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Inside Freikirche ICF: Homosexualität als Sünde, Spendendruck und Ausbeutung im Ehrenamt?
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 154 Zeilen
- In Jesu Namen, ich breche alles, was nicht von Gott ist. In Jesu Namen! Und In Jesu Namen, gebiete ich dir RAUS!
- Mich erinnert das ganz klar an eine exorzistische Praktik. Wie steht die Freikirche ICF wirklich zu Homosexualität?
- Wenn du sagst, ich möchte auf keinen Fall, dass meine Meinung von Gott hinterfragt wird, meine Sexualität, meine Identität, dann darfst du dich nicht auf den lebendigen Glauben einlassen.
- Freikirchen wie das International Christian Fellowship - kurz ICF - präsentieren den christlichen Glauben cool und modern.
- Und das kommt an - auch bei jungen Menschen. Während traditionelle Kirchen an Mitgliedern verlieren, begeistern
- Freikirchen wie das ICF immer mehr Gläubige. Also dieses Setting ist echt besonders. Es ist packenvoll. Es vibriert nahezu. Aber: Es gibt auch immer wieder
- Kritik an der Freikirche: Auch ein Züricher Model unterstellt dem ICF Homophobie und Diskriminierung:
- Und auch ein Aussteiger kritisiert die Freikirche: Vereinnahmung von Menschen und dieses Ausbrennen lassen von Menschen. Das Thema Geld. Und
- Punkt 3, diese sehr erzkonservativen Werte, die in einem sehr modernen Gewand verschleiert werden. Für diese Reportage bin ich undercover unterwegs. Denn ich möchte herausfinden:
- Wie gibt sich das ICF hinter der Fassade? Wird Druck auf Gläubige ausgeübt, dass das System funktioniert? Und wie ist der Umgang mit queeren Menschen?
- Wenn jemand heterosexuell ist, muss er die Freiheit haben homosexuell zu leben, wenn jemand Homosexuell ist muss er aber auch die Freiheit haben wieder heterosexuell zu leben.
- Ich bin auf dem Weg nach Zürich - hier befindet sich der Hauptsitz des ICFs. Um mir ein eigenes Bild machen zu können, will ich an einem Gottesdienst, einer sogenannten Celebration
- teilnehmen. Mit einer Besonderheit: Ich gebe mich nicht als Journalist zu erkennen, denn ich möchte einen unverfälschten Eindruck gewinnen. Auch deswegen hab ich mir die Haare abrasiert .
- Denn: Manchmal werde ich doch erkannt und auf meinen Job als Reporter angesprochen. Wir sind die nächsten Wochen nämlich nicht nur in Zürich unterwegs, sondern auch in Augsburg und
- in München. Dort, wo ich lebe. Das mach ich nicht alleine, sondern mit Lara: Guten Morgen Lara. Lara ist eine Autorin dieses Films und
- bei meinen Einsätzen als Zeugin immer dabei. Ich selbst bin Mitglied in der evangelischen Kirche, habe aber keinen Bezug zum Glauben und will wissen:
- Was finden Menschen in der Freikirche ICF? "Das ICF München ist für mich ein Ort der Begegnung” “Zu Hause”
- “Zu Hause” “Familie” Was uns an der Stelle auch nochmal wichtig zu betonen ist, ist dass dieser Film sich keinesfalls
- gegen die Leute richten soll, die zu diesen Gottesdiensten gehen und da offensichtlich total viel Lebenskraft und Energie draus ziehen. Angekommen bei einer
- Veranstaltung des ICFs in Zürich: Es ist ein großes Event, in einer Event Location außen vor dem eigentlichen Konzertsaal man kann es nicht anders nennen stehen Bücherregale und
- du kannst dort Bücher kaufen es gibt eine Pizza Corner es gibt eine große Cafeteria sozusagen und wir versuchen erstmal drauf klarzukommen, wie groß das hier eigentlich ist also das
- ist eigentlich wirklich hat sich angefühlt wie vor so einem Konzert würde ich mal sagen. “Wunderschönen guten Morgen, liebes ICF Zürich!” Das ICF ist eine Freikirche, die 1996 in Zürich
- gegründet wurde und mittlerweile in 13 Ländern weltweit aktiv ist. Sogenannte Freikirchen sind unabhängig von Staat und Landeskirchen.
