
- schwächeres Geschöpf, schwächeres Gefäß, so wie es die Bibel sagt, muss besonders gestützt werden. Und das sagt Gott den Männern eindringlich. Ihr Männer, liebt
- eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie, sagt er eindeutig. [Musik] verändert. Danke dir.
- [Musik] Ich habe das nicht erlebt, dass es der Ärger drüber gab. Also tatsächlich kann ich mich nur an Gespräche erinnern, wo
- die Frauen auch selber gesagt haben, ja, steht ja so in der Bibel, was sollen wir machen, sozusagen? Also meine Mutter hat sehr viele Kinder geboren,
- also hat den Haushalt gemacht, hat Entscheidungen meinem Vater überlassen.
- Ähm ein unglaublich unterdrücktes Bild von der Frau. Ja.
- Frau und Mann sind nicht gleich. Also ein Mann hat schon mehr Power, mehr Entscheidungsfreiheiten als die Frau. Die Frau muss den Mann gegenüber
- gehorsam [Musik] sein. Hauptsächlich männlich das
- Ganze. Also mein Vater z.B. hat sich berufen gefühlt, Geister auszutreiben. War wie ein, er hätte das so nie gesagt, aber Exorzist
- tätig. Er hat, als ähm ich mir meinen ersten Harry Potterband gekauft habe, hat er ihn zerstreddert, weil er die Gefahr darin gesehen hat, dass ich ähm
- dass das Geister in mich fahren. Ich hatte das Buch aber schon zur Hälfte gelesen und ich hatte natürlich Angst.
- Kann sein, dass du ähm psychisch irgendwie Probleme hast, dass du Depression bekommst oder Stottern auch sowas. Könnte alles von Geistern kommen.
- Und das ist natürlich ein riesen ähm Missbrauchspotential. Exorzismen funktionieren oft durch Handauflegung, durch die physische
- Präsenz einer Person, die eben ähm die Teufelsaustreibung durchführt oder eben die Heilung
- durchführt. Da war eine Situation, da kam extra einen Mann aus Russland. Irgendwann hat dieser Mensch mich nach
- vorne gerufen. Ich bin dann nach vorne gegangen, habe mich vor ihn gestellt und dann haben die Männer mich
- von hinten genommen und auf dem Boden gelegt. Also, ich habe dann gemerkt, dass meine Extremitäten anfingen zu
- zittern. Dann fing ich an zu weinen, ich fing an zu schreien. Meine Stimme war so wie ein Mann ganz tief und so ganz dunkel dieses Schrein und ich
- habe ich war so verwundert, dass dass das gerade aus mir herauskommt, weil es würde einen Mann aus mir herausschreien. Ich hatte so eine Angst.
- Oh mein Gott. [Musik] Die Gemeinderleiterin kam direkt zu mir und hat das halt dann auch gesehen und
- beobachtet. Kam direkt zu mir und meinte in Jesu Namen Dämon befrei sie. Ähm das war das erste Mal glaube
- ich das Wort Dämon in Bezug auf mich gefallen ist. [Musik]
- [Applaus] [Musik] Ich glaube, das war der Punkt oder diese Aussage, dass du äh von einem Dämon
- besessen bist, das hat so, glaube ich, äh völlig die Verbindung zerstört, würde ich jetzt so aus meiner Sicht sagen. äh was uns sozusagen auch für paar
- Monate auseinander gerissen hat. Eine lange Zeit hatten wir keinen Kontakt und was ich wunderbar finde, war, dass sie irgendwann angefangen hat,
- darüber nachzudenken und auf mich zukam und sich bei mir entschuldigt hat, dass diese Stimme aus mir herausgesprochen hat.
- Ähm, keine Ahnung, was das war. Ich glaube, dass mein Körper in der Lage ist, so eine Stimme zu produzieren. Ich glaube, das war das war meine Stimme
- irgendwie. Ähm, ich glaube nicht da dran, dass das ein Dämon war.
- [Musik] Es gibt ganz klar körperliche Reaktionen in solchen Situationen des Exorzismus,
- denn da passiert ja etwas zwischen Menschen und in der menschlichen Psyche, insbesondere der Betroffenen. Aus einer Binnenperspektive ist es natürlich so,
- dass Menschen meinen, jetzt wird hier der Teufel ausgetrieben, also Gott wirkt. Ja, und das ist keine wissenschaftliche Perspektive, ganz
- klar. Also die wissenschaftliche Perspektive musste auf die Psychologie zurückgreifen. Aber war das jetzt, das war ein
- einmaliges Erlebnis oder hast du nachher irgendwie sowas in der Art noch mal erlebt? Also, das hat es angestoßen und daraufhin kam immer wieder, dass ich in
- diesen komischen Stimmen geredet habe. Warst du dann alleine immer? Nee, ich war auch mal bei mir in der WG in Marburg hier und m zwei WG Kolleginnen,
- die waren bei mir, die haben das mit Bett und das war auch passiert und die haben das auch mit angesehen. Ja,
- ich bewerte diese Situation als lebensverändernd. Ähm, die haben mich angefangen, also die haben mich anfangen lassen,
- alles so tiefgründig zu hinterfragen, dass ich gemerkt habe, dass ich eigentlich mit nichts übereinstimme,
- woran ich früher geglaubt habe. Das Christentum war nicht mehr das Heilgebende, wie ich es gewohnt war.
- Es war weg. Dann habe ich mir sehr sehr viele Gedanken gemacht, wie es denn jetzt weitergeht mit mir, ob ich mich wieder
- einer Gemeinde anschließe. Ja, nein. Und habe mich auch selber gefragt, würde ich eigentlich an Gott glauben, wenn es die Hölle nicht gäbe?
- Und habe gemerkt, nee, ich weil ich finde den Gott aus der Bibel überhaupt nicht sympathisch. Da habe ich begriffen, dass ich diese
- Systeme nicht brauche. Ich habe gedacht, es kann nicht sein, dass das einzige ist, was mich am Glauben hält, dass es die Angst vor der Hölle ist, dass mir so
- deutlich wurde, ich bin genauso wie alle anderen Menschen, genauso wie meine Nachbarn. Meine Nachbarn gehen auch
- nicht in ein Kirchensystem, also brauche ich es auch nicht.
- Wir können ja auch überall wahrscheinlich, wenn einer so eine Entscheidung trifft, dann muss man sich fragen, haben Sie
- wirklich begriffen, worum es geht bei einer Bekehrung? Haben Sie sich wirklich bekehrt oder sind Sie einfach nur mitgelaufen? Das ist immer meine Frage.
- Wenn ich sag, mit dem Jesus will ich nichts zu tun haben, dann wird Gott uns nicht in die himmlische Herrlichkeit holen. Wir haben ja sein Gnadenangebot
- gehabt, aber die Menschen wollen nicht an ih glauben. Was mich erschüttert hat, kompliziert. Ich sag mal, was mich erschüttert hat.
- Also aus der evangelischen und katholischen Kirche sind im Jahr 2022, ich glaube 930 Menschen aus der Kirche
- ausgetreten. Wenn ein Mensch in meinem Umfeld, den ich sehr lieb habe, wenn der die Botschaft von dem Herrn Jesus nicht hören will und sich nicht für den Herrn
- Jesus entscheiden will, dann werde ich ihn in Arm nehmen, ihm die Konsequenzen aufzeigen und sagen, ich bete für dich.
- Jeder muss die Folgen seiner Entscheidung selber tragen. Jeder. Ich habe ganz lange noch diese Angst gehabt. Was wenn doch? Was wenn es die
- Hölle doch gibt? Äh was wenn die anderen recht haben. Also, es hat mich super lange gequält und ich habe auch immer gedacht,
- dass Gott einfach alles so macht, wie es ähm wie es am besten ist. Also, dass dass er einen Plan hat für mein Leben und das wird dann auch so passieren und
- jetzt muss ich halt damit leben, dass ich manchmal auch falsche Entscheidungen einfach treffe. Aber aber genau das
- ich selbst darf entscheiden, was ich mache und was ich nicht mache. Und es ist nicht mehr davon abhängig, ob irgendwas
- sündhaft ist oder nicht, sondern ob ich es möchte oder ob ich es nicht möchte. Genau, genau, genau. Ich bin zufrieden mit dem, wer
- ich bin. Äh früher habe ich davon geträumt, zufrieden zu sein und jetzt bin ich's. Ja.
- Hi. Hallo. Aus heutiger Sicht ist es so, dass ich eine totale Freiheit empfinde. Das ist normal.
- dass ich homosexuell bin, dass ich schwul bin, genauso normal wie ich blaue Augen habe, genauso normal äh wie meine
- Beziehung von Gott oder die ich mit Gott lebe. Es ist völlig normal. Es ist nichts extravagantes. Es ist normal.
- Freitag warst du hier, ne? Ja. bin ja bis um 3 Uhr geblieben. Ja. Und ich hatte auch ordentlich einen,
- ne? 3:30 hatte auch ordentlich einen drin. Du,
- ich denke, es ist ganz wichtig, dass ähm auch Leute, die so etwas erlebt haben wie ich, dass sie lernen darüber offen zu
- sprechen, auch wenn es schwer ist. Aber wenn man so etwas öfters tun würde, wie ich das jetzt hier tue und es ist
- das erste Mal, dass ich so öffentlich über dieses Thema rede, dann nach und nach wird es einfacher werden. Ja.
- [Musik] [Musik]