- Heißt: Sie finanzieren sich im Gegensatz zur katholischen oder evangelischen Kirche nicht über die Kirchensteuer, sondern vor allem durch Spenden.
- Die meisten Freikirchen sind evangelisch geprägt. Ungefähr 300.000 Menschen in Deutschland gehören zu einer christlichen Freikirche. Wie viele
- Menschen aber ganz genau solche Einrichtungen besuchen, dazu gibt es keine konkreten Zahlen Neben dem ICF gibt auch noch viele andere Gemeinschaften wie zum Beispiel die
- Hillsong Church oder den Bund Freier evangelischer Gemeinden, kurz: FEG. Unsere Besucherzahlen... ja sorry. Das müsst ihr mal anschauen. Ist crazy!
- Das ICF Zürich hat nach eigenen Angaben 2024 mit durchschnittlich 3420 wöchentlichen Gottesdienst-Besuchenden einen großen Zulauf. Und auch in Deutschland ist der Anlauf groß:
- Allein das ICF München wurde 2024 wöchentlich von etwa 1500 Menschen besucht. Derzeit gibt es in Deutschland 34 ICF Standorte, weltweit weitere 47 Standorte.
- Das ist übrigens Leo Bigger - Leiter und Gründer des ICFs Zürich. Leo Bigger ist der Kopf des ICF. Also er ist super charismatisch
- er redet richtig gut. Heute ist hier ein besonderer Tag: Im sogenannten Vision Sunday werden die Meilensteine der letzten Jahre
- und neue Ziele vorgestellt. Es geht vor allem um Erfolge, Wachstum und Geld. Zwischen den Reden: Konzertatmosphäre mit moderner, christlicher Popmusik.
- Außerdem werden die ca. 350 Menschen in der Halle dazu aufgefordert, in einem Körbchen oder über QR Codes zu spenden. Die Kollekte gibt es auch bei katholischen
- und evangelischen Gottesdiensten. Weil sich das ICF über Spenden finanziert, sind Geldspenden hier viel wichtiger und werden viel stärker in den Celebrations thematisiert
- als bei den Landeskirchen. Dazu aber später mehr.... So Leute, wir sind raus. Wir haben schon einen guten Eindruck
- bekommen, und was die Idee dahinter ist und können damit jetzt auch mal nach München gehen.. Was in den Predigten des ICFs auch immer wieder eine Rolle spielt:
- Sexualität. Im Auftreten wirkt das ICF sehr modern, verbreitet aber immer wieder konservative Inhalte. Stellt sich die Frage: Wie ist der Umgang mit queeren Menschen in der Gemeinde?
- Zur Einordnung: Auch in der römisch-katholischen Kirche gilt Homosexualität als Sünde. Das wird jedoch immer wieder in Frage gestellt und als diskriminierend kritisiert.
- In Deutschland öffnet man sich aber immer mehr und erlaubt inzwischen zum Beispiel auch Segnungen von homosexuellen Paaren. Die evangelische Kirche bekräftigt
- ihre liberale Haltung zur Homosexualität - hatte jedoch noch vor weniger als 30 Jahren ebenfalls konservativere Einstellungen. Wie ist das im ICF?
- Während unserer Recherche stoßen wir auf Aussagen wie diese von Tobias Teichen, Mitgründer und Lead-Pastor des ICFs München: "Wenn du sagst, ich möchte auf keinen Fall,
- dass meine Meinung von Gott hinterfragt wird, meine Sexualität, meine Identität dann darfst du dich nicht auf den lebendigen Glauben einlassen." Eine Aussage mit viel Interpretationsspielraum.
- Ich möchte die Haltung genauer verstehen. Dafür möchte ich heute im ICF München mit Menschen aus den Teams sprechen, die Neulinge wie mich in der Gemeinde willkommen heißen.
- Das erste Mal München ist dann nochmal was ganz anderes. Ich weiß nicht, ob ihr aus München seid und das Neuraum kennt, das ist so eine sagenumwobene Diskothek in der Stadt und da findet die
- Celebration statt und da hat das ICF München sein Zuhause was erstmal absurd ist weil wenige Stunden zuvor waren da die Leute noch voll besoffen. In einer Gesprächsrunde für Neuankömmlinge
- frage ich, wie das ICF zu queeren Menschen steht und ob wirklich jeder willkommen ist. Eine der Zuständigen sagt mir, dass das ICF grundsätzlich glaube,
- dass es vor Gott nur zwei Geschlechter gäbe. Die junge Frau zieht ihren Kollegen hinzu: Er gibt zu, zu dem Thema eine andere Haltung zu haben und korrigiert sich daraufhin selbst.
- Er habe doch keine richtige Haltung dazu. Ich frage, ob sie Leute in der Gemeinde hätten, die schwul seien. Im ICF kenne er niemanden, sagt er mir.
- Eine klare Position nehmen die beiden nicht ein, reagieren stattdessen eher unsicher auf unsere Nachfragen. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch
- nicht ahne – bei einer Celebration im ICF Augsburg werde ich mit einer ganz klaren Haltung konfrontiert. Aber dazu gleich mehr. Zuerst will ich meine Fragen noch einmal in
- einer anderen Runde stellen: Bei einem sogenannten “Welcome To Church Event” - einem Online-Meeting, bei dem Interessierte sich über das ICF und seine Angebote informieren können. Den Ton des
- Calls höre ich über meine Kopfhörer mit. Es hat tatsächlich jemand aus dem Chat, also nicht ich, gefragt, wie geht das ICF mit dem Thema LGBTQ, Homosexualität etc. um
- Die Frage wird ignoriert. Deswegen hake ich noch einmal nach. Die Moderatorin des Calls verweist zuerst auf eine Predigt-Reihe, von der in dieser
- Reportage schon Ausschnitte zu sehen waren. Es sei keine Zeit diese Frage jetzt zu beantworten, meine Antworten würde ich in der Bibel finden. Ich bin ehrlich gesagt nicht ganz so bibelfest wie
- du oder wie andere jetzt aus der Gruppe, was heißt das dann jetzt? Sie weist mich noch einmal auf die begrenzte Zeit hin und schlägt vor,
- die Predigt in den Chat zu schicken. Letztendlich wurde die Frage jetzt einfach nicht beantwortet, auch wenn ich nochmal so ein bisschen versucht habe nachzuhaken.
- Sonntagmorgen in Augsburg. Es soll der wichtigste Tag in unserer gesamten Recherche werden. Ich werde herzlich vom Pastor des ICFs Augsburg in Empfang genommen.
- Er fragt, ob wir zum ersten Mal da wären, und wirbt für seine heutige Predigt: Es soll um Arbeit gehen. Die Celebration läuft wie gewohnt ab:
- gute Stimmung, mitreißende Musik und eine Predigt. Und dann gibt es da den Aufruf in der Celebration, dass wenn man etwas auf der Seele hat was man gerne besprochen haben möchte,
- dass man ein Einzelgebet wahrnehmen kann, dass Leute mit dir zusammen für etwas beten. Und ich denke mir dann: Das mache ich jetzt, ich nehme jetzt diesen Moment wahr.
- Ich nutze die Chance und versuche hier Antworten zu bekommen. Denn, Predigten wie diese, haben in unserer Recherche Fragen aufgeworfen: Das heißt, wenn jemand Heterosexuell ist muss er
- die Freiheit haben homosexuell zu leben, wenn jemand Homosexuell ist, muss er aber auch die Freiheit haben wieder heterosexuell zu leben. Sie sagt: Ja genau so seh ich das.
- Ja, dann musst du aber unsere Gesetze ändern. Wie? Ja unsere Gesetzgebung in Deutschland zumindest wenn du hetereosexuell bist und homosexuell werden willst gar kein Thema, wenn du homosexuell bist
- und in ne Kirche gehst die dir ein Angebot macht zur Veränderung, das darf nicht sein. Ich bin für Freiheit für was bist du? - Das Gesetz, von dem Tobias Teichen,
- Lead Pastor im ICF München, hier mutmaßlich spricht, ist das sogenannte “Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen”, das im Jahr 2020 in Kraft getreten ist.
- Es soll Menschen vor Behandlungen Schutz bieten, die auf die “Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität.” gerichtet sind.
- Heißt: eine Behandlung, die beispielsweise “Homosexualität heilt” ist unter bestimmten Voraussetzungen strafbar. Phillipp ist vor fünf Jahren aus dem
- ICF ausgestiegen und spricht mit uns über seine Zeit in der Freikirche. Er kritisiert die Strukturen des ICFs. Er erzählt von dem Moment,
- als genau diese Gesetzesänderung zum Schutz vor Konversionsbehandlungen das ICF München erreicht hat. Es gab damals, Anfang 2020,
- unter allen Core Leadern, glaube ich war das, ein Meeting zu dem Thema. Der Tenor war damals aus meiner Erinnerung schon so, dass man das nach wie vor ermöglichen möchte und man das Gesetz als
- einschränkend und schon als ungerecht empfand. Und dort wurden darüber gesprochen... inwiefern das ICF diese... Konversionsbehandlungen nach wie vor ermöglichen möchte in einer
- informellen Art und Weise. Wir haben auch das ICF für ein Interview angefragt. Das sagt das ICF München ab, beantwortet unsere Fragen aber schriftlich.
- Wir wollen wissen, wie das ICF offiziell zum Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen steht:
- Wie sieht das in der Praxis aus? Ich will es herausfinden. Jetzt haben wir das Problem, dass ich ein Hetero-Cis-Mann bin, das heißt,
- diese Vorwürfe werde ich als Kevin Ebert nicht überprüfen können. Und deswegen habe ich mir überlegt eine Geschichte, in der ich eben manchmal an andere Männer denke, auch sexueller Natur. Um
- sozusagen mal zu gucken wenn ich diese Geschichte droppe, welche Reaktion bekommen wir dann? Zurück in Augsburg. Ich wende mich an eine Frau des Gebets-Teams. Wird sich
- hier der Eindruck erhärten, dass das ICF noch Homosexualität heilen will? Ich frage sie, ob ich mir ihr beten dürfte. Mir ist dabei wichtig, in keiner Form um
- Heilung zu bitten. Sie willigt ein. Ich erzähle ihr, dass ich mich zwar nicht dafür schäme, aber mich gewisse Gedanken umtreiben.
- Gedanken an andere Männer, sexueller Natur. Ich wiederhole, dass ich mich nicht schäme. Sie fragt mich, was ich als kleiner Junge erlebt habe.
- Ob es sein könne, dass mein Vater sich eher ein Mädchen gewünscht habe? Ich erwidere, ich sei behütet aufgewachsen. Es sei einfach so, dass ich diese Gedanken habe
- und sie auch gar nicht so schlimm fände. Ich geh da hin und erzähl meine Geschichte und relativ schnell beginnt eine Frau ihren Arm auf meine Schulter zu legen.
- Sie blickt mir intensiv in die Augen. Wir stehen in einer Ecke des Raumes, während die Celebration um uns herum weiterläuft. Die Band spielt weiter
- und die Menschen singen. Und dann betet sie zum Gott der Heilung, so erinnern wir uns: “Ich sage ihn los von dieser falschen Motivation, von diesen falschen
- Gedanken. Von diesen unheiligen Gedanken.” Und ich kann in dem Moment noch gar nicht richtig einordnen, was passiert es wird auch über meine Kindheit gesprochen also hat auch schon
- so Psychologen-Gespräch-Touch. Dann kommt ihre Kollegin hinzu. Sie sagt mir, ich sollte das ans Kreuz bringen, was ich nicht mehr haben wolle. Sie fragt,
- ob wir das gemeinsam machen wollen und ich stimme zu und bete: “Lieber Gott, Jesus, ich habe manchmal Gedanken an andere Männer und ich schäme mich eigentlich
- dafür gar nicht ich fühle mich deswegen auch nicht schlecht. Aber ich hab halt Fragen. Amen.” Die sprechen da teilweise dann ne Sprache, die ich noch nie gehört hab und ich hab’ auch keine
- Idee also was das für eine Sprache sein könnte. “So. Jetzt breche ich jede falsche Identität über dir in Jesu Namen ich breche alles was nicht von Gott ist in Jesu Namen,
- und in Jesu Namen gebiete ich dir RAUS! Heb dich hinweg und wirf dich ins Meer in Jesu Namen.” Ehrlich gesagt, check ich in dem Moment relativ wenig. Wer ist diese falsche Identität, wer soll
- sich ins Meer stürzen - wenn ich ehrlich bin, weiß ich gar nicht so genau, was da gerade passiert. Gemeinsam können wir allerdings später die Stelle rekonstruieren. Die Formulierung ähnelt einem Vers
- in Kapitel 5 des Markus-Evangeliums. Und es geht noch weiter: Sie bedankt sich bei Gott, dass er mich führe und leite und mir seine richtigen
- Gedanken schicke. Ich frage, was denn die richtigen Gedanken seien. Sie sagt, er schenke sie mir. Aber: Gott habe uns als Mann und Frau geschaffen und eine Fortpflanzung
- funktioniere auch nur zwischen Mann und Frau. Darum vermute sie, dass das der Plan sei. Ich merke irgendwie schon in dem Moment: Die Sachen, die die sagen und mit welcher Intensität
- die die sagen... Irgendwie ist das komisch. Wir erzählen ihm von unserem Erlebnis: Pastor Gary Albrecht, Sekten- und Weltanschauungsbeauftragter des Bistums Essen.
- Für mich war das eindeutig ein Exorzismus, wie er in charismatisch-pfingstlerischen Kirchengemeinden gerne praktiziert wird. Und das ist ja nun eine ganz klare exorzistische Praxis das
- in diesem Fall die Dämonen wirklich angesprochen werden, nicht namentlich genannt werden aber der Imperativ gilt den Dämonen, die dann aus dem Körper des Besessenen ausfahren sollen.
- Per Definition der katholischen Kirche handelt es sich bei einem Exorzismus um ein Gebet. Dabei betet die Kirche “im Namen Jesu” darum, dass “eine Person oder ein Gegenstand vor
- dem Einfluss des Bösen beschützt oder seiner Herrschaft entzogen wird”. Diese Art der dämonischen Befreiung wird in charismatisch-evangelikalen Gemeinden
- als Befreiungsgebet bezeichnet. Auch Dr. Matthias Pöhlmann, Weltanschauungs-Beauftragter der evangelischen Landeskirche Bayern findet
- kritische Worte zu diesen Praktiken. Das ist eben diese Grundüberzeugung, die dort vertreten wird, dass Homosexualität ja nicht biblisch sei. Aber immer die Vorstellung
- dass Homosexualität dann geheilt werden könne, und dass es dafür bestimmte Methoden bedarf oder eben und das finde ich hier besonders eklatant eine exorzistische Praktik. Also das halte ich für
- äußerst problematisch. -....aber auch strafbar? Unter der Prämisse dass es sich um einen einmaligen Ritus handelte wohl davon ausgehen
- muss noch dazu nachdem der Betroffene über 18 ist und freiwillig und ohne Zwang an diesem ganzen Geschehen einmalig teilgenommen hat, würde ich von einer fehlenden Strafbarkeit ausgehen wollen.
- Auch wenn unter diesen Bedingungen keine Straftat besteht, warnen Expertinnen und Experten vor den Folgen: Befreiungsgebete gegen Homosexualität können schwere psychische Krisen auslösen.
- Zu dem von uns erlebten Vorfall sagt das ICF: Auf die Frage, wie sie Heilungs- und Befreiungsgebete in diesem
- Kontext bewerten, heißt es: Und auf die Frage, ob wirklich alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung
- willkommen sind, antworten sie: Queere Menschen sind also laut dem ICF prinzipiell willkommen. Aber sich uneingeschränkt in der
- Gemeinde einbringen, das können sie nicht. Das durchgeführte Befreiungsgebet nimmt man ernst und will es intern untersuchen. An einem anderen Sonntag im ICF München:
- Der Fokus unserer Recherche liegt dieses Mal auf den Spenden-Aufforderungen an die Gläubigen. Deshalb wenden wir uns nach dem Gottesdienst wieder an eine der Gruppen, die Neulinge in
- Empfang nehmen, um offene Fragen zu klären. “Weil vorhin auch so der Spendenaufruf war, spendet man dann regelmäßig oder wie? Weil es gibt ja Kirchensteuer auch z.b”
- Er antwortet: Er versuche schon jeden Monat seinen Zehnten zu geben, das Geld habe man schon übrig. Wir sollten selbst mit Gott ins Gespräch gehen, er könne das nicht für uns sagen.
- Der 10. Teil bedeutet: 10 Prozent des Brutto-Einkommens! Dies bezieht sich auf einen Vers aus dem Alten Testament und wird vom ICF empfohlen. Die Abgabe ist freiwillig.
- Die Fachstelle InfoSekta beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem ICF und sieht die Spendenaufrufe kritisch, denn in diversen Predigten würden die
- Speaker Gläubige unter Druck setzen. Dabei verweist man auf diese Predigt: Ich hatte richtig Angst: Das wird doch am Ende nicht ausreichen. Wie soll es funktionieren?
- Deswegen habe ich meine Ausgaben angeschaut und den 10. näher betrachtet und neu überlegt. Ich hab mich tatsächlich entschieden den Zehnten zu reduzieren und rumzurechnen.
- Die Ängste wurden noch größer. Jedes Mal, wenn ich einkaufen gegangen bin, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Und vor allem habe ich gemerkt: Ich betrüge gerade Gott um
- seinen rechtmäßigen Anteil. - Ein Pastor steckt Gläubige in seiner Predigt in zwei Kategorien: ' - Es gibt zwei Arten von Menschen in der Kirche: Die den Zehnten leben, sind frei, furchtlos,
- werden immer großzügiger und dann gibt’s die Menschen, die sagen “Oh den 10. Das kann ich mir nicht leisten”. Das ist eine Unfreiheit und Gott möchte dir heute helfen frei zu werden.
- Auch Phillipp spendet in seiner Zeit als Leiter regelmäßig den Zehnten. Es ist in der ganzen ICF-Welt so, dass man zu irgendwas wirklich gezwungen wird, sondern das
- ist immer so ein Druck durch die Hintertür. Weil man will ja Gottes Reich weiter aufbauen, will ja in Gottesreich investieren. - Ein Wording, das wir genau so bei unserem Besuch in Zürich gehört haben:
- Allein im vergangenen Jahr hat der ICF München e.V. 6,7 Millionen Euro eingenommen, davon sind 6,2 Millionen Euro Spenden.
- Das Spenden-Prinzip scheint also im ICF aufzugehen. Aber zu welchem Preis? Das kann wirklich auch Menschen bisschen in Bedrängnis bringen, das eben immer wieder gesagt
- wird “Was ist dir die Sache auch wert” und das man eben möglichst viel auch spendet also es hat schon etwas sehr Bedrängendes finde ich. Darauf antwortet das ICF:
- Auch im Rahmen von ehrenamtlicher Mitarbeit wirft Aussteiger Phillipp dem ICF vor, Druck ausgeübt zu haben.
- In fünf Jahren arbeitet er sich durch Freiwilligendienste in eine ehrenamtliche Leitungsrolle hoch. Also es gab schon so den Impuls immer wieder von
- außen, überleg dir doch mal, ob du mal irgendwie wo mit helfen möchtest oder ob du also Zeit, Energie, Ressourcen und so weiter in zum Beispiel ein Team im ICF oder so investieren möchtest. Das
- ist so eine Erwartungshaltung, die da irgendwie so im Raum hängt. Hast du auch Druck empfunden, in irgendeiner Form eine Leitungsrolle zu übernehmen?
- Ja und nein. Nein, in der Hinsicht, ich hätte nein sagen können. Und ja, in der Hinsicht, dass es in dieser Kultur als etwas sehr Erstrebenswertes angesehen wurde und ich deswegen
- vielleicht auch gesagt habe, ja das will ich. - Irgendwann wird die anfängliche Freude über Verantwortung zur Überlastung. Sein Einsatz beim ICF wird neben Beruf und Studium wie zu
- einem zusätzlichen Job. Bis bei einem Ereignis für ihn die Stimmung kippt. Damals habe das ICF ein Sommercamp geplant. - Ich habe aber von Anfang an auch gesagt,
- total coole Idee, mach das gerne, aber ich will da nicht mitkommen. Und als ich dann irgendwann im ICF-Büro war, habe ich dann eben einem anderen Pastor erzählt, ja,
- also ich fahr ja dann in der Zeit, ich bin ja leider auf dem Sommercamp nicht dabei, ich war in derzeit leider im Urlaub. Und dann hat er mich angeguckt und dann meint er so,
- hast du da auch mit deinem Chef drüber geredet? Mit meiner Chefin aus der Arbeit, ich habe darüber gesprochen und ich habe Urlaub eingereicht….nene ich meine deinen Pastor?
- Da habe ich dann schon sehr viel Druck gespürt und da habe ich schon so gemerkt, wow, irgendwas ist hier faul. lso es kann doch nicht sein, dass ich nicht für mich selbst entscheiden kann,
- ob ich in den Urlaub fahre oder nicht. Also ich war da ja nicht angestellt, ich war da einfach freiwillig. - Ich werde mich im Rahmen meiner
- Recherche nicht selbst in eine Leitungsrolle hocharbeiten können, um das zu überprüfen. ABER: Erkenne ich diesen Druck bereits in den Celebrations?
- Tatsächlich, in der heutigen Predigt in München erinnere ich mich an das, was Philipp erzählt hat. Du hast diese Idee okay ne, ich möchte in Kirche mich einbringen letzte Woche vielleicht noch
- gehabt, eine Woche später denkst du dir was für ne doofe Idee, weil irgendwie haut das mit meiner Zeit nicht hin: Gott kann deine Zeit vermehren. Gott kann machen, dass aus dem was du tust mehr
- Outcome rauskommt, so vermehrt er deine Zeit. - Infosekta – die Schweizer Fachstelle für Sektenfragen sieht auch diese Haltung kritisch:
- Auch darüber sprechen wir mit Dr. Matthias Pöhlmann. Ich kann mir vorstellen, dass Menschen einer solchen inneren Druck und einen
- solchen zu einem solchen schrecklichen Erfahrung kommen, weil sie eben permanent gefordert sind, sich zu engagieren für die Sache also mit diesem missionarischen Impetus der immer
- wieder auch verbreitet wird, ist es letztendlich die Vorstellung es ist eigentlich nie genug ich muss noch mehr Menschen erreichen, ich muss mich noch mehr einsetzen gerade dieser Perfektionismus
- kann eben wirklich dann in den Burnout führen. - Uns ist klar: Ehrenamtliche Mitarbeit ist eine wichtige Praxis, auf die andere Glaubensgemeinschaften und Vereine auch bauen.
- Schwierig wird es aber dann, wenn Mitarbeitende Druck verspüren. Das Erlebnis von Phillip können wir nicht überprüfen, das ICF räumt allerdings ein:
- Philipps Fall scheint also nicht der Einzige zu sein. Es hat sich irgendwann in sehr starken diffusen Ängsten manifestiert, Schlafstörungen
- ich konnte nicht mehr schlafen. Er begibt sich in psychotherapeutische Behandlung. Enge Freunde in der Gemeinde supporten ihn zwar, aber...
- Es wurde nicht abgelehnt, dass ich das mache, aber es wurde mit Skepsis betrachtet, in der Hinsicht, dass man es so ein bisschen runter gespielt hat, von wegen, ja, du kannst das schon machen,
- aber erwarte nicht, dass das dir weiterhilft, weil am Ende sind natürlich die Lösungen für dein Leid bei Gott zu finden und nicht bei einer Psychotherapie.
- Philipp entfremdet sich immer mehr von der Gemeinde. Dann kam Corona und ich bin nie wieder ins ICF zurückgekehrt.
- Das ICF schafft vieles, was die Landeskirchen nicht schaffen: Es ist modern, die Gottesdienste fühlen sich an wie Parties und die Gemeinden ziehen weltweit neue, junge Menschen an.
- Wie ich das ICF im Inneren erlebt habe, war für mich weit weniger weltoffen, als es auf den ersten Blick wirkt. Erlebnisse wie das Befreiungsgebet und die ständigen
- Aufrufe zu Spenden und Mitarbeit waren für mich auf jeden Fall bedenklich. So liebe Leute: Und wenn ihr keine PULS Reportage mehr verpassen wollt, dann lasst hier unbedingt
- ein Abo da gern auch die Glocke aktivieren, hier hat Meini mit jungen Katholiken über ihren Glauben gesprochen und hier hat Leah eine junge Frau getroffen, die ihr freiwilliges Ordensjahr im
- Kloster macht. Also wenn ihr euch für Religion interessiert, seid ihr bei uns gut aufgehoben.